Nerzenskampfe.
Wonun von Helene Cckü 1 ky. geb. von Gersdoiss. (Eop^rigtu 1915 by 6. Ackermann-Stuttgart.)
41 ) Nachdruck verbalen«
..Also bin ich eine Gefangene", sagte Silbe mit bitterem Lächeln. „Vielleicht will man mich sogar durch Hunger zwingen!"
Unmöglich ist dag nicht, obgleich dein Vater bis jetzt davon nichts gesagt hat", meinte Franziska. „O. Hilde, gib doch nach, ich bitte dich! Du mutzt es ja zum Schluß doch tun!"
„Niemals!" erklärte Hilde fest.
„Nun. das werben wir sehen?" erwiderte Franziska über dielen unbegreiflichen Eigensinn auch nach und nach ärgerlich werdend ,,^ck überlasse dich jetzt deinem eigenen Nachdenken dos dich hoffentlich noch zu vernünftigeren Schlüssen führt Uebrrgens noch etwas: dein Vater läßt dir sagen, wenn du verständig, d. h. nachgiebig geworden seist, sollst du ohne weitere Erklärung heute abend zum Diner kommen, andernfalls aus deinem Zimmer bleiben. Er würde dann wissen, woran er fei nnb seine Maßregeln danach treffen. Also bleibt dir noch ein sehr bequemer Answeg ohne weitere Szenen und Vorwürfe.
Benutze ihn und alles ist in schönster Ordnung!. Und
bofj du's weißt die Dienstboten sind alle instruiert. Kerns von allen, auch deine Lina nicht, dürften es wagen, dir bei irgend etwas Verbotes, behilflich zu fein. Es tut mir wirk
lich leid, dir dos alles sagen zu müssen. Kind, aber dein Trotz ist allein Schuld daran Wenn du etwas brauchst, so klingle? Adieu, hoffentlich bis heute abend oder auch früher, falls du mrr etwas Gutes zu sagen hast?"
Cie wollte Hilde auf die Stirn küssen. Diese aber wandte sich stumm ab. Da verlttß sie achselzuckend das Zimmer. Hilde hör/e. wie sie von außen die Tür mit Schlüssel und Riegel verwahrte.
Hilde sprang auf.
„Also wirklich gefangen!" rief sie erschüttert
Danach muktte sie auf alles gefaßt sein, auf jebe Gewalt katigke't. Man wurde sie analen, foltern, durch Hunger womöglich gar durch Mißhandlungen zwingen wollen. Cie war vollständia der Willkür ibrer Peiniger preisgegeben. Abge- ^bnitten von der Außenwelt. Niemand wußte von tbrer Lage Gab es keinen Ausweg, keinen? Wenn es keinen offnen gab war nickt irgend eine List möglich? Sie haßte zwar alles, wa- nicht osten und ehrlich war. aber es gab doch Situationen, wo b'e i.,st nickt nur erlaubt, sondern geradezu geboten war Sie dachte angestrengt nach Plötzlich kam ihr ein Gedanke. Wenn sie mrt dem Marquis selber reden könnte! Sicher würde er Mibt^darauf besteh en. ^ 3» beiralen. wenn er erführe, daß sie
Kelrauttimachnug
2m Monat November >918 wird gegen den Lieferungsabschnit?
22 der Suß losikaktcu ,.H" (blau)
und ge en dle L,ejerungsabschnitte
1 uns 2 der neu aus «gebenden S. ßstofflorlen ,.G" (gelb) vo^ den Süßstostabgabestcllen Sützüoff abgegeben.
.6s gelangt auf Abschnitt 22 tv* Briefchen und auf die Ab- ichnstte 1 und 2 je e,ne Schachtel zu--Ausgabe. Mit dem 80. Nov. v? ?ieren die Abschniue -2 bezw. 1 «UO 2 ihre Gültigkeit. Nach die em Ze lpunkt n.cht abgeruiene Süß- Po: mengen dürfen von den A- kabestelien frei verlauft werden.
Feledbero, den 18. Nov. 1918.
Der Bürgermeister 2. V.: D a w m.
lieber wollt« «och konnte. Was für ein Glück könnte er von einer Frau erwarten, die mrr durch Zwang die seine würde? Ja. sicher würde er sie freigeben. sobald er die Wahrheit erfuhr. War er doch immer voll Ehrerbietung und Rücksicht in seinem Benehmen zu ihr gewesen! Aber wie sollte sie zu einer Unterredung mit ihm kommen? Ihr Vater würde ihr nicht gestalten mit ihm zu sprechen, solange sie auf ihrer Weigerung bestand. Auch schreiben konnte sie ihm nicht, dafür war ebenfalls gesorgt. Wes tun? was tun?
Cie saß in tiefem Sinnen.. Da plötzlich fuhr ihr der rettende Gedanke durch den- Kopf.
„Zch h-b's' So mich es gehen!" rief sie wie erlöst. „C-> Ist zwar eine Lüge oder wenigstens eine stillschweigende Vor-
spiegeiung falscher Tctsachen. aber-ich kann nlchi anders.
Gott wird mir verzeihen und beistehen."
Ihr Entschluß war gefaßt S-e blieb ruhig in ihrem Zimmer. bis es Zeit war. zum Mittagessen Toilette zu machen Dann lautete sie. Lina erschien, nachdem sie die Tür von außen ausgeschlossen, von innen wieder verschlossen und den Schlüssel in ihre Tasche versenkt hatte. Hilde schien diese Manipulation nicht zu bemerken.
..Frisier- mich. Lina! Und dann möchte ich zum Essen mein dunkelblaues Samtkleid anzieben'" befahl sie ganz ruhig als ob alles qan^ so wie gewöhnlich sei.
„Es freut inick daß das gnädige Fräulein sich wieder wohk kühlt. Fräulein Lehmann hat mir gesagt, daß Sie Migräne haben" bemerkte Lina.
„Io. ick fühle mich vollkommen wiederbergestellt und kann am Mittagessen teilnehmen", erwiderte Hilde.
Es tat ihr leid, ihre Iunafer. die sie schon lanee Jahre um sich hatte, die sie immer gut leiden konnte, und welcher sie anck viel Freundliches erwiesen hotte, indem sic auck ibre Familie reichlich unterstützte, unter ihren Verfolgern und Widersachern zu seben.
Es war niemals ihre Gewohnheit aewe^en. mit ihrer Dienerschaft vertraulich ,v sein, trotz aller Güt- und Freundl-ckl-'tt Daher hatte sie zu Lina auck nie van ihren Anaelegevbeiten gesprochen. Sie wußte nicht ob diele etwas von ihrer be mlicken Verlobung mit Neinhold Germshoff ahnte. Wer weiß, was man ihr als den Grund der voraenemmenen strengen M"ß- regeln vorerzählt hattet Mas konnte das arme Ding auck ander? tun. als gehorcken? Sie hätte ia sonst ihren Dienst verloren und damit nickt nur ihre ei^ne aessckerte Existenz. so», dorn noch viele Vorteile für ihre Eltern und zahlreichen Geschwister. Aber leid tat es ibr doch, denn sie hatte daß Mädchen für treu und ehrlich gehalten.
Als Lina die Toilette ihrer jungen Herrin beendet hatte verschwand sie, die Tür hinter .sich unverschlossen lassend Aul
Bekanntmachung.
neuen »'* 2 ‘- N°»-mb.r l». ds . findet die Ausgabe der
Nährmittelkarten B und C
l 0,e Rar,en > föt die Vio>getreide-VerorgungsbereKtia>
ten patt, und zwar zu folgenden Zeilen: ™ "
Bezirk I.
AUes Po'lgebäude l. Stock.
dem Korridor indessen begegnete Hilde der Kammerdiener ihres
,^ ** borl langsam hin und herging. Er war offenba^ als Wachtposten aufgestellt, weil man ihr nicht traute. O w'c entwürdigend war das alles!
in 5 (rwimm " ,om hr (Jtöulein Lehmann fre»bestrahlend entgegen.
„Das ist recht von dir, liebe Hilde, bah tu kommst, das lobe lry mir'
"Ä Tante Ziska, ich habe mir's anders überlegt" erwi mechanisch, als sage sie eine eing-lernt" Lektion auf „Es ist besser so. ich kann's ja doch nicht durchführen."
„Nun. du wirst es nicht bereuen, wirst dich bald daran gewöhnen' Gott. Kind, tausend von Mädchen würden dich um das Glück beneiden. Marquise von Reymond zu werden?" ver- sichette Franziska ermutigend.
Auch dom Dcheimrnt war natürlich die Kapitulation dar F-ltung genieldet worden. In seinem Triumphgesühl fie de fiegt zu haben, lüblte.er sogar etwas wie -ine Anwandlung von Lwbe ,Ür seine Tochter. Ahr. wenn auch mifilungencr «ersuch fit gegen ,hn aufzulehnen. machte ihre s-tfige Unterwerfung um so suher silr seine Eigenliebe. *,§ -r herein,am. perstieg « Uch 'ogar zu einer für ihn noch kaum dagewesenen Handlung indem er Hi-de woh,woNend a»f die Schulter klapste und sagte:
„fiirent mich dich zu sehen. Kind, freut mich sehr!"
Sie kam sich fast wie eine Verbr-cherln vor und hätte am liebst?» geschrieen'
7 - ist nicht wahr! Nein. nein, ich gebe nicht nach! Ich luge' ^ch spiele Komödie*"
Aber fie prehte die Lippen s-ft zusammen und schwieg. Es war nickt ihre Schuld, das, fie lüaen muhte. Man zwang fie dazu Es war bte einzige Mfialickkeit der Rettung.
. n Diner verlies wie -re-rähnlich, nur dah der Eeheimrat blfiercr Stimmung war und fast allein die Kosten der Unter. Halbung bestritt.
Nck rvk”* in Wn 3imm « surückzog. wandte er
sich an Hilde mit den Worten:
, mcl " Sinl> ' bet Marauls morgen hier ein.
trifft Nachmittags nach dem Lunch kannst du ihn begrüßen und abends beim Diner wollen wir ganz unter uns eine kleine Berloh',no«seier abhalten "
„Es ist gut. Papa, wie du befiehlst", murmelte Hilde.
„Leb-mann. lernen Sie kür etn crtta seines Menü und lassen Sie Sekt kalt stellen? Und nun meine Tockter. geh scklasen und träume von all den ickönen Dingen, die dir bevorstehen?"
So freundlich war ibr Vater eigentlich noch nie zu ihr ge- wcsen Und das dankte sie der ersten, hoffentlich auch der letzten Verstellung ihres Lebens.
^orttetzima kolat.
Bekanntmachung
Bezugnehmend auf meine Ve- küniumachuin vom Zl'. Sep-em.'er ds. Is. find bered}!iu Brenn loffe Vorzeigung der Kohtenaus- rrcislarte zu beziehen:
DJirk II Nr. 941 bis 1009 je L^eritncrLtückkohlen bei Kohlen, haudlunz G. Schwarz L Sohne. G m. b. Fauerbachernraße. Fnedberg, den 18 . Nov. 1918.
Der Bürgermeister.
. _2. V.: D a ni in.
8U.-MA
Die Gemeinde Nleder-Floritadt bcabsichugt eu.en ,uc Zuchl raua lichen Bullen im Aller von 16 Ato- na en anzukaujen.
Besitzer ,olcher Tiere wollen umer*eid)neref Bürgermei,terei ihre Angebote zussuven. |lir&rr:|l 0 rjfll,t, d. 17. Nov. 1918. ^nrsfvmfifirrri zUeLkr-^lor^adl. _ Schmstegel.
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Friedberg, den 17. ^(ovember 1918 .
Der Bürgermeister.
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