„Ginge e§ nicht um das Wohl und Wehe des Volkes, so könnte die Sozialdemckratie den ungebärdigen Herrschaften sehr bald das Vergnügen machen, aus der Negierung auszuscheiden. Der Platz iw Zusckauerroum ist ja der bei weitem bequemere. Nur würde nach dem Ausscheiden der Sezialdemokratie eine Regierung Zurückbleiben, die noch nicht ein Zehntel des Volkes hinter sich bat und über so gut wie gar keine geschulten Kräfte verfügt. Was dann dem deutschen Volke blühen würde, ist nicht ad'usehen. Die unabhängigen Spartakvsse könnten in naher Zeit nickt damit rechnen, die Mehrheit des Volkes hinter sich zu bringen sie mutzten also ibre Diktatur verewigen. Die vernünf- tlgeu Elemente der Unabhängigen würden bald nichts mehr zu sagen haben, und Spartakus, d. h. noch nicht ein Prozent ter Bevölkerung, würde das Reich beherrschen. Für wie lange und mit welchem Erfolgs Den Sozialdemokraten fällt es gar nicht ein. sich an ihre Aemter zu klammern. Wir bitten aber alle lleberlegunqsiähigen zu bedenken, wohin es führen muß. wenn man sie zwingt, aus ihnen zu scheiden. Ein solcher Zwang wäre geschaffen, wenn durch das Treiben der Durcheinander Politiker Verhältnisse entstünden, für die die Sozialdemokratie die Mitverantwortung nicht mehr trauen kann. Sie müßte dann die Sache de? Sozialismus wenigstens für die Zukunft retten, indem sie dafür sorgte, daß sie als die bei weitem stärkste Partei des Sozialismus aus dem allgemeinen Tohuwabohu unkompro- mittiert herausaeht. Möge man also bedenken, daß die Sozialdemokratie nickt? in ibrer geaennärtigen Stellung hält, als ihre Liebe und ihre Znaehvriakeil zum arbeitenden Volle. Sie zu „stürmen" könnte unter Umständen vielleicht leichter sein als man glaubt, nockher ab.'r etnms Vernünftiges zum Wöhle des Volkes zu schaffen, vielleicht doch schwerer, als mancher heute denkt."
Bern. 28. Nov. Das deutschfreundliche „Berner Taoeblatt" schreibt, es stebe außer Zweifel, daß die Durchsskung der Pläne der deutschen Bolschewisten den allerschär.fsten Widerstand bei der Entente finden werden Wir Neutralen, so erklärt das Bla^t. können ibr dabei nur unsere volle Zustimmung au ^drücken. Da hört endlich auch bei uns in der Schweiz, die Snmvthie für Deutschland auf. Einen bolschewistischen, anarchistischen Nachbarn weiben mir keine freundschaftlichen Gefühle mehr."
Amsterdam. 27. Rov. (WB.) „Het Bcderland" schreibt: Falls es in Deutschland zu Gewalttätigkeiten zwischen den anti- rcvolvticnären Fronttruppen und den revolutionären Arbei^er- und Soldatenräten kommt, bricht der Bürgerkrieg aus. Als Folge biervon würden die Heere der astoniertcn Staaten weiter in Deutschland einrücken und große Landesteile besehen. Beim Eintreten von Gewalttätigkeiten könnte es leickt kommen, daß weder der Frieden noch die Sozialisierung zur Reife kommt.
Zur Aufrechterhaltung der Frontdlsziplftr.
Generaloberst v. Boehn wendet sich in einem Ausruf an die Rheinprovinz und Hessen Raffau und sagt'
Die 7. Armee ist in die Rheinorovinz und in Hesten-Rnsiau einaerückt Ich übernehme vom 21 November ab im Vor-, merschgebiet der 7. Armee die militärische Kommandogewalt. Die Dienststellen der Armee sind auf Befehl der Obersten Heeresleitung angewiesen, nur mit den militärischen Kommande- bebmden und den B-börden der Zivilverwaltung zu verhandeln. Nach Erlaß der Reaierunq und der Obersten Heeresleitung steht den Arbeiter- und Soldatenraten keinerlei Eingriff in die Kom- rnandogewalt zu. die allein in den Händen der militärischen Kommandostellen liegt
Köln. 28. Nov. Einer Meldung der „Kölnischen Zeitung" aus Obligs zuioloe. baden Soldaten dsr dort durchmorsckier'en 1b Armee vom Nadhause. Post und Bahnhof die rote Fahne entfernt und vernichtet. In Scklebbusch wurde der Soldatenrat verhaftet. Der A.ilonsausschuß der unabhängiaen Partei bat als Einspruch dagegen Arbeftsrnhe für den oberen Kreis Solingen verkü'chet Gestern wurde, wie der Polizeiberickt werdet, ein hcckbepackter Wagen mit Gepäckstücken und einer Feldkri^gn- koste mit 100 000 Mark entführt. Von dem Verbleib des ge^ raubten Geldes bat man noch keine Spur.
L. -
^ e KcrUner Mißwirtschaft.
' ^ In der letzten Sitzung des Großen Berliner Soldatenrates ging es sehr lebhaft zu. Immer mehr häuft sich die Mißstimmung gegen die dort beliebte Wirtschaft Bezeichnend dafür ist folgender Protest des 3. Armeekorps, der in der betreffenden Versammlung verlesen wurde und folgenden Wortlaut hat:
Wie entstand, der Vollzugsrat? Führerlos geworden, waren wir vor die Ausgabe gestellt, aus unserer Mitte binnen weniger Stunden uns Vertrauensleute zu wählen. So war der Vollzugsrat und der Soldatenrat ein Zufallsprodukt. Was tat er? Er tagte hinter verschlostenen Türen, hat uns und unsere ganzen Ziele vor Voll und Regierung schmählich herabgewürdigt. Was unterließ er ? Uns Soldaten ein feste Ord- ganifation zu geben für die in Trümmer gegangene einheitliche Kommandogewalt, zu sorgen für die Sicherung der Ostgrenze und die Erhaltung der Werte, die der Zusammenbruch des alten Systems uns übrig läßt. Soll es so bleiben?
Auch die Loldatenräte Badens und der Ostfront erhoben Widerspruch und verließen unter Protest die Versammlung. Aus den dort gehaltenen Reden bringen wir nur folgende Stellen. dre beweisen, daß von einem ersprießlichen Arbeiten in Berlin keine Rede ist und die Zeu lediglich mit Zänkereien ausgefüllt wird. Der Leutnant Colin-Roß sagte: Tagegelder der VollzugsratsmitgUeder mit öv Mark für den Tag und für Lchrelbfräuleins mit 30 Mark sind unerhört hoch. Wag haben dagegen die Kriegsbeschädigten? Wenn wir so weiter machen, kommt die Reaktion. (Lehr richtig!) Leutnant Wüllner: Bet ,der alten Regierung mag dieses schlecht gegangen sein, jetzt geht es aber noch viel »chlechter. (Brausender anhaltender Beifall.) Lcn Vertreter der Ostfront erklärt: Politisch reis haben sich die Berliner Soldatenräte nicht gezeigt. Persönliche Zänkereien sollten nicht Platz greifen. Der beschämende Eindruck der heutigen Versammlung laßt sich Nicht verwischen.
Die Geldverschwendung der gegenwärtiger! Regierung ruft allenthalben die größte Erregung hervor. Verschiedentlich wird behauptet, m den drei Wochen der Revolution sei von den verschiedenen neuen Instanzen ein Betrag ansgegeben worden, der die ordentlichen Ausgaben der früheren Negierung im gleicben Zeitraum während des Krieges um rund 800 000 Millionen Mt. übersteigt. Weiter wird behauptet, daß die Mitglieder des Vollzugsrates nicht nur 50 Mark Tagegelder, sondern daneben noch tägliche Spesen bis zu 800 Mark pro Mann liquidiert haben und daß sie vielfach ihre Frauen, Bräute und Anverwandte in ihren Büros untergebracht und in gleicher Weise behandelt hätten. Eine erhebliche Rolle spielt natürlich auch die Tatsache, daß in allen Reichsämtern die leitenden Posten doppelt besetzt sind und daß eine Unmasse von neuen Unterstaatssekretarlaten geschaffen worden ist.
Es märe tatsächlich die höchste Zeit, daß diesem Treiben, das geeignet ist, uns vollends in den Abgrund zu führen, ein Ende bereitet wird.
Cin hrlftlcher Protest.
Darmstadt, 29. Nov. (WB.) Das Vorgehen des bayerischen Ministerpräsidenten Eisner gegen die Rcich-s- leiiung hat das hessische Staatsministerium veranlaßt, heute folgendes Telegramm an die Reicksregierung in Berlin und an das StaaLsniinisterium in München zu richten:
„Das Staatsniiniftcriunr der Republik Hessen protestiert gegen den vom bayerischen Ministerpräsidenten und Minister des Aeußersn für Bayern angeordneten Abbruch der Beziehungen zun. Auswärtigen Amte in Berlin. Es sieht darin eine Gefahr ftir die Einheit des DeutMn NeickLs und befürchtet, das; dadurch der Separatismus gefördert werden könnte. Es erwartet vom Gesamtmini- sterium Bayerns, daß e§ seinen Ministerpräsidenten veranlaßt. den verhängnisvollen Schritt rückgängig zu machen, denn das nationale Interesse aller Deutschen erfordert dringend, die klarste Einheitlichkeit aller deutschen Stämme bei den Friedensverhandlungen ausrecht zu erhalten."
fifinf JnMse?Wsi !<sn MgMgndittlkA
KrcsgchMMkü.
Im Aufträge des Arbeiter- und Soldatenrotes teilt die Inspektion der Kriegsgefangenenlager des 18. Armeekorps, Frankfurt a. M. mit:
„An alle Arbeitgeber von Kriegsgefangenen ergeht die dringende Mahnung, unter keinen Umständen die Kriegsgefangenen aus eigenem Entschluß kurzer Hand in ihr Laaer zurückzuschicken. Die Lager sind derart überfüllt, daß sonst Katastrophen unausbleiblich sind. Die Arbeitgeber wollen vielmehr die bei ihnen befindlichen Kriegsgefangenen, selbst, wenn keine ArbertsMöglichkeit mehr für diese vorliegt. bis zum Abruf durch das Lager oder die Inspektion in Unterkunft und Verpflegung behalten. Die hieraus entstehenden Kosten trägt die Heeresverwaltung. Der Inspektion ist durch den Arbeitgeber sofort Mitteilung zu macken, sobald die Kriegsgefangenen frei werden und attransvortiert werden können. Alsdann ist der Ab- ruf der Kriegsgefangenen unter allen Umständen abzuwartem ^-»lbständig an das Laaer gesandte Kriegsgefangene werden künftig kurzer Hand ^wieder zurückgesandt. Nichtbeachtung dieser Vorschriften gefährdet auf das Aeußerste den eigentlichen Abtransport aus den Lagern."
prr AM kt phllteiHUfjf nch dein ßr'egk.
„Daily Ma:l" vom 11. 11. 18 bringt folgende Aufstellung:
Netto-Tonnage-Gewinn?
Amerika.3 379 000 Brutto-Tonnen
550 000
Netto-Verluste:
Japan
-
England u. Kolonien
3 293 000
Nocweaen ....
1205 000
Frankreich ....
522 000
Italien . . . . _
i.
515 000
Grieck>enland . . «
330 000
Rußland ....
213 000
Holland .....
*
183 000
Dänemark ....
181 000
Spanien ....
-
153 000
Schweden .
*
137 000
Pramitrrttlg ön FahükiijlWgkii.
Dr „Deutschen Volkswirtschaftlichen Korrespondenz" wir!
geschrieben:
Was zuerst in den llftvolutionstagen als schlechter Wih erzählt wurde, daß nämlich die fahnenflüchtigen Soldaten weiche sich zu vielen Tausenden in Berlin und d*n anderer großen Städten des Reiches herumtrieben, nicht allein straflos bleiben, sondern auch ihre Löhnung nacherhaten sollen, ist Tatsache geworden. Bei verschiodene Ersatztruppenteilen Berlins hat die Auszahltwg dieser Löhnungen bereits statt- gefunden, die Fahnenflüchtigen erhalten ihren Lohn voir Tag« ihrer Entfernung vom Truppenteil ab nachgezahlt und gelangen auf diese Weife in den Besitz einer größeren Summe Geldes, auf die sie nie und nimmer rechnen konnten. Bei einem Berliner Garde-Jnfanterie-Regiment ist z. B. an einen Deserteur, welcher schon bald nach Ausbruch des Krieges feinen Truppenteil verließ und sich während der ganzen Zeit i'nter folsä^in Namen als Gelegenheitsarbeiter fein Geld verdient hat, für volle vier Jahre die Löhnung nachbezahlt worden.
^ Daß man die Fahnenflüchtigen, welche in d«n meisten Fällen aus Feigheit und Pflichtvergefjenheit jenen Treu«
druch vor dem Feinde vegingen, in Vrefer rrn glaublichen! Weise auszeichnet, ist vor allem ein schreiendes Unrecht gegen jene Braven, wellte trotz aller seelisch und körperlichen Leiden die ganze Zeit über in Pflichttreue ausgeharrt haben -Und von jenen nichtsmürdlgen Gesellen nun gar noch ver» spottet werden. Mit den erheblichen Geldmitteln, we!cl)e auf diese Weise in unrecht« Hände gelangen, könnte man so manchem treu gedienten Sodaten seine bürgerliche Existenz wieder aufrichten.
Aufruf.
Wir brachten gestern einen Auft-uf unserer hessischen Parteifreunde. Durch; ein Versehen ist er nur unvollständig veröffentlicht worden, weshalb wir ihn heute nochmals folgen lassen-
Wir fordern zunächst: Der Vorfrieden ist schleunigst zu
; schließen, zu diesem Zwecke mütz der Reichstag sofort einberufen werden. Dieser hat über den Zeitpunkt der Einberufung der Nationalversammlung, über die dazu notwendigen Focmali.
1 taten und das Wahlverfahren zu beschließen. Der endgültige j Friede ist unter Heranziehung der berufenen Sachverständigen aller maßgebenden wirtschaftlichen Verbände herbeizuführen.
Grundlegend fordern wir weiter:
1. Erhaltung und Förderung des gesamten deutschen Volks
tums gegen alle »eine Widersacher. Eingliederung der Deutsch- v. esterreicher an den zu bildender: großdeutschen Staat.
Schließung der Reichsgrenze gegen, unerwünschte Zuwanderung. Gründliche Neuordnung unseres auswärtigen Dienstes.
2. Schaffung eines Volksheeres.
3. Einrichtung und Ausbau eines bürgerlichen Volksstaake» auf freiheitlicher Grundlage. Gleiche Rechts und Pflichten für alle Staatsbürger. Freiheit in Wort und Schrift, volle Glaubens- und Gewissensfreiheit. Wahlrecht für Reich, Staat untz Gemeinde auf breiter volkstümlicher Grundlage.
4. Erhaltung des Privateigentums. Sicherstellung der Kriegsanleihe. Wahrung der persönlichen Freiheit und der öffentlichen Ordnung. Enteignungen privaten Besitzes sind nur aus Rücksichten auf das allgemeine Wohl und gegen gerecht« Entschädigung zulässig Eine in diesem Sinne vollzogene Auf» Hebung der Fideikommisse und die Verwandlung des dadurch fr ei gewordenen Landes und der Staatsdomänen in bäuerliche« Besitz ist zu fordern. Der Grundbesitz ist zum Zwecke der Schaffung von Bauern- und-Siedlungsland insbesondere für Kriegs« beschädigte in seinem Umfange zu beschränken Die landwirt- sck)aftliche Ergenerzeugung ist kräftig zu fördern. Ein urmb- hängiger Bauernstand ist zu erhalten.
5. Verstaatlichung der geeigneten industriellen Großbetriebe. der Kohlen-, Kalt- und Erzbergwerke. der Stickstoffs, und Elektrizitäts-Industrie. Die Erhaltung der prioatmirt- schuftlichen Kräfte ist jedoch unbedingt sicher zu stellen. Die Konkurr-Lziah, gkert der deutschen Industrie auf dem Welt- markte muß gewahrt bleiben.
6. Schleuniger Abbau der sozialistischen Zwanaswfttschaft. Wiedereinsetzung des ehrsamen fteien Handels, schärfste Bekämpfung des Wuchers auf allen Gebieten.
7. Wiederaufbau des gewerblichen und kaufmännische« Mittelstandes mit Staatshilfe.
8. Ausbau des Beamten- und Staatsarbeiterrechtes. Anstellung der Volksschullehrer als Staatsbeamte.
9. Internationaler Ausbau der Sozialreform. Sicherung des Aufstieges des Arbeiterstandes. Tatkräftige Devölkerungs- politik.
10. Stärkste Heranziehung der Kriegsgew'rnne, der hohen Einkommen und Vermögen zur Besteuerung und zur Deckung der Kriegskosten. Verstaatlichung der Großbanken urrd des Ber- sichernngswesens. Verbot des Vörfenspiels.
11. ^Wahrung des deutschen und christlichen Gesichtspunktes in der Iugender^ehung. Förderung aller auf Volksbildung gerichteten Bestrebungen. Gemeinschaftlicher Unterbau für de« gesamten Unterricht. Bekämpfung des Titelunwesens ttnfc des Kastengeistes.
12. Schaffung eines deutschen Rechtes
In sirieckbeex Tm dsden bei: IV. Fvien/Irlins, Elektrotechnisches Büro; ^i% lila. A <i, £leß, Schlosserei und Installationsgeschäft; £i.ari
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