Ausgabe 
30.12.1918
 
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Wimmer 305 EilijklMg Montag, de» 30. Dezember 1918

11. Jahrgang«

Oie ...veue La<res,eitnng" erichemt ,evev Ldertia'. Negelmatzige BeilagenSer Bauer aus Hessen",Die HptnrrKrrhe". Oszugspr-iv: Bei ven Poitanftaltrn oierrel?di}riict) Ml. 2.70 hinzu tritt noch Das Bestellgeld: Dei ven ^^enten monatlich. 1.00 Mk. etnlchliehlich Trägerlohn. Anzeigen: cvrunrnelle 2d Big., totale 20 Big.. Anzeigen, von auswarrs nerven durch Bo tnachnabme erhoben. Erfüll,inosor: Nriedbera. Schriftleituna und Deriaq vrlevbem sHeilen». ianauertrage 12. äern'vre.hsr 48. Po'tj Heck. Lono llr. 4359. \nt ^eanifuet a. M.

LösRNK der AsgierungsKrife.

Die seit einigen Tagen bestehende Regierungskrise hat mit dem ^Ausscheiden der unabhängigen Sozialdemokraten Haase, Dittmann und Barth ihre Lösung gesunden.

Berlin, 20. Dez. (W. B.) Der Zentralrat hat in gemeinsamer Sitzung mit der Regierung die Herren Noske, Lobe l Breslau) und Wissel an Stelle der ausscheidenden Unabhängigen bestimmtt

Roske war seit dem Ausbruch der Revolution Gou­verneur in Kiel, Lobe Redakteur der Breslau wVolks­macht" und geniestt in Schlesien allgemeines Vertrauen. Wissel iit ein hervorragender Sozialpolitiker, der zuletzt den Wahlkreis Rieder-Barnim den Unabhängigen in überwältigender Mehrheit entriß.

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Der? Ankens der Regirruny.

Berlin, 29. De,. (W. B.) An das deutsche Valk Wendet sich die Reichsreqierunq mit sorgendem Ausruf, der heute in großen Massen verbreitet wurde:

Arbeiter, Bürger, Soldaten! Die Regierungskrise hat die Lösung gesunden, die das deutsche Volk erwartet hat: Die Unabhängigen sind ausgeschieden. Die Reichs- regierung wird aus den Reihen der Mehrheitsio ialisten ergänzt und, von inneren Hemmungen frei, an die Lö­sung ihrer großen Ausgaben gehen: Die Wahlen zur Nationalversammlung und den Frieden vorzubereiien und bis dahin die Aufrechterhaltung einer freiheitlichen Ordnung sicherzustellen. Die Vertreter der Unabhängigen sind ausgetreten, weil der Zentralrat der deutschen so­zialistischen Republik gegen sie entschieden hat. Der Zentralrat hat erklärt: Die Bolksbeauftragten Ebert, Landsberg und Scheidemann haben lediglich den Auf­trag erteilt, das Nötige zur Befreiung des Genossen Wels zu veranlagen. Das geschah aber auch erst, nach­dem die drei Bolksbeaustragten von dem Führer der Volksmarinedivi ion telephonisch davon in Kenntnis ge­setzt wurden, daß er für das Leben des Genoffen Wels nicht mehr garantieren könne. Das billigt der Zenlral­rat. Rach diesem Schiedsspruch von der höchsten In­stanz. von den Vertrauensleuten sämtlicher Arbeitet- und Soldalemäle Deutsch ands, sind dis Unabhängigen aus der Negierung ausgeschieden. Sie haben sie in einem Augenblik verlassen, da alles in Frage gestellt it: Wastenstillstand, Frieden. Ernährung und Bestand des Reiches, da zum ersten Male vom französischen Bövo t- inäcktiglen General Fach die unzweideutige Aeußerung vorliegt:Mit einer bolschewistischen Regierung ver­handeln mir nickt!" Obwohl viele Stunden an r die Berechtigung der Notwehr bewiese i wurde, in der Ebert, Landsberg und S Heidsmann gehandelt haben, und diese von dem Zenlralrat anerkannt wurde, haben die Un­abhängigen ihren Austritt wieder mit der angebli hen Schuld" der sozialdemokratischen Bolksbeaustragten be­gründet.

Auf die Frage des Zentralrats, ob die Vollsbeaus- tragten bereit feien, die öffentliche Ruhe und Sicherbeit, insbesondere auch das Privat- und öffentliche Eigentum gegen gewalisame Eingriffe zu schützen und mit den ihnen zu Gebote steh.mden Mitteln ihre eigene Acbeits- möglichkeir und die ihrer Organe gegen Gewalttätig­keiten, ganz gleich von welcher Seite zu gewä ^leisten, auf diese Frage haben die Unabhängigen geschwie­gen ! Vor Beantwortung dieser Lebensfrage des deut­schen Volkes haben sie sich gedrückt. Damit haben sie bewiesen, baß sie die erste Pflicht jeder Regierung nicht erfüllen wo en: die Sicherheit innerhalb des Staates zu gewährleisten! Indem die Unabhängigen die Mit­tel zur staatlichen Sicherung ablehnten, erwiesen sie sich als regierungsunfühig. Für uns ist die Revolution keine Patteiparole, sondern das kostbarste Gut des gan­zen schaffenden Vottes. Wir übernehmen ihre Aus­gaben als Beauftragte des Volkes mir dem Schwur: Alles für die Revolution und alles durch die Revo­lution! Aber auch m«t der festesten Absicht, jeoem un- erbtttlich entgegenzutreten, dec aus der Revolution des Volkes den Terror einer Minderheit machen will. Hun- decttaujende demonstrieren heilte für die neue Regie­rung, um den ikrupelloien Mkstbrauchern der Straße zu bewegen, wo dre Mehrheit steht. Auf ihrer Solidari­tät beruht un,er Auftrag und unser Amt. Die Mafien sind unsere Rechtfertigung. Ihr Mlle gibt uns die Kraft zu der Riesenaufgabe. Arbeiter, Bürger, Sol­daten! Mit der Demonstration allein ist es nicht ge­tan. Habt einen Willen und zeigt einen Willen! Dann ist der Abzug der Unabhängigen nichts als die lang­ersehnte Handlungsfreiheit der einheitlich gebildeten Regierung. Keine unfruchtbare Patteizänkerei mehr, sondern einheitliche Arbeit in Eurem Sinn, in republi­

kanischem, pazifistischem und demokratischem Sinne! Hoch die deutsche Volksrepublik!

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Der gestrige Sonntag sah in Berlin große Deinon- strationen. Die Mehrheirssozialdeinokraten brachten, wie es in den Berichten heißt, mehrere hunderttausend Menschen auf die Beine, die in guter Ordnung durch die Straßen zogen. Es wurden leidens haftli he Reden gegen die Störer der Ruhe und Ordnung gehalten.und der AufNieder mit Liebknecht!" ertönte immer wie­der und gab dem Tag sein Gepräge.

Von den sozialdemokratischen Protestversammlungen war besonders stark diejenige im Friedrichshain besucht, wo der von den Unabhängi en und Spartakusleuten besonders gehaßte bisherige Stadtkommandant Wels unter stürmischen Jubel sprach. Er machte aus seinem Herzen keine Mördergrube und erw ihnte u. a., daß der Polizeipräsident Eichhorn, dem die Sicherheit von Berlin anvettraut sei, die St rn gehabt habe, in einer Versammlung gestern zu sagen, es komme nur auf bis Agitation für die Natwnalvstta umlung an: ob diese stattfinden werde, sei eine andere Frage.

Auch die Spartakusleute demonstrierten, sie benutzten die Becdigung der erschossenen Matrosen, um sich zu santmeln. Sie schmähten Hindenburg, an dessen Denk­mal sie ein Feuer anzündeten und sich die Zeit damit vertrieben, denVorwätt-" und Flugblätter der Negie­rung zu verbrennen.

Demokratischer Spaziergang.

Auch die demokratische Partei veranstaltete Demon­strationen. Große Men chenmengen marschierten unter Vorantra mng von schwarz-rot-goldenen Fahnen durch das Stadtinnere. Sehr stark war dabei die Beteiligung der Frauen.

Wrnhen im Deich.

Blutige Z.lfammenstöße in Posen.

Pose.si 23. Dezbr. (W. B.) Ueber die Vorganae in Posen geben diePoiener Neuesten Nachrichten" folgende Meldung: Um Mittemacht war das G'enadier- Regnnenc a rs de n Fel >e einqetroffen. Nachdem am Vormittag eine Ovanon volnischer Schulkinder vor Pad'erewski erfolgt war. wurde eine deuts he Gegen- kundgebung angeregt. In der Wilhelmstraße kam es zu den ersten Zusammenstößen. Die Deutschen sangen Deunchlano, Deutschland über alles", die Polen riesen hoch lebe Polen!" Gleich darauf fiel der erste Schuß. Dann wurden Truppen alanniert, die schnell heranrück­ten. Nun kam es an verschiedenen Stellen der Stadt zu regelrechten Feueckämp en, zum Teil mit Maschinen­gewehren und Handgranaten. Bon deutscher Seite wird zugegeben, daß die deutschen Soldaten durch das Heraushängen von Fahnen feindlicher Mächte, ge en die sie vier Jahre lang gekämpft hatten, aufs höchste gereizt wrren.

Neueren Nachrichten zufolge sind die Polen Herren der Sraöt Posen. Der Vertreter der englischen Mission Sottegs hat Protest gegen das Vorgehen der Deu'.fchen erhoben, als ihm die deutsche Erklärung ungenügend erschien verließen die englischen und polnischen Ver­treter unter Abbruch der Verhandlungen das General- kommando.

VoUchero snrus in Oberschlesien.

Bentheu, 28. Dez. Amtlich wird mitgeteilt, daß auf den Gruben des oberschlestschen Zentralkohlenreoiers reiner Bolschewismus und Anarchismus herrsche. Die Generaldirektoren und Direktoren werden zwangsweise in die Zechenhäuser gebracht und unter Bedrohung zu Unterschriften gezwungen. Wenn die Negierung wcht sofort schärfste Maßnahmen ergreift und militärische Hilfe senket, besteht die Gefahr der Stillegung der ober- schlesischen Gruben und damit der Zusammenbruch des ganzen Wirtschaftslebens. Die Zahl der Ausständigen erhöhte sich wieder. Heute streiken die GrubenHedwigs- wunsch",Ludwigsglück",Dubenske Preußen",Caftel- lego" undBrandenburg Friedensgrube".

Die GrubeSchlesien" wurde gestürmt, und die Direktion mit Gewalt in's Zuchthaus geschleppt, wo sie gezwungen wurde, jedem Arbeiter 800 Mark Zulage zu versprechen, die bei der nächsten Löhnung ausgezahlt werden sollen. Das würde für den oberschlesischen Kohlenbergbau eine Belastung von 80 Millionen Mark bedeuten. Wahrend der Kravalle wurden Hochrufe auf Liebknecht und der Luxemburg ausgebracht. Wenn nicht unverzüglich regierungstreue Truppen in den 2n- dustriebezirk geschickt werden, so ist in den nächsten Ta­gen mit der Lahmlegung aller Betriebe durch den klei­nen bolschewistischen Teil der Belegschaft, der die ande­ren Arbeiter terrorisiert» zu rechnen.

Schuh gegen die Tschechen.

Dresden, 29. Dez. Sachsen zieht an der Grenze starke Truppenmassen zum Schutz gegen einen etwaigen Lschecho-slowakischen Einsall zusammen.

Anstand.

Wilson in England.

London, 27. Dez. (WB) Router. In Dover wurde Wilson vom Herzog von Cannaurcht und dem Bolschoster Davis empfangen. Aui dem Bahnhof verlas der Bürger» rneister von Dover eine Willkommenadresse. Darauf and woriete der Präsident. Wir bab"n oerrciii'am lehr ernste Zeiten dnrckgemackt und können un§ deshalb als Hanrrraden und Bundesgenossen bsn-ackten. da nichts so sehr die Aten- scheu einander näher bringt wie gemeinsames "Verständnis und gemeinsame Ziele. Ich glaube, daß wir trotz aller schicklichen Leiden und Opfer dieses Krieges eines Tages, wenn wir aus ge zur,'ckb-licken, einiehen werden, daß sie frer Mübe wert tror^n; nickt nur wegen der Sicherheit, die si< der Welt gegenüber vor einem ungerechten Angnfs gaben, 'andern anck wea^n des Einverständnisses, das sie zwischen den großen Nationen zur dauernden Erbaltung des Neckts schufen. Es gewährt mir deshalb eine ganz besondere Be- sriedf^ung hier zu weilen, es wird mir damit Gp'en"n^eil geaehen meinen Geist mit denr Geist derjenigen zu r»er. einigen, die dieselbe Absickt haben, bei der großen Bejleaung des Kampfes das Veste zu tun. was getan werden kann.

London. 20. Dez. (WB.) Wilson wurde nack seiner Ankunft von der Bevölkerung in buntbeflaggten Straßen lebhatt bearülrt und begab sich dann rnjt d m ! ön'a und > em Herzog nun Ennnaupht in Bealeitung des Hofes, zum Buckingham-Palast. Nach halbstündigen Begrüßungsrufo« der vor dem Palast versammelten Menge erschien Wi'wn enrf dem Balkon, »maeben von dem ^onig der Köniain, Frau Wilson, der Prinzessin Mary und Herzog von Connaual?t und dankte der Londoner Bevölkerung kür ihren Empfang

London, 26 Dez. (WB ) R'uter. Biscount Grev wird an der Spitze einer Abordnimg des Pereins für fan Rölk"r- lund vom Präsidenten Wilson am Sonntag vo-'nütma in der amerikanischen Botschaft enipiengen Zu der Abordnung werden gebären- Bi^connt Brioe. Meneral Smuts und Profeffor <^ttbett Murrav.

Frankreichs Verluste.

Paris, 20. Dez. tWB.) Havas. In der Kammei gav der Untetttaatssek^otär Abrami im Lause der Besprechung des Oiesetzes über die Pensionen folgendes Bitd der fran­zösischen Verluste bis tum 3. November 1918: Die OMmnt- Ziffer der Gefallenen. Gegangenen und Vermißter, beträgt 12000 Dffiz-ere «nd 1^68 000 Mannschaften: gefallen sind 31 300 Cffi 5 Tf-t\ 1 010 000 Monnsckasten- vermißt sind 3000 Offizierr^ 3)1 000 Mann: die Zahl der lebenden Gefangenen beträgt 8300 Offiziere, 438 Mannschaften.

Gegk-n die Bosichewiki.

Ancsterdam 27. Der. (WB.) Die russische Gesandt-- stbast im Haag hat von der russiscl?en Regierung in die telegraph'ttck-e Nackricht erhalten, daß die Arnree dieser Regiernng den bolschewistischen Truppen an der Frcknt von Iekaterinbnrg eine ernsre Niederlage zugesügt hat. Die Bolschewisten ziehen sick in großer Unordnung aut die Madt Perm zurück. Glrickzeitia erfuhr die Gesandtschaft ou-. ^e- katerinordar daß die süd''U^siscl>e Freiwilligenarinee unter dem Befehl des Generals Denisin die Diktatur des Füh° rers der allrussischen Negierung in Omsk, des Admiral? ^oltl'cbak. anerkannt hat. Man bat sick auf folgendes ge» einigt- 1. Wiederherstellung eines einigen, unteilbaren ruf- stfch?en Neickes unter einer Zentralregierung, die den Pro­vinzen ein weites Maß von Selbstverwaltung ein räumen wil^ auf Grund ethnograpbifcher und historischer Anspruch«. 2 Entschlossener Kamvf gogen die bolschewistischen Einrich­tungen bis Zn ihrer vollständigen Vernichtung. 3. Enge- imlitärischtes Zusammengehen zwischen der Freiivilligen- armee des Genrals D«nikin und d«r Armee der allrussischen Negierung in Omsk.

Die Mnckensenarmee.

Budapest. 27. De,. (WB.) Drei «rotze Spitalzüpe der in Foth internietten Mackensen-Armee wurden auf Befehl der Entente bei Preßburg ausgehalten. Man wollte die verwundeten und kranken Soldaten unter der Kontrolle der französischen Militärmijsion in un­garischen Spitälern internieren. Da sich aber in den Spitalzügen zumeist Schwerkranke befanden, die um jeden Preis in ihre Heimat wollten,^ trat die ungarischa Regierung bei der französischen Mission mit Erfolg für die Weiterleüuna der deutschen Spitalzüge ein.