Ausgabe 
5.12.1918
 
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Nummer 286 (fhtjdprm

10 Pfennig die Stummer

Donnerstag, den 6. Dezember 1918 11. Jahrgang«

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Ailflölrmg des ßk!!v. Eki»wHsMil?»l!l»5.

Der Kommandierende General des aktiven 18. Armeekorps t. Etzel gibt folgendes bekannt'

Das stellvertretende Generalkommando des 18 Armeekorps wird mit dein 9. Dezember 1918 aufgelöst. An feine Stelle tritt mit diesem Tage wieder das aktive Generalkommando des 18. Armeekorps in Nauheim.

Von da ab find sämtliche Eingaben betreffend militärische Angelegenheiten nicht mehr an das stello. Generalkommando Frankfurt a. M, sondern an das Generalkommando de§ 18. Ar­meekorps in Nauheim zu richten.

In den Räumen des bisherigen ftellv. Generalkommandos (Frankfurt a. SK.. Taunus-Anlage 2) wird ein Zivil-Departement für den Bereich des 18. Armeekorps" eingerichtet.

Die Leitung diesesZivil-Departements" liegt in den Hän­den des Generalmajors v. Stübnitz. der mit der Auflösung des ftellv. Generalkommandos aus seinem Militärverhältnis ausge- fchieden ist.

Auflösung der Kriegsamtßstelle.

Die Kriegsamlsstelle Frankfurt a. M. ist am 2. Dezember hat großes Aufsehen hervor gerufen.

(fin SdklnfjvrofefesR pn WasseiMklnid.

Spaa, 2. Dez. (WB.) Der Vertreter der . Transocean"- Nachrichtengesellfchaft meldet: Die Finanzkommission der inter­nationalen Waffenstillstandskommission Unterzeichnete am 1. De­zember das Schlutzprotokoll. worin n. a. folgende Vereinbarun­gen milgeleilt sind:

Die deutsche Regierung verpflichtet sich, keinerlei Maßnah­men zu ergreifen welche geeignet sind ihren fiskalischen und pri­vatwirtschaftlichen Besitz in irgend einer Weise zu vermindern, da dieser Besitz das gemeinsame Unterpfand der Alliierten zur Deckung der Kriegsschäde" ist. worauf sic Anspruch haben. Wei­ter verpflichtet sich die deutsche Regierung, die Eisenbahnen. Ka­näle. Bergwerke. Forsten sowie Unternehmungen koloniolwlrt- schaftlicher, industrieller und kommerzieller Art. welche ihr ge­hören. oder woran sie beteiligt ist. weder zu verkaufen noch zu verpfänden. Ferner verpflichtet sich die deutsche Regierung wäh­rend der Dauer des Waffenstillstandes keine Goldausfuhr vorzu­nehmen oder zuzulasien Sollte sie sich unbedingt gezwungen sehen, für die normalen Bedürfnisse ihres Wirtschaftslebens von den Bestimmungen dieser Bedingungen abzuweichen, so muß sie vorher hiervon die alliierten Regierunaen in Kenntnis setzen. Die deutsche Regierung vernMchtet sich weiter, außerhalb der normalen Bedürfnisse ihres Wirtschaftslebens aus dem Bestände an Auslandswechfeln. welche dem Reichssibatzamt oder der Reichsbank gehören oder sich in ihrer Eigenschaft als Devisen- zentrale in ihrem Besitz befinden, keinerlei Uebertragung in das Ausland weder direkt noch durch Mittelpcffcnen vorzunebmen Dieselbe Verpflichtung wird eingegangen für die ausländischen Effekten, die der deutschen Regierung oder der Reichsbank ge­hören. oder die ihnen als Unterlagen fflr Lombcwdvorfibüsss die­nen. Jede Handlung, die dieser Vereinbarung widerspricht, wird von den Regierungen den Alliierten als rechtsungültig ange­sehen. Die deutsche Negierung wird alle möglicherweise daraus zu ziehenden Folgen zu tragen haben. In bezug auf die Rück­erstattung der nach Deutschland ühcrgeff'brten Beträge aus den Gebieten der Alliierten- welche im Waffenstill-tandsvertrage vorgesehen ist. wurde vereinbart, daß die Rückzahlung der aus Belgien und NordffankreiÄ stammenden Geldsummen in der­selben Währung geschehen soll, in der sie seinerzeit weggeführt wurden. In Fällen, in denen dies nicht möglich ist. soll die Rückerstattung in Mark erkolgen. und zwar zum provisorischen Kurse von 1 25 Franken für die Mark. Jedoch behalten sich die alliierten Regierungen das absolute Recht vor. später den Aus­tausch der Markbeträge gegen französische oder belgische Franken Au dem gleichen Kurse oder gegen Lieferung von Goldwäh- rungswerten auf dor Basis von 1,25 Franken für die Mark zu fordern.

Dertmeiligs Berlins.

£>fjne jede Gewähr für die Nichtigkeit verzcrckmen wir

folgende Meldung:

Berlin, 4. Dez. Wie ein. amerikanischer Funkspvuch vom 29. November meldet, sollen alliierte und amerikanische Trup­pen Berlin zeitn^ilig besetzen, um dort Polizeidienste zu ver­sehen.

sehen wie durch Z «Überschlag veränderte. E,ne Unzahl Fabnen in den französischen Farben wurden ausgezogen, so viele, daß man daraus wohl ersehen konnte, wie eifrig im geheimen be­reits an ihrer Anfertigung gearbeitet worden war. Von einer Straßenseite zur anderen waren Girlanden in drn französischen Farben gezogen und Triumphbogen, mit WillkomminschrNten versehen, in den Straßen, errichtet worden durch die die Trup­pen einniarsch:>'ren sollten Besonders feurige, französische Pa­trioten (!) hatten die Denkmäler Wilhelms I., des Prinzen Friedrich Karl und des Kaisers Friedrich von ihren Sockeln gerissen. An dem Bildnis Kaiser Wilhelms II. das-in der Ge­stalt des Propheten Daniel auf dem, Portal der Kathedrale an­gebracht war. halfen die Monge die Handoelenke mit Fesseln umgeben; auf der Brust halten sie einen Zettel mit der In­schrift:Sic tronsit gloria mundi" angebracht.

Genf, 3. Dez. In Straßburg schreiten die französischen Be­hörden in radikaler Weise zur Besitzergreifung der ganzen Ver« wallung. Der General Hirschauer. der bisherige Befehlshaber der zweiten französischen Armee ist zum Mlttärgoumrneur er­nannt wordrn. Der Oberkommissar der französischen Zirilver- waltung Maringer hat den Straßburger Gemeinderat aufge­löst und den Industriellen Ulgemoch zum Vorsitzendeu der Sradt- verwalt'.'.ng ernannt mit Veiretes und Nsunreitrr als Ver­sitzende. Der Präsident Po-incare wird sich am 8. Dezember nach Straßburg 5eg.'b°>n. wo am 9. Dezember in Anwesenheit E'-> menceau. vor Präsidenten des Senates und der Kammer und des dip'or ratschen Korps feierlich die Besitzergreifung des Landes durch Frankreich vorgenommen werden soll. Von d m neuen französischen Bürge''meiste: Prevel wird die deutsche Be völkerung in einem öffentlichen Anschlag zur Ruhe ermahnt unter Hinweis auf d. Zuständigkeit der Kriegsgerickie itts zum Abschluß des Friedens Der Zivilgouvernenr Mirmau tat die Entfernung aller deutschen Ir 'chr her» an öffentlichen Geöäuoen und privaten Geschäftshäusern ane.ordnet und den im öffent­lichen Dienst rerblicbenen Beamten b-,fohlen, die denffhon Uniformen obzulcgen und sich mit einer französischen Kokarde zu versehen.

Genf. 8. Dez. Der ..Petit Parisien" veröffentlicht eine Unterredung mu dem neuen Eeneralinsvektor des Unterrichts­wesens n Effaß-Lothringen. der sich beeilt, der Welt bekannt zu pcben. daß sämtliche deutschen Lehrkurse sowohl an der Unwer- sität Straßburg wie an den Mittel- und Volksschulen des Lan- deZ sofort eingestellt u erden

Plünderungen kn Straßburg.

Kehl. 2. Dez. Nach Einzug der französischen Truppen kn St.'aßburg fanden bei deutschen Geschoftsbäusern mehrfach Viün- derungen statt. Es hotte sich, einExekutivkomitee" gebildet, dos Zu einzelnen Geschäftsleuten ging und Schließung des Schwoben laden'' verlairgte widrigenfalls andere Maßnahmen ergriffen würden Dies- andere Maßnahmen waren Plünde­rungen. So wurde u a. auch das Zigarrengeschäst des Re:chs- tagsabgeordneten Böh!e (Soz.) geplündert und Döhle selbst verwundet. Dem Warenhaus Tietz wurden für etwa 70 000 Mk. Waren gestohlen. Seit dielen Vorgängen haben die größeren deutschen Geschäfte geschlossen

Köln, Z. Dz. Wie die ..Kölnische Zeitung" von wohlunter- r'ck'teter Seite erfährt. T>at der Vorsitzende der französischen Wof- fenstillstandskommission in einer der letzten Sitzungen eine Rote überreicht, in der die Bedürfnisse der Vesetzungstruppen für die nächste Zeff angemeldet wurden. Die Engländer verlangen eine vorläufige Kontribution von 10 Millionen Mark. Hiervon sind von der Stadt Düren 10 Millionen Mark bis zum 5. Dezem­ber. von der Stadt Köln 80 Millionen Mark bis zum 12. De­zember zu entrichten. Die Amerikaner verlangen einstweilen 5t Millionen Mark. Ort und Zeit der an Amerikaner. Belgier und Franzosen abzuliefernden Betrage werden noch bekannt ge­geben.

Aus der Pfalz.

Die deutsche Waffenstillstandskommission hat gegen die Ver­wendung schwarzer Truppen zur Besetzung deutschen Gebiets energisch protestiert. Nachdern die Franzosen durch die Heran­ziehung von schwarzen Mannschaften die Solidarität der weißen Rasse bereits tief erschüttert haben, krönen fi? diese Kriegspolitik durch die Entsendung schwarzer Truppen zur Besetzung deut­scher Städte. Schon jetzt hat sich gezeigt, daß die Franzosen ihre schwarzen Freunde nicht fest in der Hand haben. Die Ver­brechen gegen Frauen und Mädchen haben sich gehaust. Das sollte namentlich der, Amerikanern zu denken geben, die aus eigener Erfahrung wissen, daß die Schwarzen zügellos sind, wenn sic freie Hand haben.

Jm besetzten Gebiet.

Der Einzug der Frarrzoseu in Metz ^ Die Bege'fterung, mit der die französischen Truppen in Metz empfangen wurden. Lberroog, nach einen» ausführlichen ^ Bericht desTemph", alle Grenzen. Kaum waren die letzten i Deutschs gbgezcgen. als die alte lothringische Stadt ihr Aus»

Plünderungen in Köln.

Köln, 4. D<sbr. Die Altstadt Köln machte in der Nacht vom Dienstag a»f Mittwoch wegen des stundenlangen Ge- wehrfeuerS der Bürgerwehr einen unheimlichen Eindruck. Ta am Dientzlag nachmittag das 371. Infanterie-Regiment als letzte deutsche Truppe durch Köln marscksiert war. hielten un- iaubere Elemetzte di« Gelegenheit für aünstia. um schnell nock

vor dem Einmarsch der Engländer ihre Taschen zu füllen. Schon am Montag war es zu Plünderungen im Hafen ge- kon»men. doch hielt man zunächst den Plünderern zugute, daß ne meistens die Lebensmittelbestände der Stadt raubten die ja doch von der kommenden Besatzung beschlagnahmt würden. Am Dienstag vorinittag hatte eine Rotte von mehreren hundert Mann das Zeughaus gestürmt, um sich die Kleider- bestände anzueigrien. sodasi die weitere Ausgabe von An­zügen an entlassene Mannschaften eingestellt werden mußte. In der vergangenen Nacht verriet das Geknatter der Ge-^ wehre, mit denen die Bürgerwehr ausgerüstet ist. daß sie wieder an verschiedenen Punkten das Räubergefindel abzu­wehren hatte. Dieses bestand aus etwa 300 Mannschaften unter Führung eines Matrosen. An den großen Le­bensmittelbeständen im Hafen und im Leihbauie wurden die Banden durch Gewebrf^uer vertrieben, woraus sie ein städtisches Küblhaus mit großen Posten Marganne, Butter und Fleischwaren vlünderten. Ferner raubten sie ein Manu­faktur- und Pel^warengeschäft aus und schließlich eine Filiale des Warenbasts Tietz. Hier stahlen sie Konfektions­und Textilwaren. Seidenstoffe und Damenwäsche in» Werte von 180 000 Mark. Bei der Abwehr wurden vier Räuber ge­tötet und mehrere schwer verwundet: von den Sickerbeits- mannstbaften ist niemand verletzt worden. Mil Recht er­wartet die Bürgerschaft bis zmn Eintreffen der feindlichen Besatzung vom Sicherheitsdienst der aroße Su»nn»en kostet, genügenden Schutz gegen solches Gestndel. Immerhin hat man vo,^ichtsha!ber für die heutige Nacht einige Masthineu- gewehrkompagnien wieder vom rechten Meinufer zurückge- bolt. Außerdem ist das englische Oberkommando ersucht wor­den für Köln sofort Truppen verfügbar zu machen. Mar- ?chr>ll Foch hat sein Einverständnis damit ei-klört, daß die deutschen größeren Städte nicht zu lange ohne Besatzung bleiben. Die Alliierten werden sofort nachriicken.

Köln, 4. Tezbr. Trotz scharfer Gegenmaßnahmen dauern die Plünderungen fort. Heute Mittag wurde der auf dem Kölner Werkbundgelände befindliche Heerespark von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenae erstlirmt. Ein­zelne Depots wurden erbrochen, und kostbares Gut wurde fortgeschleppt. Cicherheitsmanufchaften kamen mit Ma­schinen aewehren herbei, worauf die plündernde Menge das Gelände verließ. Bei dem Zusammenstoß mit Polizefmanw schaffen wurden vier Plünderer getötet. Eine Anzahl Ver­wundeter befindet sich in Hospitälern. Zahlreiche Plünderer wurden verhaftet.

»

Pfündcrvng-n.

Mainz, 4. D-ezbr. Pionierbeerespark aus der I'vgel- beimer Au fanden Plünderungen statt. Bei der Abwehr durch die Mainzer Bürgern'ehr gab es mehl-ere Tote und Verwundete. Der Kleinverkauf rst infolgedessen eingeß llt worden.'

Kein Peichstng.

Berlin. 3. Dez. Die Reichtzregierung hat folgendes Tele» gramm an den Präsidenten Fehrenbach auf dessen Protest ae- richtet' Ihre staatsrechtliche Auffassung ist unbegründet. Alle Zivil- und Militärbehörden erkennen mit Recht an. daß die ge­setzgebende Eewcrlt beim Rate der Volksbrauftragten ruht. Wir waren deshalb zu den von uns gettoslenen Maß»»abmen befugl und halten sie aufrecht. Eberl. Haafe.

Gkttkl die gelktzliche Wüüißrhkrrlchass.

Frciburg i. Br^ 4 . D^. (WB.) Auf das Telegramm des Reichsleitung hat der Präsident des Reichstags Fehrenbach fol­gendes Telegramm an diese gerichtet: Auf Grund der Revo­lution können Sie den Reichstag auflöfen. Ich würde dagegen protestieren, aber mich fügen. Solange Sie aber nicht auflöfen, find Sie ttotz Revolution an die für ihn geltenden gesetzlichen Besttmmungen gebunden. Nach Ihrer Rechtsauffassung könnten Sie sich ebenso gut über beliebige Bestimmungen des bürger­lichen Gesetzbuches oder des Presserechts hinwegsetzen. Ihr Vor­gehen bedeutet die gesetzliche Willkürherrfchast. Dagegen pu* testiere ich. Fehrenbach, Reichstagsprästdent.

Krnch Wngarns mit Dentjchla»»d?

Wien, 4. Dez. Ungarn hat die diplomatischen VeziehungeM zu Deutschland abgebrochen und den Budapester deutschen Ge­neralkonsul Grafen Fürstenberg aufgefordert, Drcdapest zu vev» Lassen. Die Nachricht des Budapester Regierungsorgansfc. Vilag", wonach Ungarn an England den Antrag gestellt ha< den Herzog von Connaught zum König von Ungar» r« wählen hat großes Auffehn hervorgerufen.

Dorstche^e Nachricht ist zwar nicht beglaubigt, immerbiK ist bei diesen Zigeurprn alles mögliche