Ausgabe 
4.12.1918
 
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Herzenskiimxfe«

Roman von Helene Cck ü tty. geb. von Gersdorff» ((.'op^right 1915 by C. Äckermann-Ltuttgan.) b ~) Nachdruck verboten.

£a§ Erste, was fic taten, als flch der Zug mit gellendem Pfiff in Bewegung fetzte, war, daß ste einander in die Arme sanken und unter lautem Schluchzen . . . Freudentränen. . . . umarmten. Alle Standesunterschiede waren verschwunden, ste fühlten nichts, als daß sie zwei treue Gefährten in Gefahr und ^öten waren. Beide hatten sich als gut und tavfer bewahrt, ''rer vielleicht war die Leistung des einfachen Mädchens aus dem Volk ethisch noch höher zu bewerten, al» oie oer vornehmen jungen Dame, denn während Hilde alles was ste tat. in ihrem eigenen, wenn auch rein ideellen Iuteiezje unternahm, ging Lina s Hendeln nur au§ uneigennütziger, aufopfernder Hin­gebung und Treue für ihre junge Herrin hervor.

Nachdem ste die hochgehenden Wogen ihres Gefühls einiger- magen beruhigt hatten, fetzten ste sich neben einander und be­sprachen ihre Erlebnisse, wahrend ste ihren erwachenden Hunger durch die mitgenommenen Brote stillten.

Gnädiges Fräulein", meinte Lina unter anderem. ..es tat' mir doch Spatz machen, der Fräulein Lehmann ihr Gesicht zu

sehen, wenn sie er fährt daß Sie fort sind. Und dem Herrn

Marquis fein's auch' Daß gibt ein Holla, huh! Aber dem

Herrn Gehekmrat fern Gesicht möcht' ich lieber nicht sehen. Das

wird furchtbar! Was er nur anfüngt? O. da bin ich froh, daß ich nidt dabei bin!"

.Lina, Lina, wenn ich an meinen Vater denke, so ist's mir gar mcht wohl", antwortete Hilde bange. ..Aber ich konnte ja nicht anders, er hot mich ja selbst dazu gezwungen."

Freilich, gnädiges Fräulein, was hätten Sie denn hm sollen?" beruhigt? sie LinaSie konnten doch nicht den Herrn Leutnant. den Sie so lieb haben und der so brav ist. die Treue brechen und den Herrn Marquis heiraten, den Sie gar nicht lieb hoben und. der noch dazu gar nicht brav ist."

Diese einfache Logik wirkte beruhigend auf Hildes über­sattes Gewissen.

" 25arUm ""i"st du. daß der Herr Marquis gar nicht brav m. fraate sie dann, da ihr diese Bemerkung aufgefallen war

Gnädiges Fraulein, das könnten Ihnen alle weiblichen Dienstboten unter 30 Jahren, die nicht ganz garstig ssnd. so­wohl in Ihrem Hause, wie beim Herrn Kommerzienrat beant­worten. Er kaust oben allen hübschen Frauenzimmern nach, und dann mochte er noch dazu unser gnädiges Fräulein hei­raten. das ist doch frech!" entgcgnete Lina sehr entrüstet.

- .Also so oerhieltessich? Davon hatte sie keine Ahnung, da

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Fnedbers. den 29. Noo. 1913. Der Bürgermeister. _ 2. V.: Damm.

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Unter Bezugnahme auf die Mit­teilung auf Seite 2 des Steuer* zeirels wird hiermit bekannt ge- machk. daß die bis Ende Novem­ber 1918 fälligen Steuern 14. Ziel) einichließllch der Nachträge bis zum >2. Dezember 1)1 *> m ent- nchren sind.' nach Ablauf die er Friit beginnt die Zwangsbeitrei­bung.

Es wird hierbei dringend em­pfohlen, sich der Ueberweisung aus Barn- oder Scheagurhaben zu bedienen. In diesem Falle ist außer dem Namen auch die Heberegisternu'nmer des S.euer- ze tels an,ugeden

Zrieoberg. den 2. Dez. 1918.

ste ln normalen Zelten niemals Dienffbotenklafsch anyörte, letzt aber mutzte ste Lina's Mitteilungen wohl Glauben schenken.

Um das ihr peinliche Gespräch abzubrechen, sagte Hilde: Du bist wohl sehr müde, meine arme Lina? Wenn wir in K. anlommen. mutzt du dich sogleich ln's Bett legen und den gan- zen Tag darin bleiben, um dich ordentlich auszuruhen, und damit du nicht etwa von den überstandenen Mühen und Stra­pazen noch krank wirst."

Ach. gnädiges Fräulein, unsereins kann schon einen Puff vertragen!" meinte Lina zuverstchtlich.aber Sie. gnädiges Fräulein! Das ist etwas ganz anderes. Wenn's Ihnen nur nicht schadet!" setzte sie besorgt hinzu.

Hilde sah in der Tat in dem fahlen Morgenlicht totenblaß und angegriffen aus mit großen, schwarzen Ringen um ihre müden Augen.

Ich werde mich schon wieder erholen, wenn ich zur Ruhe komme, es. war fast zuviel, was in der letzten Zeit auf mich eingestürmt ist", versetzte HildeDoch nun müssen wir über­legen, wie wir bei meinem Cnfel in's Haus kommen, ohne zu großen Schreck, zu großes Aussehen zu verursachest. Beson­ders möchte ich vermeiden, daß mich viele in meiner Verklei­dung erkennen."

Ja. gnädiges Fräulein, einen Schreck für die Herrschaften wird's immerhin geben. daWönnen wir nicht helfen, aber da Sie ja doch unversehrt vor ihnen stehen werden, ist's nicht gar so schlimm", meinte Lina. ..Aber das ist wahr, besser wär's schon, wenn niemand Sie in dem Anzug sieht. Da müssen Sie halt nochmal Zahnweh bekommen und das Tuch über Gesicht und Kopf decken. Jetzt kommen wir ohnedies bald in K. an, dann laufen wir schnell durch die Straßen, es ist ja noch früh.' ich mein', wir werden noch nicht viele He^/fchaften treffen, die schlafen jetzt noch alle. Und wenn wir erst einmal daheim beim Herrn Kommerzienrat sind, dann ist's einerlei, wer Cie sieht, gnädiges Fräulein, dort find lauter gute treue Leute, die Ihnen nichts zu Leide tun"

Hilde stieß einen Seufzer der Befriedigung aus. O. welche Wonne, wieder unter guten wohlmeinenden Menschen zu sein? wo Jeder reden, denken, 'handeln konnte, wie er wollte, ohne Heuchelei, ohne Unterdrückung und Quälerei' O. und Reinhold! Qb sie ihn wohl heute noch sehen würde? Was würde er. was würden all- andern zu ihrem Schritt sagen? Tante Ella's glaubte sie sicher zu sein, wie oft hatte sie ihr Schutz und Ob­dach anqeboten!

Run fuhr der Zug in den Bahnhof von K. ein. Lina nahm das Bündel welches die mitgenommmen Sachen enthielt, und stieg mit Hilde aus dem , Wagen. Ts war etwa Y>7 Uhr mor- ^ en5 halte Kopf und Gesicht mit dem schwarzen Tuch

möglichst verdeckt. So schnell Ue konnten, kitten pe dury me morgenstlllen, noch fast menschenleeren Straßen. Eine halbe Stunde spater standen sie an dem Portal des Antelmannschen Hauses. Lina läutete leise. Sie wollte den Portier herbei- rufen, nicht aber das gcnrze Haus alarmieren.

Cie warteten eine Weile. Niemand kam. Da mußte sie sich entschließen, noch einmal stärker an der Glocke zu ziehen. Endlich vernahm man schlürfende Schritte von innen. Die Tür öffnete sich langsam.

Der Portier Stephan, offenbar im Schlaf gestört, denn er war noch im Schlafrock und Pantoffeln, streckte den Kopf heraus und rief leise:

..Wer ist denn da so früh?" Wieder so ein frecher Gassen­jung?"

Er mußte wohl in diesem Punkt schon trübe Erfahrungen gemacht haben und war daher sehr mißtrauisch geworden.

Nein, ich bin's, die Lina vom gnädigen Fräulein. Ste­phan?^ Lassen Sie mich geschwind herein!" sagte Lina dringend.

Ja. wo kommen Sie denn her. jetzt bei nachtschlafender Zelt?" rief Stephan in hellem Erstaunen.Und wen haben Sie da?" fragte er noch mehr erstaunt, Hilde erblickend.

Ich bin halt vom gnädigen Fräulein hergeshickt mit wich­tigen Nachrichten, und weil ich nicht allein fahren wollte, habe ich mein Bösche. ß'Traudche Schmitz, mitgebracht" erklärte Lina, während sie schon alle drei durch das Treppenhaus gingen.

Nun. s'ist schon recht, wenn Cie vom gnädigen Fräulein konnnen". erwiderte der Mann und verschwand in seinem Por-

tierzimmer.

Lina zog Hilde weiter zwei Treppen hinauf und brachte sie in das hübsche luftige Zimmer Babette'tz. der Zofe Tante Ellas. Sie fanden es leer, da die Inhaberin es schon verlas­sen hatte, offenbar um ihrer Arbeit nachzugehen

Hier bleiben Sie ruhig, gnädiges Fräulein, biß ich die Frau Kommerzienrat so weif verständigt habe, um Sie rufen zu können . sagte Lina.Ich muß Vabette aussuchen, um von ihr zu erfahren wann ich frühestens die gnädige Frau frechen kann. Auch muß sie wissen, daß Besuch in Ihrem Zimmer ist. sonst könnten Sie noch durch ihr Erstaunen, wenn sie plötzlich hereinkäme, belästigt werden."

Ich danke dir. meine gute Lina", erwiderte Hilde.,du bist so vorsorglich, daß ich mir nächstens das Selbstdenken sparen kann" #

..And nun ruhen Sie derweil ein wenig aus", fuhr Lina fort, es kann immerhin ein Weilchen dauern, bis ich wieder komme."

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