Aerlage zur „Neuen TuAeszeitung
Uummer 301 |
Mittwoch, den 11. Dezember 1018
Länaer als vier Jahre haben wir gegen eine Völkervereinigung im Kampf gestanden. die englischer Handels- und Gewerbeneid, französische Rachsucht und russischer Eroberungsiriev gegen uns zustande gebracht haben. In beispielloser Tapferkeit. in unerwüglicker Arbeit, in stillem Dulden hat unser Volk eine bisher unerhörte Heldenhaftigkeit an den Tag gelegt. Seine Taten weiden für alle Zeiten unver- vergeßlich sein und die Bewunderung späterer Geschlechter auslösen. Wenn wir schließlich die Waffen strecken mutzten, so ist dies zurückzusühren auf die ungeheure Überlegenheit unserer Feinde an Menschen und technischem Material, auf die Aushungerung unseres Volkes, auf die Schwäche und Unfähigkeit unserer Diplomatie und Regierung, auf die mangelhafte politische Schulung und das fehlende Rationalempffnden weiter Volkskreise und vor allem auf dem sich stets steigernden Materalismus der Heimat. Während die Vesten unseres Volkes ihr Leben für den Bestand des Reiches einsetzten und Hingaben, wurde daheim das goldene Kalb angebetet, in gierigem Streben Reichtümer angehäuft oder in wüster Genußsucht verpraßt. Schiebungen und und Bestechungen, Schleichhandel und Betrügereien baben allmählich- die Achtung vor den Gesetzen untergraben, die sittlichen Forderungen außer Geltung gesetzt, Zucht und Ordnung beseitigt und das seelische Empfinden der Masse vollständig verwirrt.
In dieser Hinsicht mutz schleunigst mit
Wiederaufbau und Wiedergutmachung
begannen werden.
Wir fordern non der Nationalversammlung eine nene Verfassung, durch die allen Volkc Kreisen die Mitwirkung an der ermaltnvg und Negierung unseres Vaterlandes gewährleistet, die ausjührende Gewalt in feste, berufene Hände gelegt und
Puhe und Ordnung
fichergestellt wird, sodaß jeder Bürger seiner Beschäftigung nachgeben kann, das wirtschaftliche Lebon wieder in Bewegung kommt, Fleiß, Sparsamkeit und Tüchtigkeit wieder ihren Lohn finden.
Wir fordern, daß in Staat nnd lerne nde die leitenden Stellungen solchen anne « anvertrant werden, die neben festem Willen und Entschlußfreudigkeit tiefe Einsicht in die Volksseele und das Wirtschaftsleben besitzen und unabhängig find und bleiben von der Geldmacht unserer Bankinstitute. Aktiengesellschaften und
städtischen Finanzgrößen. Unser auswärtiger Dienst ist von Grund auf neu \u gestalten.
Wir fordern die schärfste Ersaffung aller Kriegsgewinne durch die Gemeinschaft, wobei sedoch ein angemessener Vermögenszuwachs, der durch Arbeit und Sparsamkeit erworben ist. nicht als Kriegsgewinn betrachtet wird. Die Anhäufung von Besitz, die Reichtumsbildung in einer Zeit, wo Hunderttausende ihr Blut für den Bestand des Staates hingegeben haben, kann nur durch teilweise oder bei größeren Gewinnen durch vollständige Ueberführung in Staatsbesitz gesühnt werden.
Dre Ausgestaltung unseres Staates mutz auf freiheitlicher Grundlage erfolgen. Gin bürgerlicher Uolksstaat ist das $ xc l unserer wünsche» gleiche Rechte und Pflichten für alle Staatsbürger, Freiheit m Wort und Schrift, volle Glaubens- und Cewiffensfreiheit sind notwendige Bestandsstücke des kommenden staatlichen Lebens. Daraus ergibt sich ohne weiteres, da,; das Wahlrecht zu den Cesetzgebungs- und Verwaltungskörperschasten für Reich, ^taat, Provinz, Kreis und Gemeinde volkstümlich ausgebaut werden und auf die werktätigen Schichten zugeschnitten sein muß.
Wir find Kesten nnd wollen unsereZtainrnesekgenh in einem Uolksstaat Kesten ?rr bewahren suchen, erstreben ai gleichem Nachdruck die Erhaltung der deutschen Einheit. In einem neuen einhei
tö0Ucn ® ir unfec VE aus Armut, Schmach und Ernied wieder zu Wohlstand und Anseben ernporführen.
Der Geist, der unser privates nnd öffentliches Leben durchweht» soll!
deuilch sein und deutsch bleiben.
Deutsches Uslkstum, deutsches Empfinden nnd Wollen, wie es sich
ausspricht in deutschen Sitten und Gebräuchen, deutschem Recht und deutscher Künste wie es sich verkörpert in deutscher Weltanschauung und deutscher Lebensführung, deutscher Ordnung und deutscher Art. betrachten wir als unser heiligstes Gut. Unser? Dentschtnm, unter vollri ches Sein wollen wir verteidigen gegen alle Ans- ländereien nnd Uasscnfremdheit. die beide sich in dem internationalen Treiben, weiter Volkskreise breitmachen und unser Bestes zu vergiften drohen.
In gleicher Weise geht uni er Kampf gegen die einseitige Uerstandesknltnr unserer Zeit. Wir setzen uns ein für die Wertschätzung: oon Gemütskrästen, für Charakter- und Willenswerte, für eine feste geschloffene Lebensanschauung und Lebensführung. E rfnrcht nnd freiwillige ? nterordnnng» ruhige Sicherheit und vornehme Selbstbehauptung erscheinen uns nicht bloß als Träger der Jugenderziehung, sondern auch als Stützen des gesamten Staatsbaues.
eUgröse Betätigung ist jedem geistig gesunden Menschen unerlätzlich. Das Christentum aehört uns zu den edelsten Formen der Religiosität. Wir tretew eifrig für seine Förderung ein.
Das AnschweNen der Großstadt als der Herd aller sittlichen und sozialen: Zerfallserscheinungen muß in derem eigensten Interesse unterbunden, den Mächten des stachen Landes und der Kleinstadt freie Bahn geschaffen werden. Die Kelri- tigung des städtischen Motznnngselendes und die Bekämpfung der großstädtischem Besitzlosigkeit stehen hier im Vordergründe.
Wir fordern mit Feldmarschall Hindenbnrg eine großzügige Ansiedelung von Arbeitern. Gewerbetreibenden nnd Kauern auf dem Lande. Zu diesem Zwecke müssen weite Teile der Staatsländereien und des Großgrundbesitzes gegen angemessene Entschädigung an die seitherigen Eigentümer in Bauernland übergeführt werden. Der Landhunger unserer Kleinbauern muß durch käufliche Erwerbung der in ihren Gemarkungen liegenden übermäßig großen Besitzungen gestillt werden. Fideikommisse sind in beseitigen. Der Grundstückshandel muß verhütet werden, indem das zu besiedelnde Fand zuerst in den Besitz der Allgemeinheit übergeht und dann je nach Bedarf gegen kleine Anzahlungen, niedrige Verzinsung und mäßige Abzahlung an Bewerber, namentlich an Kriegsteilnehmer nnd Kriegsbeschädigte abgegeben wird.
„Zurück zur Scholle"
dürste die Losung für das kommende Geschlecht sein.
Die Erhaltung nnd Forderung des kleinen und mittleren unabhängigen Bauernstandes ist in jeder Form zu betreiben. Jagd- nnd Fische- reivorrechte mühen beseitigt werden. Für die ausreichende Bewertung der bäuerlichen Arbeit und der Ackerbauerzeugniffe ist Sorge zu tragen. Die landwirtschaftliche Eigenerzeugung ist kräftig zu sördern.
Die nachhaltigste Unterstützung ist dem
mittleren nnd kleinen Gewerbetreibenden
zu gewähren. Er hat durch den Krieg am meisten gelitten. Dies gilt vor allem für das Bauhandwerk. Niedrig verzinsliche Darlehen sind dem kaufmännischen und gewerblichen Mittelstände zur Beschaffung von Rohstoffen und Wiedereröffnung des- Geschäftes zu bewilligen. Seinen Organisationen und Vertretungskörpern ist weitgehende Mitwirkung in Gesetzgebung und Verwaltung zu sichern. Die Sozialistisch? Zwangswirtschaft ist auf dem schnellsten Wege abznbanrn nnd der ehr- käme freie Kandel wieder einjuSetzen» der Wucher auf allen Gebieten tatkräftig tu bekämpfen.


