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Her^enskämpse
Roman von Helene Schvtky. geb. von Gersdorst.
(Copyright 1915 by C« Ackermann-Etultgari.)
63) Nachdruck verboten.
„Ach, weißt du, Lina, ich bin so müde, daß ich glaube, es ist besser, uenn ich nicht einschlafe." versetzte Hilde, „beim sonst könnte es schwer halten, mich wieder aufzuwecken."
„Ja, das kann schon sein", meinte Lina, drum werde ich mich beeilen, so gut es geht."
Ei-? schlüpfte hinaus und Hilde setzte sich aus einen Stuhl, vor welchem ein Tisch stand und versuchte, wach zu bleiben. Sie stützte den Kopf mit dem Ellbogen, ihr schwarzes Tuch war hinabgcglitten. Bald aber wurde ihr Kopf schwerer, senkte sich mrt dem Arm immer tiefer und blieb endlich auf dem Tisch liegen, während ihre tiefen regelmäßigen Atemzüge verrieten, >atz sie, trotz der unbequemen Lage, fest eingeschlafen war.
Eine ziemlich lange Zeit, wohl eine Stunde, mochte so vergangen jein Qis sich von außen schnelle Schritte näherten und die Tür rasch geöffnet wurde. Auf der Schwelle stand die Kom- meizienrätin in einem weiten, weichen, offenbar schnell über- zewocfenen Morgenkleide. hinter chr Lina und Babette.
Hilde, Hilde, mein armes Kind!" rief Tante Ella mit lauter fast schluchzender Stimme, verstummte aber, als sie das rührende so vielsagende Bild vor sich sah: Die vornehme verwöhnte junge Millionenerbin in beschmutzter, durchnäß'er Kleidung. mit wirrem, znsuustem Haar, das in schweren, halb aufgelösten Zöpfen herunterhing, den tiefen Schlaf äußerster Erschöpfung in einer Dienstbotenkammer schlafend.
Die lebhafte, gutherzige Tante Ella war tief ergriffen. Unter heroorstürzeuden Tränen eilte sie auf Hilde zu. ergriff *hre eine herabhängende Hand und streichelte und liebkoste sie mit vielen mitleidigen zärtlichen Worten.
Hilde aber konnte sich nicht ermannen. Ein Paar unverständliche Worte murmelnd, verändert? sie ihre Lage ein wenig und scklicf ruhig werter. *
»Mas sollen wir tun?" sagte Tante Ella ratlos. „Es wäre grausam, sie gewaltsam zu wecken, aber sh hier noch länger ln diesem Zustand liegen zu lasten, geht doch auch nicht.
Die findige Lina wußte auch hier Rat.
„Gnädige Frau, ich meine, wir könnten sie vorsichtig in ihr eigenes Zimmer tragen, die Babette und ick und noch zwei von den andern Mädchen. Dort entkleiden wir sie so fachte wie möglich und legen sie in ihr eigenes Bett. Dann kann sie ruhig schlafen, solang« es notig ist. und wenn sie aufwacht . . . . o, gnädige Frau! .... wenn sie aufwacht, dann ist sie daheim bei Ihnen in gutem Schutz!" #
Dem guten Mädchen fchosten die Tränen in di« Augen vor Mitleid mit ihrer jungen Herrin. Die Kommerzienrätin reichte ihr nur stumm di« Hand und nickte: reden konnte sie nicht.
Sie blieb bei Hilde und hielt still ihre Hand ln der ihren, während Lina und Babette davon eilten. Hilfe zu holen. Nach kurzer Zeit kamen sie mit dem Stubenmädchen und der Köchln zurück, denen sie in der Elle nur nntgeteilt halten, das gnädige Fräulein fei nachts gereist, krank und todmüde angekommen und müsse nun möglichst lerse und sanft in ihr eigenes Bett geschasst werden
Unter tiefem Schweigen, nur hie und da von einem geflüsterten Wort unterbrechen, hoben vier Paar sanfte, liebevolle Frauenhände die Schlafende auf, trugen sie leise und vorsichtig über Treppen und Gänge in ihr eigenes Zimmer, das hier stets für sie bereit stand, entkleideten ste gewandt und zart und b.'t- teten sie in thr gewohntes, schnell durchwärmtes Bett.
Die Kommerzienrätin blieb so lange, bis sie überzeugt war. daß Hilde ruhig und sanft a :iter schlief. Dann sorgte sie dafür, das; auch die trme unermüdliche Lina sich zur Ruhe legte, und eilte dann zu ihrem Gatten, um mrt ihm eine lange B-ratung zu halten, v aZ unter diesen oubergerSöhnlichen, seltsamen Um- ständen zu tun sei.
21. Kovitel.
„Bernhard", sprach die sonst rmmer heitere Frau in tiefernstem Tone, „das ist ern furchtbares Ereignis! Denk nur. die stets ruhige, lonfte. verständige, nachgiebige Hilde so weit zu trerben. wre es latsächlrch geschehen ist. dazu gehört ein Ouaa- i»'m von brutaler Bosheit, das man sich kaum vorstellen kann Was muß sie gelitten haben, das arme süße Eeichöpi! Ich we'ß ja noch n'ckin Näheres Aber das Bild, das mir Lina in wenigen Worten entrollt hat. ist herzzerreißend. Stell' dir vor
sie wurde «ingejperrt, bewacht, jeder fchLftlich« oder mündfichck Verkehr wurde ihr abgeschnitten, kurz, sie war «ine Gefangen- im wahren Sinne dos Wortes Ist denn so etw zu glauben in unserer Zeit, in unserm Jahrhundert? Dein Unu der ist ein Ungeheuer. Wie kann es nur zwei so vers,bieoe''e Brüder geben? Du die Güte selbst und er ein so starker Ego-st und Despot, daß er wohl einen zweiten Nero abgegeben ha?!t unter ähnlichen Umstanden!"
„Ja. Elli, das war schon daheim unserem ElK'rnlmus ein Gegenstand des Staunens, die Verschiedenheit unserer Ekm- raktere und Veranlagung, die sich schon früh bemerkbar machte " entgegnet« der Kommerzienrat „Solche Erscheinungen machen sowohl die Vereibungs-, wie die ErzKhungstheorie recht p^ble, matisch Denn da wir von genau denselben Eltern abstammen und erzogen wurden, mußten wir doch m-'.'igstens einigermaßen das gleiche Resultat ihrer physischen und moralischen Leistungen aufweisen. Aber das n c?atk Gegenteil ist der Fall. Aeußer- lich und mn«rUch. körperlich und peistia kann es nicht zwei grundverschiedenere Individuen -geben, als uns Beide."
„Ja, also hör' nur!" fuhr Tante Ella fort, „zuerst hat er ihr. das weißt du ja schon, jeden Gedanken an Reinhotd Germs- hoff verboten. Das gut- Lämmchen hat sich auch wirklich darein gefügt Dann aber kam der zweite Streich. Er wollte sie zwingen, Marquis Reymcnd zu heiraten. Zwingen, sage ich dir. positiv zw'ngcn! Als sie sich weigerte, ordnete er alle dis schon erwähnten Maßregeln an. Natürlich dachte er, sie würde bei uns Schutz suchen anc das wollte er verhindern, Und nun kommt das Tollste! Sie mußte um den Verdacht einzuschläfern, scheinbar nachgeben und auf die Verlobung eingehen. Das hat sie wirklich und wahrhaftig getan: Gestern fand tatsächlich die Verlobung statt. Und in dieser Rocht ist sie mit Hille ihrer Lina, die glucklicherueise treu und standhaft blieb, unter unsäglichen Mühen und Gefahren geflohen und. Gott sei Lob und Dank glücklich bei uns gelandet. Soweit wären wir nun. aber was nun weiter?"
„Ja, was nun werter? Das ist allerdings der schwierige Punkt", erwiderte der Kommerzienrat nachdenklich ..Zunächst ward- ick wohl Karl benachrichtigen müssen, d.rtz sie hier bei uns eingetroffen ist."
^orffehuna folak.
Todesanzeige.
Machen hiermit die traurige Mitteiluna, daß meine liebe Frau unsere gute Mutter. Tochter. Schwester. Schwisgerlochler. Schwägerin, Tante, Enkelin und Nichte
Gretchen Stelz
6eb. Hirsch
nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 28 Jahren sanft entschlafen ist.
Nieder-Florstadt, den 5. Dezember 1918.
2n tiefer Trauer: Heinrich Stelz Hildenart Stelz Heinrich Hirsch Mina Hirsch Hart Hirsch Kätckien Hirsch Ludwin Karl Wllthels Karl Wiltheis.
Die Beerdigung findet Freitag nachmittag 2 Uhr statt.
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M.Wk'iie DrislM'kiiW für Kreis FM-erg.
Die nachstehende Verordnung über 2lrrsdeh:,nng der Ver- sicherungspsiicht und Versicherrrngsbe» rechligiüti, in der Krankenversicherung vom 22. Novemver 1{*18
bringen wir hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, besonders fordern wir die Arbeitgeber, die un er § 1 fallende Personen beschäftigen, au', diese so.on mit Wirkung vom 2. Dezember v.vorschriftsmäßig bet uns arrzumelde».
§ l.
m Krankheit werden bis auf weiteres nach den
Vorschrif en der Reichsverstcherungsordnung versichert:
1. Beniebsbeanue. Werkmeister und andere Angestellte in ähnlich gehobener Stellung sämtlich, wenn diese Belästigung ihren Hauptberuf bildet. ö u
t andlungsgehilsen und Gehilfen in Apotheken.
ahnen und Orchestermitglieder ohne Rücksicht aus den Kunst- wert der Leistungen,
Lebrer und Erzieher,
Ecefahr,eilten, soweit sie nicht unter die Ftz 553 bis 55.1b des HanoelsgLfetzbuchs fallen, sowie auf Fahrzeugen der Binnenschiffahrt.
wenn sie gegen Entgelt beschäjtiat werden und ihr regelmäßiger Iahresarbeitsverdienst mehr als zweirausendfünfhunderl Mark, aber nicht mehr als fünftausend Mark an Entgelt beträgt.
Die §§ 178. 314 Abf. 2 der 'Reichsversicherungsordnung werden ausgeyoden.
- A 3 , 13 Elb'. 1 der Reichsversicherungsordnung erhält der
letzte Satz folgende Fassung: „Es kann mit Zustimmung des Kallenoorstandes m eine niedere Klasse oder Lohnstuse übertreten."
§ 3.
Mer in der Zeit seit Beginn des Krieges wegen Ueberschreielns derEmkommensgrenze von zweilausendfün Hunden Mark aus feiner Kranken lasse oder knapp chaftlichen Krankenkasse auszechieden ist ber dre er Kasse binnen sechs Wochen nach dem Jnrrafttceten m ^orichrftten dre W.ederaufna-me als Rki gli^ed gemäß 8 313 der Reichsveksicherungsordnung beantragen, sofern er beun Aus- ^cherden zur Weileroersicherung berechtigt war und nicht jetzt nach § 1 ver,icherungspslichüg Kt. x J *
f° nn den Berechtigten, wenn er sich zum Beitritt meldet ärztlich unter,uchen lassen. Etne Erkrankung, die beim
An prüch"-üfKM:n7-.L^'' iXXanti,e[t Iei " en
h . Die Vottchnsttn des Ab-. I 2 netten flnngemStz für Personen, wht e > t >. 33c w nn ^ öc3 ^^ges auf Grund des § 1'8 oder des 8 314 ausgeschieden ^oerftcherungsordnung aus der Kassenmitgliedjchaft
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^ .^E?inn des Krieges Personen der im § 1 bezeich- J- ! J t0 t ^berschrettens der Eintommensgrenze von zwel- von ihrer Kro-rlenkasse oder knappfchaii. Krank^Lsse werter wie versicherungspslichtige Mriglieder behandelt worden oder Berstcherungsoerechttgte trog Üeberjchreitens Melmatztgen jährlichen Gsiamteinkommens von viertausend geblieben, jo iann die,e Mitgliedjchast ISih!?*?* ni ^*. mc9 i lZngelochlen werden. Dies gilt auch für verf^ren schweb?^ Lntrafttrelen dre,er Borjchri.ten ein Streit-
" § 5.
(8 <*? 7 e der nach § 1 Verficherungspflichtigen
Neichsverslcherungso.dnuug) läuft frühestens mit dem achten Tage nach dem 2nkra.tlrelen dreier Vorichriften ab. Die Mel- gefthehen" vor oem Inkrafttreten dieser Vorschriften
ber ^l^tn^Kraft und treten am 2. D^em-
Berlin, den 22. November 1918.
Der Rat der BolfSbeanftragten Ebert Haase
Der Staatssekretär deS ReichSarbeitSamts
Bauer.
^merken ausdrücklich, daß die Unterlassung der Anmeldung. S^afe a ge§eflt C iji eT, * ,0lCtC ainrncl0un9 uach § 530 R. V. O. murr
Friedbcrg, den 3. Dezember 1918.
Der Vorstand.
Earl Damm, Vorsitzender.
Betr.: Die Flei'chver'orgung der Bevölkerung der Stadl Friedberz.
Fekanutmachnng
^ Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Verlauf von Rind- und Kalbfleisch, sowie Wurst für diese Woche am Freitag. den 6. Dezember 1918. nachmittags von 1 bis 6 Uhr, in den iämtlichen hiesigen Metzgeriäden staitfindet.
Friedberg, den 4. Dez. mi<t Der Bürgermeister 2. V.: D a m m.
liiiifs!
Buchen-Sägespäne
abzugeben bei
Gebrüder Dönies. Ockstadt.
Itaiul^u t 9
'chön gelegen, mit 50 bis 90 Morgen gutem Boden und gutem Wohngebäude, Stallungen rc..oegen Kaffe zu kaufen ge.ucht.
Angebote erbittet
F. Giismaer.
Darm ladt. Ludwigstr 13.
Die Gemeinde Dorn-A>senyeim hat einen 3jähiigen
Zicgcnbock
abzugeben. KauFiebhaber können sich auf hiesiger Bürgermeisterei melden.
Mjrgttmkiüer«
2.93.: Rack, Ve:g ordn.
Ein tuch jger
Bäckergeselle
gesucht.
Wo? sagt die Geschäftsstelle der .Neuen Tageszeitung".
Sranr?>»» LN'.°
Kunst- und Eemüfegärinerei in einem flotten, der Neuzeit eingerichteten Betriebe gejucht. Verpflegung im Hause.
Zufchnsten unter Nr. 207 an Daube & Co., frukfirt a. tü
Zuverlässiges
IleilßiiläWni
jucht sofort Fra» E. Kü
»mich. FriedderK.
Feldgrauer. 48 Jahre, Handels- mann und Metzger, jucht
Ftbensgesährli«.
Etwas Vermögen erwünscht.
Offert, mit Bild unter Nr. UHKfc» postlagernd Nidda.


