Ausgabe 
11.12.1918
 
Einzelbild herunterladen

Unmmer 291 Einzelpreis Mittwoch, den 11. Dezember 1918 _ 11, Jahrga ng*

Die M |tcue Tayesreitung" erichemt ieöen Merilai. Regelmäßige BeilagenSer Kauer aus Hessen". ..Sie Spinnssube". Se?«gsprsis: Bei den Poftanitatlen vlecielsahrlich Mt. 2.70 hinzu »ritt noch das Bestellgeld: bei oen 2l.'enter monatlich 1.00 Mk. einschließlich Trägerlodn. Anreigen: Grunlneile 2b Big., totale 20 Btg^ Anzeigen von auswarrs mecoen ourch Bo rnachna me erhoben. Crfüllunasorr Frieobera. hchriNIeituna und Vertan ^rieoberq lHeffeni. ^anaueritratze 12. Fernivrecher 48. Poitjheck.Loino Rr. 4339. Umt Fraatsurt a. M.

(Ein ünitidifr Prptfß gegen die Unterbindung des Verkehrs uni de.» beletsen Gebiet.

Berlin, 9. Dez. (MB. Amtlich.) Die deutsche Regierung sandte den gegnerischen Regierungen auf dem diplomatischen Wege felgende Rote:

Marschall Joch ließ am 6 Dezember der Waffenstillstands­komm ission die Entscheidung zugehen, wonach der Lebensmittel, verkehr und der gesamte Verkehr der geräumten linksrheinischen Gebiete mit der neutralen Zone und dadurch mit den übrigen Teilen Deutschlands unterbunden wird, da die Aufrechterhaltung der Blockade in dem Waffenftillstandsabkommen vorgesehen sei. Die deutsche Regierung ist verpflichtet, gegen diese Anord­nung den schärfsten Protest zu erheben, weil diese einseitige Entscheidung mit dem klaren Wortlaut des Waffenstillstands- abkommens in unlösbarem Widerspruch steht. Die angekün- digte und rei'weise schon durchgeführte Maßnahme gibt der bis­herigen Blockade eine Ausdehnung auf die Sperrmaßnahmen zu Lande, die mit dem Wesen der Blockade in Widerspruch steht und allen Völkern seit den Zeiten der englischen Kontinental, sperre gegen Frankreich fremd ist Die angeführten Bestim­mungen des Waffenstillstandsabkommens über die Blockade fin­den sich daher auch sinngemäß in dem Abschnittclauses nava- les" und fordern -nur die Aufrechlerhaltung der Blockade im gegenwärtigen Umfang. In der peirosfenen Entscheidung lient jedoch eine ganz erhebliche Verschärfung und Ausdehnung der Blockade, unter welchen die deutschen Frauen- und Kinderwelt der rechtsrheinischen Gebiete besonders hart leidet. Diese ist auf die Zufuhr von Milch und anderen unentbehrlichen, rasch verderblichen Lebensmitteln aus den geräumten Gebieten um. somehr angewiesen, als datz deutsche Volk die Versorgung von Lebensmitteln durch die Alliierten, wie sie ein den erwähnten Vlockadebestimmungen des Waffnstillstandes in Aussicht gestellt ist, überhaupt noch nicht erhallen hat.

Diese Entscheidung verletzt weiter die Vorschrift des letzten Absatzes des Artikels 4 des Waffenstillstandsabkommens. wo­nach keine allgemeinen staatlichen Maßnahmen ergriffen wer­den dürfen, die eine Entwertung der industriellen Anlagen oder eine Verringerung ihres Personals zur Folge hatten. Durch die verfügte Unterbindung des Verkehrs wird die absolut not­wendige gegenseitige Zufuhr von Rohstoffen und Halbfabrika­ten zur Aufrechterhaltung der industriellen Anlagen unmö"li>h gemacht, wodurch deren Entwertung eintreten muß. Die Pro. duktionsunmöglichkeit zwingt wiederum zur Verringerung des Personals, und Arbeitslosigkeit und neues Elend in den will­kürlich abgetrennten urdeutfchen Gebieten sind die unabwend­baren Folgen.

Die deutsche Regierung schlagt deshalb vor, ülese Frage bei den bevorstehnden Verhandlungen über die Verlängerung des Waffenstillstandes dahin zu regeln, daß unbeschadet des Aust fichtsrechtes der Alliierten eine vollkommene Verkehrsfreiheit zwischen den geräumten Gebieten und den übrigen Teilen Deutschlands gewährleistet ist.

gez. Solf. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes.

Kkin Ulrhsnökln i>ks VttbaiAs ml dt» A.- und S.-Wc».

Köln, 10. Dezbr. Wie di«Kölnische Zeitung" zuver­lässig erfährt, bestätigt sich die Meldung, daß der Verband die Auflösung sämtlicher Arbeiter- und Soldatenräte fordern wird. Tie dahingehende Note des Verbandes steht unmittel­bar bevor. Tie bayerische Gesandtschaft in der Schweiz hat bereits eine entsprechende Erklärung seitens der Verbands- rertreter erhalten. Ter Verband lehnt nicht nur jede Ver­handlung mit den A.- und S.-Räten ab, andern auch jede endgültige Regelung mit der gegenwärtigen Regierung, die er als eine einseitige sozialistische Regierung nicht als legiti­miert erachtet, um im Namen des deutschen Volkes zu sprechen.

iUifinüüfrnang dkg lttzün RkWtnIs.

Köln, 3. Dezbr. (WB.) Ueber eine Woche sind die Heeres­säulen von der Westfront über Köln und Umgegend nach Osten zu marschiert. Als letzte geschloffene Formation rerließ heute mittag kur» nach 4 Uhr das Infanterie Regiment Nr. 371 die Otadt und zog über die Dombrücke ins bergische Land. Aus die- senr Anlaß wurde eine Abschiedsfeier vor dem Südportal des Domes veranstaltet. Hier hatten die Schulen Aufstellung genom­men und eine ungemein große Menschenmenge umsäumte den Platz, um den letzten scheidenden Truppen ein Lebewohl nachzu. rufen. Die Militärkapelle spielte und Soldaten sangen Chöre. Der Beigeordnete Albermann als Vertreter des Oberbürger­meisters gab namens der Stadt dem Regiment den letzten Sck-erdegruß mit aus den Weg. Er sprach seinen Dank aus für ihre heldenhafte Verteidigung des Vaterlandes. Als unbesieg­bare Truppen kehrten sie zurück und verließen nun die Stadt, welche der fremden Besetzung entgegeicharren muß. Er sprach die Hoffnung aus nichtzu fernes Wiedersehen au§ und gab den

scheidenden Truppen die Versicherung, daß, wie auch die Verhalt- niffe sich gestalten mögen, das linke Rheinufer deutsch fühlen, deutsch bleiben und ein untrennbarer Bestandteil des Deutschen Reiches bleiben werde. Der Regimentskommandeur erwiderte mit einer kurzen Danketzreve und mit einem Hoch auf die Stadt Köln. Die erhebende Feier wurde geschloffen mit dem Vortrage des altniederländischen Dankgebetes durch die Musikkapelle, ver. eint mit dem Schülergesang Das Rote Kreuz verteilte Gaben. Junge Mädchen verteilten Blumen an die Truppen, die mit offenen Fahnen in den deutschen Farben, mit Blumen und Fähn­chen geschmückten Gewehren im Parademarsch, vorbeidefilierten, um den Weg über die Dombrücke zu nehmen, fortwährend mit lauten Zurufen von dem Publikum begrüßt Biele Augen wur­den feucht. Unverkennbar machte sich die tiefe Demut geltend, daß es ganz anders gekommen ist, wie man noch vor nicht allzu­langer Zeit hoffte.

Einzug der Garde in Äerlin.

Ilrtter herzlichster Begrüßung der Bevölkerung hielt gestern ein großer Teil der Garderegim enter feinen Einzug in Berlin. Vorher hatte Ebcrt dem Komman­dierenden General Leanin durch.Handschlag verpflichtet, die neuen Gewalten anzuerkennen. Tie Straße, durch die der Einzug erfolgte, waren reich geschmückt. Fahnen wechselten da mit Teppichen und Tannengrün. Auch die Mannschaften die in strammer Haltung, jubelnd begrüßt, marschierten, waren mit Blumen und Schleifen geschmückt. Das Hurra­rufen und Tücherschwenten wollte kein Ende nehmen. Es mögen an 7000 Mann einnmn'cknert fein. Am Branden­burger Tor fand die Begrüßung durch die Regierung und die Stadt Berlin statt. Ebert hielt eine Ansprache, in der er hervorhob. daß die Truppen von keinem Feind überwunden worden feien. Ni^ hätten Menschen größeres geleistet und gelitten. Tie Truppen fänden ein neues Deutschland. Aus kern Zusammenbruch wolle man ein neues Deutschland zim­mern. Er schloß Vnte Ansprache mit den Worten: Bald

schlägt die ersehnte Stunde des Friedens, bald wird die konstitufrende Nationalveramnilnng die Freiheit und die Republik verankern durch den unantastbaren Willen des ganzen deutschen Volles. Ihr legt die Waffen aus der Hand, die. getragen von den Söbnen des Volles, dem Volke nie Gefahr, sondern stets nur Schutz sein sollten. Ihr sollt mil­schaffen an dem großen Werk der neuen deutschen Zukunft der Zukunft unseres Volkes, dessen Glück Eure fleißigen Hände erbauen müssen von Grund ans. Und so laßt mich Eure Treue zur Heimat, die uns allen gemeinsame Liebe zur Einheit Deutschlands, unfern Stolz auf die Freiheit und die große unteilbare deutsche Republik zusammenschließen in den Ruf- Unser deutsches Vaterland, die deutsche Freiheit, der freie Volksstaat Deutschland sie leben hoch!

Nach ibm sprach der Oberbürgermeister Wermuth und rin Feldwebel.

Die Waffen des Herrn Joffe.

Berlin, 9. Dez. In einem Fuilkspruch an das Mitglied der Reichsregieruna Haase sagt der frühere russische Vertreter Joffe in Berlin, jetzt in Moskau. ..daß die von ih,n in Berlin verbreitete Propaaanda- schrift durch Vermittlung der unabhängigen sozialdemo­kratischen Partei verbreitet worden ist. Was den An­kauf von Waffen anbelangt, so ist die angeführte Zahl von insgesamt 150 Mauserpistolen, 28 Brownings, und Paralellumpistolen nebst etwa 27 Patronen nicht richtig. Die angeführten Waffen waren nur zur Ausfuhr nach Rußland bestimmt. Die Zahl der angekauften und dem jetzigen Bolksbeaustragten Barth übergebenen Waffen ist, wie Sie wissen, viel höher. Auch entspricht die ungefähre Gesamtsumme der Gelder nicht den Tatsachen. Herrn Barlh sind seinerzeit zum Zwecke der Beschaffung von Waffen nicht 150000 Mark übergeben worden, sondern mehrere hunderttausend. Indem ich das sest- stellen möchte, rühme ich mich, durch diese meine Tätig­keit, die im Einverständnis mit den unabhängigen Mi­nistern Haase, Barth und anderen geschah, auch für meine Person zum Siege verdeutschen Revolutioir nach Kräften milgewirkt zu haben."

Dazu erklärt Herr Barth, daß er niemals weder von Joffe noch von einem anderen russischen Genoffen Geld oder Waffen erhalten habe.Durch meine Hände gingen zur Vorbereitung der Propaganda der Revo­lution mehrere hunderttausend Mark, die ich lediglich von deutschen Genossen erhielt.

Auch Herr Haase erklärt:Ich hatte keinerlei Kenntnis davon, das die Vertretung der Sowjetregie- rung in Deutschland Waffen, die zur Ausjührung nach Rußland bestimmt waren gekauft hat. Ich kam nicht einmal aus die Vermutung, daß Joffe für Waffenbe­schaffung irgendwie tüttg gewesen ist. Ich habe viel­

mehr angenommen, daß einige wohlhabende deutsche Parteigenossen meinem Kollegen Barth sür diesen Zw.ck Geld zur Verfügung gestellt hätten.

Wie es §n drm Watrofen- Anfstand Kam.

Die Herren Matrosen der Hochseeflotte nehmen es sehr übel, wenn ihnen die Frontsoldaten vorwerieu, daß sie in den vier Jahren des Krieges nur einmal Gelegenheit gehabt hätten, ihren Mut zu erproben und die Welt mit den Taten derBlauen Junaens" zu überraschen und daß sie, als ihnen das zum zweiten Male zugemutet wurde, die Halfter ausgestrippt, Re­volution gemacht und es vorgezogen hätten, als Prä­torianer sür die radikalsten Elementen in den deutschen Großstädten, die mit der See auch nicht im innigsten Zusammenhang ständen, aufzutrelen. Die'er Gedanken- gang wird aber jetzt bestätigt durch eine Dar egung der Vorgänge durch den Obermatrosen Funk in derFcantf. Ztg." Er beschwert sich zunächst darüber, daß die Matrosen durch den Dienst schwer in Anspruch genommen worden wären. Wir wollen da die Frage erheben, ob denn etwa die Frontjoldalen einen leichten Dienst gehabt haben, sie haben stets einen unendlichen Kamps eegen die Feinde gekämpft und haben schanzen uno graben und dabei Rot und Entbehrungen auf sich nehn en müssen, von denen die Matrosen ganz gewist ver chont geblieben sind. Außerdem möge der geschützte Ober­matrose an das Wort denken:Müßiggang ist alter Laster Anfang" und daß die Matrosen, hätten sie keinen strammen Dienst gehabt, wohl schon früher aw ihre Gelüste gekommen wären. Des weiteren oiöt der Ober­matrose offen zu, daß eine be'ohlene Seeosfensive die größte Erregung unter den Besatzungen der Schiffe heroorgeiusen hätte. Es fei nun von den Besatzungen einzelner Schiffe folgende Resolution au gestellt worden:

Greift der Engländer uns an, so stellen wir un­seren Mann und verteidigen unsere Küsten bis zürn Aeußersten, aber wir selbst greifen nicht an. Weiter als bis Helgoland fahren wir nicht, andernfalls wird Feuer ausgemacht."

Daraufhin unterblieb das Auslaufen und die ver­schiedenen Verbände nahmen ihren alten Liegeplatz, bezw. ihren Vorpostenplatz wieder ein. Das dritte Ge­schwader wurde zur Erholung nach Kiel befohlen.

Das ist ja alles ganz gut und schön, aber wir fragen, haben denn die Frontsoldaten si h in hunderten von Schlachten geweigert, zur Offensive vorzugehen? Rein, das taten sie nicht, sondern haben ihre Schuldig­keit getan fürs Vaterland. Sie haben dabei auch nicht erst gewartet, bis der Feind angegriffen hat. Die Matrostn aber haben sich, wie aus der obigen Dar­stellung hervorgeht, hinter billigen Ausflüchten verkrochen deshalb sind die Vorwürfe der Fronttruppen nicht un­berechtigt.

§ie englische Ueüernnn tiir die Ailfhtdunz crr Difiiflyfiidjt.

London, 9 D^z. (MV.) Reuter meldet: Amtlich wird

mitgeteilt, daß die Koalitionsregierung mit der endgültigen Av- stcht zur Friedenskonferenz gehen wird, dort die Aufhebung der M i l i t ä r d i e n st p f l t ch t in ganz Europa vorzuschlagen.

Chile und Peru.

Bern. 6. Dezbr. Nach Meldung derAgenzia Romano" hat der Kongreß von Peru in einem geheimen Beschluß bedeutende Kredite für die Mobilisation der Truppen bewilligt, um aus die Mobilffieruirgsmaßncchmen Chiles zu anrworten. In Iquiqu« und Antofagasta kam es zu revolutionären Kundgebungen. Die maximalistischen Arbeiter erklärten den Generalstreik und mar­schierten gegen die Kaserne. Die Regierung hat zwei Divi­sionen aufgeboten. Die revolutionäre Propaganda dehnt sich auch nach Argentinien aus. In Buenos Aires kam es -u einer hef­tigen anarchistischen Kundgebung als Protest gegen die Ge­fangensetzung des Mörders des Polizeipräfekten, besten Aus. lieferung Chile bewilligt hat. Zahlreiche Personen wurden ver­wundet. Die Regierung der Vereinigten Staaten wird in den Konflitt zwischen Peru und Chile eingreifen.

»Schmach und Schande."

Braunsberg, 9. Dez. (WB.) Der Arbeiter-, 6oV baten- und Bauernrat des Kreises Braunsberg teilt mit: Die versammelten A.-, S.- und B.-Räte des Kreises Braunsberg kennzeichnen hiermit öffentlich den in der Presse verbreiteten Antrag des Leipziger A.- und 6.» Rates, Hindenburg -u verhaften und auf Soldaten.