Ausgabe 
19.11.1918
 
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U,im,er 872 GuMms Dienstag, den 19 . November 1918 _ 11 « Jahrgang.

l ,nc 6areo,-tt«na" er.chemt ,eDen Werlta^. Regeimatzige Beilagen ..Ser Lauer -US Oellen". ..Die Spinnkut--". Semqopk.is: «e. den Postanstalttn o.eclellährlich Att. 2.7g «nr« »it, nacv das Beitellaeld' bei een Center mona.tt» 100 Mk. etnschlietzlich Xtagerlobn. A«?eigen: GnmDietle 2b Psg.. totale 20 i5i*, Anzeigen oon auswans merden durch Bo,Nachnahme

Sch-iN,.i.»n, NN-, '-n°db-r. 1'- 4S. g.iti ***....r. 4859, Um. 7,.antt°r. M.

BeLKNirLmachung.

Händler und sonstige Bevölkerung Fried- tzeras werden strenge gewarnt, von Militär- Personen Ausrüstungsgeaenstände, Kleidungs­stücke. Decken, Bettwäsche und sonstige militärische Gegenstände zu lausen.

Polizerorgane sind strengstens angewiesen, die Durchsülzrung dieser Verordnung zu über­wachen. Wer Gegenstände obengenannter Art laust, hat harte Strafe zu gewärtigen.

Friedberg, den 18. November 1918.

Der Arbeiter- und Soldatenrat:

gez. H e i d e n r e i ch. gez. Nepp.

Kclraunimachnng.

An die Landbevölkerung des Kreises Friedberg?

Nach uns gewordenen Mitteilungen bestehen Unklarheiten darüber, wie nun das Verhältnis zwischen den Bürgermeiste­reien und dem Kreisamt und andererseits Arbeilerroten zu den Bürgermeistereien aufzusassen sind. Hierzu sei bemerkt: Das

Kreisamt Frtetzberg hat sich dem Arbeiter- und Ccldatenrat znr Verfügung gestellt und steht also unter dessen Kontrolle. Auch die Bürgermeistereien stehen damit unter Kontrolle des Arbeiter- und Soidatenrates in Friedberg. Es wäre nicht im Interesse einer ungestörten Geschäftsordnung -wischen Kreisamt und den einzelnen Landorten, wenn sich dnzwisä^n andere In­stanzen einfchieben würden. Ungeheuerliche Zustände könnten eintreten. w?nn mit bet Versorgung der Bevölkerung mit Nah rungsmitteln Störungen eintreten würden. Cs muß darum alles vermieden iverden, was das Zusammenarbeiten der Reichsbehörde mit den Landorlen erschweren würde. Dringend zu empsedlen ist. daß sich in den Landgemeinden' Brbeiterräte bilden, dre lm Einvernehmen mit den Bürgermeistereien und dem Arbeiter- und Soldatenrat von Friedberg für Ruhe und Ordnung in den Landgemeinden sorgen, daß ferner die Bürger­meistereien allen Verpflichtungen Nachkommen und daraus achten, daß die Landwirte keine Nahrungsmittel verheimlichen oder unberechtigt und zu hohen Preisen abgeben

Zur Mitarbeit sind nur Arbeiter- und Soldatenräte befugt die vom Arbeiter- und Eoldatenrot Friedberg anerkannt sind. (Vorsitzender' Heidenreich. Tel. 90s. Das Recht einzugreifen stcht auch nicht einzelnen, nicht beauftragten Personen zu.

Der Arbeiter- und Soldalcuraj Friedberg, gez. Heidenreich.' gez. Repp.

Dir niirriauble (fntffrming oom örrrp.

Frankfurt a. SW., 18. Nov. (WB.) Alle Soldaten, Mann­schaften wie Offiziere, welche sich unerlaubt von ihrem Truppen teil entfernen, haben nicht nur strengste Bestrafung zu gewär­tigen, sondern haben auch keinen Anspruch auf Lebensmittel­karten. Verpflegung und Quartier Sie gehen jedes Anfpruä)es auf Rente. Entlasiungsgebühr von 60 Mark, Marschgebühr, An­zug verlustig. Wer nicht ordnungsgemäß entlassen in das be­setzte Gebiet kommt, setzt sich der Gefahr der Internierung aus!

Wer sich unerlaubt von feinem Truppenteil entfernt, hat sich sofort auf dem nächsten Garnison-Kommando oder Vahnhois- kommandantur zu melden Diese sorgen für Verpflegung, Unter­kunft und Weiterbeförderung zum Ersatztruppenteil bezw. Ent­lastung zum Bezirkskommando des Heimatsortes gemäß den Verfügungen des stellvertretenden Generalkommandos.

Alle Zivilbehörden sind angewiesen, keinerlei Lebensmittel­karten abzugeben, keine polizeiliche Anmeldungen entgegenzu­nehmen und keine Arbeitsgelegenheit zu vermitteln ohne vor­schriftsmäßigen Entlastungsausweis.

Kameraden!- Sorgt für Ordnung, damit'der Feind nicht einmarschiert um diese Ordnung herzustellen.

Kameraden' Der Feind schließt keinen Frieden, wenn in Deutschland keine Ordnung herrscht.

Der Arbeiter- und Seldatenrat.

Stellverttetendes Generalkommando 18. Armeekorps.

Zur Ncrhütung von Seuchen.

Berlin, 16. November.

Männer und Frauen! Soldaten und Matrosen!

Das höchste Gut des Volkes ist seine Gesundheit.

Der Volksgesundheit droht schwerste Gefahr, wenn bei Eier schnellen Demobilmachung Seuchen und sonstige an­stehende Krankl-eiten anftreten oder gar sich häufen.

Diese ungeheure Gefahr muß abgewandt werden.

Jeder Soldat, ßes dem der Verdacht einer ansteckenden Krankheit besteht, suche sofort einen Arzt oder das Lazarett ouf und verbleibe solange in der Behandlung, bis der Arzt ihm sagt, daß sein Leiden nicht mehr ansteckend ist. Die be­währten Maßnahmen der Heeresverwaltung sind aufs Peinlichste zu befolgen.

Mer verlaust ist. sorge für schleunige Entlausung.

Ansteckende Krankheiten sind besonders: Fleckfieber,

Ruhr. Cholera. Typhus. Diphtherie und die Geschlechts­krankheiten.

Wer sich nicht in Behandlung begibt oder das Lazarett vorzeitig verläßt, versündigt sich schwer:

1. an sich selbst, weil sein Leiden später schwer oder gar nicht zu heilen ist.

2. an seiner Familie und leinen Angehörigen die er mit der Ansteckung schwer bedroht.

Der Vollzugsrat des A - und S.-NateZ,

Molkenbub r. Rich. Müller.

Tie Venollniächtigten des Vollzugsrates.

G e r s o n. W e g n e r.

Crwerdülo^ttttntcrstnhnngi.

Frankfurt a. M.. 18 Rov. (WB.) Der Arbeiterrat gab in seiner letzten Sitzung am Samstag Bestimmungen für eine Er- werbslosenunterstützung seine Zustimmung. Diese lehnen sich im allgemeinen an den vom Magistrat und den Stadtverord­neten beschlosienen Entwurf an. sehen aber wesentlich höher, Unterstützungssätze vor und geben einen Rechtsanspruch auf die Unterstützung. Für männliche und weibliche völlig erwerbslose Personen soll die tägliche Unterstützung betragen: Für den

Haushaltungsrorstand und für Personen mit eigenem Haus­halt oder bei fremden Leuten wohnend 4.50 Mk. für Personen bei Familienangehörigen wohnend 3.00 Mk.. ferner für jedes Kind unter 18 Jahren ohne eigenen Verdienst 76 Pfg. und für jedes Kind unter 10 Jahren und sonstigen Familienangehörigen die zu unterhalten sind. 1.60 Mk. Für die Verrechnung werden sieben Wochentage zu Grunde gelegt. Bei Arbeitslosigkeit über vier Wochen soll ein Mieterschutz für Verheiratete von 20 Mk. und für Ledige 10 Mk. eintreten.

Das Gebot der Stunde für die gelamte Kandmirllchaft.

Die im KviegZausichusse d-'r deutschen Landwirtschaft fuiammengesaßten landwirtschaftlichen Verbände haben sich in einem Ausrufe an die Landwirte gewandt und sie aufge­fordert. in jedem Orte Ausschüsse zu bilden. Ter Kriegs- ansschuß der deutschen Landwirtschaft hat der jetzigen Ne­gierung zur Sicherung der Volksernährung seine Mitwirkung angeboren. Tic Negierung hat diese Hilfe auch angenommen und einen ensLprcchenden Aufruf erlassen. Diese Bauern ousschüsse sollen in erster Linie die Ausgabe haben, die Volksernöhrung durch möglichst freiwillige Ablieferung besser zu gestalten und zu sickern. Es muß erwartet werden, daß jeder einzelne Landwirt sich der ungeheuren Verantwortung bewußt ist. die er dabei trägt' denn nur eine gesichert« Vvlks- ernährung kann uns bei dem Zurückströmen unseres tapferen H(>ei-e§ und bei den schweren Waffonstillstandsbedingungen vor dem größten Elend bewahren. Außerdem müssen diese Bauernaustchüsse aber auch dafür sorgen, daß die landwirt­schaftliche Erzeugung erhöht, daß in Ausübung der auf dem Lande von jeher bekannten und üblichen stets nottvendigeii Na.chbarhil.se alleinstehenden Frauen bei Aufrechterhaltung ihrer Wirtschaft mit Rat und Tat beigestanden wird, und Wirtschaften, denen ein geeigneter Leiter fehlt, in Bear­beitung und Pflege genommen werden, daß di« zurück- strömnden Arbeitskräfte in die richtigen Bahnen geleitet werden usw. Endlich muß daran gedacht werden, daß diese Banernrate nötigenfalls auch ähnlich wie die jetzt ent­stehenden Bürgerwehren in den Städten als Bauern­wehren tätig werden müssen zwecks Schutzes des Eigentums der Personen und d^r Ordnung im Interesse der Aufrechter- Haltung der Ernährung zum Wohle der Volksgesalntheit. Bei Unordnungen oder Unruhen auf dem Lande müssen sie darauf eingerichtet sein. Plünderungen oder dergl.. die unser ganzes Ernährungswesen gefährden würden, abzuwehren, wobei vorgesorgt sein muß, daß eine Unterstützung durch die nächsten militärischen Kommandostellen und durch Nachbar- dörfcr und deren Bauernwehr gewährleistet wird. Es muß erwartet n>erden. daß die zurückkehrenden Krieger sich ebenso bereitwillig zu diesem Sicherheitsdienste stellet!, wie dies von d«n älteren ehemaligen Kriegern zu hoffen ist.

Die Vauernräte jedes Ortes müßten endlich geeignete Persönlichkeiten als Delegierte wählen, die kreis-, hezjrks- und provinzweise zusammenkommen müßten, um die Be­hörden zu beraten und dabei die Wünsche der Landwirtschaft »zur Geltung zu bringen.

Ruhe und Ordnung

Alle Bevölkerungsschichten, die Nuhe und Ordnung wollen, ganz gleich ob Bürgerlich)« oder Sozialdemokraten, haben dasselbe Interesse daran, daß der Bolschewismus in seinen Anfängen nieder gehalten wird. Ordnung und Sicher­heit bedeuten Arbeit und Brot; Unruhe und Bolschewismus bringen Hunger und Elend. Das gilt schon, wenn wir nur die inneren Verhältnisse betrachten; nicht genug kann aber darauf hingewiesen werden, daß unsere Feinde ein bolsche­wistisch"? Deutschland weder für verhandlungsfähig be­trachten, noch auch nur vor dem Hunger schützen wollen. Auch von dieser Seite also droht uns das Verderben, wenn wir nicht Ordnung in Deutschland schassen. Die regierenden Gewalten, besonders auch die Soldaten, die bisher größtem teils in an«rkennensnerter Weise für di« Ordnung ejge­treten sind, müssen alles daran setzen, eine bolschewistische Gegenrevolution mit ihren Schrecken unmöglich zu machen. Jeder aber, der das deutsche Volk liebt und nickt will, daß das furchtbare Schicksal, das der Ausgang des Kriege? über uns gebracht hat, noch ins Unermeßliche verschlimmert werde, muß sie darin unterstützen. Die Regierung muß tt ei Sich der ordnungsliebenden Bevölkerung auch die praktischen Möglich? keilen einer wirksamen Unterstützung gebe«.

Da M'uniWlj La Arra Wackkii'kn.

Zur Durchführung der Verhandlungen mit der ungarischen Negierung über den Abzug der Armee Macken­sen ist Oberst v Massow nach Budapest entsandt worden. Er wird die Einzelheiten des Durchmarsches vereinbaren und besonders darauf hinwirken, daß für die abziehenden Truppen Züge und Lebensmittel bereitgestellt werden. Tie deutsche Regierung ist dagegen gern bereit. Ungarn nach besten Kräften durch Lieferung von Kohle zu unterstützen, wenn auch durch die stürmischen Ereignisse der letzten Zeit die Kohlenförderung arg zurückgegangen ist und es infolge der Zurückhaltung deutscher Waggons in Oesterreich an Transportmitteln fehlt. Eine Bestätigung der Nachricht, daß Feldmarschall v. Mackensen die Waffen gestreckt hätte, ist bei hiesigen Amtsstellen bisher nickt eingetrofsen. An sich läge dazu auch kein Grund vor. Wenn die ungarische Regierung auf den Belgrader Waffenstillstand und darauf verweist, daß ihr die Neutralität nickst gestatte, den Durchzug bewaffneter Truppen zuzutasten, so ist dieser Gedankengang hinfällig. Denn Deutschland hat inzwischen den Waffenstillstand vom 11. November geschlossen, der sich nicht n«r auf die Westfront sondern auf alle Fronten erstreckt; er erwähnt ausdrücklich die Ostfront, trifft Bestimmung über die deutschen Truppen in Ostafrika und über den Bukarester Frieden. Infolge dieses allgemeinen Waffenstillstandes bestehen völkerrecht- licf>e Bedenken gegen den ungehinderten Durchzug der deich schon Truppen aus Rumänien durch Ungarn mit Waffen nicht mxhr.

Der deutsche Generlkonsul in Prag bat sich auch bereits mit der tschechischen Regierung ins Einvernehmen über den Weitertransport der Armee Mackensen durch tichecko-' slowakisches Gebiet gesetzt. Der tschechische Ministerpräsident Dr. Kramasch hat sich grundsätzlich damit einverstanden erklärt, daß diese Truppentransport« über Od"rherg und Tetscken geleitet werden und daß ihnen kein Hindernis m den Weg gelegt werde. Der deutsche Generalkonsul bat hin­gegen die Erklärung abgegeben, daß diese Truppentransporte so rasch wie möglich durchgeführt werden und daß für etnxüge Schäden von Deutschland Ersatz geleistet werden wird.

Zugeständustle.

Berlin, 17. Nov. (Nordd. Allg. Ztg.) Ueber die Wafscn- stillstandsverhandlungen mit Foch wird derNordd. Allg. Ztg." noch gemeldet; Die erreichten Zugeständnisse sind sehr zahlreich Einen wichtigen Erfolg erzielte die Waffen- ftillstandsabordnung in der elsaß-Iothringisck)en Frage, sie 'etzte nämlich durch, daß die Reichsiandc nicht als ein von Deutschland besetztes Gebiet bezeichnet wurden. Die An­wendung der Willonschen Grundsätze auf diese Frage bei den Fridensveihandlungen wurde dadurch voll gewahrt. Ferner ist erreicht worden, daß die Verwaltung und Rechtsprechung in dem linksrheinischen Gebiete unverändert deutsch bleiben, ferner daß die Industrieanlagen nicht entwertet oder lahm gelegt werden' das gilt besonders auch für die Werke in Elsaß-Lothringen. Weiter wurde das Zugeständnis gemacht, daß die Nichteinhaltung der Räumungsfristen kein Grund zur Kündigung des Waffenstillstandes sein soll. Ganz neA ist die Mitteilung, daß die deutschen Truppen in Ostasrik« nickü bedingungslos kapitulieren müssen, vielmehr wurde für sie ehi-envoller Abzug erzielt, und sie werden bis zur An­kunft deutscher Schiffe in Sansibar vont Verbände verpflegt. Endlich bleibt es auch DetttWand verbellten seine Kriegs» '«häden an-umelden.