Nummer 284 kinjchreig LML,
Dienstag. de« 3. Dezember 1018
11. Jahrgang.
ene Tagesieitmr
Die ..1 ene Eavesreitring" erscheint ,eoen Werltai. Negeimatzlge Beitapen „Oer £antr aus fielTen", „dir Spinnktabe". Dezugsprels: Be, ven Poitauitatten oierielrä^rlicti 'JKL 2.7C hinzu liiti noch oas BeiteÜgetd: s, ven Aoenten monaOicb. 1.00 Akk. einschließlich Tragertobn. Anzeigen: wrunv;erte 2b Big.» »olate 20 43?q«. Anzeigen von ausroaris iveroen outet) Bo rnachnabmv erhoben. (£rn/U,m->«ort Frtedberg. ^chriktleitnna und Uerlar nevve^a l^esien'. laaauerttage 12. ^ecnvrechsr 18. Po ti hei-Lr iro llr. i-n; Hraatfuri a. M.
Gin Attimat-m Fachs.
'Berlin, 2 Dez. Das bekannte Verlangen der Franzosen nach Auslieferung sämtlicher besten Lokomotiven hat zu einer akuten Zuspitzung geehrt. Gestern ließ Generalissimus Fach der deutschen Wasfenstillstandskommission ein Ultimatum mit 24stündiger Befristung überreichen, in welchem die französische Forderung erneut ausgestellt wird. Der Vorsitzende der deutschen W.rffenstillstaiidskommission, Staatssekreiör Erzberger, hat sofort Einspruch erhoben und erklärt, die Eciüllung der Forderung wäre selbst dann unmöglich, wenn man das ganze berücke Wirtschaftsleben zum Aussuchen der besten Lokomotiven in Unordnung brächte. Er hat den Veimittelungsvorschlag gemalt. daß Deutschland alle gegenwärtig in Reparatur befindlichen Lokomotiven narb Fertigstellung abliefern wird. Als Termin der Auslieferung rst der 1 Februar 1919 in Vorschlag gebracht Der Vermittlungsoorschlag ist an die Bedingung geknüpft daß di-e Franzosen die in Belgien und Nordsrankre'-b beschlagnahmten Lokomotiven in Anrechnung bringen und ibre Zablen nanihast niachen. Die französischen Forderungen gehen über Sinn und Wortlaut des Waffenstillstandsnertrages wert hinaus Die Frist des Ultimatums ist heute vormittag 10 Uhr abaelauseir. Welche Entscheidung gefallen ist. ist noch nicht bekannt.
Eine eiserne Division im Meu.
Mitau, 30. Nov. Ter Soldatenrot der 8. Armee unter Teilnahme des Reick^kommissars für die baltischen Lande und des Präsidenten des Soldatenrots in Mitou beschloß, als freiwillige Armee eine eiserne Division zu gründen, die den Zweck hat. einen geordneten Abzug der Truppen aus dem Osten zu sickern und dos Hei überfluten einer bolschewistischen Welle mit d<en Waffen in ^er Hand zu verhindern. Diese Freiwilligenarmee joll eine Kompfarmee sein und unter d<ni Kommando deutscher OffiFfepe stehen. Freiwillige Redner aus allen Soldatenraten haben sich erboten, im ganzen'Baltikum für diese Idee Kameraden. die den Ernst der Lage erkennen und die Heimat und die Kameraden zu schützen bereit sind, in Werbevorträgen auszurusen. Die Mannschaften dieser Truppe erhalten pro Tag 10 Mart Löhnung und gute Verpflegung aus Landesmitteln. In der Heimat soll ebenfalls eine eifrige Werbearbeit* für diese Schutzarmee ein'etzen. Das Armeeoberkommando in Riga hat in eingehender Beratung diesem Plan, der von unten herauf fomrnf, zugestimmt und wird die Organisation einer eisernen Division betreiben Für Mitau wnrden bereits für Sonntag zwei große Werbeversammlungen anberaumt, in denen der Präsident des deutschen Soldatenrats und ein Offizier der Verwaltung in Kurland die ersten Vorträge halben werden An diesen Versammlungen nehrnen Delegierte aus allen So'.datenräten Kurlands teil. Offiziere stellen sich bereits jetzt in außerordentlich großer Zahl den Organisatoren zur Verfügung.
W tü'-fr liüfiüdm filmismitfrliiliifff.
Haag, 1 Dez. Die ..Times" erfahren aus Neuyork. daß die Negierung 30 ehemalige deutsche Handelsschiffe gemietet habe, um Nahrungsmittel nach Deutschland zu überbringen. Die Versorgung mit Lebensmitteln werde aber, wie Lanfing lm Senat mitgeteilt habe, erst dann stattsinden. wenn in Deutschland die Wahlen für die Nationalversammlung stattgesunden hatten.
Ein Sonderfrieden Kayerns?
.,^ern, 1. Tezbr. (WB.) Die französischen Zeitungen veröfentlichen eine Züricher Depesche, derzufolge dort das (^erlicht umgeht daß Prof. Förster demnächst beauftragt werden würde, bei der Entente einen Sonderfrieden für Bayern nachzusuchen. Dieses Gesuch soll darauf gestützt werden, daß die bayerische Nation einmütig die Akte des preußischem Imperialismus venverfe und frei von jedem fremden Einfluß ihr Schicksal selbst lenken wolle.
Ein Spartalms-Untsch.
Glatz, 1. Dezbr. (WB.) In der Nacht vom Freitag Mn Sa.mstag versuchten etwa 50 bis 60 Soldaten, die die Waffenkammer erbrochen und sich bewaffnet hatten, einen Wtpch Ein gewisser Kroeher. der hier einen wenig guten Keumnnd besitzt, und der in Spandau, wo er eine Strafe verbüßte, durch die Stevolntion befreit worden war, schloß sich fri Berlin nach feiner Angabe der Spartakusgruppe am Von lkpandau kam er in Feldwebeluniform nach Glatz, um hier kinen Putsch zu veranstalten. Es gelang ihm, eine Reihe von Leupm fiir sich zu gewinnen, die er bewaffnete. In der Nacht zogen sie unter Rufen: Nieder mit allen Zentrumsleuten! Es lebe di« Republik! durch die Stadt, wobei Schüsse sielen.
Das Ziel der Putschmänner war in erster Linie das militärische Bekleidungsdepot, wo sie sich neu einkleiden wollten. Der Zug wandte sich dann zur Molktekaierne. Dort hatten die Soldaten auf die Kunde von dem Herannahen der Demonstranten Maschinengewehre ausgestellt. Als auf die Aussonderung- Hände hoch' Gewehre hinwerfenl ans den Reihen der Aufrührer Schüsse fielen antworteten die Soldaten mit Maschinei,gewehrseuer. Zwei der Rädelsführer wurden schwer verletzt; einer von ihnen ist heute früh seinen Verletzungen erlegen. Kroeher und zwei andere Näde.'s- führcr wurden verhaftet: sie werden am Montag von dem Standgericht Schweidnitz abaeurteilt werden. Das hiesige Standgerichch fällte dos Todesurteil über Kroeher. Das Standgericht mußte jedoch nach dem Plaidover des Verteidigers in einer erneuten Verhandlung sich für^nnzuständig erklären und die Angelegenheit nach Schweidnitz überweisen. Auch in der Nacht vom Samstag zu,n Sonntag fielen an verschiedenen Stellen Schüsse, deren Herkunft noch nicht fest- gestellt werden konnte.
Die Zustände in NnRand.
Rotterdam, 29. Rov. Der nach Holland zurückgekehrte interimistische holländische Gesandte in Petersburg Oudendyk der 25 Jahre in Rußland gelebt hat erklärte gegenüber einem Vertreter des ..Nieuwe Rotterdamsche Eon- rant" über die Zustände in Rußland: Tie Tyrannei. Grausamkeit. Bestechlichkeit lind das Elend find in Rußland jetzt größer als jemals unser irgendeiner Regierung. Der nationale Reichtum. die Wohlfahrt und die Zukunft Rußlands ünd von einer kleinen Zahl Menschen systematisch vernichtet worden. Petersburg leidet Hynger. Handel. Industrie, Bankwesen und Bergwerke liegen still. Die Banken sind beraubt Die Geldwerte und Effekten sind beschlagnahmt. Mit den konfiszierten Waren versucht man den Auslandsbandel zu beleben. Völlige Vernichtung des heutigen Systems ist die einzige Rettung, die N"ß,and übrig.bleibt. Lebensmittel sind nicht vorhanden. Auf die airsgegebencn Lebensmittelkarten bekommt niemand etwas. Der Eisenbahnverkehr ist desorganisiert. Neii'en ist inf<?; ö e des unerhörten Paß- zwanges so gut wie ausgeschlossen. Ins Ausland zu kommen, ist nnr durch Bestechung der Grenzwache möglich. Niemals sind unter der alten Negierung so viele Gefangennahmen erfolgt und haben so zahlreich^ Hinrichtungen in großem Matzstabe stattgesunden wie jetzt tagtäglich. Tie freiheitliche Regierung der Bo'.sckxtwikj hat nur zerschlagen nnd verwüstet. Ausgbgut hat sie nichts. Wenn man nicht auf die Phrasen ihrer Zeitungen sondern auf ihre Praxis achtet, sieht man. daß nicht einmal für die Proletarier etwas, da ist. Im Schleichhandel ist für Blutgeld noch allerhand zu kaufen. Ein Pfund Butter kostet 50—650 Rubel. Ein Pfund Brot kostet !5 Rubel und dann ist es noch ungenießbar. Das Geld ist allerdings billig genug, denn man braucht es nur zu drucken. Die Häikte der Laden in Petersburg ist geschlossen und ruiniert. Die Zensur übt einen unerhörten Terrorismus aus nnd ist viel chärfer als die Zensur des alten Regimes. Im ganzen ist die Kenseauenz des in Rußland befolgten Systems, daß man. anstatt die niedrigen Klassen der Bevölkerung guf ein höheres Niveau zu heben, alles. Mas sich liber die niedrigste Klasse erhebt, in ein für alle gleiches Elend hinabzieht.
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Der frühere Berichterstatb-r der „Kölnischen Zeitung", Professor Weg n er. hatte am Tage vor der Kieler Revv- lntion ine dreiviertelstündige Unterhaltung mit dem Deutschen Kaiser, in der dieser erklärte, die ganze Politik der letzten Wochen vor dem Kriegsausbruch sei von Bethmann "nd Iagow allein gemacht worden. ..Ich mußte nichts mehr davon. Sie haben mich durcl)aus gegen meinen Willen nach Norwegen geschickt. Ich wollte die Reise nicht machen, da die Gespanntheit der Lage nach der Ermordung Franz Ferdinands auf der Hand lag. Indessen erklärte der Reichskanzler: ..Majestät müssen die Reise antreten. um den Frieden zu bewahren. Wenn Majestät hier bleiben, dann gibt es sicher Krieg, und die Welt wird Eurer Majestät die Schuld daran zuschieben." Daraufhin bin ich abgereist und habe während der ganzen Zeit keine Nachrichten mehr üb^r die Vorgänge erhalten. Nur aus den norwegischen Zeitungen erfuhr ich .was in der Mlt geschah, so auch von dem Fortgänge der russischen MobilmackRngsvorbereitungen. Als ich von dem Auslaufen d<r englisch^ Flotte hörte, bin ich auf eigne Faust zurückgekehrt. Beinahe hätten sie mich abgefangen." — Mit Bezug auf Rußlands Haltung erklärte der Kaiser: „Gewollt und erzivungen hat den Krieg die russische Kriegeparbrj am Hofe. Ti« Vorbereitungen gingen bis inS Frühjahr 1914 zurück. Die tzbirischen Regiementer wurden
etappenweise nach dein Wessen gezogen. In Wilna erhielten sie plötzlich scharfe Patronen, und es wurde ihnen eröffnet, nun gehe es los. Tatsache ist. daß die russiick^n Tiuppe« ^cbon vor der Kriegserklärung unsere Grenzen überschritters haben."
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Basel, 2. T>'z. Havas meldet aus Amsterdam: Der Exkaiser Wilhelzn ist von einem Nervenfall betroffen worden. Er beabsichtigt sich in ein Sanatorium in der Nähe von Arnheim zu begeben.
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Derlm. 30. Nov. Die Verordnung über oie Wahlen ?ur verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung (Reichswahlgesetz) lautet ln ihren wesentlichen Teilen'
§ 1. Die Mitglieder der verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung werden in allgemeinen, unmittelbaren imfc geheimen Wahlen nacki den Erundsotzen der VerhältniswahL gewählt. — Jeder Wähler hat eine Stimme.
§ 2. Wahlberechtigt sind alle deutschen Männer und Fraue«, die am Wahltage das 20. Lebensjahr vollendet haben.
8 3. Die Personen des Svldalenstandes find berechtigt. a< der Wahl teilzunehmen. Die Teitnahme an politischen Vereinen und Versammlungen ist ibnen gestattet.
8 4. Ausgeschlossen vom Wahlrecht ist: 1 wer entmün
digt ist. oder unter vorläufiger Vormundschaft steht: 2. wer infolge eines rechtskräftigen Urteils der bürgerlichen Ehrenrechte ermangelt.
8 5. Wählbar lind olle Wahlberechtigten, die am Wahltage feit mindestens einem Jahre Deutsche sind
8 6 Die Wahikrelsemteilung und die Zahl der Abgeordneten. die in den einzelnen Wahlkreisen zu wählen stnd. ergibt sich aus der Eirilage — Lie beruht auf dem Grundsatz, daß auf durchschnittlich 150 009 Einwohner nach der Volkszählung vom 1. Dezernber 1919 ein Abgeordneter engfällt und dort, ws Landes- oder Verwaltungsbezirksgrenzen bei der W'hlkreis- cinteilung berücksichtigt werden müssen, ein Uebersibuß von mindestens 75 000 Einwohnern vollen 150 000 glcichgcrechnet wird.
8 7. Jeder Wahlkreis wird in Ltimmbezirke gefeilt, die möglichst mit den Gemeinden zusammenfallen. Größere Gemeinden können in mehrere Tlimmbezirke zerleat. kleinere mit benachbarten zu einem Stimmbezirk vereinigt werden.
§ 8. Für jeden Wahlkreis wird ein Wahlkommisiar. für jeden Stimmbezirk ein Wahlvorsteher und ein Stellvertreter für die ihnen von der nach der Wahlordnung (§ 22) zustebendr Behörde ernannt. Der Wahlvorsteher ernennt aus den Wahlberechtigten des Stimmbezirks drei bis sechs Beisitzer und eine« Schrrftführer Wahlvorsteher, Beisitzer und Schriftführer bilden einen Wahlvorfland.
8 9. Für jeden Stimmbezirk wird eine Wählerliste angelegt. in die die dort wohnhaften Wahlberechtigten einaetrogen werden. Die Wählerlisten sind spätestens vom . . . bis -um Ablauf der Einspruchsfrist zu jedermanns Einsicht auszulegen. Ort uad Feit werden vorher unter Hinweis auf die Einbruchs- frist öffentlich bekanntgegeben. Einsprüche gegen die Wählerlisten sind bis zum . . . 1919 bei der Gemeindeverwaltnngsbe- hörde einzureichen und bis zum . . . 1919 zu erledigen. Hierauf werden die Listen geschlosien.
Heber die nachttägliche Aufnahme von Angehörigen de» Heeres und der Marine die im Januar 1919 aus dem Felds hein'kebren. ergebt eine Wahlverordnung.
§ 10 Da§ Wahlrecht kann nur in dem Stimmbezirk ass- geübt werden, wo der Wahlberechtigt« in die Wählerliste eingetragen ist. Jeder darf nur fn einem Or^e wühlen.
8 11. Beim Wahlkommisiar sind spätestens am . . . 1919 Wahlrorfchläge einzureichen. Die Wahlvorfchläge musien vo« mindestens hundert im Wahlkreise zur Ausführung der Wahl berechtigten Personen unterzeichnet fein. C'e dürfen nicht mehr Namen enthalten als Abgeordnete im Wahlkreis zu wähle« sind. Von jedem vorgefchlagenen Bewerber ist eine Erklärung über feine Zustimmung zur Ausno.hnie in den Wahlvorschlag en.zuschUeßen In demselben Wahlkreis darf ein Bewerber nur einmal vorgefchlagen werden.
8 12. Mehrere WahlvorfchlLge können miteinander verbunden werden. Die Verbindung mutz von den Unterzeichner« der betreffenden Wahlvorschläge oder ihren Bevollmächtigte« übereinstimmend fpätcstenZ am ... . 1919 beim Wahlkommisiar schriftlich erklärt werden. Verbundene Wahlvorfchläge könne» nur gemeinschaftlich zurückgenommen werden. Die verbundene« Wahlvorschläge gelten den anderen Wahworfchlägen gegenübe« als ein Wahlvorschlag.
9 13. Für die Prüfung d«r Wahloorschläg« und ihrer VE bindung wird für jeden Wahlkreis ein Wahlausschuß gebildet der aus dem Wahlkommisiar als Vorsitzenden und vier Del« fitzern besteht. Der Wahlausschuß saßt feine Befchlüsie miß Stimmenmehrheit. Nach der öffentlichen Bekanntgabe der -M gelasiencn Wahlvorschläge können diese nicht mehr zurückgenomo Men und ihre Verbindung kann nicht mehr aufgehoben werde«»^


