Herzenskiimpfe.
Roman von Helene S ckt ü 1 k y. geb non Gersdorfi.
(Eop^ri^ht 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.)
5S) Nachdruck verboten.
„Wie kannst du denn das so bestimmt wissen? Du bist noch sehr jung, Haft noch viel Zeit vor dir."
,.^"ng bin ich wohl, aber doch nicht so jung, um nicht schon allerlei vom Lrben gesehen zu haben. Nein. Vater, niemals, niemals werde ich heiraten. Ich passe nicht dazu. Mein Beruf liegt anderswo. O Vater, lieber Vater, bindere mich nicht, ich beschwöre dich! Wie viele Mädchen, vornehme und andere, widmen sich i:t,t großen edlen Lache, der Pflege ihrer leiden
den Mi:menschen D, auch wir Frauen brauchen einen Berus, eine ausfnllcnde Tätigkeit! And wo könnte man etwas Lchöne- n-T>, Würdigeres finden? O, liebster Vater, sage wenigstens nicht Nein?"
„Frieda, Kind*" sagte der Oberst ergriffen. „Du wärst im. stände, mich zu überreden. Werg Mama schon von deinen Plänen?"
„N^in. kein Mensch, Väterchen? Du bist der erste, dem ich enthülle, was stch schon lange in meinem Herzen rr-gt, aber erst jetzt zu einem festen Entschluß geworden ist."
„Fr'edä? Maus? Es wird mir sehr schwer dir dazu meine Einwilligung zu geben. Ich hatte ganz andere Pläne für dein Elück im Sinn. Ich hatte immer gehofft, du und der Eerms- hoff. ihr würdet euch zusammen finden Weiß der Himmel, alles hätte so schön gepaßt. Ich hätte den famosen Kerl zu aern zum Schwiegersohn gehabt. Aber nun soll er sich ja mit der Millio- nen-Schönheit. der Antelmann, verlobt haben. Also damit ist's ohntdies nichts. Aber was rst dir?" sagte er. seine Dochte'-, die mit gesenktem Haupte vor ihm stand an beiden Händen näher zu sich ziehend. „Tränen in den Augen? Mein armes Kind habe ich dir weh getan? habe ich eine Wunde berührt?"
Papa, Papa?" schluchzte Frieda, beide Arme um seinen Hals legend
Da setzte er sich auf's Sofa, zog sie auf seine Knie und streichelte sanft und wertlos ihr blondes Haar, wie er es oft flefan, wenn in früheren Jahren ein kindlicher Kummer ihr Herz bedrückt batte.
Es gelang chm auch diesmal, sie zu beruhigen. Ihr wildes Schluchzen, ihr herzzerreißendes Weinen börte allmählich auf. Still lag sie in seinen Armen, die ste fest umschloffen hielten.
Nach einer langen Werle sprach der Oberst ganz ruhig:
..Gut mein Kind! Dein Wunsch soll erfüllt werden. Es ,st ein ganz vernönitinsr. guter Entschluß, der dir alle Ebre macht. Es ist wahr, jeder Mensch, der etwas taugt, muß einen r chtigen Beruf, einen Lcbensrnhatt haben. Auch ein junges
Mädchen aus vornehmer Familie, wenn pe einigermaßen ernst veranlagt ist. kann genug bekommen von nichts wie Bällen. Theater. Konzerten, Gesellschaften und derlei Krimskrams. Und zwar soll es bald sein, denn wenn man. mal was befchloffen hat. dann lieber gleich dran gehen. Mit Mama werde ich reden. Maus? Die wird große Augen machen Aber schließlich ist sie ja immer mit dem zufrieden, was ich anordne. Und ihr bleibt ja noch Käthe. Gnt, daß deren Pensionszeit gerade vorüber ist! Geh jetzt in dein Zimmer. Maus, ruh' dich aus?"
„Papa, wie sott rch dir danken?"
„Wie du mir danken sollst? Indem du dein ganzes Leben, lang mein tapferes gutes Mädel bleibst, als das du dich bis jetzt gezeigt hast!"
Nachdem ihn Fiieda verlassen hatte, ging er noch lange schweigend im Zimmer aus und ab. Ihm mar schwer um's Herz, daß er feine schöne geliebte Aelteste so von sich lasten sollte. Aber er sah ein, daß es so anl besten für sie war. Sollte das arme Kind mit seinem tiefen Weh im Herzen hier in K. ruhig sitzen bleiben. Reinhold Cermsboff täglich in Gesellschaft tresfen und unmöglich, wenn es so weit kam, sein junges Eheglück mit der andern mit ansehen? Nein, das wäre schrecklich grausam für sie irnd könnte sie für immer zu einem verbitterten, vergrämten Geschöpf machen. Nein, sie war ein Soldctenkind, war seine eigene, echte Tochter. Nicht mit nutzlosem Klagen und Wernen wollte sie ihrem Gram nachhängen, nicht ihn durch Tand und Nichtigkeiten betäuben, sondern ihn mutig bekämpfen durch eine edle selbstverleugnende Tätigkeit. Er konnte stolz auf sein Kind sein, jetzt noch mehr als früher, wo ihre einzige Aufgabe darin bestand, in Gesellschaft zu glänzen. Und er war stolz auf sie. Zu seiner großen Liebe zu ihr hatte sich noch Hochachtung vor ihrem Charakter gesellt.
Und was die Trennung betrtf. so hatte Frieda auch Recht. Denn wenn sie sich verheiratet hätte, jo wäre diese unter Umständen noch viel vollständiger gewesen. Jedenfalls hätten die neuen Bande sie ihm innerlich viel mehr entfremdet als ihr Diakonisienberuf es trrn konnte. Jetzt würde sie jedes Jahr ihre Ferien hoben und dann wieder ganz das Knrd seines Hauses und Herzens sein Ja, es war am besten so, wenn es auch vorerst weh lat
Und entschlossen. mit heller Stirn und hellen Augen ging er h'nüber in'Z Zimmer seiner Frau, um ihr Friedas Wunsch mrtzuteilen und ihr die Gründe auseinanderzusetzen, welche ihn veranlassen. seine Einwilligung zu geben. Den Hauptgrund aber. Friedas heimliche, unglückliche Liebe, erwähnte er nicht. Daß ste bis jetzt davon geschwiegen, auch ihrer Mutter gegenüber bewies ihm. daß es ihr lieber war. wenn niemand davon wußte Sie wollte rhr lang behütetes Geheimnis nicht on's Licht ziehen: dazu fand er sich nicht berechtigt. Mochte es für alle Zeit begraben sein.
tfrau ööit Trontheinr war natürlich aufs Aeußerste betrof. sen Uber btcjc Nachricht. Auch sie hatte anderes für ihr schönes Kind erhofft. Aber sie konnte sich weder den überzeugenden Gründen ihres Gatten verschtteßen, noch wäre sie imstande ge- wesen, dem ernsten Willen ihrer Tochter Widerstand entgegen zu setzen. Nachdem ihr erstes Erstaunen, ihre erste Enttäuschung überwunden war. fing sie sogar an, sich für die Idee zu be- ?^rn und wollte gleich an ihre Kusine. Gräfin Lenorc Secken-
SCinCS ?*° 6cn Krankenhauses, schreiben, um von ihr das Nötige zu erfahren.
Beim Nachtessen wurde alles noch genau besprochen. Kätbe war sprachlos und sah ihre Schwester nur immerfort erstaunt und bewundernd an.
„Nein. Frieda, das könnte ich nicht?" sagte sie endlich. „Puh immerfort unter kranken elenden Menschen sein und die häßliche nnkleidsame Schwesterntracht tragen, nein, nein, schrecklich) tikritzt. rch begreife dich nicht. Ber uns ist's doch so schön!"
Und bei sich dachte sie:
„Was wird wohl Herr von Naundorfs dazu sagen?"
9 Tt-*r r' 1 ^ erschien ihr bei allem, was geschah, immer da, Wichtigste zu fern.
Als Frieda abends in ihr Schlafzimmer kam. das sie allein bewohnte, war eine große Ruhe in ihrem Herzen. Alle Unrast, alle Ouai der letzten Zeit wor von ihr abgefallen. Cie haltein großes edles Ziel vor sich, dem sie chre ganze Kraft widmen wollte^ Gott hatte ihr viel genommen, aber er hatte ihr auch den Weg gewiesen, wo sie Frieden finden konnte. Sie würde RcnchL.d immer l-cbe». ab» wunschlos, selbstlos. - das war rein ein recht.
In ihr Tagebuch, das fchcn viele Eraüsie ihres innersten Smps'ndens -nthiell, schrieb sie folgende Verse:
Wohl weiß ich daß du, ach. unendlich weit Geschieden bist für alle Ewigkeit'
Wohl wttß ich daß ln deines Herzens Raum ..ichtc- mehr dich mahnt an meinen kurzen Traum.
Wobl weiß ich es mrt heißem b'tterm Weh,
-l. aß ich dich niemals, niemals wiedeiseh'.
Wohl weiß ich das - und doch nur dir allein Kann ich uHn Herz und meine Liebe weih'n Ich hoffe nichts! - ich wist allein dich lieben Z ltr ^ ja nichts als dieses Gluck geblieben.
Ich klage Nickst, daß du "ilr me-.n kannst werden - Wo gab' es denn Glückseligkeit auf Erden?
^ch klage nicht — nicht brechen wird mein Herz Veredeln nur kann es ein solcher Schmerz. - Dich lieben, heißt ja allcs G-te Heben Was Ertt in ein" M-'nfchenbrust geschrieben.
Drum such ich still an nleincm Platz auf Erden,
Erfüllend meine Pflicht, octn u ert zu werden!
Betr.: Die s^ei choer orgun r der Bevölkerung der Stad: Fnedber 7 .
Kekanntmachnng
Ilh br nge hierdurch zur öffem- ttchen Kenntnis, daß der Verlaus von Rind- und Kalbfleisch, sowie Wurst für diese Woche am ,tre:- taq. den 18. Dezember ,918. nachmittags von I bis 6 Uhr. in den sämtlichen hiesigen Metzgerläden stattfindet.
Die Verkaufszeit ist genau ein- zuhaltcn.
Friedberg, den 11 . Dez. 1^18. Der Bürgermeister 2. V.: Dam m.
Kekannimachung
Pttlöinimkttäii-AllSMSe
vni Freitag, den 13. Dezember 1318 auf Zimmer Nr. 9 des Stadlhau es während der üblichen Geschäftsstunden.
Auf ieoe Haushaltung ohne ieo* lidje künstliche Beleuchtung eni- ällt ein Liter Petrol um. der zum Prei e von 45 Pfennig in 3?n nachgenannten Geschäften erhältlich ist:
Willi Madre. Adolf Bechslein. Kastan Brand. Heinrich Eckel. Michael Gerhard. Ehr. Krämer Wwe., Karl Villa ch. Markus Rosenfeld. Friedrich Michel, Fer- dmand Damm .Nachflg., Georg Mobs, Konsumverein.
Beim Bezug der Karten ist die Lebensmittelkarte vorzulegen.
Friedberg, den N. De;. 1918. Der Bürgermeister.
2i V.: Dam m.
Wcihnachls-Bitte.
1 „.nt nugtii <n uiuuai, uamn idii möglich >r vielen tigen Kindern eine Weihnachtsfreude be eilen können.
Gaben werden danlend enigegengenoinmen von den Vor Mitgliedern:
I. Dörr, Kaufmann.' M. Georg,. Apotheker.' I. Heineck. nungsrat,' G. Kleberoer. Pfarrer: Th. Mor,chel. Vauunieim Ph. Philipps Hauvtlehrer: H. Rau,ch. Kau mann: W. Nr Fabrikant.' Dr. L. Seyd. Rech sanwair; R. Walz. Pro effor.
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Zeichnungen auf alle an den deutschen Börsen zur Auf- läge kommenden neuen Anleihen jeder Art werden von uns zu den Ausgabe-Bedingungen angenommen, ohne daß dies in den einzelnen Fällen IteHonderg bekannt gemacht wird.
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Privat-Tanzunterrichi
gerb. Hain,
Lehrer der Tanzkunst,


