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Samstag. den 30. Navcmller 1018

II. Jahraang.

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Berlin, 29. Nov. Sämtliche beteiligten deutschen Fak­toren der Waffenstillstandtzkommission in Span wie der Waffenstillstand Kommission in Berlin, die Oberste Heeres­leitung und die Reichsregier-ung haben den bestimmten Ein­druck aus dem Verhalten des französischer! Oberbefehlshabers Fock> gewinnen müssen, daß dieser nur nach dem Vorwand iutfrt. den Waffenstillstandsvertrag mit Deutschland zu kündigen.

Der Waffenstillstand.

Die Ablieferung der deutschen Tauchboote.

Haag, 28. Rcv. Reurer meldet ans London: 27 deutsch:

Unterseeboote sind in Harwlch angekommen. womit die Zahl auf 114 steigt.

Kick in (frisnrfnnß da ffHilünlfr.

K-el. 29. Nov. (LW.) Das enaliscke Geschwader passierte j (cm 28. November morgens um 6>^ Uhr Stagen und wird heute ( nachmittag in Kopenhagen erwartet. Wie verlautet, trifft das Geschwader am Samstag vormittag in Kiel ein.

Gouverneur Noske teilte in einer Versammlung mit. daß c*t Führer der zu erwartenden Ententelommission der englische Admiral Browning, es ablehnc, mit dem Kieler Arbeiter- und Soldatenrat zu verhandeln.

Pie Mkkiir brr Ktrresarvppe

In den ersten Noventbertagen. als in Ungarn die Revolution au-vrach und auf den Bahnen Bolschewismus und Bandenkrieg herrschte, hörte der Nachschub für die Heeresgruppe Mackensen aus der Hotmal auf. Die Armee war in Rumänien abgeschnit- len Die Enfentetrnppen drangen durch Serbien und Bulga­rien nach d.'r Donau vor, so daß dre Truppen Mackensens im Süden Rumäniens bald in unmittelbarer Fühlung mit dem Feinde standen. Als nach dem türkischen Friedenslckluß die Dardanellen frei wurden und die englii^ * Flotte die Möglich­er hafte, in das Schwarze Meer etnzufahren. spielte dte En­tente ihren letzten Trumpf auf dem Balkan aus. um die nie be­siegle Armee Mackensen zu vernichten: Sie zwang Numänien.

das dntfchfreundUche Ministerium Marghiloman zu stürzen und sttzte den rumänischen General Coanda als Ministerpräsidenten ein' sie veranlagte das neue Ministerium, am 9. November dem Generalfeldmarschall v. Mackensen ein Ultimatum zu senden, das zur sofortigen Räumung des Landes binnen 2-1 Stunden auf- forderte, widrigenfalls zur Entwaffnung und Internierung ge­schritten würde. Gleichzeitig erließ der Führer der französischen Armee in Bulgarien. General Berthvlot einen Aufruf an das rumänische Volk, in dem dieses unter unflätigen Ausfällen ge-en die deutsche Besatzunflsarmee aufgefordert wurde dieBe­drücker" auf schmähliche Weise aus dem Lande zu werfen, wäh­rend gleichzeitig die Ententearmoe die Donau in breiter Front überschreiten werde, um sich mit dem rumänischen Volte zur Vernichtung der Armee Mackensen zu verbinden.

Der Feldmarschall ließ der rumänischen Regierung darauf nur milteilen, daß die Räumung in der bereits begonnenen Weise ordnungsgemäß und in aller Ruhe sortschrcitei! werde.

Am 11. November 6,45 vormittags überschritten nun die Ententetruppon. wie von Berthelot angekündigt, an verschiede­nen Stellen die Donau. Die Truppen der Armee Mackensen ließen sich befehlsgemäß ln keine größeren Gefecktshrndlungen ein. sondern deckten nur mit Sicherungen den schon begonnenen Abmarsch der Divisionen.

Der Rückmarsch der Armee Mackensen halte zunächst als Ziel den Raum Hermannstadt Kronstadt. Gleichzeitig entsandte der Gencralseldmarschall nach Budapest zur ungarischen Negie­rung eine Kommission, um mit der ungarischen Negierung über den freien Eisenbahntransport durch Ungarn zu verhandeln. Die Ungarn haben in entgegenkommendster Weise der Armee Mackensen den Bahntransport durch Ungarn zugesichert. Eine zweite Kommission wurde nach Berlin entsandt, um die hie­sigen maßgebenden Stellen über die Lage der Armee Mackensen auszuk'.acen und um Verpflegung, Kohle. Sanitätszüge und Transportmittel ficherzustellen.

Nachdem es durch das Entgegenkommen der ungarischen, tschechischen und polnischen Negierungen gelungen ist, ein Über­einkommen über die schwierige Rückführung der Heeresgruppe Mackensen zu erzielen, haben die geordneten Bahntransporte d?r Heeresgruppe bereits begonnen. An» 20. November vormit­tags waren die dringend notwendigen ersten fünf Verpfleg- ungszüg'e und drei Lazarettzüge von Oderbcrg zur Armee ab­gegangen. Die Verpflegung und der geordnete Bahntransport der Armee mit ihren Waffen ist nunmehr vollauf sichergestellt. Altz erste Züge sind bereits Über WienMünchen am 19. und 20 . November zwei Transporte von den ln Rumänien angestellt gewesenen 800 Helfern und Helferinnen und 500 Rate-Kreuz- und Coldatenhetm Schwestern eingetrosf-m.

Der Feldmarschall v. Mackensen verbleibt bei seinen Trup­pen so lange in Ungarn, bis die Armee abtransportiert ist; zurze't befindet er sich in Hennannstadt in Siebenbürgen.

Der Feldmarschall hat die ihm unterstellten Divisionen ausgefordert. Soldutenräle zu bilden, die im Verein mit den in der langen Kriegszeit erfahrenen Kommandostellen für den ge. sicherten Abtransport der Armee und für Disziplin und Ord­nung in dr Truppe sorgen werden.

Es liegt im Interesie der Heeresgruppe Mackensen wie auch d-r Staaten durch die der Heimtransport geführt wird, daß dieser ohne Zwischenfall erfolgt und wie bisher durch das gute Einvernehmen der beteiligten Negierungen gefördert wird

Wilhelm II.

Baris, 27. Nov. tWB) Meldung der Agence Haras. ..Echo de Paris" meldet aus London. In Deantwortung von Äeußerunoen der Entente, welche die Internierung des Kai. fers in seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber der deutschen Armee fordern, hält die holländische Regierung an der 'Auffas­sung fest, nach welcher der Kaiser, nachdem er abgeda.nkt habe, nicht mehr als Glied der Armee angesehen und demgemäß auch nicht interniert werden könne. Sie versichert, von dem Staats­sekretär Dr. Solf eine Note erhalten zu haben, welche die Ab­dankung mitieilt. Die holländische Regierung füge hinzu, sie überwache den Kaller streng, der das holländische Gebiet nicht verlassen könne. ..Matin" erfährt aus Landen, daß die Alliier­ten die hinsichtlich dcs Kaisers zu treffenden Maßnahmen sehr sorgfältig prüfen, aber die Lage werde als heikel angesehen. Die holländische Ausfasiung sei. daß Personen, deren Ausliefe­rung in Betracht komme, nicht ausgeliefert werden könnten ohne die Zustimmung das Landes deren Untertanen sie seien. Wie dem auch sei die Anwesenheit des Kaisers in Holland ver­setze die holländische Regierung in eine heikle Lage, da der Kai­ser nicht oftiziell abgedankt habe und einen flagranten Miß­brauch der holländischen Gastfreundschaft begehe. Dies versetze die Alliiert-m in eine viel leichtere Laae gegenüber der hollän­dischen Regierung. Man hoffe, daß Holland seine Auffasiungen ändern werde, wenn die deutsche Regierung sich weigere, in die Auslieferung des Kaisers zu willigen, *o könne man nicht sagen, was für eine Wendung die Dinge nehmen würden.

London, 26. Nov. fWV.) Reuter.Evening Standard" erfährt aus zuverlässiger Quelle, daß ein Punkt der Tagesord­nung der Friedenskonferenz die Erwägung der Position des Erkatscrs, des Erkronprinzen und anderer Persönlichkeiten bil­den werde mit der Absicht, sie wegen ihrer während des Krieges gegen das Völkerrecht begangenen Vergehen gerichtlich zur Ver­antwortung zu ziehen.

Die Abdankung des Dalle s.

Berlin, 29. Nov. (WB.) Um aufgetauchten Mißnerständ- nissen über seine Abdankung zu begegnen, hat Kaiser Wilhelm II. in einer staatsrechtlich einwandfrmen Urkunde auf seine Rechte an der Krone Preußens und der damit verbundenen deutschen Kaiserkrone verzichtet. Die Urkunde hrrt folgen­den Wortlaut:

Ich verzichte hierdurch für alle Zukunft auf die Rechte an der Krone Preußens und der damit verbundenen Rechte an der deutschen Kaiserkrone. Zugleich entbinde ich alle Beamten des Deutschen Reiches und Preußens, sowie alle Offiziere, Unter­offiziere und Mannschaften der Marine, des preußischen Heeres und die Truppen der Bundeskontingente des Treueides, den sie mir als ihren! Kaiser. König uird obersten Befehlshaber geleistet haben. Ich erwarte von ihnen, daß sie bis zur Neuordnung des Deutschen Reiches den Inhabern der tatsächlichen Gewalt in Deutschlan-d helfen, das deutsche Volk gegen die drohenden Ge­fahren der Anarchie Hungersnot und Fremdherrschaft zu schützen.

Urkundlich unter Unserer höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedruckjcm kaiserlichen Insiegel..

Gegeben Amerongen, den 28. November 1918.

gez. W i 1 h e l m."

MrtiMöMl ftr ijrriöiitiMf!! und fritnlirn.

Berlin. 29. Nov. (LiZB.) N-nt) weiteren Vereinbarungen der Waffenstillstandskominission mit den Alliierten werden alle transportsähigcn Kranken und Verwundeten aus den deutschen linksrheinischen Gebieten und den Gebieten der Brückenköpfe abgesührt.

Die deutsche 'AZaffenstillstandskotumission:

Staatssekretär E r z d e r g e r, Vorsitzender.

O'tüf EiklüriW dcs $rafrn Ejti'imi.

Wien, 27. Nov. (WB.) Die Blätter veröffentlichen folgende Erklärung des Grafen Czernin: Herr Iafs6 hielt unter Zitierung eines Briefes von mir die Behauptung auf- leckst. daß das Friedensangebot Amerikas dnrch einen Ver­trauensmann Wilsonö erfolgt« und voll mir abgelehnt wurde. handelt sich dabei m einen der zahlreichen Fälle,

wo eine Privatperson den Besuch unternehmen wollte, dir Friedensfrage zu fördern, ohne jedoch irgend eine Legiti­mation als Vreiranensmann der gegnerischen Regierungen Nachweisen zu können. In dem vorliegenden Falle handelt cs sich um den Großindustriellen Meinl, welcher, gewiß^vcn bester Absicht beseelt, seine Mithilfe zur Förderung der Fne- d-ensfrage anbot. Meinl, welcher fick nicht als Vertrauens­mann einer fremden Negierung legitimierte, überbrachte nur kein Friedensangebot Amerikas oder einer anderen 0 * 6 * nerischen Regierung. Meine Darstellung vom 23. November war daher vollständig richtig.

100 Milliarden.

Haag. 29. Nov. Eric Eeddes äußerte sich in Cambridge über die Frage der Entschädigung, die Deutschland aufzuerleoen sei. Die aufgestellte Rechnung stelle sich auf ungeröbr 5000 Mil­lionen Pfund Sterling- (über 100 Milliarden Mark). Diefr Rechnung sei nur in Goldbarren oder ln Arbeitskräften zu be­gleichen. Da Deutschland kein Geld habe, lei eine Entschädigung in Maren denkbar, doch würden durch eine solche die englische Produktion und der englische Arbeftsmarkt in Verwirrung ge­raten Es sei daher die Frage zu erwägen, ob es für England mit seiner überzähligen Bevölkerung nützlich sei. Millionen deutscher Sklaven zu überführen, um sich mit deutscher Arbeit frajl befahlt zu machen. Eine Antwort gab Geddes auf diese Frage nicht. Daß er sie stellte, ist bezeichnend. Er trat warm für die Entschädigung ein. wußte aber nicht auf welche Weise sie ei.izubringen sei. Vielleicht könne Deutschland auch Schifte für England bauen, aber dann werde Deutschland eine sch:ft- banende Nation werden. Man muffe tief in dos Problem ein- dringen, aber ja nickt aus dem Gedanken einer Entschädigung ein Götzenbild macken, da die Gefahr bestehe, die eigenen ar­beitenden Klaffen zu ruinirn.

Die Zerstörung jeglicker Ordnung

und dam't völlige Preisgebung dem Feinde haben sich die Srmrlakusleute zum Ziele gesetzt. Demgemäß setzen sie ihre Hetze gegen die Regierung mit ungeschwächten Kräften iort. Sämtl'.cke Ansammlungen in Berlin, bei denen diese Ouer- kepfe das große Wort führen, laufen in unerautckliche Wortge­fechte aus. bei denen aber auch gar nichts herauskommt und die nur die bestehenden Wirren vergrößern Hellen. Welcher Art ihre Forderungen sind, geht aus dem Programm der Kommu­nisten aus Bremen, wo die radikalste Tonan in Reinkultur ge­deiht. hervor. Es lautet' 1. Erklärung geaen die National­versammlung: 2 Verbrüderung mit den russischen Vokschewiki; 8. Sofortige Ernfuhrung der kommunistischen Wirtschaftsord­nung. I. Propaganda unter den feindlichen Truppen: 5. Ent. waftu'ung der Soldaten und Bewaffnung der revolutionären Arbeiterschaft.

Ini Einklang damit steht nachstehender Ausruf, der sich in der Berliner ..Roten Fahne" befindet:

Wir fordern. Die unverzügliche Bildung eines R^volu» Ilonstr.bunals, vor dem die ganze Verbreckerbande. tn erster Linie die beiden Hohcnzollern Vater und Sohn, und der Reichs­kanzler Lethmann-Hollweg abzuurteil-en find. Wilhelm von Hchenzcllern ist zur Rückkchr aufzvfordern. damit er fick vor diesem Gericht rechtfertige. Die Mitschuldigen an der Anstif­tung (!) des größten Verbrechens der Weltgeschichte, wie ^chei- dentann. Ebert und wie David und Heilmann muß das revo- luricnäre deutsche Proletariat jetzt mit eiserner Faust von sich weisen, sonst hat es kein Recht vor den französischen, englischen und russischen Proletariern, vor der Internationale, zu erschei­nen." Und an anderer Stelle desselben Blattes heißt es: ..Wir klagen sie an. das deutsche Proletariat verraten zu haben, indem sie den Todfeind des deutschen Proletariats, den internationa­len Kapitalismus aufsorderten, die Hungerpeitsche gegen die Rerolution zu erheben. Wir Nagen sie an: Die furchtbare

Alternative des deutschen Proletariats: Hunger oder Revo­

lution absichtlich und verräterisch herbeigcsühft zu haben. Wir Nagen sie an: Als die Geschäftsführer des deutschen Kapitalis- mus den Kapitalisten der feindlichen Länder das Bündnis an- getragen zu haben zur Erwürgung der deutschen Revolution. Wir klag n ne an. diesozialistische Regierung":Aus eige­nem Antrieb und von sich ans, Wilson die Schlinge in die Hand gedrückt zu haben, damit er die deutsche Revolution erdrossele. Wir klagen sie an: Angesichts der Berge von Leichen. Männer. Frauen. Kinder, die ihre verbrecherische Kriegspolitik geschichtet har, aus dem drohenden Hungertod von weiteren Zehnlausen­den ein Parteigesthäft gemacht zu haben, ihn dazu benützt zu haben, ihreStellung" in Deutschland zu befestigen. Wir kla- gen sie dieser Verbrechen an. dte scheußlicher find, als alles, wa- der Hohenzoller auf sich geladen hat. Wir Nagen sie an utt* wir wissen' Urteil und Strafe wird das deutsche Proletaria» sprechen. In den Orkus hinab! Hinab^

Die Haupthetze derUnentwegten" richtet fick gegen^dls alte Sozialdemokratie, die tnis auch sehr wohl fühlte «nd antwortet deren Hcruvtoraan derVorwärta"L