mtiort zu setzen, als Schmach und Schande und sprechen solchem A.- und S.-Rat die Berechtigung ab, sich als Vertreter des Volkes zu bezeichnen. Wir erheben flammenden Protest gegen den Beschluß des A.- und S.-Rates.
Berlin, 9. Dez. In der Rede, die der Abgeordnete Strobel bei der Kundgebung der Unabhängigen am Vismarckdenkmal hielt, sagte er unter anderem, es sei unerhört, daß der ganse militärische Apparat sich noch immer in den Händen Hindenburgs und seiner Trabanten befinde. Hindenburg sei sicher ein tüchtiger Heerführer» aber auch ein großer Reaktionär. Aus den amtlichen Akten habe er einen Brief Hindenburgs in den Händen, aus dem hervorgeht, daß gerade Hinden- burg es gewesen sei, der den Reichskanzler Vethmann Holweg zur strecke gebracht habe, weil ihm dieser zu reformfreudig und nicht stark genug gewesen sei, für den Siegfrieden einzutreten.
Ablehnung d-r A.- und S.-Räte.
Berlin. (WB.) Ter..Vorwärts" schreibt: Bei dem Eintreffen der englischen Flotte in den deutschen Gewässern zu dem Zweck, die Ausführung der Waffen'Lill- standsbedingungen zu kontrollieren, verlangte der englische Admiral vom Führer der deutschen Kommission, Vizeadmiral Goethe, sofort die Feststellung, daß sich in ihr kern Vertreter des Arbeiter- und Soldatenra'es befinde. Bei Beginn der Sitzung wiederholte er die Frage, ob kein Vertreter des Arbeiter- und Soldatenrates zugegen fei' er habe strikten Befehl, in diesem Falle nicht zu verhandeln. — Aus dem neutralen Ausland wird den einzelstaatlichen Negierungen berichtet. Wilson und dre Entente würden nur mit einer deutschen Regierung verhandeln, die sich auf das in ordentlichen Wahlen kundgeoebene Vertrauen des Volks stütze. Eine Rote diesen Inhalts sei in Vorbereitung.
Ka jrfflüläigf (fbrrtg rm Dir 5'MldlUkslknle.
Serlin, 9. Dezember. In einer Versammlung, die am Sonntag in Berlin stattsand, sagte Eoert:
, . Gr .^lle fest, daß die Wucht und die Massenhaf- ttgkelt dieser Demonstration den Beweis dafür liefere. qy? r h I e - ^ er ^ ncr Arbeiterschaft in ihrer überwiegenden Mehrheit der sturmerprobten Fahne der alten Sofial- demolratie folge, und führte aus: Wir Sozialdemokraten wollen Frieden, Freiheit und Brot. Gelingt es in den nächsten Tagen ablaufenden Waffen,tlttstand zu erneuern, so sind die Errungenschaften der Revolution verloren. Ihre Sicherheit kann nur erzielt werden, wenn Ordnung und Festigkeit herrschen, und das fetzt voraus, daß die Demokratie reitlos auf allen Gebieten und unangetastet zum Ausdruck gebracht wird. Mcinungs- und Gewissensfreiheit muffen die Grundpfeiler der jungen Republik bleiben Ohne Demokratie keine Freiheit. Gewalt, einerlei von wem sie angewandt wild, ist immer reaktionär. (Stür- Ml,che Zustimmung). Die alten Tyrannen sind verjagt, mit dem Flug des Unglücks, das über uns gekommen ist. Alle Versuche, das alte Regime neu zu beleben werden wir mu äußerster Entschlossenheit Niederkämpfen! Aber ebenso begegnen wir auch der Aufrichtung jeder neuen Gewaltherrschaft, die verhindern will, daß unser Volk tu freier Wahl sein Schicksal selbst bestimmt. Täglich rufen Liebknechts fanatische Anhänger zur Gewalt. täglich verteilen sie Waffen, täglich drohen sie die Regierung der Republik mit Waffengewalt anzu- greifen. Wir werden mit äußerster Enlschloffenheit allen diesen Versuchen begegnen. (Vielfache Zurufe' Wort halten, Zupacken D Wir sind keine Negierung der Gewalt. Un'ere Legitimation der Regierung szeruht einzig und allein auf dem Willen unseres Volkes Solange aber unser Volk nicht in freier Wahl seine Regierung selbst bestimmen kann, solange bleibt jede Regierung ein Provisorium. (Sehr wahr.) Desgleichen rst es unerläßlich, daß nächstens die konstituierende Nationalversammlung kommt. Erst die Konstituante, zud^r Männer und Frauen demokratisch wählen, kann den Sieg der Revolution sichern. Die Konstituante wrrd der Sieg der Sozialdemokratie sein.
rave aus dieser Armut, aus der Bedürfnislosigkeit könne uns. so meint der verehrungswürdisse greise Künstler. eine umiberwind. liche Kraft erwachsen. „Jetzt muffen wir durch großes Dunkel hindurch, in der Verworrenheit eines noch unbekannten Schicksals. Nur nicht stehen bleiben im Dunkeln — vorsichtig lastend wollen wir hinausstreben und wollen nach dem Lichte suchen. Das deut- sche Volk will bestehen, doch nicht sein Wille geschieht — das deut. sche Volk muß bestehen, ob es will oder nicht. Dies ist von einer höheren Macht abhängig/es wird seine Vestehungsform aus sich selbst finden, nach seiner Wesensart, die es sich ja auch nicht selbst gegeben hat, die es tragen muß und nach der es immer handeln muß.... Wir wollen das Alte nicht mitfchleppsn, sondern es auf den Kehrichthaufen der Vergessenheit werfen. Mögen da die Geschichtsschreiber darin herumstochern. Wir, die Lebenwollenden, muffen nach dieser schrecklichen Zeit mit wenig Gepäck und leicht, füßig in die Zukunft hineinwandern."
Ist das demokratisch?
Berlin, 9. Dez. In einer gestrigen Versammlung der U abhängigen verbreitete sich der Kultusminister Ho mann über die Nationalversammlung. wie folgt: „Die Wahlen zur Nationalversammlung' sind viel zu früh ange etzt. Die Errungen cha' en der Revolution wird sich das Volk nicht rauben la sen. Ergeben die Waglen eine sozialistische Minderhe t, so muß die Nationalversammlung eben gesprengt werden. Jeder Parle.angehörige muß dann eben bereit sein, auf die Barrikade zu steigen."
Bremen, 7. Dez. Der Bremer A. beiter- und Sol- datcnrar hat die für Sonntag aepianie große bürgerliche Demonstration für die Nationalversammlung und die Wiedereinsetzung von Senat und Bürgerschaft in rhre versanungsmäßigen Rechne bis zur Neuwahl de»- Bürgerschaft un er Hinweis auf die Vorgänge in Berlin verboten. Ter Bürgeraussä)u z legte dagegen scharfen Proten ein, da Arbeiterdemonstrationen nicht verboten worden seren, und hat eine in dieiem Sinne gehaltene Erklärung an den Bolksbeauitragten Ebert abgesandt.
„?rmes Deutschland".
^ nennt der Altmeister Sans Thema in den Eugen Diederichs, Blattern das Vaterland. Aber Armut ist keine Schande. Ge.
Werbt ftnf dem Fände!
Der Staatssekretär des Reichsarbeitsamtes. Bauer, erläßt folgenden Ausruf „an die heimkehrenden Landarbeiter und alle, die auf dem Lande tätig waren":
(&e ß nicht in die Städte und JnÄustriebez rke! Dort fehlt es an Wohnungen und ist die Arbeitsgelegenheit schon wegen der 'mangelnden Rohstoffe knapp. Auf dem Lande ist eine durchgreifende Umgestaltung der Besitzverhältnisse im Gange. Mehrere Millionen Hektar — Raum genug für Hunderttausende von selbständigen Vauernstellen — werden unter Mitwirkung der landwinscha'ttichen großen Verussverbände zur Besiedelung bereitgestellt we den. Das Werk wird so schnell vollendet werden, wie die gegenwärtigen Schwierigkeiten der Vau-, Transport- und Geldverhältnisse es gestatten; bis dahin findet Ihr auf dem Lande Unterkunft und lohnende Beschäftigung. Denn mehr als eine Million Kriegsgefangener und Wanderarbeiter verlassen ihre Arbeitsplätze und der Krieg hat große Lücken in den Bestand des Landvolkes gerissen.
Wir haben die Ausnahmegesetze gegen die Landarbeiter ausgehoben und die Eeändeordnung außer Kraft gesetzt. Nachdem für die Landarbeiter die gleiche Koalitionsfreiheit gesichert ist wie für die Industriearbeiter , werden die Aibeits- und Lohnverhältnifse durch Tarifverträge zwischen den Organisationen der Landarbeiter und der Gutsbesitzer geregelt.
RWlikicu öcs chuiLkg Ln sanLNrik.
Wir stellen uns bis zur Schaffung einer auf gesetzlicher Grundlage beruhenden Staal^farm hinter jede Negierung, die gewillt und fähig ist. Ruhe. Ordnung und Sicherheit für Person und Echentrnr aufrecht -u erhalten, die Dollsernährung sicher, z^stetien. die N-'ichsernhcrt zu wahren nrllr einen sofort gen Frieden herberzuführen.
Wir halten für geboten:
1 Schleunigste Einberuiung der Nationalversammlung. bis dahin Unterlassung jeglicher Eingriffs in das wirtschaftliche, rechtliche und kulturelle Leben.
2. Förderung eines starken deutschen Volkstums auf christlicher Grundlage und Bekainvfu.rg undeutscher Einflüsse in Kultur uicd Wirtschafts'ebeu. Kerne Trennung von Staat und Kirche.
3. Sicherstellung der Tätigkeit der Bauern- und Landarbeiterräte.
4. Wiederaufbau des Wirtschaftsleben?, gestützt auf eine starke. Lebensfähige und unabhängige Landwirtschaft, di- bald' möglichst von den Feffeln der Zwmvrsu»irisch sS t zu befreien ist Gesunder Wiederaufbau des Mittelstandes und der Industrie
5. Weitgehendste Förderung der Anüedlung von Bauern und Arbeitern in Deutschland, insbesondere der Kriegsteilnehmer
6. Schaffung von Mietwohnungen und Gartenland für freie ländliche Arbeiter in Landgemeinden.
7 Freiheit!icke aber oen ners.bieden.".i B-'rufsgruppen gerecht werdende Gestaltung der Kammnnalaesitze.
8. K-unrjiizf'cke Erhaltung von Eigentum und Erbrecht, unbeschadet einer stufselmeisen Heranziehung der Privatver- mögen zur Deckuno der Kriegslasten
9. Starke Heranziehung der Krstgsyew?nne vnd schärfste -Licherung grgen Abwanderung und Stenerhinterzsehnng heg mobilen Kapitals.
M Sparsamkeit in der Staats, und Re.chsaürtfchaft.
1l. Wirfichasilicke Hebung des Landarbekterstandes und Ausbau seiner politischen Rechte.
VI Zur Durckfübrimq unserer Bestrebungen wünschen wir erne starke politische Betätigung der Frauen, insbesondere auf dem Lande
Zur Durchführung dieser Richtlinien erwarten wir die tatkräftige und cpstrwillige Unterstützung der Gleichgesinnten aus allen Bolkskreßen. unter Ausschaltung der Gegensätze zwischen Stadt und Land, die bisher in so unheilvoller Weise das deutsche Volk trennten und seine Kraft schwächten.
Zu diesen Hauptforderungen werden wir noch eine umgehende Erläuterung g>ben. die auf Wunsch unseren Vertrauensmännern zur Verfügung steht.
Der engere Vorstand des Bundes der Landwirte:
Freiherr v. W a n g e n b e i m. Dr. R o e s i ck e ,
Vorsitzende.
Dr v. V o l l m a n n, Direktor.
„Diirger Ernst Ludwig."
In der Montags-Sitzung des Arbeiter-, Vauern- und Soldatenrates zu Darmstadt regte Bürger Dr. Wolf die Frage an, wie die Nationalversammlung über das Weuerbestehen der Revublik entscheiden wird. Man
werde eine neue Republik Hessen bilden, wenn die „Ra» tionalversammlung eine Monarchie gründen wolle. Dem Bürger Ernst Ludwig sei es zu verdanken, daß er nicht auf den Thron verzichte. Man solle ihm die Pistole auf die Brust setzen. Wenn er nicht abdanke, müsse er außer Landes gehen.
Bürger Delp führt aus, daß man über die Frage, ob Monarchie oder Republik, nicht zu diskutieren brauche. Bezüglich des Bürgers Ernst Ludwig ist er auch der Auffassung, daß er vor die Alternative gestellt werden oder abdanken müsse. Er solle die Konsequenzen ziehen. Bürger Knoblauch ist der Auffassung, daß er in der Republik überhaupt keine „von"-Leute geben wird. Der Vorsitzende möchte annehmen, daß die jetzige Aussprache nicht etwa aus der Angst geboren fei. Man solle dem Volk ruhig das Weitere überlassen. Vüraer Dr. Wolf beton^weiter, daß die Verwaltung der Eroßh. Domänen dem Finanzministerium überwiesen wurde, auch das PrioateigentumdesGroßherzogs müsse unterSequstration oestellt werden, um Verschiebungen usw. zu verhüten. Der Amrag wird dem Ausschuß überwiesen. Staats- - minister Ulrich erklärt hierzu, daß man in der Regierung daran ist, diese Fragen zu regeln, das geschehe aber ! nicht im Handumdrehen. Die Tendenz der Anträge sei gut, sie müssen aber in annehmbarer Form eingebracht werden. Man werde tun, was die Republik verantworten kann. Bürger Dr. Wolff hält das Vorgehen der Negierung für zu lang'crm. Staatsminister Ulrich stellt demgegenüber fest, daß man bisher nichts versäumt habe, um das Recht der Republik an dem ; ihr zustehenden Eigentum zu sichern. Der Vorwurf ist zunickmweifin. Derartige Husarenritte, wie sie Dc. Wolff empfiehlt, könne man nicht mittun
llliiilßrr Zürich iüirr den Aushgü hi Stdato.
lieber den Ausbau der neuen Republik sprach Minister Ulrich am Sonntag vormittag in einer sozial- demolratischen Volksversammlung. U.a. führte er aus:
Als er am Revolutionssamstag ins Schloß gerufen wurde, habe er dem vormaligen Großherzog sofort erklärt, wenn Blutvergießen verhindert werden solle, dann müsse der Großherog freiwillig abdanken. Leider habe der vormalige Großber og. dessen tragischem Geschick als Mensch man nicht die Achtung versagen dürfe, anders enlschieden. Daß dennoch Blutvergießen verhindert worden sei. sei der anerkennenswerten opferbereiten Arbeit der Arbeiter- und Soldatenräte zu verdanken. Rach dem schmählichen Verhalten seiner Träger sei der monarchische Gedanke in Deutschland erledigt. Erst wenn die Nationalversammlung, für die aus technischen Gründen leider ein früherer Termin stch nicht habe anberaumen lagen, gebildet ist, wird die Frage der Sozialisierung der dazu geeigneten Großbetriebe erwogen werden können. Die Fideit'o nmisse müssen anderweitig nutzbar gemacht werden. Die hessische Negierung wird da>ür eine Kom Mission einsetzen. ebenso wie für die Frage der Zivilliste und der damit zusammenhängenden Uebersührung der Domänen in ungeteilten Staatsbesitz. Das lasse sich jedoch nicht über Nacht machen. Allerdings, dacan wird nicht nerüttelt werden dürfen, daß die Zeit der lohnkapitalistischen Ausbeutung vorüber sein muß. Die Haupisorge der Regierung sind die Ernährungs- und Berkehrsfragen. Die Landwirtschaft scheint ihrer Pflicht z<tr Ablieferung ihrer Erzeugnisse nachzu- kommen^ Rohstoffe sind nach Auskunft der zuständigen Reichsstelle noch genügend vorhanden. Von mancher Seite würden besonders letztere Fragen übertrieben in der dunklen Absicht, die vorhandene Un- sichcrheit zu steigern. Die besitzenden Klassen müssen sich nun daran gewöhnen, daß sie zu wesentlich höheren Steuern herangezogen werden müssen. Weitere Aufgaben des neuen Volksstaates sind die Reform des Schulwesens und die Förderung von Kunst und Wissenschaft. „In der Kunst, die dem Volke gehören soll, muß für die schaffende Jugend freie Bahn gegeben werden. Weitere Programme sind: Koalitionsreiheit auch für die Beamten. Freiheit der Presse, Reugestal- tung der Polizei, Beseitigung aller Schranken für die religiöse Betätigung. Unter allen Umständen muß die Einheit Deutschlands au recht erhalten bleiben. An der Pforte der neuen Republik sollen die Worte stehen- Pflicht der Arbeit. Recht des Lebens.
Diese Forderungen sind fast durchweg zu billigen, als —- und das ist die Hauptsache — sozialdemokratisch im Sinne des Parteiprogramms sind sie nicht. Es sind meist Grundsätze, die da aufgestellr werden, mit denen sich jeder Freund des Volkes einverstanden erklären kann. Auf einen Punkt möchte ich besonders zurückkommen. Auch Ulrich unterstreicht, daß unter allen Umständen die Einheit des Reiches erhalten bleiben müsse. Auch in der „Volksstimme" finden wir diesen Gedankengang' ja dieses Blatt nennt die Leute, die für eine rheinisch-weßfälische Republik schwärmen, „schwarze Reichsfeinde". Wir, die wir von je ein großes und einiges Deutschland erstrebt haben, sind wohl fiel von dem Verdacht, mit Loslöjungsbestrebungen etwas gemein zu haben. Aber die Herrschaften, 'die sich darüber so entrüsten, mögen doch gefälligst dafür sorgen, daß der Saustall in Berlin ausgemistet wird. Geschieht das, so sind Loslösungsbestrebungen nicht zu befürchten. Was soll man aber dazu sagen, wenn in einer Bersannnlung zu Frankfurt unter allgemeinem Beiiall gesagt wurde: 2n den Arbeiterrüten hatten Bürgerliche absolut nichts zu suchen. Wer anders denke, verrate die Revolution. Hindenburg, Marwitz u,w. gehörten entlassen, denn sie seien ebenso schuldig wie alle Träaer des reaktionären Sustems. AUt solchen


