Ausgabe 
23.12.1918
 
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Nummer 301 Unjchms gl Montag, den 23. Dezember 1918 ZI. Jahr-Hang.

vif i?ayrs)eitung" erscheint icoeu Wertt«'. Reaelmomge BeUagenSer Kauer aus Kessen".Die Z-pmnaubr". Bezugspreis: Bei den Boftanstalten vrerkelkährUch Ml. 27 s

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Gin deutscher Protest.

Berlin, 22. Dezbr. Der französische Platzkomman- irant von Höchst ordnete an, daß der gesamte Verkehr zwischen dem besetzten Gebiet und der neutralen Zone, also auch zwischen Höchst und Frankfurt a. M. völlig gesperrt wird. Arie erteilten Pässe sind ungültig er­klärt worden. Die Franzosen rissen in der Grenzstadt Nied die Schienen aus. Hierdurch entsteht in den Vor­orten Frankfurts in kürzester Frist Arbeitslosigkeit. Die französische Besetzung ordnete gleichzeitig die Gestellung von Geiseln an, welche das Wahlverhalten der Arbeiter gewährlei ten sollen. Gegen diese Verordnung, die zum Wortlaut des Waffenstillstand^abko.nmens in Wider­spruch steht, ist Protest erhoben worden.

Die deutsche Waffenstillstandskommission.

Die deutsche Waffenstillstandskommission teilt mit:

Der Vorort Ried bei Frankfurt a. M. ist gestcrn von den Franzo.en besetzt worden. Entgegen den Zu­sagen von Fach verfügte der französische Ortskomman­dant, dag alle männlichen Personen, die nicht bereits vor dem Krieg ansässig waren, interniert werden, wenn sie sich nicht innerhalb 43 Stunden entsernen. Diese Anordnung tiifft eine große Anzahl Effenbahnbeamte, und viele hundert Arbeiter der dortigen Hauptwerk- stälte, der größten sür die Entente arbeitenden Lokomo- livwerkstätte, die dadurch vollständig lahmgelegt wird. Diese Maßnahme macht es Deutschland unmöglich, die in Trier übernomniene Ablieferung von Lokomotiven durchzuführen. Von der Waffenstillstandskommission in Spaa ist Protest eingelegt worden.

Die deutjche Waffenstillstandskommission.

15 Geschütze ab. Die Stimmung unserer Truppen ist gut.

*

Von der Heeresgruppe Mackensen kamen anfter der 11. Armee Teile der 2*8. DivNon. 226. Division, der 7. Landwehrdivision und der 16. Landwehrdivision in Deutschland an.

Drts Kaiserpaar.

Haag. 21. Dez. Der Krankhei'szusiand der Kaiserin ist derart, daß sie wohl kaum d^s neue Jahr erleben wird. Sie hatte vor einigen Monn eu einen Schlag- aniafl erlitten, auch ma ' te ihr Herzleiden während der letzten aufregenden Wochen, als die Auslie erungsftage in der Oeffentlichkeit behandelt wurde, starke Fortschritte, wodurch eine schwere Rervendepr ssion hinzut aft die den Zustand der Kaiserin auf das bedenklichste beeinflußte. Der Kaiser ist ebenfalls ernsthaft erkrankt Sein Ohren­leiden hat sich erheblich verschlechtert-, und es besteht die Gemhr, das; es auf das Gehirn übergre' t Beim Kaiser sind ebenfalls nervöse Erscheinungen als Folge der Auf­regungen festzustetlen.

Der amerikanische Ftstieuhrm»

Annapslrs, 18. Dez. (W. B.) Reuter. Marine­sekretär Daniels sagte ineinerRede, die amerikanische Flotte müsse größer und stärker werden, barnit die Vereinigten Staaten in der Lage seien, einen ebenso gros en Anteil an der internationalen Polizeiflotte Leizutragen, als irgend eine andere Nation. Daniels fügte hinzu, er hoffe jedoch, daß die Friedenskonferenz mit dem Wett- bau von Kriegsschiffen ein Ende machen werde.

Attstj.ümrg drr Grenzsperre

nach tz isasz-Lottrrrnaen.

Berlin. 20. Dez. Auf deutsches Drängen wurde ole jranzösis i e Grenzsperre über Elsaß-Lothringen sür die demobilisierten Elsaß-Lothringer am 14. Dezember ausgehoben. Die demobilisierten Elsaß-Lothringer können daher jetzt in die Heimat zurückkehren.

Deutsche Waffensii.tstandskommission:

Staatssekretär Erzberger.

Die neutrale Zone.

V-kUn. 20. Tez. (W. V.) Die Einte item 3 der 10 Kilometer breiten neutralen Zone erfolgte entsprechend dem Vesatzungsgebiet der alliierten Truppen so, daß vier Abschltitte entstanden: Abschnitt 1 umfaßt das Ge­bier der hosiändisrhen Grenze bis zum Nordrand des Bruckenkop.es Köln bei Raingen. Abschnitt 2 das sich daran schließende Gebiet bis zur Ecke zwischen dem Brückenkopf Köln und Koblenz ausschließlich Honnef, Abschnitt 3 gehr bis zur Ecke zwischen den Brücken­köpfen KoblenzMainz einschließlich Lorch. Abschnitt 4 umiatzt die ganze neutrale Zone von da ab bis zur Schweiz. 2m Abschnitt 1 ist dvr Sieder Kommandan­tur Wesel. Die Besatzung besteht aus einem Balall- lon Omanterie in We>el, einem Bataillon in Düssel­dorf sowie einer Eskadron in Wesel. Die Komman­dantur des Abschnitts 2 ist Wipperfürth. Die Besatzung besteht aus einem Bataillon Infanterie in Remscheid, einer Eskadron in Wipperfürth und einer Eskadron in Litorf. Die Kommandantur für den dritten Abschnitt siegt in Westerburg. Die Besatzung setzt sich aus einem Bataillon Infarttene in Hachenburg, einem Bataiuon ln Limburg und einer Eskadton in Westerburg zusam­men. Die KonlmandaNlur des letzten großen Äbjchnit- tes ist in Karlsruhe. Die Besatzung besteht aus einer Eskadron in Homburg, einem Bataillon Infanterie m Frankfurt, einem Bataillon Infanterie in Darmstadt, emer Eskadron in Darmstadt, einem Bataillon in Mannheim, einer Eskadron in Schwetzingen, einem lataiuon in Karlsruhe, einer Eskadron in Karlsruhe, einem -uatarUon in Lahr, einer Eskadron in Lahr und nner Eskadron in Müuheim.

pte non JHonirnrra K*it Sftli fii.

Agram, 21. Dez. Delegierte der montenegrinischen Skupschtina haben gestern in Belgrad die Vereinigung Nkontenegros mit Serbien formell konstatiert.

Ist das Freiheit?

Berlin, 17. Dez. Eine auf gestern Abend von der Demokratischen Partei einbetuiehe große Akadeinll - Versammlung, in der Tr Hohmann über die Studenten­schaft und die politische La^e sprach, nahm einen be­wegten Verkauf. Nachdem in der Diskussion die Ho.h- schu llebrer Prozessor Marcks und Pro effor Sauerbrunn dem ^Referenten in der Betonung der vaterländischen Pflichten und in dem riickhaltlo'en Bekenntnis zur Einheit des deutschen Reiches zugestimmt hatten, kam in der wei'errn Debatte u. a. auch der Sekretär des Ministerpräsidenten, Fechenbach, zum Wort. Die Be­merkung dieses Redners, der Krieg sei nicht in Peters­burg, sondern in Berlin gemacht worden, rief in der Versammlung hes'.ige Erregung hervor. Sie wandte sich auch gegen eine inzwischen erschienene Abteilung von Soldaten und Matrosen, die den Saal daraufhin zunächst versießen, jedoch, mit Handgranaten und Ge­wehren bewaffnet, in drohender Haltung zurückkehrten. Ein großer Teil des Publikums drängte nun in panik­artiger Flucht den Ausgängen zu. Erst nach geraumer Weile legte sich der Tumult, und Dr. Hohmann konnte vor halbleerem Saal das Schlußwort sprechen.

Frankfurt a. M.. 17. Dez. Als in der heutigen Sitzung der Stadtverordneten sich die Demokratie da­rüber beschwerte, daß ein Flugblatt, das sich gegen ihre Partei richten werde, aus öffentlichen Mitteln gedruckt und verbreitet wurde, beanlwoit.lle der Sozial­demokrat Zietowski; Der Arbeiter- und Soldatenrat müsse das Recht haben, dafür Propaganda zu machen. Wer die Macht hat. hat auch das Recht. (Lebhafte Heiterkeit und Widerspruch.) Wir haben heute die Macht und nützen sie zunächst zur Festigung der sozia­listischen Republik aus. 2m Krieg wurden alle mög­lichen Pkakate auf Staatskosten ausgehängt und nie­mand protestierte dagegen.

Der Rückmarsch der Oftarmee.

geräumt. An großen Teilen der O, ront drmgen in ogenem Hoyn auf alle Erklärunqe c>nd ^ertrage reguläre Sowjettruppen nach und versuche ne Bevotterung zu lerrorijieren. In der Ukraine wurde intere Truppen bei Sarny, Shiiomir, Boroiijchem ü n ^eimerinoblaw in Kämpfe verwickelt, da die Boljch v.pc.r dw Auiransporte hinderten. Unsere Truppe ganz geringen eigenen Verlusten überall jie> -ei«). Lte, Skntsmir nahmen wir den Bolschewist«

Dnttlches Uolk, mach auf! *)

i.

Nun sind sie wieder zurückgekommen unsere Kampf­truppen, die Helden von der West- und Ostfront, vom Balkan, Kaukasus, Kleinasien und unseren Kolonien. Unsterblichen Ruhm haben sie an ihre Fahnen geheftet und Kind und Kindeskinder werden, nein, so lange

*) Wir bringen diese Betrachtung eines einfachen schttchlen Mannes, eines geborenen Wetterauers, der den Felvzug dis zu­letzt auf dem Balkan mitgemacht hat, als em wertvolles Etim- Z. mnngsdlld zur allaemelne» Lage.

auf Erden noch ein Mund deutsch spricht, wird er die Taten unserer Kampftruppen preisen.

Was unsere Kampftruppen, Führer und Mann, in diesen 4 1 /* Jahren Krieg geleistet Hab n, wird und kann ihnen kein Heer eines anderen Volkes nachmachen.

Wer denkt nicht heute Zurück an die Tage vor 4*/* Jahren, an jene Augustrage von 1914. Wie blitzten da die Augen, wie klangen da die allen deutschen Kamps- und Vaterlandslieder, mit welcher Begeisterung opferten sich unsere Freiwilligen-Vataillone.

Fa t 2 Millionen der Besten unseres Volkes ruhen in fremder Erde, opferten sich sür die Heimat, an rier Millionen bluteten und andere Millionen unserer Sol­daten kehren mit siechem Körper zurück.

Nun kommen sie wieder unsere Kampftruppen « unbesiegt und do h ist der Krieg für uns verloren.

All' die Strapazen, all' die Not, all' das Leid, all' das Heldentum unserer Soldaten, all' die Entbehrrm^en, all' die Witwen und Wallen, all' die Krüppel in der Heimat, alt' die Taten, alles, alles umsonst.

Kaum faßbar ist es, wie ein Alp wälzte es sich I auf die Seele des deutschen Volkes.

Konnte, mußte es wirklich fo weit kommen? Wie war dies möglich?

Ungebrochen stand bis zum Waffenstillstand die Westfront, der bulgarische Zusammenbruch reißt die Türkei und Oesterreich-Ungarn mit sich, damit war der Krieg auch für Deutschland verloren.

Demjenigen, der das bulamifche Volk kannte, kam dessen militärischer Zusammenbruch nicht unerwartet.

Nicht Sympathie oder Liebe zu Deutschland ver- anlaßte die bulgarische Regierung, als unser B mdes- genosse mit in den Kampf einzugreisen, Bulgariens Kriegsziel war allein Rückeroberung früher verlorener Gebiete und Aufbesserung seiner finanziellen Lage durch Empfang einer entsprechenden Knegsent chädig ng. Ter Bukarester Frieden enttäuschte die bulgarische Regierung, Volk rmd Heer. Das bulgarische Volk erlebte durch den Vukarester Frieden die dritte große Enttäuschung mit seinen jeweiligen Verbündeten.

2m Jahre 1877 leisteten die aufständischen Vulgaren den Ruffen Waffenhilfe gegen d-e Türken und zum Danke wurde ihm durch Rußlands Druck die Nord- Dobrudf-Ia zugunsten an Rumänien vorenthalten. 2m ersten Balkankriege 1912 verblutete sich Bulgarien für feine Verbündeten; Serbien, Lkontenegro und'Griechen­land. Beim Friedensschluß kam es zu Differenzen zwischen den Verbündeten und Bulgarien wurde im zweiten Bakankriea gezwungen, an Serbien und Grie­chenland Akazedonien und an Rumänien die Süd-Do- brudscha abzutrelen.

Fast sieben Jahre ununterbrochen stand Bulgarien im Kampfe, da kam die dritte und schwerste Ent­täuschung.

Sieben Jahre schwerster Opfer an Gut und Blut lagen hinter diesem Volke von nur 5 RtUlionen Men­schen und wieder war alles umsonst, da ging eine Welle der Empörmtg gegen Deutschland durch das bul­garische Volk, genährt und geschürt durch englische Preß- propaganda und amerikanisches Gold. Ein bulgarischer Ossizier machte.reiber die es gegenüber bei einer Unterredung kurz nach Abschluß des Vukarester Friedens folgende Bemerkung:Es ist uns Vulgaren unsaßbar, was geschehen ist, glaubt denn der deutsche Reichstag wirklich, dag er das Recht habe, uns, dem freien Volke der Bulgaren, Vorsck,riften machen zu können und uns zu zwingen: einen Frieden ohne Kriegsentschädigung und ohne Annektion schließen zu müssen. Uns, ihrem Verbündeten, geben sie nichts, dem Feinde geben sie Veffarabien mit 3 Millionen Menschen und eine Kriegs­entschädigung in Form einer Rente aus seine Oelselder. Die Folgen dieser Handlung werden nicht aus- bleiben, ihre Regierutlg und ihre Reichstagsmehrheit werden diese tragen müssen." Die Väter des allbe­kannten Reichstagsmehrheitsbeschluffes, der den Ver- ständiaungsfrieden, den Frieden ohne Entschädigung und ohne Anektion bestimmt, sind heute Minister, die Folge dieses Beschlusses trägt das gesamte Deutsche Volk.

Der Mangel eines überragenden politischen Führers brachte es mit sich, daß Reichstag und Presse, seit Bis­marcks Abgang, die Organe wurden, welche unser Vaterland, die deutsche Reichsregierung, in den Augen des gesamten Auslandes immer mehr und mehr herab- setzten und schlecht machten. Erbärmliches Par­teigezänk, Prinzipienreiterei und Pressedrescherei bilde- den die Haupttätigkeit unserer Berufsparlamentarier und Zeitungspolitiker. Kurzsichtig und weltfremd stand diesen Herrerr Abgeordneten, Parteisührern und Presse- Politikern die Partei höher als das Vaterland.

Daß die Tätigkeit von Reichstag und Presse nichi ohne Wirkung auf das derrtfche Volt blieb, ist selbst