Ausgabe 
4.12.1918
 
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Aninmer 385 ffirirchreis Mittwoch, den 4. Dezember 1918_11 Iichr-r»nft<

Die Vtnt P«c(6teitnns" euch-mt icDen Lverllai. Sie(ielmafet e e »eilopen ..0er ßoaet -US ?,essen". ..Sie Spinn»!,,,-". S.,na-pr«is: «e> den Poitanlialien °>ek,-l>ährlich Ml. 2.70 kinlU Ikitl nach das «estellgeld- «e, den Anenlen monatlich l.oo Ml. einichlietzlich Trägeriodn. Anreizen: Srunv:->ie 2d P,«.. lokale 20 üi,K Ln,eigen von auswans M-rocn durch »onnachnahme erlioden EriiiuÜna-or, lrrieddera. SchriNIeitnna nnd Ueeina rriedver, lnesseni. "anan-r-ir-ke l- .;-rn^rel!-r 43. J3o ti '-1-Lon,- .'!r. m«, U n, Itanltart a. M.

Eine ^.niiuort fodjs tiidjt ringflanffn.

Berlin. 3. Dez. Auf den gestern von der deutschen Wafsen- siillstandskommission rcch^eitio überreichten Vermittlungsvo».- fchlag bejr. die Ablieferung der besten Lokomotiven, war bis ' heute mittag bei der deutschen Waffenstillstandskommission eine Antwort nicht eingelaufen. Alle anderen Meldungen sind un­richtig. Es ist möglich, daß Foch seine Entscheidung über den Vermittlungsvorschlag noch in der nachmittags stattfindenden Sitzung der Verkehrskommission überreichen lassen wird.

Im besetzten Gebiet.

Landau (Vkalz), 2. Dezbr. (WB.) Im Lanfe d-Z sonntags vorrnirtag trafen, wie der ..Nheinvsälzer" meldet, die ersten Besatzungstruppen französischer Nationalität hier ein. Von Impflingen und Weitzenburg kommend, hielten sie. in der Hauptsache Jager zu Pferde und Artillerie, letztere ihre Geschütze niit sich führend, unter klingendem Spiel ihren Einzug. Vor dem Ouartier des L?berkomnmn- dierenden defilierten die Truppen, die später in den Ka- strnements des 12. Artillerie-Regiments untergebracht wur­den. Gegen 12 Uhr w«rde von zwei Offizieren der ge­samte Post-, Telegrahen- und Telephonbetrieb übernommen. Später wurden die bahntochnifchen Anlagen besichtigt; nahe­zu der gesamte Eisenbahnverkehr, ist eingestellt. Don meh- reren öffentlichen Gebäuden weht die Trikolore.

Die Belgier in Aachen.

Köln, 2. Dezbr. TieKölnische Zeitung" meldet aus Aachen: Vorgestern nachmittag rückten hier zwei belgische Kavallerieregimeter ein u^d nahmen vor dem Natbause Aufstellung. Das Publikum verhielt sich ruhig. Der Koni- mandeur der Truppen erklärte, daß. wenn die Bevölkerung seinen Anordnungen willig folge, eine Milderung der An­ordnungen eintreten würde. Zunächst wurde die belgische Zeit in Aachen eingeführt und befohlen, datz um 8 Uhr abends alle Lokale zu schließen stnd. Nach dieser Zeit darf niemand auf der Straße sjch aufhalten. Der Soldatenrat wurde für abgesetzt erklärt, und es wurde angeordnet, daß nur der Oberbürgermeister als Behörde zu gelten habe. Tie Zeitungen dürfen zunächst zwei Tage nickt erscheinen. Nach ihrem Wiedererschcinen stehen sie unter Präventivzensur.

Die FmpiinlaEan der Helden.

London. 1. Dez. (WB.) Reuter Meldung. Aus Lorenzo Marques wird vom 25. November amtlich gemeldet, daß Gene­ral von Lettow. Vordeck sich mit 30 Offizieren, 125 anderen Euro­päern. 1165 Askaris. 1516 Trägern 482 örtlichen und portugie­sischen Trägern. 13 Eingeborenenhäuptlingen. 283 männlichen Eingeborenen und 819 Frauen ergab. Die Askaris bleiben bis zur Heimbeförd^rung in Tabora. die Deutschen bis zur Ueber- jührmrg nach Europa in Daressalam.

Die S*ßn>ü!!f des Mhmeg

haben am Samstag getagt. Das Hauptreferat bette das Mit­glied der Regierung. Barth Man hat beim Lesen seiner Rede den Eindruck, als male er absichtlich grau in grau. Die Lage unserer Ostarmee schilderte er verzweifelt, gegen diese Darstel­lung ist inzwischen ein Protest eingelaufen. In der Ernährungs- srage sieht er trüb und unsere Rohmaterialien reichten, selbst wenn die Erzeugung nur ein Viertel von der im Jahre-1913 betrüge, nur auf sechs Monate. Auf die Frage: Wo sind in Berlin die Waffen? meinte ez: Soweit die Berliner Arbeiter­schaft Waffen besitzt, sind sie wahrscheinlich zu 95 Prozent in den Händen der Spartakusgruppe Die interesiante Frage, wie stark die Soldaten in Berlin noch bewaffnet sind, und wo sie politisch stehen, bleibt »^erörtert. Auf jeden Fall müsie der Bürgerkrieg vermieden werden, und Giebel 'ist überzeugt, daß dies möglich sein wird. Das Verhalten der Spartakusgruppe sei teilweise auf Angst vor einer Gegenrevolution zurückzufüh­ren. Dagegen nachm er die Zustände in Berlin gewissermaßen in Schutz, indem er ausführte, daß von links her der Revo­lution keine ernste Gefahr drohe (?) Bezeichnend für die Stim­mung unter den Frontsoldaten ist der Protest eines ihrer Ver­treter, der sich dagegen wandte, daß die Negierungsvertreter mit parteipolitischen Redne-n die Debatte zu stark beherrscht hätten. Die Frontsoldaten wollten lediglich die Negierung, nicht aber rin sozialistisches Programm unterstützen. Eine lebhafte Debatte entspann sich über ein angebliches Flug­blatt der Obersten Heeresleitung, in dem die heimischen Arbei­ter- und Coldatenräte aufs allerschärfste angegriffen werden. Menu tos Feldheer heute hungern müsse, so seien die heimischen Räte daran schuld, und diese Räte bestünden aus Matrosen, die nie etwas gelListet hätten, aus Juden und unreifen Vursckxn. Schließlich wurden fünf Vertreier für den Berliner Vollzugs- rat gewählt, und zwar lauter Sozialdemokraten. DieFranks. Ztg. bemerkt dazu: Es ergibt sich auf dieser Tagung das gleiche Bild, das wir ae^enwärtis auch andersnx» a!Z in Bad

Ems zu sehen bekommen: den bürgerlichen Parteien und den Mehrheitssozialisten fehlt es an Selbstvertrauen und Schneid, sie lasten sich dadurch leicht von den Unabhängigen, dis von revolutionärem Temperament und deshalb rücksichtslos sind, an die Wand drücken. Auf diesem Vertretertag sind allerdings die Unabhängigen selbst mir ganz spärlich vorhanden. (Spar- takusleute wohl überhaupt nicht), und der Gesamteindruck läßt sich doch nicht verwischen, daß die Soldatenrüte des Feldheeres zwar fest und zuverlässig zur Revolution stehen, daß ihre Ge­sinnung jedoch eine sehr gemäßigte ist. Politisch und in jeder Begehung. Das Verhältnis zu den Offizieren erscheint durch­aus kameradschaftlich: gelegentliche Zwischenrufe des Unwillens oder Mißtrauens gegenüber Offizieren, die an der Debatte teil, nebmen. werden jede-mal von der Mehrheit der Versammlung energifch zu cückg.'wiesen.

Ein Ursicst der Ostarmee.

Das Mitglied der Volksregierung Barth erklärte auf der Versammlung der Soldatenräje der Fronttruppen zu Ems fol­gendes: Trostlos ist die Lage unserer Truppen im Osten. Die Armee Mackensen ist interniert, dach sie hat damit noch das beste Los gezogen. Was aus den Heeren in der Ukraine, im Baltikum und Finland werden soll, ist noch ganz dunkel. Die Entente hat bereits eine Armee bei Odessa stehen eine andere bei Iasiy. Es wird erwartet, daß in den nächsten Taaen Enten- tenheere bei Petersburg und bei Riga gelandet werden. Auch haben sich unsere Gegner Vorbehalten, über Danzig den neuen polnischen Staat zu versorgen Was daraus sich Entwickeln wird, weiß man noch nickt. Wir haben so wenige Züge zur Ver­fügung. haß es im besten Falle drei Monate dauern wird, bevor wir unstre Truppen aus dem Osten zurückgeführt haben werden. Unsere Kameraden dort draußen leben in der sehr ernsten Sorge, daß es ihnen gehen könne, wie der napoleonifcken Armee im Jahre 1812. Wer an dieser Laae schuldig ist. darüber wollen wir heute nicht re-den. (Stürmische Zurufe: Ludsndcrsf!) Wir hoffen, nock mit Polen eine Abmach,ina treffen zu können die uns den Durchmarsch sichert, aber Gewißheit darüber besteht noch nicht.

Ebenso pessimistisch hat sich M o l k e n b u h r ausgesprochen Auf diese Ausführungen, die vollkommen ungerechtfertigte Aeußsrungen über die Ostverhältniste bringen, erging folgender Protest durch den Zentralrat der Ostfront: Der Zentralrat der Ostfront ist erstaunt über die Aeußerungen von Ihnen, daß di« in Rußland liegenden Armeen wohl kaum an die Rückkehr den­ken könnten. Wir verstehen nicht wie Sie derartiges in öffent­licher Verfaurmlung sagen können da doch die ganze Lage der Ostfront zu diesem Pessimismus keinen Anlaß gibt, solange es den Arbeiter- und Soldatenräten gelingt ihre Politik der Ruhe und Ordnung weiter durch-u führen. Mil derartigen Mittei­lungen verwirren Sie die Stimmung i^ der Heimat, auch bet der Truppe, die daran Nachricht empfängt. Sie erschweren da­durch unsere außerordentlich großen Ausgaben und bringen erst die Gefabr berauf. die Sie als schon vorhanden darstellen. Wir ersucken Sie dringend über die Ostfragen nur unsere bevollmäch­tigten Vertreter sprechen zu lassen, die wirklich mit ber Sachlage vertraut sind.

Berlin, 30. Nov. (WB.) Im Osten sind dis Räumungen und die Nücktransnorte unserer Trupnen einaeleitet. Zunächst werden Estland. KleiinL'vland und das ganze Gebiet östlich der Linie Moledetfchrio Baranowitfchi. Tannen'und die Krim geräumt. Wegen der großen Entfernungen und der mangelhaf­ten Bahnen dauert die Räumung längere Zeit. Die ersten klei­nen Transporte kamen in Ostpreußen an. Durch die Verhält­nisse in Posen werden die Räumungen zwar erschwert, aber nicht verhindert. Kleinere Transporte kamen bereits in Bayern und Schlesien an. *

Die innere gtalttUt.

Berlin, 1. Dez. (WB.) In seiner Rede vor der Berliner so-zialdemokratischen Parteiorganisation fuhr Eberl fort: Soll die Revolutwn und rhr Steg gesichert werden, dann muß jede politische. Putschtaklik aufs entschiedenste bekämpft werden. ML» gen die deutschen Arbeiter nach Rußland gehen und sich warnen lassen. Das hochentwickelte deutsche Wirtschaftsleben kann auf dis Dauer nicht mit Maschinengewehren und Brownings verge­waltigt werden. Wn wollen ein dauerhaftes, innerlich gesun­de- Werk schaffen, daß eine gesittete Entwicklung der Wirtschaft und ein kräftiges Volksleben ermöglicht. Freiheit in Wort und Schrift und gleiches Recht für alle. Das find und bleiben unsere Grundlagen. Beseitigung jeder Unterdrückung und Ausbeutung bleibt unser unverrückbares Ziel. Was uns für die Zukunft vor Augen steht, ist ein freies, gesundes vnd frohes Volk, das keine Schmarotzer und kein Elend mehr kennt. Wer dasselbe will, kämpfe mit uns gegen dre Gewaltpolitik, von woher sie auch komme, und für Freiheit, Demokratie und Sozialismus, für die volle Befreiung des ganzen Menschengeschlechts.

Auch der zweite Referent, Otto Braun, bekannte sich zum Ausbau und zur Festigung der sozialen Politik auf demokrati­scher Grundlage und zu eurer entschiedenen Kampfansage gegen bolschewistisch? Methode,». Im Aufträge der preußischen Regie­

rung werde ein Gesetzentwurf ausgearbeitet. der dem Staat dag Verkaufe recht au deu Landgütern sichert. D> e aus den Städten in die Landwirtschaft ei »getretenen Arbeiter sollen so bald wie möglich entlassen und die zurückkehcenden Landarbeiter zu neuen, den Verhältnissen «nrsprechenden Bedingungen wieder eingestellt werden. Die Oed- und Moorlöndereien von denen eo in Deutschland über 2 Millionen Hektar gäbe, sollen in Kultur­länder umgearbeitet und soweit als möglich schon für die nächst-; Ernte nutzbar gemacht werden. Die landwirtschaf1l,chs Produl­tton müsie auf die höchste Stuke gebracht werden.

Schließlich wurde eine Resolunon einstimmig angenommen, wonach der Beschluß der Reichsregierung, die Wahl zur Natio­nalversammlung lchon im Februar stottsinden zu lasten ein­stimmig begrüßt wird Die Errungenschaften der Revolution können nur gesichert werden, wenn Freiheit und Glerckberech- tigung aller Volksgenossen auf dem Boden der Demokratie ""d des Sozialismus genährleistet werden. Die Derfammluns klärte sich bereit, die Regierung in dem Kamps allen Wide' den und Hindernissen zum Trotz m,1 voller Energie z» v stützen. Aue diesem Grunde wird der Anschluß aller M ; 'r und Frauen an die Organisation der sozialdemokratischen h i Deutschlands als erstes Gebot der Stunde bezeichnet.

Ein Friede tun jeden Preis.

In Ems schloß der Volksbeaufiragte Barth seine Rede n t den Worten: Kein Friede kann schlechter werden, als der jetzige Zustand. Ich möchte laut hinausrufen: Wilson. Clemenreau.

Lloyd George diktiert uns einen Frieden, ohne uns auch nur zu fragen, welchen Frieden ihr immer wollt aber diktiert ihn uns morgen! (Beifall auf vielen Seiten.).

Wie ein solcher-Frieden aussieht. g'bt eine Erörterung der Daily News" Kunde, daß die Alliierten folgende Schaden- ersatzvorfchläge erwägen:

1. Es soll während einer Reihe von Jahren ein Cchaden- erlah in Geld für sämtliche in Belgien und Frankreich ange- rickleten Schädeti geleistet werden Die Sckäden werden auf 2 bis 2 1 /j Milliarden Pfund Sterling berechnet.

2. Sämtliche verheerten Häuser in den Städten dieses Ge­bietes müsien durch deutsche Arbeiter neu aufgebaut, die Wege neu angelegt, die Schlachtfelder wiederhergestellt und das benö­tigte Material durch deutsche Arbeiter für die Alliierten zu- sommenaebracht werden.

3. Es soll ein Schadenersatz geleistet werden für den ver­nichteten Cchisssraum. und zwar auf Grund eines zwischen den Alliierten urrd den Zentralmächten abgeschlossenen lleberein- konimens. laut dem die deutschen Schiffe für Rechnung der ge­samten Welt fahren und auf deutschen Werften neue Schiffe für die britische oder die anderen Ko.ussahrleifiotten gebaut werden müsien.

4. Neben dem Schadenersatz für Belgien und Frankreich soll eine weitere Entschädigung für die erlittenen anderen Ver­luste gezahlt werden.

5. Das gesamte in Deutschland vorhandene Gold wird den Alliierten ausgelie.ert.

6. Die deutschen Kohlenbergwerke haben einen Teil geforderten Kohle abzugeben. Diese Abgabe ist aus eine Ne von Jahren zu zahlen. Außerdem ist die deutsche Kohle? zeugung unter die Kontrolle der Alliierten zu stellen.

7. Die in Italien, Serbien und Rlimänien angerichi Verbeerungen müsien wieder gutgemacht werden

Auch die folgende Betrachtung desVorwärts" ist inte, saut:

Der Versuch des französischen Generalisiimus Foch. sein. ' Triumph mit dem Einzug in Berlin zu krönen, war schon längst erkennbar, er steht in diesem Augenblick vielleicht schon voo seiner Verwirklichung. Die Besetzung Deutschlands ist uuier den gegenwärtigen Umständen kein militärisches Kunststück, sie ist auch in keiner Weise eine militärische Notwendigkeit. Sie könne es höchstens in dem Sinne fein, daß die sozialistische p<rzi. sistische Opposition im Westen durch eine letzte höchste Aufpeit» ichung der nationalistischen Leidenschaften niedergeschlagen wer­den soll. Wir müsien unter den gegebenen Umständen allen Möglichkeiten gefaßt ins Auge sehen und können dazu nur sagen: Im gegenwärtigen Augenblick sind wir machtlos und müsien olles über uns ergehen lasten, wa§ über uns verhängt wird. Das Deutsche Reich kann aber nicht aus die Dauer als eine er­oberte Provinz der Westmächte behandelt werden. Jeder Ver­such, der in dieser Richtung unternommen wird, muß fchtteßltch denen, von denen er ausgeht, und ganz Europa zum Verderbe»» gereichen. Eeneralspolitik, sei es deutsche oder französisch«, lanu der Welt kein Glück und keinen dauernden Frieden dringe», sondern nur immer neues Unglück. Zerstört man in uns »er» Vertrauen zur internationalen Gerechtigkeit bleibt uns ftm ds» Vertrauen in die Kraft unseres Volkes, die suzerstörtor G.

Die dkirtj-titll FllnkknÜa'iimkn.

Berlin, 2. Dez. (WB. Amtlich.) Da trotz der bisherig^ Richtrgstcllung bezüglich der angeblichen Beichlagnndm« ** Funkenstationen durch die Unabhängi.)«« oder durch di« Sr«E takusgrupp« ta der OsfsentlichkeK tief« Beunruhiguna besieg