Ausgabe 
28.12.1918
 
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strafe von 10.000 Mk. verhangen, weil ein französischer Spahi angegriffen.worden war. Ein Mann der einen französischen Kor-poral. unvorsichtiger Weise mit einem Stein getroffen hatte, erhielt 5 Jahre Zuchthaus.

Irr mii'klkröu'g k\ Ifinrn Fttlniden.

20. Dez. (WTB.) Nach einer Havas- meldun.q traf der König von Italien am Nachmittag, k'-cglci et vom Herzog von Piemont und den Ministern Oiiaw-o und Sonnino, ein. Pomcarä und Elemen-. ceau empfingen sie auf dem Bahnbof und begleiteten sie unter den Zurufen einer dichtgedrängten Menge zum Ministerium des Aeutzern. Am Abend besuchte der '?g mit dem Herzog von Piemont den Präsidenten Wilson und sodann den Präsidenten Poincarö. Es folgte dann ein Festabend Lei Poincare, woran alle politischen Persönlichkeiten, die sich in Paris befinden, reilnahmen. Bei dem Essen brachte Poincare einen Toast aus den 'König aus und gedachte des Gegensatzes zu jenen Tagen, da Italien den Franosen habe Trup­pen senden muffen, und den jetzt erreichten Erfolgen, un) w es dann aus die italienische Politik hin, die sich schon im Jahre 1902 endgültig vom Dreibund .abge­wendet habe und Frankreich die Vcrsi bcr ng nab, daß Italic» an keinem Angriff auf Fra '-.ln'ich leilnehmen rvün e- Italien habe sein Wort gebalten und damit der franZö'ischen Regierung ermöglicht, die besonders tüchtigen Alpcntruppen bei Kriegsanfang an die deutsche Front-zu werfen.

Poincare fuhr laut Havasmeldung in seinem Toast fort, daß Italien entsprechend seiner bis dahin ver­folgten Politik trotz der verlockenden Angebote Oester­reich-Ungarns 9 Monate nach Kriegsausbruch an die Seite Frankreichs trat. Der Erfolg der darauffolgenden Kämpfe, Mühen und Entbehrungen fei die Einigung des ganzen italienischen Volkes unter dem erhabenen Hause Savoyen. Diese Größe Italiens sei größtenteils dem unmittelbaren persönlichen Eingreifen des Königs zu verdanken, welcher die alten politischen Verbindungen Italiens gelöst habe. Frankreich und Italien, die durch Abstammung und Kultur zufammengeboren wür­den nun auch durch die Waffenbrüderschaft sür immer verbunden sein. Sie seien Verbündete im Kriege ge­wesen und wollten nun auch im Frieden Verbündete durch Gejühl und Ueberzeuguug bleiben.

Aus den Toaü des Präsidenten Poincar6 antwortete der König von Italien mit seinem Dank sür den Em­pfang und nannte die von dem Präsidenten betonte Verbindung zwischen Frankreich und Italien einen neuen , Beweis für die Unsterblichkeit der alten ruhmvollen la­teinischen Raffe. Die Sonne des Sieges leucktet über der Erfüllung der Hoffnungen Frankreichs und Italiens, der Wiederkehr der einst Frankreich durch preußische Ge­walt entrissenen geheiligten Gebiete an den Busen des Mutterlandes. der Gewinnung der natürlichen Schutz­wehren für Italien, des. alten Walles und des Adriati- Lifchen Meeres. Dem Zusammenwirken beider Länder im Kriege soll ein friedliches Zusammenarbeiten folgen, in gegenseitiger Achtung und wertvoller gegenseitiger Unterstützung. Bei dem Rachmütagsbesuch des Königs im Elyfe hat Präsident Poincare dem König die 'Korporalfangschnur des 3. Zuavenregiments überreicht.

Joffes reiche Mittel. 22 Mlljlrnks bei Men-klsjohn.

Die Hermann* teilt mit:

Ein offener Funkspruch der Moskauer Regierung er­hebt Anspruch auf die Herausgabe von 22 Millionen, die bei Mendelssohn durch dis frühere Vertretung der Sowjet- '-lg'erung deponiert sind. Durch diesen Funkspruch wird bestätigt, daß Joffe in Berlin außerordentlich große Geld­mittel zur Verfügung standen. Es ist leicht zu erraten, wel­chem Zwecke diese dienen sollten. Hat doch Herr Joffe in einem bekannten Funkspruch an den Volksbeauftragten Haase seiner Genugtuung darüber Ausdruck gegeben, zum Siege der deutschen Revolution nach Kräften mitgewirkt zu haben, indem er Geld zur Beschaffung von Waffen gab."

An das Mitglied der Reichsregierung Hugo Haase ist nach derVoss. Ztg." folgender Funkspruch des früheren Ver­treters der Sowjetregierung in Berlin, Joffe, aus Moskau vom 5. Dezember eingetrosten.

Auf die Beschuldigung des W. T. V., die frühere Ver­tretung der Cowjetregierung inVerlin habe nicht nur dieVer- breitung bolschewistischer Provagandaschnften in Deutsch­land, sondern auch die Beschaffung von Waffen angelegen sein lassen, bitte ich festzustellen, daß diese Propaganda­schriften durch Vermittelung der unabhängigen sozialdemo­kratischen Partei verbreitet, wurden. Was den Ankauf von Waffen anbelangt so ist die in der erwähnten Meldung an- geführte Zahl von insgesamt 159 Mauserpistolen, 28 Brow­ning- und Parabellumpistolen nebst etwa 27 000 Patronen nicht richtig. Die angeführten Waffen waren nur zur Aus­fuhr nach Rußland bestimmt. Tie Zahl der angekauften und dem jetzigen Minister Barth übergebenen Waffen ist. wie Sie wissen, viel höher. Auch entspricht die ungefähre Gesamtsumme der Gelder nickst den Tatsachen. Herrn Barth sind seinerzeit zum Zwecke der Beschaffung von Waffen nicht 105 000 Mark übergeben worden, sondern mehrere hundert­tausend Mark. Indem iS das feststellen möchte, rühme ich mich, durch diese meine Tätigkeit, die im Einverständnis mit den unabhängigen Ministern Haase, Barth uub ande­ren geschah, auch für meine Person zum Siege der deutschen Revolution nach Kräften mitgewirkt zu haben. Joffe.

' Wie Mn für die chMgldalen forgt.

Die Entlassungsanziige verschleudert.

Der zur Wahrnehmung der Interessen der Sol- daten berufene Dollzugsrat sieht sich zu folgender Ban­kerotterklärung der bisher getriebenen Wirtschaft ge- nöligt:

^ Kameraden! Jedem am 9. November 1918 und später aus dem Heere ausscheidenden Unteroffizier und Mann sollte-unentgeltlich ein Entlassungsanzug mitgegeben werden. Durch Eingriffe und Beschlag­nahme Unberufener, durch Plünderung und unbe­rechtigten Verkauf in den Tagen nach der Revolution sind die Kammerbestände und Vekleidungslager voll­ständig geleert. Reue Anzüge muffen erst wieder ängefertigt werden. Ihre Herstellung kostet Zeit. Es wird alles darangesetzt werden, sie rasch bereitzu- stellen. Soweit neuer Vorrat da ist, wird zunächst das Feldheer versorgt werden. Das Heimatheer wird sich mit den Sachen begnügen müssen, die es

Der gute Kamerad.

Original-Roman von Lola Stein.

. Nachdruck verboten.

Asta Wolfram kam vom Spaziergang heim. Sie hatte sich mit ihrer Freundin verplaudert und sah nun mit leisem Erschrecken, wie spät ^es schon war. Die Tante liebte es nicht, mit dem Essen zu warten.

So, wie sie von der Straße kam, in ihrem hellen duftigen So-.merkleid und dem großen Dlumenhut, trat sie ins Wohnzimmer, gefolgt von Freia, der irischen Setterhündin,' die sie auf ihrem Ausgang begleitet hatte. Die Tante fast auf der mit wildem Wein und Blumen reizvoll geschmückten Loggia. Sie hielt eine feine Hand­arbeit in den Händen, aber sie arbeitete nicht. Ihre schönen Augen in dem blassen, leidend erscheinenden Gesicht blickten ewarlungsvoll und ein wenig unruhig auf die Straße.

Asta trat zu ihr heran und legte einen Strauß langgestielter Rosen in ihren Schoß.

Du wartest doch nicht auf mich, Tantchen?"

Nein, Kindchen, denn Jost ist, w'edec einmal un­pünktlich," sagte Frau Wolfram mit einem leichten Seufzer.Wo steckt der Junge jetzt nur immer? Ich habe ins Bureau telephoniert, aber da hieß es, Herr Wolfram sei bereits um 4 Uhr fortgegangen. Hast du Hunger, Asta, wollen wir essen?"

Ohne Jost?" fragte das junge Mädchen verwun­dert.Rein, Tantchen, meinetwegen gewiß nicht. Er wird wohl gleich kommen. Ich will nur schnell ablegen, dann komme ich wieder zu dir."

Frau Wolfram reichte ihr die Blumen.Die schönen Rosen! Wie du mich verwönst, Kindchen! Stelle sie auf'den Tisch ins Eßzimmer."

Das junge Mädchen nahm den Strauß, nickte der Tante zu und ging in pen hinteren Teil der geräumigen Wohnung, in der ihre beiden großen und sehr elegant ringerichteien Zimmer lagen, an die eine kleine Stube grenfte, die ihre Zofe bewohnte. Denn den Luxus eines eigenen Mädchens zu ihrer Bedienung gönnte sich Asta Woftram, die künjlige Besitzerin von zwei Mil­lionen. wahrend sie sich sonst in allem dem gutbmger-

lichen, aber durchaus nicht luxuriösen Haushalt ihrer Tante angepaßt hatte, als sie vor drei Jahren zu ihr und ihrem Sohne gezogen war und bei ihnen die Hei­mat gesunden hatte, die sie seit ihrer frühesten Jugend entbehrt.

Asta hatte ihre Mutter niemals gekannt. Bei der Gehurt des ersten Kindes war sie gestorben. So wuchs das kleine Mädchen denn ohne Mutterliebe heran. Als es zehn Jahre alt war, verlor es auch den Vater. Vis zu ihrem sechszehnten Jahre lebte Asta in Pensionaten, zuerst in Deutschland, später in d»r Schweiz. Sie lernte viel und mit großer Freude, sie war' lustig mit den anderen lustigen Mädchen, aber wenn ihre Freundinnen in den Ferien nach Hause reisten und sie' stets in der Pension zmückbneb, dann senkte sich eine tiefe Trauer in ihr Herz, und ein Gefühl grenzenloser Verlassenheit machte sie verzagt.

Sie besaß keine nahen Verwandten. Nur einige Vettern ihres verstorbenen Vaters lebten, und diese lyden das elternlose Kind zuweilen in den Ferien zu sich ein. Zu ihnen zählte auch der Bankier Wolfram, der in Berlin wohnte und zu den näheren Freunden von Aflas Vater gehört hatte. Asta fühlte sich wohl in seinem Hause wie bei keinem der übrigen Verwandten, innig schloß das Kind sich an den um zehn Jahre älteren Vetter Jost an, der zuerst über das kleine Mädel- chen hinwegsah, der dann aber bald merkte, daß Asta trotz ihrer Jugend ein kluger und verständiger kleiner Kamerad sür ihn sein konnte. Von ihm ging auch zu­erst der Gedanke aus, der Heimatlosen eine dauernde Stätte im Elternhause anzubieten.

Josts Vater war plötzlich gestorben, die zarte und stets etwas leidende Mutier fühlte sich trostlos einsam und allein. Da meinte Jost, daß es gut sein würde, Las Haus mit jungem und lachendem Leben zu erfüllen und er fragte die Mutter, ob sie wohl Lust hätte, die kleine Asta, die jetzt sechszehn Jahre war, sür längere Zeit zu sich zu nehmen. Frau Wolfram gesiel der Vor­schlag ihres Sohnes, ja, so ein frisches Liebes Ding würde ihre einsamen Tage beleben und sie aus andere Gedanken bringen. Aber würde dem reichen Mädchen

bereits hat. Sie sind durchschnittlich nicht so ver­braucht wie die Anzüge des Feldheeres. Wer künf­tig einen besseren Anzug erhält, muß den alten un­bedingt zurückgeben; er wird dringend zur Herstellung weiterer Entlassungsan-üge gebraucht. Kameraden! Wir bitten euch: würdigt die Lage, die nicht durch uns verschuldet ist. Habt Geduld und Vertrauen! Seid maßvoll in euren Ansprüchen? Sorgt für Rück­lieferung unrechtmäßig zurückgehaltener Bekleidung! Schützt die Kammerbestände, hindert den Verkauf und die Verschleuderung.

Nicht durch uns verschuldet" ist eine etwas schön- färberische Ausdrucksweise. Aehnliche Plünderungen und Verschleuderungen sind nun an allen Ecken und Enden des Reiches vollzogen. Man "könnte dem Voll­zugsrate noch eine Menge Beschwerden der Frontsol­daten sagen, an denen die allgemeine verständnislose Mißwirtschaft, sür die er die Mitverantwortung trägt, schuld ist. Es brauchte z. V. nur einmal untersucht zu werden, ob die bisherigen Maßnahmen des neuen Re­gimes die Beschaffung von Arbeitsgelegenheit für die rückkehrenden Frontsoldaten erleichtert, oder ob sie sie nicht vielmehr ganz erheblich erschwert haben.

Zn den Wahlen.

Gießen, 22. Dezbr. Zu einer gewaltigen Kund» gebung für die deutschnationale Volkspartei gestaltete sich die am vorigen Freitag Abend von der hiesigen Ortsgruppe einberufenen öffentlichen Versammlung. Der allein über 800 Sitzplätze fassende Raum des Stadt-' theaters war schon lange vor Beginn der Versammlung bis auf den letzten Platz besetzt. Viele mußten stehen, wohl viele Hunderte umkehren.

Oberpostsekretär Kohlhase begrüßte die Erschiene­nen. gedachte dem siegreichen Heere und beklagte den Zusammenbruch unseres deuischen Vaterlandes. Er erörterte dann das Parteiprogramm der deutschnatio­nalen Volkspartei und forderte die Anwesenden aus in diese einzutreten.

Geh. Rat Gisevius legte in eingehender Weife klar, daß es bei der neuen Staatsform über die die Nationalversammlung zu entscheiden habe nickt auf die Form, sondern auf den Inhalt anläme. Verstaatlichung von Grund und Boden sei ein Verderben sür uns. Freiheit für. den Landmann müsse gestärkt und vor allem der Landhunger befriedigt werden. Achtstunden­tag sei sür die Landwirtschaft ein Unding.

In meisterhafter Weise verstand es Pfarrer Fritsch von Ruppertsburg seine Zuhörer zu fesseln. Seine Ausführungen wurden öfters durch großen Beifall unter­brochen. In scharfen Worten wandte er sich gegen Frankfurter Zeitung" undBerliner Tageblatt", gegen die rote und goldene Internationale. Heitere Züsmn- mung fand er, als er in ironischer Weise über Rosa Luxenburg, Liebknecht, Kurt Eisner und den konjessions- losen preußisck)en Kultusminister, den Zehngebote-Hof- mann, loszog.

Geh. Rat Haupt betonte als früherer Freisinniger, daß auch er in der Lage wäre, das Programm der deutschnationalen Volkspartei zu unterschreiben. Viele haben sich von der fortschrittlichen Voltspartei getrennt weil sie immer mehr in ein Abhängigkeitsverhältnis zur Sozialdemokratie gerate. So habe man sogar vielen

ihr einfacher Haushalt auf die Dauer genügen? Sie hatte Bedenken.

Jost zerstreute sie. Asta hatte zwar in sehr guten und teuren Pensionaten gelebt, war aber dennoch nicht sonderlich verwöhnt, war sie doch mit den anderen weniger wohlhabenden Mädchen vollkommen gleichge­stellt in allen Dingen gewesen. Und. weun sie auch später einmal sehr reich sein würde, vorläufig besaß sie doch nichts weiter als eine reichliche Rente, die ihr zwar ein sehr gutes, jedoch kein direkt luxuriöses und ver­schwenderisches Leben erlaubte.

Astas Vater hatte die verderbliche Mackt des Reich­tums für sein junges Kind gefürchtet, das er allein und schutzlos zurückließ. Asta sollte keine Verschwenderin werden, sie sollte nicht vergeuden und im Uebermute der Jugend vielleicht verteilen, was ec ihr vermachte. Noch mehr als eigenen Leichtsinn seines Kindes fürch­tete der Vater den Einfluß fremder, gewinnsüchtiger, vielleicht auch schlechter Menschen, die das junge uner­fahrene Mädchen beeinflussen, ausnutzen und betrügen könnten. Wohl würde Asta immer ein Vormund zur Seile stehen, er selbst wählte einen seiner besten Freunde, einen tüchtigen und gewissenhaften Rechtsanwalt aus, aber er konnte doch sterben oder krank werden und ein anderer vielleicht weniger gewissenhafter Mann an seine Stelle treten. Astas Vater, der wußte, daß die Krank­heit, die ihn quälte, eine tödliche war, dachte an alle Möglichkeiten, die seinem armen kleinen Mädchen, das er allein zurücklassen mußte, drohen konnten. Und so bestimmte er denn, daß Asta bis zum vollendeten ein­undzwanzigsten Jahre eine bedeutende Rente gehören sollte, während die übrigen Zinsen ihres Vermögens dem Kapital beigefügt werden sollten. So glaubte er sernes Kindes Zukunft, so gut er es vermochte, gesichert zu haben. Wenn Asta einundzwanzig Jahre war, würde es wohl auch nicht lange mehr dauern, bis u)f° ein Galle zur Seite stand. Sollte sie sich früher ver­mählen, so stand ihrem Manne an des Vormundes Stelle und mit ihm dann auch Asta ein Verjügungs- recht über ihr Vermögen zu.

Fortsetzung fcSrt