Ausgabe 
6.12.1918
 
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Nummer 287 » fflilschreis Freitag, den 6 . Dezember 1918 _ 11. Jahrga ng

Die ..zl.ne Ta«es!rit«»g" erichemt ,even Weillai. Rey-lmatzige «eiiaqenSer Kauer aus Krisen".Sie SpinnHndr». Keiugapr.i«! Lei den Poitanltaiten o>er,eI,ährUch Ltt. 2.70 hinzu Hit, noch oas Lellellgeld: de, den Äoenken mono,»» 1.00 Ml. einschlietzlich Trägeriolm. Ln,eigen: chrund,°U- 2b Pch.. iolale 20 v,g^ Aasigen oon ausWano werden durch Lonnachnahm, erhoben. Lriullunosor: ^rtedbera. Schrittleituna und Verlag ^riedbsrq kS-H-nl. ganau-r^atz- 12. ^-rn-orschsr 4S. Boitlbeck.Lonto Hr. «S59, Um» ^r-niiurt a. BI. _

Kelmtttttmachttng.

VltJffntfjnH wehrpflichtiger Personen im besetzten Gebiet.

Hinsichtlich des Aufenthalts wehrpflichtiger Personen im besetzten Gebiet gilt nach den bisherigen Vereinbarungen der Waffenstillstandskonnnission folgendes:

1. Alle bei Abschluß des Waffenstillstandsabkommens im vom Feinde zu besetzenden Gebiet befindlichen Personen wehrpflichtigen Alters können bei Besetzung des Landes wohnen bleiben, auch wenn sie vor dein liege noch nicht dort gewohnt haben, sondern erst während des Krieges zugezogen sind.

2. Alle nach Abschluß des Waffenstillstandsabkommens entlassenen und zur Entlassung kommenden Offiziere, Militärbeamten und Mannschaften dürfen nur dann im vom Feinde zu besetzenden Gebiet sich aufhalten, »nenn sie schon vor dem Kriege dort ansässig waren.

9. Entlassene Mannschaften pp. denen nach vorstehenden Ziffern 1 und 2 die Rückkehr oder das Verbleiben im von! Feinde zu besetzenden Gebiet nicht möglich ist, wer­den. wenn sie den Jahrgängen 189699 angehören, von den Bezirkskommandos wieder eingezogen und im Korpsbezirk bei ihrer Waffengattung wieder eingestellt.

Zu diesem Zwecke haben sich die in Frage kommenden Mannßstatten bei ihren zuständigen Bezirkskommundos zu melden. Anderen Jahrgängen steht der Wieder­eintritt frei.

4. Alle entlassenen Militärpersonen müssen vorschrifts­mäßige Entlassungspapiere haben. Als ordnungs­gemäß gelten nur Militärpapiere, die lediglich mit dkm Adlerstempel und der Unterschrift der entlassenden Dienststelle versehen sind. Unterschriften und Stempel des Arbeiter- und Soldatenrates erkennt der Feind nicht an.

5. Die vorstehuden Bestimmungen unter 13 gelten nicht für rreutrake Gebiete. In diesem können alle ordnungsmäßig entlassenen Militärpersonen ohne Rücksicht auf Jahrgänge und früheren Wohnort sich auf­halten.

In vorstehender Angelegenheit hierher gerichtete Anfragen finden hierdurch ihre Erledigung.

Frankfurt a. M., den 4. Dezember 1918.

Im Aufträge des Arbeiter- und Soldatenrats.

Das stellv. Generalkommando 18. A.-K. gez. v. S t u d n i tz, Generalmajor.

Die Selehuug deutschen Dandrs.

Düsseldorf, 5. Dezbr. (WB.) Nachmittags rückten zwei belgische Kavallerie-Abteilungen in Stärke von 800 Mann in den linksrheinischen Stadtteil von Düsseldorf ein. J^der Verkehr zwiscl*en den beiden Nheinufern ist verboten. Auch die Ueberbringung von Lebensmitteln und Milch aus dem besetzten Gebiet in den rechtsrheinischen Stadtteil ist nicht gestattet. Alle Lokale muffen um 7 Uhr schließen. Ansaimn- lungen sind verboten. Belgisck-e Kavallerie rückt nach Kleve weiter und wird durch Infanterie abgelöst.

Köln 5 Dezbr. Heute abend treffen 15 englische Offi­ziere hier ein. die im Ercelsior-Hotel Quartier nehmen. Etwa 8000 bis 10 000 Mann englische Truppen werden im Lcrufe des morgigen Tages erwartet.

Köln, 5. Dezbr. (WB.) Heute Nachmittag wurde der linksrheinsche Stadtteil von Oberkassel durch belgische Ka­vallerie besetzt. In Odenkirchen rückte vormittags ein bel­gisches Konunando in Stärke von etwa 60 Mann ein, um Quartier ^ machen für etwa 500 Mann, die nachmittags an- .konimen sollen. Tanüt erreiche der Feind nun auch den Müncben-Gladbnck.er Jndusiriebezirk.

Düren, 5. Dezbr. (WB.) Von Nidcggen kommend. sind hier gestern abend englische Besatzungtruppen eingetroffen. Die englischen Bekanntmachungen sind in Form und Inhalt viel entgegenkommender gehalten als die der Belgier. In dem Nachbarorte Eichweiler sind ebenfalls fremde Besatzungs- truppen mit Alvei Divisionsgenerälen und einem Stab, sowie je eii^m belgischen Infanterie- und Artillerie-Regiment ein- getrofsen. Ob sie eine ständige Besatzung bilden werden, steht noch nicht fest.

Trier, 5. Dezbr. (WB.) Nach Neunkirchener und Merziger Blättern ist in jenen Orten, die von den Franzosen besetzt sind, der Verkehr von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens Untersagt. Außerhalb der Genieinde muß jeder einen schrift- ^itchen Ausweis führen. Es ist die französische Zeit einge- Ährt. Briefe und Telegramme sind der Zensur uptterworfen. sTie Zivilisten haben den fremden Offizieren gegenüber eine Achtungsvolle Haltung einzunehmen. Polizeidiener, Eisen­bahn- und Forstbeamten haben zu grüßet!.

L»dwigshasrn, 5. Dezbr. (WB.) Eine interalliierte Kom- .nüssion, bestehend aus vier französischen, einem englischen

urrd einem amerikanischen Offizier, ist heute Mittag, mit Sonderzug von Trier kommend, hier eingetroffen und hat sich sofort in das Eisenbahndirekttonsgebäude begeben, um mit den maßgebenden Stellen über einige technische Fragen zu verhandeln.

Kaiserslautern, 5. Dezbr. (WB.) Heute vormittag sind hier mehrere Tausend Mann französischer Truppen eingerückt darunter die marokkanische Division.

Speyer, 5. Dezbr. (WB.) Nachdem bereits heute vor- nttttag 9 Uhr ein Vortrupp von etwa 100 Man eingerückt war. rückten um 12 Uhr weitere Besatzungstruppen, und zwar das 51. Infanterie-Regiment und die 3. Geniekompagnie, zu­sammen etwa 1500 Mann, ein. Sie zogen mit klingendem Spiel durch die Stadt. Vor dem Präsidialgebäude nahm der Divisionsgeneral die Parade ab, worauf die Truppen unter Musik zur Kaserne marschierten, wo sie einquarttert wurden.

Gin englischer Armeebefehl.

Aus dem Haag wird g^melder:Ve'm Büreten des deut­schen Bodens durch die englischen Truppen ist von dem eng­lischen Kommando folgender Tagesbefehl ausgegeben worden. Die vollkommenste Ordnung muß von den Truppen, die den Vorzug haben, in Deutschland einzurücken, gehalten werden. Mit der Bevölkerung soll so wenig Verkehr, wie irgend möglich stattfinden. aber jederzeit ausgesprochene Höflichkeit und Selbst beschränkung gezeigt werden. Jede Familiarität ist zu vermei­den. Die englische Tradition zu einem geschlagenen Feind ist hochzuhalten: denn alle Maßnahmen zur Herbeischaffunq von Entschädigung und Wiedervergeltunz sind Sache der Behörden selbst. aber nicht des einzelnen."

Windernimen.

Hohenfalza, 5. Dez. (WB.) Die Plünderungen, die gestern hier vereinzelt vorgenommen wurden, fanden heute ihre Fort­setzung. Von den Beteiligten wurden bereits vier Zivilperso­nen polnischer Nattonalität ettchossen. Infolgedessen nahmen polnische Soldaten gegen den Soldatenrat Partei, so daß sich in den Nachmittagsstunden Straßenkämpfe entwickelten, bei denen auch Handgranaten und Maschinengewehre eine Rolle spielten. Sämtliche Geschäfte in den Hauptstraßen und am Markte wur­den nachmittags geschloffen. Niemand durfte die Straße vassie- ren. Gegen Abend wurde der Verkehr wieder freigegeben.

Posen, 6. Dez. Heute Nacht rückte eine Bande bewaffneter Plünderer. Soldaten und Zivilisten vor das Vekleidungsamt, hob die Wache auf und versuchte einzudringen. Der Sicherheits- Posten im Gebäude ließ ein Maschinengewehr in Tätigkeit setzen. EZ entspann sich ein Kampf, der einen Toten und 15 Schwer- und Leichtverwundete forderte. 26 wurden festgenommen, die übrigen in die Flucht geschlagen.

Augsburg, 5. Dez. Wie der Zentrumsführer Dr. Heim auf der kürzlich stattgehabten Tagung der oberpfälzischen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte mitteilte, wurden von seiten zügel­loser Soldaten auf dem Lager Lechfeld bei Augsburg Plünde­rungen in großem Maßstab verübt. Dort wurden ganze Räu­mungszüge mit wertvollem Santtätsmaterial ausgeraubt. In den letzten Tagen wurden ferner 3 Millionen Paar Stiefel ge- raicbt, die den heimkehrenden Frontsoldaten zukommen sollten, desgleichen 7 Millionen Kilogramm Bodenleder.

Keine Jülmiieniilg der Armee Mnilrenien.

Berlin, 5. Dez. (WB.) Die deutsche Waffenstillstandskom- mission hat durchgesetzt, daß von der Internierung der Heeres­gruppe Mackensen endgülttg Abstand genommen wird. Die Rück­führung der Truppen in die Heimat wird mit der Bahn und zu Fuß fortgesetzt. Eine größere Anzahl von Formationen hat die deutsche Grenze bereits überschritten.

Amrilnilchihe Freiheit der Mktre.

Haag, 20. Nov. D^eTnues" erfahren aus Newyork, daß verschiedene Zttrungskorresrondenten in llvashington mit der Weigerung elnverstarkd.n sind, doß ein wichtiger Teil der neuge­bauten Ozeanschiffe an ein brittsches Syndikat verkauft werden soll.

lleber die Freiheit der Meere, die von» Präsidenten Wilson befürwort.t wird, schreibt dieEveniug Post". daß sämtliche Anhänger Wilsons genau wüßten, was er darunter versiehe, und daß ec mit seiner Forderung lediglich eine Unterstützung der amerikanische« Kaufsahrteiflotte bezwecke. Das Blatt jagt: ..Man behauptet oft, daß die Wünsche jedes Landes am Kon­ferenztisch zwar uneigennützig klingen, aber tatsächlich nur durch das Bewußtsein der eigenen Intcreffen ditticrt werden. Des­halb hat es Wilson so dargestellt, als ob er lediglich die ameri­kanischen befürwortet, gleichviel welche Haltung die Konferenz selbst mit Hinsicht auf die abstrakten Prinzipien einnimmt. Die Bereinigten Staaten werden mit dem Bau von Schlacht­schiffen und Kreuzern solange fortfahren, bis sie die größte

Flotte der Welt haben. Wir haben während des Krieges eine große Kaufsahrteiflotte gebaut und andere Nanonen möchten davon gerne miprofittcren. Die Freiheit der Meere bedeutet für die amerikanischen Geschäftsleute und für das amerikanische Kapital Freiheit des eigenen Handels und Schiffbaues. Falls die europäischen Nationen abgeneigt sind, ein Abkommen über die Gleichberechtigung aller Nationen abzuickließen. werden die Bereinigten Staaten für Mitbcwerb eintreten uni» werden Maß­nahmen zur Sicherstellung der gegenwärtigen Einslüffe er­greifen.

Die Ermordung der KWnums.

Haag, 6. Dez. Reuter meldet aus Charbin: Der Bericht daß die Bolfchewiki in Asapajelsk die Großfürsten Sergius, Ni­colai Nicolajewitsch, die Großfürsten Elisabeth Federomna. so­wie die Prinzen Johannes. Konstantin. Nicol und Paul ermor­det haben, wird bestätigt. Die einzelnen Personen wurden ge­zwungen, in einen Bergwerksschacht zu springen, wo ihre Leichen jetzt gesunden wurden. Die russischen Blätter melden weiter, daß die Zarin und ihre fünf Kinder, deren Leichen noch nicht gesunden worden sind, von dec gleichen Bande ermordet worden sind. Die Namen der Mörder, die nach Perm abgereist sind, find bekannt.

Der König derSchmarren Serge".

Paris, 4. Dez. (WB.) Agence Havas. Die montenegri­nische Negierung dementiert die aus Wien stammende Nachricht^ daß die Croß-Skupschtina beschlossen habe. Könia Nikolaus ab­zusetzen und Montenegro mit Serbien zu vereinigein Allein das vom Volke gesetzmäßig gewählte Nationalparlament habe das Recht, Veschlüffe bezüglich der Souveränität des Staates und Herrscherhauses zu faffen. Die Groß-Skupschtina bestehe nicht verfaffungsgemöß. andererseits sei es unmöglich, augenblicklich das Nationalvarlament zusammenzuberufen. da eine große Zahl der Mitglieder noch in österreichischen Gefängnissen eingekerkert sei oder in fremden, alliierten oder neutralen Ländern wohne.

Haag. 4. Dez. DerMatin" veröffentlicht eine Erklärung des Königs von Montenegro, in dem dieser erklärt, daß der Be­richt über seine Absetzung nur ein Probeballon sei. Wenn wirk­lich eine Zusammenkunft in Podgorica stattgefunden babe. dann könne das mir unter dem Zwange der Bajonette geschehen sein. Eine Bolksgbsttmmung könne nicht mit bewaffneter Macht durch- gesührt werden. Sein Geschlecht regiere seit 244 Jahren in Mon­tenegro, er selbst seit 60 Jahren. Er glaube nicht, schlechte Er­innerungen Hinterlagen zu haben. Trotzdem würde et sich einer Entscheidung des Volkes unterwerfen, denn in seinem Lande seien die Fürsten noch immer die Diener des Staates gewesen.

Die Sinnfemer und die Wahlen.

Haag, 4. Dez. DasVaterland" meldet aus London: Die Sinnfeiner spannen alle ihre Graste an. um die bevorstehenden Wahlen zum Ausgangspunkt einer neuen Periode der irischen Geschichte zu machen. Die nationalistische Partei fürchtet, daß sie sehr vermindert ans den Wahlen bervorgehen wird und wagt nur noch aus etwa 30 Sitze im neuen Parlament zu rechnen, während sie bis jetzt über 70 verfügte. Der Leiter der Sinn- feiner. Dr. Palera. wurde in vier Distrikten zum Kandidaten aufgestellt, u. a. in dem Wahldistrikt von Dillon. dem des parla­mentarischen Leiters der nationalistischen Partei. Dag Pro­gramm der Sinnfeiner ist ultraradikal. Die Führer der Partei betrachten sich als die Träger der höchsten Macht über das irische Volk. Sie werden in den Versammlungen auftteten wie die Negierungen anderer Länder. Sie werden Steuern erheben und ausländische Anleihen abschließen. Sie werden Armee. Polizei und geheimen Dienst einrichten. Aktiver und Passiver Wider» stand gegen die englische Einmischung soll organisiert werden, und das englische Recht soll ganz aus Irland entfernt werden.

Die Wahlen in England.

Haag, 5. Dez. Reuter meldet aus London: Die Wahle« finden am 14. Dezeucher statt. Es mckffen 707 Mitglieder ge­wählt werden gegn 670 nach dem alten Gesetz. 31tan zählt 16 Millionen Wähler. Als Gegenkandidat Llcyd Georges tritt Austin Harrison, der Redakteur derJndish Review" auf. Ohne Gegenkandidaten werden gewählt werden Austin Chambertair» in Birmingham, der frühere Lebensmittelkontrolleur Clynes \i% Manchester und der Arbeiterführer Will Croo^ in Woolwich.

London, 4 . Dez. (WB.) Reuter. 6 Uhr abends waren 41t Koalitionsunionisten, 28 Koalitionsliberale und Arbeiteryar- teiler, 1 Nationalist. 23 binnfeiner, gegen die keine Kandidaten^ aufgestellt waren gewählt. Balfour wurde in der City Lon< dons gewählt. Frau Hope, die sich als Gegenkandidattn gege«( Asquith in Cupar aufstellen lasten wollte, konnte ihre Kandida­tur nicht durchsetzen. Die Sinnfeincr Grafen Plunkett und De- valera sind gewählt. *