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Herzenskampfe.

Roman von Helene Sctütkv. peb von Gersdvvf^ / (Copyright 1ül5 by C. Äckermann-Ltutt^art.)

Nachdruck verboten.

Sonst alles. Jede Ihrer Bitten soll mir Befehl sein. Nur dies nicht! Dies nicht! Mein Vater befiehlt. Sie kennen keinen Großmut. kein Erbarmen ... ich bin das Opfer, mutz mich der Gewalt fügen. Das merken Sie sich!" Ich tue es nur gezwungen. Da haben Sie meine Hand. Herr Bräutigam! Cie können mei­nen. Vater verkünden, daß Sie mein Jawort erhalten haben!"

Lilde?" schrie er jauchzend auf und wollte auf sie -usUlrzen. sie in seine Arme zu reihen.

Sie aber wehrte Wym hoheitsvoll ab.

_ »Ich denke. Sie werden soviel Zartgefühl haben, mich mit ^.hren cärllidtfutcn so lange zu verschonen, bis es Ihnen ge­lungen ist. zu meiner Hand auch merne Liebe zu erringen wo­von Cie ja sc fest überzeugt sind."

Wie Sie befehlen", sagte er zurücktretend, während ein tückischer Blick ihr abgewandtes Gesicht traf. Wie wollte er ihr dre.e Demütigungen helwzahlcn. wenn sie erst ganz in seiner Gewalt war! Sie sollte einst nach Gnade flehend. Liebe bet- lelud zu seinen Men liegen' Aber jetzt galt es immerhin noch vorg^tig fern.UebrjgenZ wird es ratsrm sein." fügte er laut -inzu,deß wir. um ihm unnötige Aufregungen zu ersparen. Mem .^errn Vater unsere bisherigen Verhandlungen ganz ver­schweigen Ich werde ihm daher nur Ihre Einwilligung mit- teileu. Aber ich mutz Sie darauf aufmerksam machen, daß Cie mir lm Beisein anderer Ihre Abneigung nicht zu deutlich zeigen.

Buch mutz xd) Gic bitten, daß Cie sich bet der Anrede meines Vornamen; bedienen."

Eui, MarquisI Ich ver^s meine Rolle möglichst gut durch- ?tt,ul)ren »ichen. Da wir uns letzt wohl nichts mehr zu lagen haben erlauben Sie mir wohl, daß ich mich in mein Zimmer rnrnar,che. Mein Kopt schmerzt zum Zerspringen. Und beim hin-u ^ MC 0lÜ<rUt?>e S3raul fPtclen!" setzt- sie spöttisch

Silbe Sle fühlen sich nicht wohl? O. wie leid tt.t mir

ll J: Ste " m b°>r.;,er Miene.Ja. bitte gehen Sie und ruhen c,e ein.ge Stunden, bamr, auch Ihre schönen Augen wie- rer ,n ihrem ge-ohnten berückende-, Tlan.-e strahlen I"

ici-' ® iet>CI, ^ n sag:- sie nur noch ml,

platter Stimme.

Aus glückliches Wiedersehen in besserer Stimmung," er- widerte er ossnete ihr galant di« Tür und beoleitete fle noch bur* die nebenan gelegene Esszimmer und den Korridor bis an !« Treppe, welche sie cmporstieg. um in ihre Temacher zu oer.

«lche« er «^.bi^künbigt.. S'-b.^iq^o.den [ jftijK,"^bu ^rnZT^au* 7 -tz 7 gehl"

Äröcrfjadjtmt:!.

Donnerstaa. den 23. Novem­ber ». 3. nachmittags 4 Uhr.

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Frieoberg. den 1». Noo. 191«.

Dit gubliirfif ^nnraluHntailfi'ia.

2. B.: D a m m.

]t\. worauf beide Männer sich zu ihrer erfolgreichen Taktik be­glückwünschten. einander die Hände schüttelten. Zeder schrieb im Stillen den Sieg seiner eigenen Schlauheit und Geschicklich­keit zu.

lg. Kapitel.

Als Hilde in ihr Zimmer kam. warf sie sich mit einem Weh- ruf auf das Sofa. Also blieb ihr auch da; Aeußerste nicht er­spart! Cie mußte aus ihrem väterlichen Haufe fliehen. heim­lich. nachts, wie eine Verbrechcrink Niemals würde ihr Vater ihr diesen Schritten verzeihen. Er kannte überhaupt kein Ver­geben. kein Verzeihen, auch in kleinen Dingen nicht. Er suchte niemals den geringsten Fehler b^^ sich selbst: er war hart wie Stein, wenn er seine absolute Autorstät angegriffen sah. Und nun dies Durchkreuzen aller fein-r Pläne, feine Wünsche gerade non ihr. seinem Kinde, das er als fein unzweifelhaftes Eigen­tum ansah .... das konnte sie me. nie wieder gut machen. Er würde sie für immer von sich stoßen. Und er blieb doch immer ihr Vater' Machte er sein, wie er wollte, es war ihre Pflicht bei tbm auszuharren, für ihn zu sorgen, ihm Gehorsam zu leisten Das hatte sie auch bis jetzt immer getan, hatte sich ihm stets ge­fügt und ihm. soviel sie cs vermochte. Behagen und Annehm­lichkeiten verschafft: immer hatte sie die Pflege und den Willen ihres Vaters allem andern vorausgesetzt.

Nicht aus Phlegma oder Mangel an Energie war sie stets nachgiebig, sonst und liebevoll zu ihm gewefe». sondern aus P-lichtgest'ihl Es war ihr verehrter Pfarrer Meinhnrdt. wel­cher dieses bei ihr erwecktnd so stark entwickelt hatte.

Meln Kind", hatte er gesagt, als er Bitterkett gegen ihren Vater in ihrem Herzen entdeckte. ..sieh, dir sind soviele reiche Gaben, äußerliche nnd innerliche verliehen du mutt ver­suchen. den eigenttintlich.-n Eharakler deines Vaters als eine Prüfung zu betrachten, die Gott dir daneben auferlegl hat um dich vor Uebermut. Hofsart und zu großer Weltlust zu bewahren und dich zur Geduld. Sanftmut und Selbstlosigkeit zu erziehen. Je mehr Selbstverleugnung, je mehr Selbstzucht du dir setzt im Verkehr mit deinen Dat^r auserlogst, ein um so besseres, edle­res Menschenkind wird aus dir werden, Und daß ist ja uns-r eigentliches Ziel auf Erden, nicht wahr? Und wer weiß, viel­leicht wird doch auch durch dein stetes Bemühen deines Vaters vereistes H?rz nach und nach aufgetaut, wenigstens teilweise Denn in seiner verborgensten Tief.' must doch auch noch ein Lic- besketm vorhanden sein. Denk, wie schön, wenn es dir nach und nach gelänge, dielen ans Licht zu bringen!"

Diese und ähnliche gute Worte hatten tiefen Eindruck auf sie gemacht. Ja sie hatte sich immer Mühe gegeben, ihren Va­ter zufrieden zu stellen, ihm alles zu Liebe zu Inn. Aber sir hotte nichts erreicht, gar" nichts. Er war immer gleich starr und unzugänglich geblieben. Und nun noch dies! Ohne Besinnen

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gctcDÄcfg, den 23. November 1918.

o ti Pi iU 0 Oberst itnb Kommandant.

<!)«n? War es ihre Pflicht? Was würde Pfarrer Meinhardl sagen, wenn sie ihn fragen könnte? Nein. nein, er würde das nicht von ihr fordern! Sie war ja bereit gewesen, ibr eig-nes Glück zu opfern, aber dies .... dies war zuviel. Dar konnte sie nicht tun. Die Ehe ist etwas Großes, etwas Heiliges. Cie konnte unmöglich einen Mann heiraten, ihm Liebe. Treue. Ge­horsam versprechen, den sie schon vorher verachtete und verab­scheute. Nein, tos wer undenkbar. Einen anderen Ausweg als Flucht gab cs nicht. Cie hatte alles versucht, alles über­legt. - alles vergebens. Es mutzte sein. Aber es wurde ihr über alle Beschreibung schwer. Ihrer zartfühlenden. weichen Natur widerstrebte ohnedies alles Eowaltfaine: dieser plötzliche Bruch mit ihrem ganzen bisherigen Lebensinhalt Lebenswillen war ihr furchtbar. Und doch ja. ja. es mußte f P in? Wenn « ihr nur gelänge! Denn wenn ihre Flucht bemerkt und ver- ettelt würde, was stand ihr dann bevor? Ihr grauste, wenn üe daran dachte. Eine kleine Probe der Mittel, deren man sich dann bedienen würde, um ihren Trotz zu brechen, hatte sie ja schon in den letzten Tagen erfahren. Also galt es Klugheit Vorsicht. Bedachtsamkeit, ruhiges.- kaltes Uederlegon. Cie mutzte olle Zweifel, alle Vongi^keit von sich werfen und nur auf ihr Ziel kosgeh-n. Ihr Gewissen war rein nur Notwehr zwang sie zu ihrer Handlungsweise. Das wollte sie festhalttn und sich durch nichts mehr beirren lassen. Gott sah in ihr Herz und würde sie beschützen!

Entschlossen stand sie auf und begann, ihre Vorbereitungen zu treffen. Alles Geld, das sie im Moment zur Verfügung hattg. etwa 100 Mark, nahm sie aus ihrem Schreibtisch und tat es in eine kleine feste Börse. Aus Neinholds Prisen, die sie bis jetzt hier empfangen hatte, machte sie ein kleines Paket, da sie sie nicht zurücklossen wollte Dann stichle sie einen al'en kurzen schwarzen Kleiderrock hervor, den sie tragen wollte, und tot beides. Geld und Briefe, in dessen weite Tasche. Gern h^lte sic Lina herbeigeklinaell. da noch allerlei zu besprechen war. auch wußte sie ja noch gor nicht, daß die Flucht unabwendbar war. Aber sie mußte damit warten, bis es Zeit war. sich zum -iner .... ihrer Derlobungsfeier . . . ankleiden zu lassen. Etz könnte Verdacht erwecken, wenn sie länger als sonst beisam­men wären. Und damit wäre alles verdorben. Nein, es mußte alles vereinbart werden, was zu geschehen hatte genau in der gewöhnlich für die Abendtoilette verwendeten Zeit. Ja. es würde sogar ratsam sein. Lina schneller wie sonst zu enttassen als bei ihr. Hilde, die Gesellschaft ihrgr Dien-rin unter den jetzigen Verhältnissen nicht angenehm. Je mehr der Argwohn ihrer Umgebi-ng eingelullt wurde, nm so leichter mußte ihr Vorhaben glücken.

Fortsetzung sclot.

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