Ausgabe 
20.12.1918
 
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KttS Stils 9ttl*C{ftf SLV Frauen. I öU beschleunigen. Logisch wäre es nun. wenn die So­zialdemokratie weiter sagte, daß es dann auch cftei h- gültig fei. ob der Bauer abliesere oder nicht, was na­türlich durchaus nicht unserem Standpunkt entspricht. Also das Gegenteil ist der Fall. Von uns verlangt die Negierung in der Ablieferung Unmögliches. Wir geben der Regierung zu bedenken, daß sie allein un­fähig ist, einen Staat zu regieren, dar ja nicht nur von Arbeitern bewohnt ist.

Marie Diers schreibt in derD. Tagesztg.":

Wir haben jetzt ein merkwürdiges Recht zugewiesen gekommen, ein Recht, das die erdrückende Mehrheit der Frauen weder verlangte noch verstand, und das nur von einer verhältnisrnäßig sehr kleinen Anzahl groß- Piftlischer Theoretikerinnen heiß Sesürwortet wurde. A° 'r ich glaube, daß es wenig Frauen mehr gibt, die es -etzt nicht begrigen haben, daß die ernsteste Forde­rung'von heute lautet: Mitarbeiten, wie es unsere testen Männer, an der Spitze unser höchster, Hinden- burg, Vormacht! Daß eine Zurückhaltung auf Zaghaftig­keit, aus Gleichgültigkeit oder in Groll rmd Schmerz heute für die Landfrauen in erhöhtem Maße eine un­verzeihliche Pflich-Versäumnis bedeutet, ebenso schlimm, crls wenn sie bei einer Feuersbrunst ihre Kinder im Stich ließen, um die eigene werte Haut möglichst schnell und Bequem in Sicherheit zu bringen.

Lllle Gründe und Bedenken, die wir früher gegen das Stimmrecht hallen, gehen uns gar nichts mehr an. STscnrt wir aus alter Gewohnheit oder Grundsatz ver­sagen. kommen uns die geschlossenen Frauenheere der Sozialdemokratie über den Kopf, wir geben einfach die Möglichkeit, unser Schicksal und das unseres Besitztums, unserer Kinoer selb'L zu bestimmen, an diese Partei ab, die noch viel weniger als die vorige Regierung Ver­ständnis und Gunst für die Bedürfnisse und Röte des ptatten Landes hat, und das unerträgliche Joch, das eine herrschende und städtische Arbkiterkla^e auf die Landwirlschast leaen wird, werden unsere Kinder dann ihren pstichtvergessenen Müttern zu darrten haben!

. Da wird manche fragen: Ja. wie können wir das andern bei der Ueberzahl jener Partei?

Aber da brauchen wir uns nur klar zu machen, daß die Frauen der organisierten Sozialdemokratie noch nicht 7 Millionen, die gesamten stimmfähigen Frauen da­gegen 21 Sinnierten betragen, so erkennen wir, wieviel wrr durch geschlossenes Vorgehen und Eintreten jeder einzelnen erreichen und retten können.

Dies ist eine Angelegenheit, die auch die Mütter von jungen, nun plötzlich stimmfähigen Töchtern an­geht.. co töricht fs uns dünken mag, die unmündigen zwanzigjährigen Mädchen zur Politik beranzuziehen. so uegt doch, etwas darin, an dem unser Verstand vielleicht umlernen könnte.

Wrr waren durch die Bank allzu wenig politisch erzogen. Vis in die höchsten Stellen hinauf fanden sich auch bei den Männern statt eines wirklichen, nüch­ternen, klaren, zuareifenden politischen Sinnes die drei spezifischen Frauensünden : politische Ungewißheit, Gleich­gültigkeit gegen nationale Kräfte. Gefühlsverschwommen­heit. Jetzt erleben wir die furch,baren Folgen. Viel­leicht hilft eine durchgreifende Politisierung, die bis auf di- halbwüchsigen Kinder herabaeht, diesem verhängnis­vollsten aller Volksübel ab. Vielleicht!

Machen wir aus der Rot eine Tugend. Führen wir Mütter uns selbst und unsere Töchter in die Poli ik ein, um durch das Gewicht unserer geklarten Meinung und befestigten Willens ein neues, gesundes und in sich kräftigeres Deutschland aufzubauen.

Wie machen wir das? Denn schöne Worte und allgemeine Ratschläge wollen wir nicht mehr hören, jetzt heißt es endlich: Praxis treiben. Ob es uns im Augenblick lieb oder leid ist, darauf kommt es nicht an. Das Vaterland und das eigenste Lebensinleresse verlangen es von jeder deutschen Frau!

Es ist ja nicht daran zu denken, die Frauen in den kurzen Wochen bis zur Nationalversammlung staats­bürgerlich zu bilden. Es ist nur möglich, ihnen bis dahin die großen Umrisse des staatlichen Lebens und ihrer Pflichten darin, die Kenntnis der jetzigen Parteien und deren Programme zu verschaffen, damit sie wissen, welche Partei sie zu wählen haben, und warum.

Karrern und Diktatur.

Erbauliche Dinge über unsere Ernähnm^sverffält- nisse berührt eine aucb -onft noch sehr inleresiante Ein­gabe der Bauernschaft von Sachsen-Weimar an die doniae Regierung. Als der nohrungfchaffende Teil der Bevölkerung hatten die Bauern geglaubt, daß man ihnen ihr Recht auf Beteiligung an der Regierung nicht rauben würde. Die sogenannte Regierung hat diese selbstverständliche Forderung aber abgelehnt. Die Bauernscha c von Sach en-Weimar hat den Diktatoren jetzt eine Eingabe zu"e^en lasten, in der die Bauern- uno Landarbeiterräte u. a. aussühren:

Die republikanisch-provisorische Regierung hat die Beteiligung der Bauern^ an die Regierung zurückge- wiescn. S e sülchtet, daß durch unseren Einritt die Sicher geil t er durch die Revolution in die Wege ge- ^eftelen Umgestaltung nicht mehr gewährleistet sei. Wir -edauem, da st uns die Regierung auf diese Weise in jine Opposition hineintreibt, deren Erbitterung und Emschlosser.heit die Vertreter der Regierung doch riel- re»cht unterschätzen. Wei er hat uns Staatsminister Bauderr erzählt, daß der- Staatssekretär des Reichs- ernählun samtes auf dem Standpunkt steht, daß es sanz gleichgültig sei, vb man die Brotration erhöht -der nicht, ob man die fleischlosen Wochen weglasse ooet nicht, der Zusammenbruch unserer Ernährung und Bi' hunnersnot kämen doch. Deshalb habe man sich entschlossen, die erhöhten Rationen ruhig auszugeben. Nach unserer Ansicht ist das ein unerhörter Standpunkt, der den Wunsch durchbluten läßt, die Katastrophe nocb

ffnlcr künftiges SktaveiUeken. .

DieBaseler Nachrichten" schreiben: Lloyd George hat in einer Rede erklärt, daß Deutschland 24 Milli­arden Pt und Sterling werde zahlen mästen. Das sind 600 Milliarden Franken, also 120mal mehr, als Frank­reich durch den Frank'urter Frieden auserlegt wurde. Frankreich halte nach einem Krieg von 7 Monaten pro Kopf seiner Bevölkerung 138 Franken zu zahlen. Deutschland wird nach Abzug der Kriegsoerluste und der Bevölkerung, die es an Frankreich und Polen wird abgeben mästen, noch etwa 50 Millionen Einwohner zählen. Legen wir diese Zahl zu Grund, da wir doch nicht abschätzen können, wie viele Millionen durch die fortgesetzte Blockade und den Bolschewismus noch über­dies umkommen werden, so ergibt sich c.ne Forderung von 12000 Franken pro Kopf bis zum letz en Kriegs­krüppel und bis zum letzten Waisenkind, dessen Va er gefallen und dessen Mutier verhungert ist. Das durch 7 Kriegsmonate ge'chwä ' le, aber an sich reiche Frank­reich mußte 138 Franken pro Kopf zahlen, das durch 4 Kriegsjahre erschöpfte Deutschland, dem man gleich­zeitig die wichtigsten Rohstoffgebiete wegnimmt, 12000 Franken. Lloyd George "kann diese Notwendigkeit mit der zündenden Beredsamkeit eines Shylock beweisen.

Kirchliche Nachrichten.

Cvnnyolischk (Sk«!ein*!*.

4. Sonntag im Advent, 22. S embcr 1918.

Gottesdienst in der L:.rokirche.

Vorm. 9 3 /i Uhr: Herr Pfarre; Kleberger. Nachm. 5Vs Uhr: Herr Pfarrer Ritter. SUeih- nach'sfeier des Kindergottesdrenftes. MttwtUunz des Chorfchule.

Jk

Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach.

10 Uhr Gottesdienst.

*

Evangelische Stadtm'issiorr Frftdberg, L"dwigstraße 24. Sonntag. 22. Dez., nachm. VJ 2 Uhr: Sonnlags- Ichule. 3VZ Uhr: Eoangelisationsversam nlung.

Mittwoch (1. Feiertag), 25. Dez., abends 8'/^ Uhr: Weihnachtsfeier.

Donnerstag (2. Feiertag), 26. Dez., nachm. 5 Uhr: Kinderseiec in der Burgkirche,

Katholische Gemeinde.

Sonntag, den 22. Dez. 1918. 4. Sonntag im Adv.em.

Veichtgelegenheit am Samstag von 4 Uhr an »ntz Sonntags früh von 6 Uhr an.

V-fi Uhr Frühmesse.

8 Uhr MUitärgottctzdiensi (Singmesse mit Predigt). 7-2 Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachm. 2 1 / 4 Uhr: Advents-Andacht.

Während der Woche- Um %7 und 7 Uhr Rorateamter. Nach dem Hochamt Ausgabe von Büchern aus der Bor» imnäuß-Bücherei.

lleravlwonlich ffir den vo'itftcbrn und lokaler' ?p|t r tiß

Hirsche!, Friedberg: für den Anzeigenteil: C. Schmidt, Friedberg. Truck und Berlap derNeuen Tageszeitung", A 01. Friedbera *

^nsefJmpiden iifh! k- 3 « zhp WäSsI aia?h«iia!!r( k n.

Lrlrkffcxd: Die IWcn Mrsrrfsssmrzgrl!k!rdkv Nolksksmmr der Republik HesskÄ.

lbez.irk

in der Stadt Friedberg.

Nr und

De erchnung des Bezirks

Straßen a n gs b e

Wahllokal

Name des

Wahlvorstehers I Ctellvertieter des

I Wohlvo ftehers

I

Süd-West-

Lezrrk

Am Tankenrain. Bndgaffe. die ungeraden Nummern der Franlfurlerstratze, Gutenbergstraße. Hamburger- straße, Ho prtalgasse. die ungeraden Nummern der Kai eriiraße von 69199. Mam-ertoranlage westlich d Kaiieriirahe.Neulorgaste. Ockstädlerstratze, Weedgaste

Taubstummenanstalt Kaiserstraße 144

Beigeordneter Geh. 2usti^rat Windeüer

Oekonomierat

Spieß

n.

Nord-West-

Bezirk

Gannerweg. die ungeraden Nummern der Kaiser­straße von 157, Neubausgasse. Obermürlerstraße. Rtedstraße, Srädterweg, Borstaor zum Garten, Wecher- stratze, Forsthaus Winrerstein

Stadthaus Zimmer DU. 4

Stadt^ekretar

Völker

Kaufmann Heinrich Windeik»

lll.

Burg-Bezirk

Bu-g, Straße am Burgberg, Gießenerstraße. Fuden- gaste, ^udenplacken, die geraden .'.ummern der Kaiier- straße von 22ti, Sandgaste, Ujagaste, UjaVorstadt

Lehrer-Seminar

Geh.- Schulrat

Dr. Karg

Direktor

Dr. Strecker

IV.

Bezirk

Innenstadt

Al e Babnhosttraße, Apothelergaste, Augustinergaste, Engels aste, Große Kloster^aste. Große lergasse, die eeradim ^tummern der Kallerstraße von 2890, Kleine Kloster aste, K eine Kohleraaste. Schtrngaste, Schnuriaste. Schulstr, Verbindungsgaste. Wolfengaste

Polytechn. Lebranstali Augustmergaste 8

Stadtverordneter

Scrlba

Kaufmann

Jul. Kann

V.

Nord-Ost-

nezirk

(Barvara-

Vorstadtt

Am Schlag, Bardaragaste, Fauerbacherstraße von

1SO, Langoaste. Liauer^aste, Mittetstraße. Müht» weg. Ödere Lied rauenitraße. Querstraße, Schmidt- straße, Slädterftraße

Eastroirtlchal von A. Küffner, Fauerdacherstr. 6

Stadtsekretär

Wrlhclm

Stadllekretar

Büttner

VI

Innerer

Süd-Bezirk

Bismarckstraße. Tsarbergaffe. Haagstraße. Hanauer straße, die geraden Nuinmern der Kaiierstraße von 92 128 , Ludwigstraße

Alte Post

(Städtischer Lebens- mutelausjchuß)

Stadtverordneter

Langsdorf

Stadtverordnete»

Valentin

VII.

Aeutzerer

Süd-Bezirk

Am ttoeispioö, Dieffendacherstraße, die geraden 'Nummern der Franlfur erstrage. Harngraven, Hinden- bur istraße 2m Krämer, bie geraden Num « ern der Kaiierstraße von 130 an aufwärts. Leonhard straße, Alain erioranlaqe östlich der Kaiserstraße, MaiN er- iorweg, Molitestraße, Schützenrain. Wuhetmstrahe

Mu^eumsaebäude Haagstraße 16

Stadtverordneter

Dretz

'Geh. Iustizrat Warth arst

Vlll.

Süd-Ost- Bez rk Fauerbach

Der Stad teil Fauerbach, soweit er zwischen der Ufa, der Fritz Neuterstraße und dem Bahnkörper gelegen ist. entjprechend dem Broikartenbezirt Ui

Schule

ln Fauerbach

Ctad'v?rordneter

Phtttppi

Stadtverordnet«

Loth

IX.

Lazarett-

Bezirk

Die Friedber 7 er Neserve.Lazarette, ausgenommen die Angehörigen derjetben, bre Bürgerwohnungen haben

Ne^ervelararett

Blindenanstalt

Laz.-Hilfsinfp.

Lenstng

San.-Feld webe! Heller

X.

Eor-ll on- Bezirk

Die kafernementmäßig unlergebrachlen Angehörigen des Eriatz-BataiUons 2n anterie-d'iegimcnl 1»7

und joa,tiger Truppenteile, deren Standort Fnedberg ist

Alter Bahnhof

Ostz.-Stellvertreter

KroUmana

Ofd.-SteNvertretet

Dw»

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Friedberg, den 1& Dezember 1918.

Der VürgermeisteL

2. D. Damm.