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Beilage zur

Nummer

Ueaen Tageszeitung

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Samstag. den 2.-;. Uovcmber I!M8

Toten fonntag Totenfest.

Mit einer heiligen, tiefernsten Feier schließt alljährlich unser Kirchenjahr, demTotensonntag". dem ..Totenfest/' flauer Nebel lagert auf den Gefilden, und rauher Herbststurm zagt durch die Felder. Des Frühlings Wonne, des Commerz und Herbstes goldener utio fruchtbeladener Schmuck alles ist da hin. olles öde und leer! Leise fÜRt ein Plöttlein nach dem andern die Erde Allerorten geht durch die Natur wiederum ein großes Sterben, etn Verr-eiken. ein Vergehen. Alles neigt sich müde dem Grabe zu Nicht mehr lange, dann wirbeln dichte Schneeflocken vom grauen Himmelszelt und betten die Natur in tiefen Schlummer. Trübe düstere Tage Schnell ist da? Iabr dobingeaangen und zum Fünstenmal kn dieser schweren Zeit ist der Totensonntag, ist das Totenfest an dem wir in st/ller Webmut unterer teueren Entschlafenen gedenken, wieder-- gekehrt Welch uma.bareß Leid ist in dieser lanacn Krienszeil über uns bereinaebrochen. wiev.el blühende Hoffnungen sind zu Nichte geworden Manch blühende Blume manch sprossende Kno've ist vom Sturm der ernsten Zeit geknickt und v?rs"tzt morden in Gottes ewig blühenden Garten. Dort wo kein Leid keine Plage und

Nickt Note sind und Grauen Und der kalten Winde Web'n Gw'oer Frieden, güld'ne Anen Grützen dort in Himmelshöh'n "

Ja. große Ernre bat der Schnitter Tod gehalten. Hier fiel nach Gottes unerforschlicbem Willen sti Feindesland der treu- sorgende Vater feiner Kinder und hinterließ in tiefem W'ä eine trauernde Witne Dort der treugeiiebte hoffnanasvolle Sohn und Vrndcr. Ueberall bat der Krieg innige Bande zer rissen und schwere Wunden geschlagen. Stille Hügel, unzählige Gräberreihen, mit schlichten Holzkreuzen geschmückt, von Herbst­blumen bewachsen, haben io manches treue Soldatenherz in stch eingeschlossen, dort in weiter Ferne, im fremden Feindesland Aber gottlob nur das Irdische. Zeitliche. Vergängliche. Staub und Asche haben ste in stch geborgen'

Was wir lieben, ist geblieben Droben in der Ewigkeit!"

Dort, wo nicht Kampf und Kriegsgefchret tobt, wo sie nich! hungern wird noch dürsten

Dort werden wir sie wiederfehn In jenen lichten Himmeksböh'n Wo Friede. Freude, weit und breit Fm Glanz der ew'gen Seligkeit.

Wo der Enaiein Lobgefön Klingt so lieblich, ach so schön Hätt ich Flügel, hätt ich Flügel Eilt ich übc-r Tal und Hügel Um vor Gottes Thron zu stehn.*

Wir wenden unsere Blicke zur Heimat, zum heimischen Fried­höfe und Gottesacker. Auch hier hat der Tod im abgelaufenen Jahre teure Lieben gefordert. Lebenstrohe und Lebensmüde Junge und Alte stnd unter den gewaltigen Streichen des uner­bittlichen Schnitters gefallen. Wie manches Herz eilt deshalb heute h'nautz zu jenen heiligen Ruhestätten, wo Astern und Geerginen in gewischten Farben den schlummernden Lieben ihr< legte Pracht entfallen. Wunden, die vor kurz oder lang ge­schlagen wurden brennen und schmerzen aufs neue, und im Geiste tritt der teueren Entschlafenen Leben. Leiden und Ster­ben. ihr Weg zum Grabe vor der Hinterbliebenen Augen. ..Mit

Ker^euskiimpfe.

Roman von Helene Stütkv. geb von Gersdorff (Copyright 1915 by C. Aliermann-Ltuttgarl.)

44) Nachdruck verholen.

Gut. das verstehe ich", ent,regnete Hilde, weniger aber was Sie veranlatzte. mit^Ihrer Werbung gerade jetzt hervorzu­treten und zwar sich mit derselben direkt an meinen Vater zu wenden."

Teures, geliebtes Fräulein, die erste Frage ist durch meine unerträgliche Sehnsucht nach Ihnen am besten beantwortet. Sei: Sie, die schönste, die holdeste aller Frauen meinen Blicken ent­zogen waren, ergriff mich das Verlangen nach Ihnen mit solcher Macht daß alle bisherige Geduld und Ueberlcgung davon über den Haufen geworfen wurden. Mais je ne pouvais plus vivre sans oous vLir. c'est tout simple? Und warum ich mich an Ihren Herrn Vater wandte? Mais c'est encore viutz simple! Weil wir das in Frankreich für den allein richtigen Weg halten wenn wir ein propes de maciage machen Fräulein Hilde. Sie waren doch lange in Frankreich, können ein wenig unsere Sitten Sie können sich doch darüber nicht wundern!"

Hilde mutzte zugeben, daß feine Handlungsweise äußerlich vollkommen korrekt war.

Stehe ich nun in Ihren Augen gerechtfertigt da. ange de ma me?" fragte er eifrig,werden Sie mrr jetzt endlich sagen, baß es mir durch jahrelanges Bemühen gelungen ist, auch Ihnen etwas Zuneigung etnzuflößen zu Ihrem allerdemütigsten Knecht der nichts anderes wünscht, als Ihnen sein ganzes Leben zu weihen?"

Herr Marquis, hören Sie mich an! Es wird mir sehr schwer Ihnen Las zu jagen, was ich Ihnen doch sagen mutz" antwortete Hilde, schwer atmend,Herr Marquis, ich habe im- >ner Freundschaft für Sie empfunden, aber ..."

O. sprechen Sie kein Aber!" unterbrach sie der Marquis von seinem Sitz aufspringend in grotzer Erregung,ich will kein Aber, ich kann kein Mer hören! Ich bin zufrieden mit

welcher Liebe und Treue wollten wir sie hegen und pflegen wenn sie wieder bei uns meilcn würden", fo klagt heute manche kumnrerrolle Seele. So zu klagen, so zu denken, ist freilich irdisch und menschlich, aber nicht christlich. Wir dürfen nicht trauern wie die.jo keine Hostnung haben" auf ein Wiedersehen in jener Weit, denn wir haben die Gewißheit des ewigen Lebens durch unseren Herrn uno Heiland Jesus Christus. Er hat dem Tode arc Macht genemu.eu und Leben und unvergängliches We­sen ans Licht gebracht. Darum störet nicht ihre heilige Ruhe' Eie sind aoherm ,m stillen Frieden Im Glanz der ewigen Seligkeit"

Ihr Los ist auf das LiebUck.ste gefallen, und Gott wird abv'lichen alle 2irren von ihren Augen"

Ja.Wie wird s sein, wie a ird's sein.

Wenn a ir stehn in Salem ein.

In Die Stadt mt« güid'nen Straßen Ach. mein Gott, ich kanns nickt jassen,

Wenn ich zieh in Sulem ein."

Wir aber stehen letzt noch im irdtjck-en Kampf und Streit Da« schrealickc Kriegsmord-n an allen Fronten ist gottlob be­endet. und ein t einer Lichtstrahl ist in das Dunkel des Welt­alls g'drungcn. Doch wie ein Schleier l eck die Zukunft immer noch dunkel und trübe vor uns. Seid aber aetrcst!- Mögen di Wogen der Trübiol noch jo h:-ch ick,lagen. ..Es kann uns nicht« geschehen, als was Gott auseliehen und was uns be.Uam ist." Seine Wege stnd hoher, lerne Gedanken sind b.-rrücher denn die unfrigcn. und nicht bat er Gedanken des Leides, sondern des Fnedens mit uns Er wird uns nicht rerloifen noch versäumen Drum gib dich zufrieden und sei stille Gläubig zu ihm aufge- blickl. hilft er selbst das Schwerste tragen undgrößer als der Helfer ist die Rot ja nicht."

Ob Stürme auch toben.

Verzaget nur nicht Und blicket noch oben Zu Ieju im Licht?"

Laßt uns. die wir noch auf der Wanderschaft sind, wachen ringen, sieben, beten, damrCwrr bereites seien, wenn auch unser letztes Stündlein schlägt und wir vor die VsorteO der Ewigkeit treten. Denn wcr kann Voraussagen, ob uns noch etn Toten­sonntag. ein Totenfest beschieden ist, ob nicht am nächsten Toten­feste auch uns ein stiller Hügel deckt und liebe Hinterbliebene mit tränenfeuchten Augen an unserem Grabe stehen.

Wer weiß, wie nahe mir mein Ende.

Hin geht die Zeit, her kommt der Tod,

Ach. wie geschwinde und behende Kann kommen meine Todesnot.

..Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut,

Mach's nur mit meinem Ende gut"

Dann ist mir's gleich und tut mir wohl Wann, wo und wie ich sterben soll." Amen.

W- Otto Wolfs.

Spartakus.

Wenn dom Spartakus die Rede ist, so fragen unsere Leute, was für ein wilder Berliner das fein mag. Die revo­lutionärste ber revolutionären Parteien Deutschlands, die Spartakus-Gruppe, trägt ihren Namen von einer Persön- stclckeit.der altröiuischen Geschichte. Spartakus hieß der An­führer einer Schar von Gladiatoren, die im Jahre 73 v. Ehr.

Ihrer Freundschaft, ich werde dafür sorgen daß Ihre Freund- schüft zur Liebe wird, wenn Sie erst meine Frau sind. Sie wer­den dcn Himmel auf Erden haben, ich werde den Boden küssen den Ihr F-ch' tritt, ich werde Sie lieben, vergöttern, wie noch nie ein Weib geliebt wurde, Hilde, Hilde .... kein Aber, kein Nein! .... ich flehe Sie an!"

Er batte sich ihr zu Füßen geworfen und sah mtt bittenden, beschwörenden Blicken zu ihr empor.

Auch sie war aufgesprungen, erschreckt von der Leidenschaft die ihr aus seinen dunklen Augen entgegenflommte. Immer mehr schwank ihre Hoffnung, daß er auf sie verzichten würde, solange ihm die Aussicht blieb, doch noch mit ihres Vaters Hilfe an's Ziel zu kommen, dennoch mutzte der Versuch gemacht wer­den.

Ich bitte Cte nochmals, mich ruhig anzuhören, Herr Mar­quis". sagte sie leise, als er wieder aufgesprungen war und mit gespannten Mienen vor ihr stand.Ich mutz Ihnen ein Ge- ständnis machen, nach welchem Sie selbst wenig Lust haben wer­den, mich zur Gattin zu erringen."

Ihm pochten die Schläfe vor wahnsinniger Aufregung. Was würde er hören? Hatte sie eine Schuld auf dem Gewitzen? War sie nicht würdig, eines vornehmen Mannes Gattin zu wer­den? War sie vielleicht gar heimlich verheiratet? Bei einem solchen Vater war alles möglich. Und die Weiber, o die Wei­ber!

Reden Sie, reden Sie!" zischte er, heißer vor Aufregung.

Nun denn. Herr Marquis", sprach da Hilde entschlossen so witzen, so erfahren Sie: meine Liebe gehört einem andern

ihm habe ich Herz und Hand gelobt!"

Ein großer Seufzer der Erleichterung, fast ein Lachen ent­fuhr dem Marquis. Das wußte er längst. Germsbosf natürlich.

Ist das alles?" fragte er laut

Hilde sah ihn erstaunt an.

Ja. ist das nicht genug?" fragte sie.

Was denken Sie von meiner Liebe. Hilde, wenn Sie glau­ben. dieselbe fei so schwächlich, datz ich Sie freiwillig einem an-

ous der Fechtorschule von Capua ausbrach und den Aufruhr gegen das Weltreich der römischen Nepuh ii erhob. Ter Anführer der Bande, dessen zweite Silve kurz gesprochen wird leitete seinen Ursprung vom thrakischcn Konigsaeichlecht der Spartaciden. ab; er hatte Kriegsdienste in den römischen Legionen getan, war desertiert, wieder eingetangen und unter die Feststeiskiaven gesteckt worden, die stch für die Sckmulust des römischen Pöbels niedermetzelten. Die Hand­voll verwegener Verbrecher, an deren Spitze dieser Mann stand, sollte der mächtigen Republik zwei Jahre lang sävver zu sck>afsen niachen. Nach den eisten kleinen Waffeueno gen strömten die italienischen Sklaven in Massen per Fahne deö Räuberhauptmanns Spartakuß zu. Zwei Kammn Ranis erlitten schwere blutige Niederlagen von dem Sk.aoenheer, das im Raub- und Siegeszug ganz Italien durchschritt. Spartakus schuf sich eine Artillerie au« den P-erdechrdep der kampanischen Hirten und organisierte die Wastem fabrikation für seine Scharen duich die Einfuhr von Kupier und Zinn in die füditaiienischen Haien. Gegen den Willen des Führers, der in seine tf)rafIfd^e H"imat zu - ückkebren wollte, erzwangen die Sklavenbanden die Fortsetzung der Rauhzüge aus 'Italien ischem Gebiet, bis die Ilehermacht de» Republik sich nach jahrelangem Kampf doch geltend nlaclue Spartakus fiel im Kampfe gegen die Ueher macht, seil« tausend seiner Leute, die sich ererben, wurden von den Siegern zum Kr-ouzestod verurteilt.

Wir hatten in Deutschland *chon eininal solch- Spartakus-Gruppen im Bauernkrieg 1523, hie nach An dn russischn Bo'sck^ewik'l Schlösser und Abteien zeistörten und plündernd nnd sengend durchs Land Zögen, stait vereint uni ihren Genossen unter bewahrten Führern den Kamps gegen die gemeinsamen Feinde sieghaft zu führen. Sie wur­den einzeln geschlagen und vernichret, die gefangener Führer geköpft.

Im parteipolitischen Kampf innerhalb der deutscher' SoZiuloemokratie tauchte der NameSpartakus" Zu Beginn des Jahres 1916 auf. Einer der radikalsten Abgeoidneten der linken Gruppe der 20. die stch kurz vorher von der airer. Partei abgespulten hatte, ließ danialsPolitn'ä>e Briefe" erscheinen, die mitSpartakus", dem Namen des Sklaven befreiers, unterzeichnet wai'en. Der Name des Verfassern der Spartakusbriefe wird noch heute als strenges Geheimnis der Eingeweihten betrachtet, der Inhalt der Briefe aber war ganz im Sinne Karl -Liebknechts gehalten. Sie waren zu­nächst zurpersönlichen Information" unter den radikalen Elementen der Sozialdemokratie bestimmt, erregten aber eine öffentlickre Polemik in allen Parteiblätern. Ter Grund­gedanke der Spartakusbriefe war es, die Internationale zur allein entscheidenden Instanz in allen weltpolitistzen Fragen und vor allem kn allen Fragen der Kriegswktik zu machen Die Nationen des Erdballs sollten niit der Zeit überhaupt verschwinden. Von Anfang an übten die Spartakusbriefe an denSchwächlingen" der unabhängigen Sozialistenpartei dieselbe sckiarfe Kritik wie an denregierungstreuen" Scheide' ruannleuten. Die Vertreter der von ihnen angegebenen Richtung im Parlament waren Liebknecht und Rülste. Links vom Spartakus steht nur noch Julian Borck>ndt, der sich als den einzigen wirlick-en Bolschewisten Denticküaud be­zeichnet. Die Spartakusrichtung gewann zuerst in der Provii z Boden, wo sich ihr u. a. der BraunschweigerVolts

dern üderll-eße? Niemals werben Sie einem andern angehören solange ich imstande bin. es zu verhindernd

Aber wenn ich Ihnen sage, daß mein ganzes Herz ibm qe- hört, daß ick ihn immer, solange ick lebe, lieben werde, daß mir der Gedanke, mit einem andern Manne, auch mit Ihnen, tv nähere Berührung zu kommen, verhaßt ist .... werden Sie mich bann immer noch wollen?"

Za. Hilde, ich will Sie unter allen Umständen. Wenn Cie mich liebten, wäre ich . der glücklichste Mensch aus Erden. Da Sie aber, zu meinem Schmerz nicht mich, sondern einen an­dern lieben, so will ich Sie doch lieber so besitzen als garnickt und Sie einem andern lasten .... das wäre Höllenqual! Sie nisten nicht, was lieben heißt, wenn Sie das von mir ver­langen!"

Und Sie witzen nicht, was es heißt, eine Frau an sich ket­ten, die das Bild eines andern im Herzen trägt", entgegnete Hilde heftig.

Ich will es riskieren, lieber als Eie ganz rerlieren! Und ich gebe die Hoffnung nicht auf. mit der Zeit auch noch Ihre Liebe zu gewinnen?" sagte der Marquis jetzt ganz gelatzen.

..Wällen Sie damit allen Ernstes sagen, daß Sie auf dem Vollzug des Verlöbnitzes gegen meinen Willen bestchen?" fragte Hilde.

O, Sie werden nicht so hartherzig sein, mich abzuweiseit da ich bereits die Zusage Ihres Herrn Vaters habe!" meinte der Marquis überredend.

Und das nennen Sie Liebe, wenn Sie mich durch meinen Vater zwingen wollen?"

Ja, das nenne ich Liebe. Hildr-! Sie haben wollen um jeden Preis! Wir Südländer haben kein Talent zu entsagungs­vollem Verzichten. So lieben die kaltblütigen Söhne des Nor. dens, aber wir nicht.' Ich würde Sie lieber tot als in den Ar. men eines andern sehen."

Also kann nichts Sie erweichen, ein Bitten, kein Flehen?"

Der Marquis schüttelte den Kopf.

Fortsetzung folgt