Ausgabe 
21.12.1918
 
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fuqre il s°: Ein besonderes Bestehen der A.- und T.- Räte wurde den absolut sicheren Untergang von Handel und Industrie, den Ruin des Reiches und unabsehbaren Schaden für das Volk bringen. (Beifall.) Wir be­danken uns für die Ueberttogung russischer Zustände. Es würde bei uns noch viel schlimmer kommen als in Nutzland, weil es in Deutschland viel mehr zu zerstören gibt. Wir wollen keine Diktatur, sondern die Demo- kraue. Freilich, wenn noch recht lange so gewirtschastet wird, wie jetzt in Berlin, dann besteht die Möglichkeit, daß e Wauen gegen uns aussalien. Aber Berlin ist >tt-mliü erweise nicht Deutschland. (Demonstrativer Beffa .) Uetrigens sind auch in Berlin diejenigen, die die Wahlen verj reden wollen, rn der Minderheit. Nur machen sie mehr Spektakel. Wir bedanken uns für die täglichen Spazierfahilen mit Maschinengewehren. Wu wo .en Leinen Bürgerkrieg, wir wo.len Arbeit. Frieden und Brot unserem Volk -sichern und damit auch die Er­rungenschaften der Nevolution. lStürmisärer Beifall.) Telegramme aus der Ukraine und der Krim sowie von den internierten Kameraden der Armee Mackensen ver- ian m die schleunige Einberufung des Nauonalver- sammlung. (Lebhaster Be»,'all.)

Ein Antra r der Unabhängigen, den Wahltermin aus den 16. Äkarz anzujetzen, wird gegen etwa bO St in.men abgelehnt, gegen eine etwas größere Minder­heit a.ra; die Bestimmung des Wahlgesetzes, wonach am 6. Februar gewählt werden soll. Der Antrag des Reserekuen Cohen, die Wahl am 19. Januar vorzu- nehmen. wird mit 100 gegen etwa 50 Stimmen an>te- nomnien. Ebenso wird eia Amrag angenommen, die Wayljreihert zu sichern.

fHc Nerforgunst Drritschliinds.

Merlin. 19. Dez. (W. B.) In der heutigen Boll- sichuug der Waffenftillstandskömmijsion in Spaa würben deustü csieits Anfragen über Deutschlands Versorgung mil Lebensmitteln gestellt. Tie deutschen Delegierten ersuch.en um baldige Mitteilung, wann und an wel­chem i~ rte Verhandlungen über diese im Waffensiill- standsabkommen in Aussicht genommene Versorgung Deurrch.lands mit Lebensmitteln beginnen tonnten. General Rudam erklärte, daß diese Angelegenheit nicht die internationale Waffenstillstandskommiffion, sondern lediglich die Negierung betreffe, jedoch erklärte er sich damit einverstanden, die deutsche Anfrage den alliierten Regierungen zu übermitteln, um deren Antwort herbei- zusühren. Im übrigen beschränkten sich tue Verhand­lungen auf die Uebeneichung von Roten. Entgegen anders Lautenden Nachrichten befindet sich tein Teil der deutschen Waffenstillftandskon Mission mehr rn Trrer, sodatz die Adressierung von Postsachen für die Wassen- stiüständskommijjion nach Trrer nicht mehr in Betracht tomart.

Das bnrflcrtiche Recht.

Berlin. 17.'Dezeinber (W. B.) Vielfach wird an­genommen, die durch die Revolution hervorgerusene verändere Lage habe ohne weiteres aus wirtschaftlichem Gebiet eine Veränderung der prioatrechtlichen Bezie­hungen zur Folge und bilde insbesondere altein schon einen rechtlichen Grund zur Aushebung von Lieserungs- venräeeu, die vor der Revolu.ion abgeschlossen worden sind. Demgegenüber wild darauf hingewiesen, dag das bürgerl'.che Recht unverändert in Kraft bleibt, soweit es nicht durch Verordnungen der Regierung oder ron dieser ermächtigten amtlichen Stellen ausdrücklich aufgehoben oder abgeändert iit.

gez.: Ebert, Haase. Rat der Volksbeauftragten. Reichsämt für wirtschasil. Demobilmachung, gez.: K ö t h.

Aristand.

Anarchie in Portugal.

Haag. "8. De^z. (W. V.) DerTelegraaf" halt ein Eingreifen Frankreichs und Eng'ands bei weiteren Unruhen in Portugal für unvermeidlich, da diese Anar­chie in Portugal und Spanien nicht dulden könnten.

Li fnLon, 16. Dezor. (W. B.) Reutermeldung. Admiral Canto Castro wurde mit 137 Stimmen zum Präsidenten der Republik gemacht. Castro bekleidet dre Stelle nur provisorisch.

Die serbischen Verluste.

Bern, 17. Dez. (W. V.) Wie derProgres de Lyon" aus Belgrad meldet, lat Serbien nach einem amtlichen Bericht des Kriegsrmnisteriums durch Krank­te t und Verwundung insgesamt 332000 Tote zu ver­zeichnen.

Die Toten Frankreichs.

G.rn, 17. Dez. (W. V.) Der ^Information" zu­folge. tett: Tardicu mit, daß Frankreich im Kriege 13.60000 To.e gehabt hat.

Schridemantt Lernt mir.

Ja einer der letzten Versammlungen, die in Berlin die -lot'ehrherrssozalöemokratie abgehalten hat. hielt ScheiSemann eine Rede, dir wegen der Schärfe, mit der er den Liebkneastschen Bolschewismus behandelte, Beachtung verdient. Scheidemann ging davon aus, dag schon am Tage nach der Revolution innerhalb der sozialMschen Parteien von Verrälerei geredet wurde und dag ach: Tage nachher die Mehrheitssozialisten bereits Blurhuade und Mörder hießen; führte dann u. a. aus'

Die Gefahren, vre von recyrs vroyen, gnv em Kinderspiel gegen die Gefahren, die von links drohen. Wir wären ja eine Nation von Hundeseelen, wen^ wir uns so etwas aus die Dauer gefallen ließen. (Stürmischer Beifall.) Wer ick denn schuld daran, wenn es in den Straßen Berlins zum Blutvergießen kommt? Was muß das für 'einen Eindruck machen, wenn Demonstrationen mit Maschinengewehren vor unserem Hause ausfahren und ein verrückter Kerl schreit: Wir könnten die ganze Bude ausräuchern, wenn wir wollten! (Liebknechts Worte vor dem Reichskanzler- Haus.) ..Das läßt sich keiner gefallen." Ich bin für meine Person entschsoffen, es mir nicht gefallen zu lassen.

Wir haben ein freiwilliges Volksheer geschaffen. (Zuruse: Weiße Gcutu!) Oh nein, eine Weiße Garde brauchen wir nicht erst zu rufen, wir könnten sie jeden Tag zu Zehnlaufcnden haben. Wir haben ein Volks­heer auf den wahrhaft demokratischen Grundsätzen errichtet, das zunächst aus 10000 Mann berechnet ist. And es sollen nur Soldaten sein, die Frontdienst ge­leistet haben, denn wir wollen Leute haben, die, wenns nötig wird, es einem hinter die Ohren geben, daß er an die Wand fliegt. (Lebhafte Zustimmung)

Dieses Völkshcer soll die Entwaffnung der Zivi­listen durchsetzen heute, wo nicht nur Männer sondern schon Lausejungens mit dem Schi ßbrügel herumlaufen. Alles Heeresgerät muß von Prtoa-leuten zurückgegeben werden. Wenn wir i am ein freiwilliges Volks Heer haben, schätze ich die Gefahr der Gegenrevolution sehr niedrig ein. Glauben Sre. daß es unter den Rechts­stehenden jemandem im Ernst einsallen könnte, den Kai er aus Holland zu Horen? (Zuruf: Heydebrandt!) O nein. Heydebrandt ist ein viel zu kluger Mann dazu. Ich habe niemals allzuviel Zutrauen zum Kaiser gehabt. Ich habe ihm sehr ern te Dinge gefügt, wie er hier war, aber ich verstu te darauf, ihn jetzt zu be­ impfen. (Beifall.) And für so dumm halte ich ihn leinesfills, daß er die Zeit so verkennen sollte, um einen Versuch zur Rückkehr zu machen. Diese Gefahr ist gleich null einzuschätzen. Das, was unser unglück­liches Land in den Bürgerkrieg hinerntreiben könnte, ist nur die Gefahr von links.

Verschieden cs.

Ein Richter über Schleichhandelsöekämpfimg.

Auf der einen Seite will man aufrichtig den Schleich­handel und das Hamsterunwesen bekämpfen, aus der anderen Seite sagt ein Gnadenerlaß hinter dem anderen her. sagt ein bayerischer Richter in denMünch. N.Nachr." Stellt man die strairechtlrche Bekämpfung der Wirkung der Gnadenerlasse gegenüber, so muß man feftstellcn, daß diese Methode zum Zusammenbruch unserer Ernäh rungswirtschast binnen kürzester Zeit führen muß. Bei der Bevölkerung ist die Furcht vor der Strafe geschwun« dem Jeder Mensch weiß im jetzigen Zeitalter der Amnestie, daß die Strafe auf dem Papier steht. Man verschleppt den Strafvollzug, was bei der Einrichtung des Begnadigungs- und Strasaufschubsverfahrens nicht schwer fällt, um nach einiger Zeit glücklich unter eine Amnestie zu ja! en. Zurzeit erwartet man eine Frie- densamnestie, wenn nicht vorher eine Weihnachtsam- nestie.

Schweizer Hilfe für Wien.

Bern, 18. Dezember. (Schweiz. Depesch.-Agentur.) In der heutigen Rachmiktagssitzung des Nationalrutes begründete Jäger aus Baden seinen von über 40 Mit­gliedern des Rates eingereichten Antrag, der den Bun­desrat ouffordert. Vorkehrungen zu treffen, um dem Hungerelend in Wien Enthalt zu tun durch direkte Zu­weisung von Lebensmitteln aus der Schweiz, sowie durch Anrufung der Hilfe der Entente und Amerikas. Michel- Genf unterstützte im Namen des Noten Kreuzes sowie des Kantons Genf die warmherzigem Worte Jagers, Bertoni-Teffin unterstützte den Antrag im Namen der Teffiner Deputation, v. Streng-Thurg dankte dem An­tragsteller für die Anregung und betonte, daß das hu­manitäre Werk doppelt geboren sei der Stadt gegenüber, die das Bollwerk der Christenheit war. Bundrspräsident Callonder betonte, daß die Schilderung der Notlage Wiens leider den Tatsachen entspreche.

Ein Rauözug in Berlin.

Berlin, 18. Dezember. In einer Bonbon-Kocherei in der Friedrichstraße erschienen gestern sechs Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr und beschlagnahmten 35 Pfund Pfefferkuchen, 3 Pfund Butter, 19 Pfund . Fleisch, 20 Pfund Mehl, 3 Pfund Wolle und einen Revolver. Sie erklärten, im Aufträge des Soldaten­rates der republikanischen Soldatenwehr zu kommen, und hinterließen eine natürlich wertlose Quittung.

Die Zahl der gefallenen Offiziere.

Berlin, 18. Dezbr. Nach amtlichen Feststellungen sind im Kriege 58500 Offiziere gefallen. Die Zahl der verwunderen, erkrankten, erblindeten und siechen deut­schen Offiziere übersteigt die Summe von 200000. Unter den letzteren befinden sich Offiziere, die ^nehr als fünf­mal verwundet worden sind.

Nie die |?fno!«tiön vsrbnnltt wurde

darüber sprach am Dienstag Ledebour in der Reichs- konferenz der Arbeiter- und Soldatenräte. Er wandte sich scharf gegen die Bolksbeauftragten und wirft ihnen böswillige Verschleierung gegenüber dem Vollzugsrat vor. denn sie hätten noch rn der Nacht vor der Ber- eidiguna der Truppen in Steglitz biefe Vereidigung in

einer Zufammemunrr verschwiegen. "Jim jo yabe

des früheren Monarchen getreten! (Unruhe.) Darm liegt eine Begünstigung der Gegenrevolution. (Unruhe) Die bürgerliche Gesellschaft sieht in Eben un;- jeineit Freunden die Schutztruppe der Grgenr.valurion. ' iZu­rufe: Dittmann!) Auch Dittmanu haben mir nie! vor- zuwersen. Schon seit Mitte 1916 dauert das Be­streben, einiger Vorkämpfer der So i.iloemoüatte. durch eine Revolution die nichtswü diae Verbrechergestlff aft zu stür .en. Wie sind wir verhöhnt worden von Leuten, die jetzt die Früchte der Revolution geniehenk Der Entschluß von 1916 verstärkte sich nach dem Ianuer­streik von 1913. Nach diesem Streik retfre der Ent­schluß, wenn es noch einmal losginge, dann ganze Arbeit zu machen. Alle Vorbereitungen wurden ge­troffen und besonders haben sich Vatth, Weg mann, Ecker, Däumig und andere VoUzugsrannitgkiedSL um' die Sache verdient gema ck. Es fragte sich immer nur. wann losgeschlagen werden so tte. So haben wiv Monat für Monat gewartet. Als der Zu'ammenbruch der Westfront erfolgte, hielten wir die Zeit für ge­kommen. Wir hatten auch Verbindungen mit der Front angeknüpft und arbeiteten erfolgreich.' d?nn die Regie­rung war ja so gütig gewesen, alle Revolutionäre ern- zuziehen und in die Armee zu stellen. Wir wussten, daß ganze Regimenter übertreten würden. Run ka uen die entscheidenden Novembertaqe. Am 2. November fand eine Sitzung des Revolutionskommitees statt, an der auch Haase, Dittmann und Lieöknechr stcilnahmen. Wir beschlossen, am 4. November loszuschla-en. Wir wußten, daß wir uns aus die Truppen verlassen konn­ten und uns nach kurzem Kamps der Herrschaft über Berlin bemächtigen konnten. Am Abend vorher so :e noch eine kur-e Zusammenkunft der leitenden.Genas en mit Vertretern der Betriebe staktfinden und in dieser letzten Sitzung waren Haase und Dittmann und sagten, die Zeit sei noch nicht reif. Sie glaubten eben noch nicht an den revolutionären Geist der Masse. Es wäre ja kein Wunder gewesen, denn derVorwärts" hat bis zum letzten Augenblick die Reoolu iou bekämpft. Als e* dann aber so weit war, wurden Haase und Ditr- mann in die Regierung berufen. Ich lehnte es ab, mit politisch kompromittierten Persönlichkeiten eine Ne­gierung zu bilden. Dittmann hat sich dann immer weiter nach rechts entwickelt und seine gestrige Rede war das letzte Siegel seines Zurückweichens. Mein Urteil über die Scheidemann-Gruppe aber steht fest: Bis zur Revolution war sie der Nutznießer des Be­lagerungszustandes, nach der Revolution wurde sie der 9tutznießer der Reooluuon und seit dem 6. Dezember ist sie der 9tutzn.ießer der Gegenreoolunon! Lärm und Zischen bei der Mehrheit, große Unruhe).

Aie Vttn'llllllng da tsrui)d)ca^' NroSuk!io»sWgkkit.

DieVosnsche Zeitung" weist darauf hin daß. w--s jetzt in Fabriken vor sich gehe, den Ruin Deutschlands bedeutet. Kein Volk kann leben ohne zu arbeiten. Deutschland hat immer hart gearbeitet. Es ist damit zu Wohlstand und Reichtum gekommen un) hat seine Handelskraft über die Akeere und Kontinente ausgedehnt. Jetzt, nach dem verlorenen Krieg, wird allein die 'Ar­beit Deutschland wieder ausrichken können. Es rächt sich jetzt bitter, das nicht schon lange in den Volks­schulen die wirischaftlichen Grundlehren der Ration eingeprägt wurden, deren eine der Bolksbeaustragte Barth den Arbeitern zurief, die glauben, daß die selige Zeit kein Ende nimmt, solange das Reich Noten druckt: Hllndert-Marks.he könnt Ihr doch nicht essen!" Noch zwei Monate, sagt dieVofsische Zeitung", und Deutsch­lands schöne Produktionsstätten können mit deutschem Kapital nicht mehr betrieben werden. Sie fallen dann aus dem Neichskonkurs restlos den Engländern oder Amerikanern zu.

2n einer vom WTV. verbreiteten Auslastung dev Deutschen Allgemeinen Zeitung" über die Gefahren der Demobilmachung werden auch die Wurzeln des Hebels und die Wege zu seiner Beseitigung berührt: das Brachliegen des Arb.sttskapitals infolge Arbeits­losigkeit und infolge Arbeitsunlust. Unser Wirtschasts- leben krankt daran, daß nicht durch richtigen Einsatz von Arbeitskräften an der richtigen Stelle unzähligen an­deren Betrieben neue Arbeitsmöglichkeiten eröffnet wer­den.Die Arbeitslosigkeit ist eine Folge des Mangels an Arbeitern", jagt treffend derVorwärts". Während in den Städten Tausende von Arbeitslosen umhergehen, schreit die Landwirtschaft ungehört nach Asbeilskräfien, während in den Kohlengebieten infolge Arbeilsun * und Streiks die Förderung brach liegt, sind tag.'. , weitere Industrien aus Kühlenmangel zum Stillsta" verurteilt. Es muß also, sagt dieDeutsche Allgemc.Ni Zeitung", über das Abführen von Arbeitskräften in dr. Landwirtschaftin den Kreisen der Widerstrebenden k Einsicht geweckt werden, daß es sich um schwere Fol b für die Allgemeinheit und auch für den Einzelnen ha w delt, wenn sie ihren Widerstand nicht ausgeben." I s über die notwendige Hebung des Arbeitswillens fchre m dasselbe Blatt:Eine Katastrophe kann nur ve^mie ^ werden, wenn der Arbeitswille energischer geweckt.j und wenn in allen Betrieben unseres Wittichajslebr s> wieder eine intensivere Arbeitslust und Albellsiätigl.tt eintritt." Sehr schön in der Theorie, allein was ge- fchieht für die praktische Durchsührunn dreier Gedanlea?