Ausgabe 
13.12.1918
 
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Freilag. den 13. Dezember 1018

II. Jlchryrr;:-'

Die ..Pe«e e ayeszeilnng" erichemt jeden Werlta^. Neyeimatzige Beilagen ..Ser Bauer aus Hessen". ..Zie Spinnstube". Sezugspreia: Bet den Postanitaiten vlerrellährlich Att. 2 ~& hinzu tritt noch das Bestellgeld.- bei den Änenten monatlich 1.00 Mk. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: (örundzeUe 25 Psg^ lokale 20 4iTg^ Anzeigen von auswäc-s werden durch Postncrchncll erhoben. Erfüllunasort Friedberq. hchriftlettung und Verlag ^riedberq (Hessen), -^anaueräratze 12. Fernivrecher 48. Posts hel-Lonto Nr. 18 .',g. 'stmt Frankfurt a. M.

KrKanntmachunsi.

Die Entente hat sich das Kontrollrecht in der neutralen Zone Vorbehalten. A.- und S.-Räte werden von ihr nicht ge. duldet, sie sind daher in der neutralen Zone cn'5'vlös^n. Mil. glieder von A.- und §.-Näten, die von der En' in der neu- traten Zone betroffen werden, müssen gewär!; : ^ > n. von der Entente verhaftet zu werden.

Unter Hinweis auf vorstehende Bestimmung der Obersten Heeresleitung werden alle A.- und S.-Räte in der neutralen Zon^ hiermit aufgesordert, vom 12. 12. ab ihre Tätigkeit ein- zustellen und ihre bisher ausgeübten Funktionen wieder den zuständigen Behörden zu überlassen.

Di: neutrale Zone im Armeebereiche wird durch folgende ungefähren Linien begrenzt:

Im Westen Linie Heisterbach' westlich Di^Niedernei-- sen Kaltenholzhausen' Bechtheim Wallrabensteln Walsdorf Oberreifenberg westlich Oberurfe! Westrand Frankfurt Ostrand Langen Bayerseich.

Im Osten Linie Steeden Rordrand von Nieder, und Oberbrechen Niederleuken Westerfeld Nordostrand Friedrichsdorf Vilbel Bürgel Bieber Urberach. Äon seiten des Oberkommandos Der Chef des Generalstabes: gez. Wetzell, Oberstleutnant.

Einberufung des Reichstags.

Berlin, 12. Dez. (W. B.) Der Präsident des Reichstags hat am 12. Dezember an die Reichstags­abgeordneten folgendes Schreiben gerichtet:

An die Herren Reichstagsabgeordneten!

Die Frist des Waffenstillstandes läuft in den nächsten Tagen ab. Auch wenn sie verlängert werden sollte, mutz der Abschluß eines Vorfriedens sofort angestrebt werden, wenn das Vaterland vor weiterem ungeheuren Schaden bewahrt werden soll. Die Nachrichten aus den Lagern unserer Feinde lauten nun aber mit immer größerer Bestimmtheit dahin, daß diese der jetzigen Neichsleitung die Verhandlungssähigkeit absprechen, daß sie jedoch die gesetzgebenden Organe des alten Reiches, Vundesrat und Reichstag, als berechtigt anerkennen zur Schaffung einer legitimen Reichsregierung sowohl, wie auch zur Beschlußfassung über das Wahlgesetz für die Nationalversammlung.

Meine fortgesetzten Bemühungen. Herrn Ebertim Interesse der Neichsleitung von der Notwendigkeit der Berufung des Reichstages zu überzeugen, sind erfolglos geblieben. Die Not der Zeit verbietet weiter zu war­ten und verpflichtet mich, auch ohne die Zustimmung der Regierung von der in der Sitzung vom 23. Oktober ds. Is. erhaltenen Ermächtigung zur Berufung des Reichstages Gebrauch zu machen.

Ich berufe deshalb hiermit den Reichstag, behalte 'mir aber Bestimmung von Zeit und Ort der Tagung noch vor. Die Herren Kollegen bitte ich. sich zur Ab­reise bereit zu halten und zu der demnächst einzuberu- senderr Sitzung vollzählig zu erscheinen.

gez. Fehrenbach. Präsident des Reichstages.

Dieses Schreiben ist auch dem Rat der Volksbeauf- tragien zugegancffn. der Herrn Rechtsanwalt Fehren­bach folgendes geantwortet hat:

Auf Ihr gefälliges Schreiben vom heutigen Tage erlauben wir uns folgendes zu antworten:

Die Behauptung, daß die Entente der jetzigen Neichsleitung die Verhandlungssähigkeit abspricht, daß sie jedoch den Bundesrat und Reichstag als berechtigt anerkennt, zur Schaffung einer legitimen Reichsregie­rung sowie zur Beschlußfassung über das Wahlgesetz für die Nationalversammlung, entbehrt der Begründung. Sre ist nur geeignet, die Entente im Widerspruch zu der tatsächliches Macht der gegenwärtigen Negierung in den irrigen Glauben zu versetzen, als ob eine ver- handlungsfähige Negierung nicht vorhanden wäre.

Der Rat der Volisbeauftragten legte wiederholt dar, daß durch die politische Umwälzung der Vundes- rat und der Reichstag als gesetzgebende Organe zu exljtreren ausgehört haben.

^ Sollten Sie trotzdem den nicht mehr bestehenden Rerchstag einberusen, so werden Sie die Verantwor- süc alle Folgen zu tragen haben.

Der Rat der Volksbeaustragten.

Der dritte Tag dkg TniMimiljllßg in Sellin.

Berlin, 12. Dez. (W. B.) Am heutigen dritten Truppeneinzugslage herrschte Schmutzwetter mit Schnee und Regen: trotzdem war der Andrang der Bevölke- ^lng zu den Feststraßen so stark wie immer. Die 4. Garde-Insanterie-Dioision rückte unter Generalmajor idrafen Fink von Finckenstein von der Frankfurter Vor­

stadt her über die Königssträße Unter den Linden ein. Die Truppen trafen von 10Vi ab am Parijer Platz ein, überall jubelnd willkommen geheißen und nahmen auf dem Platz Aufstellung. An der Tribüne hatten sich eingefunden: Der Volksbeauftragte Scheidemann. Kommandant Wels, Kriegsminister von Scheuch und Generalleutnant Lequis. Rach einem Trom­petensignal hielt Volksbeaustragter Scheidemann eine Ansprache, die von Beifallsrufen unterbrochen wurde, bei der Erwähnung der Nationalversammlung, dem Hinweis auf Frieden und Freiheit und seiner Be­merkung von d*m kerngesunden deutschen Volk. Nach dem Hoch spielte die MusikDeutschland, Deutschland über Alles!" Dann trat Kriegsminister von Scheuch an die Brüstung und hielt eine Ansprache, die mit einem Hoch aus die 4. Gardedivision endete. Brausend wurde der Ruf ausgenommen. Die Musik spielte den Parademarsch des 5. Gaideregiments. Dann setzten sich die Truppen in Marsch zum Brandenburger Tor hinaus.

Die Sommijsronsverhattdlrrngen in Wilhelmshaven.

Berlin, 11. Dez. (W. B.) Die Verhandlungen mit der britischen Kommission in Wilhelmshaven lassen erkennen, daß Milderungen nicht zu erreichen sind. Trotz der deutschen Proteste verlangt der englische Ad­miral genaue Angaben über die im Bau befindlichen Kriegsschiffe. Trotzdem der englische Vertreter in Spaa auf Ablieserung des PanzerkreuzersMackensen" ver- . zichtete und trotzdem, wie deutscherseits mitgeteilt, dieses Schiff nicht vor vier Monaten schleppbereit sein kann, hat der englische Admiral die Richtersüllung seiner Forderung, das Schiff bis Ende Dezember zur Ueber- führung fertig zu stellen, als Nichterfüllung der Waffen- stittstandsbedingungen bezeichnet und in diesem Sinne seiner Negierung berichten zu wollen erklärt. Er be­steht ferner auf Auslieferung der nach dem Völkerrecht rechtmäßig in deutschem Besitz übergegangenen Schiffe. Trotz des Hinweises aus die bedenklichen Folgen für die deutsche Volksernährung, zeigte die Kommission kein Entgegenkommen in der Frage der Freigabe der Fische­rei und des Verkehrs zwischen den deutschen Häsen und bezog sich auf die diesbezügliche bereits erfolgte ab­lehnende Antwort Peattys. Der englische Admiral verlangt ferner, daß bis zum 17. Dezember fämtliZie Besatzungen von außer Dienst gestellten Schiffen inter­niert werden bis auf die Instandsetzungskommandos, wie sie auf einer Hulk verbleiben. Unier einer Hulk versteht man ein altes, ausrangiertes Fahrzeug, das nur noch zu Wohn- und Lagerzwecken dient. Ebenso wie yach der Berichtigung des LinienschiffesBaden", die durch Richlausführung der vom Hochseekommando im Einvernehmen mit dem Arbeiter- und Soldatcnrat getroffenen Anordnungen seitens einzelner Marine mann chaften gestört wurde, hat auch bei den Vorbe­sprechungen über die Uebergabe der internierten Entente- schiffe die englische Kommission gedroht, die Waffen­stillstandsbedingungen abzubrechen, wenn nicht eine glatte Abwicklung gemäß den in den Kommifsionsver- handlungen festgesetzten Anordnungen ersolgen würde.

Entente und A.- und S. Räte.

Berlin, 11. Dezbr. (W.B.) Die Mitteilungen des Berliner Tageblatts" über eine unmittelbar bevor­stehende Einbeiusung des Deu fchen Reichstages oder über Beratungen der Regierung in solchem Sinne ent­behren jeder Begründung.

In dem Organ der Unabhängigen, derFreiheit", werden die zahlreichen Meldungen, daß die Entente die Regierung und die Arbeiter- und Soldatenrüte nicht anerkennen wolle, als Wünsche des Bürgertums und der Feinde der Revolution hingestellt, und es wird auseinandergesetzt, daß die sozialistische Negierung stark genug sei, das Reich zu repräsentieren, andererseits sei nicht zu verkennen, daß die ausschlaggebenden Männer in den Ententeländern Bourgeois waren, und jo fei die Gefahr einer gegenrevolutionären Einmischung der Entente nicht abzuleugnen. Es bezeichnet den Gedanken der Einberufung des Reichstags als eine lächerliche Komödie. Durch den Zusammentritt des Zentialrals aller Arbeiter- und Soldatenräte und durch die spätere Wahl der Nationalversammlung werde Deutschland ge­nügend konsolidiert werden. Einen anderen Weg gebe es nicht und könne es nicht geben.

DerVorwärts" dagegen schreibt daß bte 3 Nach­richten von einem bevorstehenden Enlenie-Ultimatum über die Bildung einer ordentlichen, auf eine Willens­kundgebung des Volkes gestützte Zentraltzewalt immer bedrohlicher werde.

Aurrrika und die Sndflamrn»

Laibach, 11. Dezbr. (W. B.) Meldung des Lais öacher Korrespondenzbüros. WieSlowenski Rnrod^ aus Pola berichtet, traf dort in der vergangenen Wo äs ein aus amerikanischen, französischen, englischen v d japanischen Schiffen bestehendes Geschwader unter do'.tz Kommando eines amerikanischen Admirals ein. den hierauf eingeleiteten Verhandlungen zwecks Kc l * nähme der südslawischen Flotte wurden die südslawif ck Interessen von dem tschecho-slowakischen Konsul vcc« treten, da die Südslawen die Aufforderung der Italiener, in Pola ein Konsulat zu errichten, mit der Bemerkung abgelehnt haben, daß sie auf dem eigenen Gebiet keine Konsularvertretung brauchen. Das Ergebnis der Ver­handlungen war, daß die gesamte südslawische Flo auch die vor einiger Zeit nach Italien gebrachten se ')$ mit Kriegsmaterial beladenen Dampfer, in Pola ver­sammelt und auf ihr die amerikanische Flagge gehißt wurde, während auf der AdmiralsjachtLacroma" die südslawische Flagge weht. Die Amerikaner übernahmen auch als die am wenigsten interessierte Macht das Kommando über Pola und besorgen auch den Polizei- dienst

Holland und Wilhelm II.

Haag, 11. Dez. (W.B.) In der gestrigen Sitzung der Zweiten Kammer erklärt der Vorsitzende des Mutt- sterrats Huys de Veerenbrouck, die Negierung würde c«' leichter haben, wenn der frühere deutsche Kaiser sich ni äst als Zufluchtsort Holland ausgesucht hätte. Er fuhr dann fort: Der Kaiser hat aber, wie aus der amtlichen Mit-, teilung des holländischen Gesandten in Berlin hervor­geht. vor seiner Flucht nach Holland auf den Thron ver­zichtet. Am 11. November folgte dann die bekam ts Urkunde, die in Amerongen unterzeichnet wurde, Am 9. November wußte die Regierung, daß der Kaiser ab-' gedankt hatte. Er teilte das auch am 9. November den holländischen Behörden in Eysden mit. Der Kaiser kam unerwartet auf holländisches Gebiet. Keine einzige Re- gierungsperson hatte etwas dazu beigelragen oder f h einer Zwischenperson bedient, um etwas zu unternehmen.' Auch General von Hautez hat nichts in die er Sache getan. Man hat nichts von der Ankunft des Kaisers gewußt. Alles, was darüber verlautete, war Phantasie. Rach der Thronentsagung konnte von einer Internn- rung keine Rede mehr sein. Es handelt sich einfa ) um'die Frage des Gastrechts und der Gastfreundschaft, um eine Tradition, die in Holland seit Jahrhunderten besteht. Die Negierung wußte, doß Holland dadurch in Schwierigkeiten kommen würde, aber sie wollte nicht gegen diesen Jahrhunderte alten Grundsatz handeln. Die Negierung kann sich nur aus den Standpunkt der vollendeten Tatsachen stellen. Jeden Versuch, der Aufenthalt des Kaisers in Holland als eine unneutrals Handlung darzustellen, weift die Regierung zurück. Jedes andere Staatsoberhaupt würde auf die gleiche »Weise empfangen word n sein. Der augenblicktt he Zu­stand ist indessen ein vorläufiger. Es hängt von der Entwicklung der internationalen Ereignisse uuö von der inneren Lage ab, was geschehen wird. Ein even­tuelles formelles Ansuchen um Ausliefeiung des früheren Kai ers würde auf seine Gesetzlichkeit und auf die be­stehenden Verträge hin untersucht werden müssen. Es äst auch möglich, daß ftemde Regierungen wünfä en werden, mit Holland wegen eines neuen Aufenthalts des früheren Kaisers in Unterhandlungen zu treten. Die Regierung würde nicht abgeneigt sein, zuzustimmen, wenn Holland dabei eine Stellung eingeräumt würde, die sich mit der Ehre, und Würde des Landes verträgt. Die Regierung behält sich ibre Entscheidung vor. Gegen etwaige Intrigen wird die Negierung ernstlich au treten.

Rußland.

Bildung einer Cegenreqierunq im Einverständnis mit der Entente.

Storkholm, 11. Dez. Der frühere russische Minister­präsident Trepow ist nachDagens Nyheter" hier mit der Bildung einer neuen russischen Regierung aus Männern des zaristischen Regimes beschäftigt. Darin sollen noch Fürst Wolkowsky, im Kriege Gehilfe des Ministers des Innern, Baron Taube, früher Abteilungs- chef im Ministerium des Aeußeren, Senator Zasfiadko, General Massolsky und andere vertreten sein. Hier befinden sich außer Trepow noch General Tau und der Adelsmarschall Sawitzky. Die Bildung der Negierung erfolgt im Einverständnis mit der Entente. Die Mit­glieder sollen sich in Finland versammeln, um sofort nach dem Sturz der Bolschewiki nach Petersburg zu gehen und die Leitung au übernehmen.