11* Jahrgang.
Nummer 273 Eiiistlpreis
ÄÄ Mittwoch, den 20. November 1018
Die ftetic Cnycvrettung" mdjcinx ;el>en Uber Ha-jf Regelmatzrge Beilagen ..S-r Kauer aus Hessen". ..Si-- Hpinnssube". Se?ugopre:s: Bel den Bostanstatten oterieliährUch m 2.7<j hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Aoenten monaili* 1.00 Mk. einschließlich Trägsriohn. Anreigen: Grund',e ! - Big., totale 20 Blg^ Anzeigen von auswärts werden durch BoirnachnahMG erhoben. Eriüllunason Friedberg. Hllirittleitung und tterlug '.riedderg >He seni.
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Herren auf! Lahnen heraus!
Nun laßt die Glocken von Turm zu Turm.
Durch s Land frohlocken im Jubelsturm Des FlammeustoßeZ Geleucht focht an .... ölso hat Emanuel Eetbel vor 48 Jahren in den Tagen des Sieges gesungen und wie hätten dieses Jahr die Gloaen bei uns geklungen, wie hatten die Siegesfahnen geweht und die Freudenfeuer geleuchtet, wenn auch dieses Mal sich der Sieg an unsere Fahnen geheftet hätte. Es ist anders gekommen . .
Besiegt kehrt unser tapferes Heer in die Heimat zurück aber geschlagen wurde es nicht Ueber vier Jabre hat es einer Welt von Feinden Trotz geboten, jahrelang hat die eiserne Mauer im Weiten nicht gewankt und nicht gewichen, während im Osten unsere Braven dem zarischen Koloß die tönernen Füße zerschmettert haben, auf daß er krachend in sich zusammengestürz! ist. während die Störenfriede aus dem Balkan gebührend ge^ züchtigt wurden und das treulose Rumänien seiner Strafe nicht entgangen ist. Ja bis weit in den Orient, den Spuren Alsxan- Vers des Großen folgend, trugen unsere Truppen den Nubm des deutschen Namens und noch vor einem Jahre fanden sie die Kraft, dem heimtückischen Welschen die Tatzen des Löwen verspüren zu lasien. Welches Heer, welche Soldaten können auf eine solche Fülle von Heldentaten zurückblicken' Aber es ging bei unseren Feinden wie bei der Hydra, dem scheußlichen Ungetüm der griechischen Sage, wenn ihr ein Kopf abgehauen rmirde. wuchsen ihr Zwei neue an derselben Stelle. So holten sich die Feinde ihre Hilssvölker aus dem ganzen Erdenrund und peitschten sie — ein treffliches Bild ihrer so hochgepriesenen Freiheit! — in den Kamps, sie ließen sich die Waffen in allen Werkstätten der Erde gegen die Unseren schmieden und schlossen uns von allen Meeren ab so daß zuletzt unsere schwachen, unterernährten Krieger einer dreidoppelten Uebermacht der kräftigsten und trefflichst ausgerüsteten Feinde gegenüberstanden
Aber mehr noch als das: Unsere Soldaten haben es durch
ihre Tapferkeit, durch ihre Pflichterfüllung verhütet, daß die alten Zeiten miodergekehrt sind, wo alle Kriege auf Deutschlands Boden autzgefochlen worden sind. Seht die verwüsteten Fluren, die versunkenen Dörfer und die zusammengeschossenen Städte und die Leiden der heimatlos gewordenen Bevölkerung und dankt Gott, daß Ihr vor diesen Schrecken bewahrt geblieben seid? Das verdankt ihr unseren braven, nun heimkehrenden Soldaten? Eie haben für Euch dem Tode mehr w?e hundert Mal in die Augen geschaut, sie haben Leiden und Entbehrungen jahrelang auf sich genommen, die unerhört in der Leidensgeschichte der Menschheit sind. Gleich den Tieren des Feldes hausten sie in Erdlöchern und hatten keinen Pfühl unter dem Kopfe, während draußen die Granaten zerbarsten und die giftigen Schwaden in ihre Unterstände drangen:
Und was noch kommen mag. wo Wnt und Wahn Und Rachgier maßlos wider uns nun walten —
Ihr, die ihr zehnmal eure Pflicht getan Habt unsere Fahnen rein und blank gehalten!
Wollen wir undankbar sein gegen solche Helden, gegen die Sieger, die vor übermächtigen Gemalten zurückgewichen find? Wollen wir sie gar mit mißgünstigen Augen ansehen. wenn sie jetzt zurückkommend unsere Bequemlichkeit vielleicht für einig" Wochen stören könnten? Nein und tausendmal nein! Unsere heimkehrenden Soldaten dürfen dereinst nicht sagen, wie es in einem alten Volkslied heißt-
Ja man tuet ihn wohl gac verfluchen,
Er soll sein Brot wohl auf der Landstraße suchen.
So viel Dank bat der Soldat,
Der für sein Vaterland gestritten hat So darf es nun und nimmermehr kommen! Wir müssen vnsere Krieger empfangen wie unsere Brüder, wie unsere Wohltäter, denen wir alles verdanken. Und sollte der 51 Monatt wahrende Krieg die Sitten einiger Soldaten vielleicht allzu rauh, gestaltet haben, so müssen wir versuchen, durch Liebe veredelnd auf sie zu wirken. Wir müssen unsere bescheidene Vorräte mit ihnen teilen und sie als liebe Gäste aufnehmen. Aber auch äußerlich muß das zum Ausdruck kommen. Bereits wird gemeldet, daß die rheinischen Städte zum Empfang der heim lehrenden Krieger reichen Fahnenschmuck tragen. Auch bei uns muß das geschehen! Wir müssen unseren Soldaten einen festlichen Empfang bereifen, damit sie erkennen daß wir uns ihrer Heimkehr freuen. Ein Jeder von ihnen hat daheim seine Lie- ben, für die der Krieg gewonnen ist, weil e r wieder gekommen
veien wir dankbar und halten es. wie es in eiuem Gedicht beißt, das wir in der ..Jugend" finden:
Wenn einst vernichtet wiederum die Welt Zurückschaut auf die Zeit voll Blut und Leiden.
Mag sie die Frage: wer der größere Held
In diesem Niesenkampfe war. entsckreidcn.
Fiel auch in Scherben Deutschlands Glück und Glanz Euch wird die Nachwelt nicht den Lorbeer wehren blnd kehrt ihr auch nichi heim im Siegerkranz —
Kein Sieger noch r,ar würdig solcher Ehrei
Köln, 19. Nov. Die Spitzen der beiden großen Armeen, die in diesen Tagen den Nhein überschreiten werden, sind da. Mit klingendem Spiel sind sie in Köln eingezogen, um den Weg nach Osten zu nehmen die Krieger der 6. und 7. Armee. Mit Blumen hatte man den Weg. den sie bisher durch die Rheinlande genommen, geschmückt. Roß und Reiter. Alaun und Wagen sind beladen mit Blumenschntuck und flatternden Wimpeln. Rad» fahrerbatailkone erössneten heute morgen den langen Zug. Lange Züge von Sturmtruppen folgten. Großes Gedränge herrschte an den Knotenpunkten der Stadt- Der Verkehr stockte. Die Straßenbahnen werden den Verkehr einstellen.
Der WaffenstiMand.
Weitere Verhandlungen.
Berlin, 19. Nov. lieber Rotterdam meldet der . Tag" aus Spaa: „Die deutschen Vertreter des Oberkommandos, in Spaa haben mit den« Oberkommando der Alliierten die Verhandlungen über einige Punkte beantragt, die das Kriegsmaterial und die Lebensmittelvorrate auf dem linken Rheinufer betreffen. Diese sollen deutsches Eigentum bleiben. Ferner wird verlangt, daß die Besatzung nicht aus schwarzen Truppen bestehen und daß die deutsche Polizei in den besetzten Gebieten tätig sein darf. Ferner sollen die deutschen Garnisonen an der Grenze der neutralen Zone verbleiben können. Außerdem wird darüber verhandelt, daß die Alliierten, um Ausschreitungen der Bolschewisten gegen die Bevölkerung zu verhüten, sofort Südrußland besetzen sollen und auch die baltischen Provinzen besonders Libau und Riga."
Die Besetzung des linken Rheinufers.
Gens. 19 Nov. Wie die französischen Zeitungen Mitteilen ist die aus zehn Divisionen bestehende dritte amerikanische Armee dazu bestimmt, als Okkupationsarmee Lothringen zu besetzen. Sie zahlt 250 000 Monn unter dem Oberbefehl des Generalmajors Dickmann. der feit dnn 31 Mol die an der Marne operierender, amerikanischen Streilkräfie führte. Sein Generalstabschef ist der Brigadekcmmaudant Mann Craig Ta die französische Regierung Lothringen überhaupt nicht mehr als feindliches Gebier ansieht, darf man wohl annehmen, daß die starke amerikanische Armee zugleich berufen ist, das linke Rheinufer bis Mainz zu besetzen.
Der französische General Maud Huy ist zum Militärgou- rcrneur von Metz, der Genera! Bourgeois, bisher Direktor des gegegraphtschen Dienstes der französischen Armee, zum Militärgouverneur von Ctraßburg ernannt worden.
Die FrieÄeusüonferem.
Die Teilnahme Wilsons an der Friedenskonferenz.
Amsterdam, 18. Rov. (WB.) Rach einem Telegramm des Londoner Korrespondenten d:Z „Algenteen Handelsblad" schreibt die ..New Port World" daß Wilsens Teilnahme an der Fr?e- denskonferenz mehr als irgend etwas anderes da.ru beitragen wird, die Schwierigkeiten der Balianfragen und der polnischen Frage zu lösen. — Die „New Port Times" hat die Ansicht der wichtigsten Zeitungen über die Teilnahme Wilsons an der Friedenskonferenz eingehclt, wobei sich herausgestellt hat. daß o'e nteisten gegen die persönliche Teilnahme des Präsidenten waren. Tie Blätter, die für die Teilnahme sind, weifen darauf hin. daß die Anwesenheit des Präsidenten von großem Einfluß auf die Verhandlungen sein würde.
Basel, 19. Nov. Wie Haoas aus Paris meldet, vernehmen die dortigen Blatter aus Washington, daß Lansing nächste Woche in Frankreich eintreffen wird. Wilsen wird sich zuerst noch England begeben und dann nach Frankreich kommen.
Die (Oiifiitf j!ü& feie femlMie itruoiiitiim.
©edin, 18. Rov. (WB.) Nach einem Telegramm des „Berliner Tageblattes" aus Zürich hat Oberst House Presse- rertretern gegenüber seine Befriedigung über den Weg geäußert, den die deutsche Revolution einzuschlagen scheine. Die Alliierten hätten nicht die Absicht, gegen Deutschland vorzu- gohen; sie wollten vielmehr mit Deutschland Zusammenarbeiten. Mit eurem Deutschland, das unter irgend einer Diktatur stehe — sei es eine militärische oder revolutionäre — könnten die Alliierten nicht verhandeln. Wilson werde einer revolutionären Diktatur gegenüber den gleichen Standpunkt einnehmen, den er der Diktatur der Hohenzollern gegenüber eingenommen habe: .Der Gewalt keinen Frieden und kein Brot". Die Gefahr eines terroristischen Regiments in Deutschland sei glücklicherweise geschwunden. Deutschland habe ja auch bereits fühlen können, was von diesem Zeitpunkt an von den Vereinigteit Staaten, sowie von den Alliierten in Abänderung der Waffenstillstand^! dedingungen in weitherziger Weise erreicht sei.
Haag, 17. Rov. (WB.) In einem längeren Artikel gKu der von der französischen Regierung viel benutzte „Matin" zu erkennen, daß die Entente eine Annäherung zwisck?en Deutschland und den Bolschewisten Rußlands nicht ruhig ansehen «nirde. und daß sie die Bildung eines Bolichewtstenblocks irr
Zentraleuropa, wie er sich durch eine Bolschewisseruug Deutschlands ergeben würde, mit allen Mitteln verhindern werde.
Eine iiritf iioif Ss!ls an fanlni?.
Haag, 18. Nov. Hollcmdfch Nieuwsbureau berichtet, dc»8 Staatssekretär Dr. Sols an Staatssekretär Lansing eine neue Note gerichtet hat. In dieser wird unter anderem erklärt, daß es bei bent heutigen Stand des deutschen rollenden Eifenmaterials und bei dem Kohlenmangel unmöglich fein wird, auch nur die in bescheidenen Grenzen gehaltene Versorgung der Städte mit Lebensmitteln sicherzustellen.
Wir find, heißt es in der Note, außerstande, auch nur für eine Wocbe die Versorgung garantieren zu können, und müßten da die Verhältnisse im Osten und Westen, Norde' und Süden gteich tiegen, damit rechnen, daß in vielen Teil . des Reiches gleichzeitig Hungerreootten als Folge der Trcn portfchwIrrigkeiten entstehen,. d^ren Folgen unberochenö wären. Endlich hat die Fortsetzung der Blockade, insbeso. dere in der Ostsee, zur Folge, daß sowohl die für unsere Industrie nötigen Transporte aus dem Norden, wie die für Skandinavien unentbehrlichen demschen Kehlen unmöglich gemacht und veranlaßt die von den Kohlen abhängigen deutschen und skandinavischen Industrien zu Arbeitsein- sckiänkungen, wenn nicht gar zum Stllliegen. Auch die völlige Lahmlegung der Nord- und Ostseesischerei würde während einer Blockade fortdauern. Wir haben unsere Vertreter in Spaa angewiesen, obige dringende Wünsche mit den Vertretern der alliierten Regierungen zu besprechen, hatten aber keinen Erfolg, da die Vertreter der Alliierten keine Vollinacbt zu Verhandlungen zu haben schienen. Wir bitten angesichts der dringenden Gefahr, die uns aus den erdrückenden Waffenstillstandsbedingungen erwächst, uns möglichst umgehend einen Ort zu bezeichnen, an dem unsere Vertreter mit bevollmächtigten Vertretern der alliierten Regierungen zur . Beratung der obigen. Fragen Zusammenkommen können. Da die Transportfrage zu Wasser und zu Land täglich schwieriger wird und die znrückflutenden Truppen alle Organisationen aufznlösen drohen, bitten wir, keine Zeit zu verlieren, damit wir imstande sind, die bisher noch aufrechterhaltene Ordnung auch weiter aufrechte:halten zu können. gez. Sols.
Die deutschen Kriegsuerluste.
©»Hin, 19 Rov. Auf Grund zuverlässiger Unterlagen können w'r die Verluste Deutschlands bis zum 31 Oktober 1913 genau angeben Deutschland bat 1 580 000 Tote zu beklagen. Als vermißt werden 260 000 Mann gemeldet, wovon aber ebenes ein großer Teil nicht mehr unter den Lebenden weilen wird. Die Zahl der in Feindeshand befindlichen deutschen Gefangenen beträgt 190 000. Verwundet wurden 4 Millionen Soldaten. wobei aber eine wiederholte Zählung in den Fallen vor- gckommen ist wo ein Soldat mehrmals verwundet worden ist.
Das Chaos in Belgien.
Keine angenehme Nachrichten kommen aus Belgien. In Gent, Brüssel und Antwerpen ist es beim und noch dem Abzug der deutschen Truppen zu wüsten Szenen gekommen. Vielfach wurde die rote Fahne gehißt, im allgemeinen hat die Bewegung einen deutschfeindlichen Einschlag. In Gent wurden den aktiristischen Flamen die Häuser demoliert, den Frauen die Haare abgeschnitten, die Kleider abgerissen und sie nackt durch di« Straßen geschleppt.
Amsterdam, 19. Nov. (WB.) Aus Antwerpen wird dev „Telegraf" gemeldet, daß es in der Stadt beim Abzüge der Deut' scheu zu großen Plünderungen durch die einheimische Bevölke. rung kam. Nach einer anderen Meldung desselben Blattes stehe« in Brüssel der Nordbahnhof und der Zuider Schaarbeker Bahnhof infolge Munitionsexplosion in Brand.
Berlin, 19. Nov. Ueber die Vorgänge in Belgien wird noch gemeldet,, daß die Etappentruppen sich anscheinend in vollster Auflösung aus Belgien zurückzogen. Die rebellierenden Truppen haben zum Teil ihre Gewehre für 50 Pfennig. Handgranaten für 30 Pfennig verkauft. Automobile waren für 100 Mark zu haben. Die Kämpfe, die stattgefunden haben, haben sich keineswegs allein zwischen deutschen Truppen und der belgischen Bevölkerung abgespielt.
Amftcram, 19. Nov. Eine schwere Explosion wird aus Ha- mout gemeldet: Die Explosion ereignete sich ungefähr um 10
Uhr auf dem Bahnhof, wo ein deutscher Munitionszug stand. Dabei flog ein Waggon mit Granaten in die Luft, deren Splitter auf dis Umgebung niederfielen. Die Umgebung des Bahnhofs mar ein einziges Trüminermeer. Auf dem Bahnhof standen auch drei Lazarettzüge mit deutschen Verwundeten, die auf den Transport nach Holland wartete». Diese Züge gerieten \r Brand. Die Verwundeten flüchteten, soweit sie daztt imstand« waren, aber 18 Schwerverwundeke kamen i», den Flammen um..


