Ausgabe 
10.12.1918
 
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Die für die Derstaaprkyttttg kesonoers geeigrrrrerL nud reifen indn- strieklen Großbetriebe, wie Kohlen-, Kali- und Erzbergwerke, SLickstoffgewinnung und die Elektnzitätsindustrie sind in Staatsbesitz zu überführen. Das gleiche gilt von den Großbanken und dem Versicherungswesen.

2m übrigen stehen wir auf dem Standpunkt, daß das

Privat-GLgerrinm und der privatwirtjchnftUche Hrlrieb

auf alle Fälle und in jederForm zu erhalten ist. Bei weiterer Sozialisierung würde die Zahl der Beamten vermehrt und die unwirtschaftliche büro- krati.che Betriebsweise verstärkt, Verantwortlichkeitsgefühl, Unternehmungslust, Wage­mut, Berufssreudigkeit, Arbeitswille und Streben nach Ausnützung aller Möglichkeiten zum Schaden unserer Volkswirtschaft vollständig gelähmt. Die freie Wirtlchasl Hai bis zum Beginn des Krieges Glanzendes nicht zuleM im 2nteresie der Angestellten und Arbeiter geleistet. Die Sozialdemokratie aller Schat­tierungen von den Mehrheitssozialisten bis zur Spartakuspruppe steht auf dem Standpunkt des Erfurter Programms und fordert

die Abschaffung des Prkvateigerrtnms

arr Grund und Soden, an Haus und Hof, an Werkzeugen und Maschinen, kurz die Ueberführung alles Eigenbesitzes in GeseHschaftsbesitz. die Vergesellschaftung oder Sozialisierung aller Produktionsmittel. Wir behaupten dagegen, daß das Eigentum, der persönliche Besitz an äußeren Gütern, mit dem Rechte ihrer freien Erwerbung und Veräußerung, die Grundlage aller menschlichen Kultur, der Hebel jedes mensch­lichen Fortschritts bildet. Hier darf es keine Zugeständnisse geben, hier heißt es: Widerstehe dem Anfang."

Unter keinen Umstanden darf die Sicher­heit der Kriegsanleihen an getastet werden,

nr der weite Kreise unseres Volkes ihre mühsam erworbnnen Ersparnisse angelegt haben.

Den Keamten, Angestellten und Arbeitern

muß durch Ausgestaltung des Beamten" und Arbeiterrechts, auf freiheitlicher Grund­lage, durchs Förderung der Sozialreform in Gemeinschaft mit anderen Kulturstaaten, durch auskömmliche Gehalts- und Lohnbezüge, durch leichtere Zugänglichmachung der kulturellen Güter, durch Ermöglichung des Aufstieges auf der sozialen Stufenleiter die Bedingung einer zufriedenstellenden Lebensführung geschaffen werden. Die Be­förderung unterer und mittlerer Beamten in höhere Stellungen soll nicht nur an Schulprüfungen, sondern mehr an den Erweis praktischer Tüchtigkett im Leben ge­knüpft werden. Nolksschnttehver lind als Staatsbeamten arrznsteUcrr. die geistliche Schulaufsicht ist zu beseitigen, die Volksbitdung in jeder Weise zu sürdern, ein gemeinsamer Unterbau sür das gesamte Unterrichtswesen einzurichten.

Zuv Deckung der Kriegskosten sind in erster Kinie die hohen «hr-

kommen und vermögen heranznriehcn. wie wir überhaupt eine durchgreifende, einheitliche Finanzreform in Reich, Staat und Gemeinde, ausgebaut auf der Grund­lage der Leistungsfähigkeit, für unbedingt notwendig halten und anderseits auf eine Der' itligung nud Einschränkung unseres gesamten Reg ernngs- und Uer- Maituttgsapparates dringen müssen.

Wir glauben, daß

olle ruhig denkenden Kranen

mit ihrem prattischen Sinn, ihrer Schätzung der Häuslichkeit und des Familienlebens, ihrer Anlehnungs- und Schutzbedürstigkeit für feste und dauerhafte Gemeinschastsbil- bungen eintreten und sich deshalb in unsere Reihen stellen.

Der Verlauf und der Ausgang des Krieges hat uns allen eine u^eheure Enttäuschung gebracht. Wir wollen aus den bitteren Erfahrungen lernen. Alles Ueberstandige rmd Faule mag r. cksichtslos über Kord geworfen werden. Aber wir wollen das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Das Bewährte aus der Vorkriegszeit muß erhalten bleiben. Wenn die Zeit auch noch so gewaltig ist, die Grundlagen des staatlichrn und grseLscha lichsrr Lebens blciben dieselben wie früher, weil sie in der unveränderlichen menschlichen Natur wurzeln. Wir glauben nicht an die UoUrsbeglückrrrrg durch Zoriairsmns und Mckerbnud. Sie werden zu derselben Enttäuschung führen, wie der uns angekündigte Verstündi- gungs und Berföhnungsfrieden.

Unsere Hoffnung ruht auf dem Glauben an die Heilkraft der menschlichen Arbeit und auf der Uebsrzeugung. daß Pflichttreue, Fleiß und Gewissenhaftigkeit im Kampfe mit Selbstsucht, Neid, Unordnung und Notzeit im deutschen Volke stets den Sieg erfochten haben. Unsere Nationaleigenschaften, die uns vor dem Kriege zu Wohlstand, Freiheit und allgemeiner Zufriedenheit geführt haben, werden sich auch in den kommenden schweren Tagen des Wiederaufbaues wirksam erweisen.

Wir fordern alle unsere Volksgenossen, die nicht an Wunder glauben, son­dem durch treue Arbeit und Pflichterfüllung an dem Orte, wo sie das Schicksal hin­gestellt hat, den Ausbau unseres zusammengebrochenen Staates bewirken wollen, auf, die Reihen zu schließen und uns zu unterstützen.

Gs darf niemand drilelle stehen!

2eder und jede habe den Mut der eigenen Ueberzeugung. Wir hatten gewiß angesichts der drohenden Gefahren eine Einigung des gesamten deutschen Bürgertums für notwendig gehalten. Diese Einigkeit ist zerstört worden durch die Leute um die Lrankfnrler Zeitung" und dasBerliner- Tageblatt die sich höhnend über dassogenannte Bürgertum" hinweggesetzt haben und ihre eigenen Wege gehen. Dieser Parteirichtung, die sich stets als Schrittmacher Lev Sozialdemokratie, als die reinen Uertreler der nacktesten Geldfackrntereffen bewährt haben, können wir nun und nimmermehr die Zukunft unseres deutschen Volkes anvertrauen. Laste sich niemand durch Schlagworte und blendende Reden täuschen! Jeder überlege und denke! Jeder brauche seine eigene Urteilskraft und erwäge seine Vergangenheit und seine Zukunft! Keiner laste sich durch vorübergehende Stimmungen und üble Er­fahrungen in Einzelheiten letten! Der Klick muß anfs große Ganze gerichtet sein.

Wir treten ein für Ordnung, für Freiheit, für Privateigentum, für Gemeinwohl, für die Wohl­fahrt der bretten Maste und für das deutsche Koikstum. Wir vertreten die Rechte des Hand­werkers und des Kleinkaufmanns, des Kürgrrs und des Kauern, des Keamten und des Ar­beiters gegen jede DergewaMgnng» komme sie von rechts oder von links.

Die Zukunft unseres deutschen Vaterlandes, des Landes der Denker und Dichter, als auch des Landes der treuen Arbeit in Stadt und Land, steht aus dem Spiel

Die Vorgänge in Rußland,

das sich durch den Bolschewismus selbst aus dem Rate der Völker ausgeschaltet hat, bietet uns ein grauenvolles Beispiel. Wollen wtt diesen Spuren folgen? Rein und tausendmal nein!

Der deutsche Wille in Stadt und Land mutz sich im neuen Staate Achtung und Geltung verschaffen. Der Mittelstand muß sich organisieren! Helft uns alle bei der Schaffung einer starken

Alle, auch Frauen, die geneigt und guten Willen sind, mit uns zu arbeiten, bitten wir, sich am

14. Dezember l. Is., nachmittags 1 Uhr im Ratskeller

("eben dem Rathaus) in Friedberg zur Erimdungsverfammlung einzufinden.

Landwirt Wilh. Allvater, Melbach Maurermeister Becker, Rodheim Molkereidirektor Bill, Nicdcrwciscl Lehrer Braun, Holzhausen Lehrer Brcidcnbach, Hochweisel Landwirt Wilhelm Dorsch II., Wölfersheim Spenglermeister Frick, Fricdbcrg

Mühlenbesitzer Ed. Kipp, Ockstadt Bademeister Kissel, Bad-Nauheim Seminarlehrer Leuchtgens, Friedberg Metzgermeister Phil. Steinhäuser, Friedberg Landwirt Karl Veith, Reichelsheim Landwirt Robert Wehrheim, Rodheim Pros. Dr. Werner, Butzbach.

Zustimmungsetcklanmgen erbitten wir an einen der Unterzeichneten.

Aceue Tageszeitung, Druckerei und Verlag A. <& Friedberg l H.

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