Ausgabe 
18.11.1918
 
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Volkes einzntreten. Geheimrat Gilles. Vorsitzender des Kölner Katholikenkomitees. Lustodis, Rechtsanwalt. Dr. Höber. HLupIrcvatieur."

Aufruf!

Kauern!

Da? deutsche Bott hat sich entschlossen, seine Geschicke sewst in die Hand zu nehmen.

Zu dem Volke gehört auch Ihr!

Ihr hebt die Pflicht, alles zu tun. um die Dolkservahnmg weiter sicher zu stelle».

Wer Pflichten hat. dem gehören auch Rechte.

Zur Wahrung Eurer Rechte gründet in alle« Gemeinden BaucrurZte!

Für den Prvv:»z«Ba«ernrat: Fenchel« Ober-Hörgern.

rmrng mit der ReichsleitunH fti allen Stabten des deutschen

Reiches gebildet werden sollen, bestand volles Einverständnis. In den Dürgerrat wurden Vertreter aller Berufsgruppen ge­wählt.

Lanernrat.

In Gießen Hai sich ein Bauernrat fllr die Provinz Ober­hessen gebildet. Als vorläufiger Vorsitzender wurde Landtogs­abgeordneter Wilhelm Fenchel in Oberhörgern gewählt. Das Bureau befindet sich in Gießen. Friedrichstrafe 6 (Tel-eson 166). Wie im Kreise Gießen bereits vereinzelt geschoben, wird auch den Bauern der anderen oberhesnschen Kreise empfohlen, nm- , ohend Bauernräte in den e-nzlnen Gemeinden zu bilden. Ne ans ihrer Mitte einen Kreisbanernrnt wählen. Die Kreis- l ^uernräte machen je zwei Vertreter für den Bauernrat der ^ rovinz Oberhellen namhaft, um den endgültigen Provinz- l.nernrat zu bilden. Den Bauernräten der Gemeinden sollen nicht nur Landwirte, sondern auch Nich'londwirte (ländliche Ar­beiter. Handwerker. Eawcrbetceibe- de usw.s angehörcn. Sie sollen sich im allgemeinen je nach Große der Gein^rnden. aus 3-7 Mitgliedern mit einem Vorsitzenden zusammenfetzen. Der Vor­sitzende leitet die Versammlungen und verhandelt mit Kreis- rind Provinzbauernrat. Der Provinzbauernrat hat folgendes Programm aufgestellt!

1. Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung.

2. Nachdrückliche Bekämpfung des Schleichhandels und der Hamsterei.

3. Sicherung der Landwirtschaft gegen unberufene Ueber- griffe.

4 . Arbeitsvermittlung!

a) menschliche Arbeitskräfte,

b) tierisch«.

5. Kontrolle über die abgeliefcrten Nahrungsmittel bei den zuständigen Verbanden durch Kommissionen aus Bauern. Bürgern nud Arbeitern bestehend

6. Engste Fühlungnahme mit den Arbeiter», Soldaten- und Dürgerräten.

Es wird erwartet, daß kn Anbetracht der Dringlichkeit sämtlicher Maßnahmen unserer Aufforderung sofort entsprochen wird.

Ein Mryrrrat in Gießen.

In einer Vertreterverfammlung des werktätigen Bürger­tums von Gießen wurde gestern unter Vorsitz von Kommer­zienrat Klinafpor, d?s Vorsitzenden des Verbandes Mitteldeut­scher Industrieller, ein Bürgerrat für Stadt und Kreis Eie- fen gebildet, der die Aufgabe hat. im engsten Anschluß an den bereits bestehenden Dauernrat mit dem Arbeiter- und Coldaten- rat in Verbindung zu treten, um die Rechte des deutschen Bür­gertums zu wahren und desien volle Gleichberechtigung bei allen staatlichen Maßnahmen dnrchzufetzcn. lieber die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit derartiger Vüraerräte, die in Uebereinstim.

Ans der Heimat.

* Vornahme von Hausschlachtnngen. Das hiesige Krcr^ amt erläßt folgende Bekanntmachung: Da nach unfein In- formationert Gerückte im Umlauf sind, daß ein Haus* schlachtungsverbot erlassen werden sollte, sehen wir uns ver­anlaßt, -diesen Gerüchten aus das entschiedenste entgegen» zutreten7 An den Gerüchten ist kein wahres Wort. Eine derartige Maßregel ist nicht bekannt. Es besteht kein Grund zur Beunruhigung für die Selbstversorger. Die dreimonafi liebe Mästungsfrist ist natürlich einzuhalten. Die Schlacht» anträge können aber schon vor Ablauf der dreimonatlichen Frist eingerercht werden. Im übrigen sind die Bedingungen für die Hausschlachtungen dieselben, wie im vorigen Jahr«. Auch ifr von den Hanssck'achtllngsschmeinen dieselbe Menge Speck nne im Vorjahre abzulieietn. Die Abnahme des Specks erfolgt durch den Verwieger sofort nach der Schlachtung. Kriegsgefangene können in die Selbstvei-forgung nicht aus­genommen werden. Wir warnen ernstlich und dringend davor, ohne die vorgesck'üebene Genehmigung Hausschlach- tungen yorzunehinen oder etwa Notfcklachl ungen vorzu­täuschen. da wir in diesen Fällen mit größter Strenge Vor­gehen werden und außerdem die verbotwidrig geschlachteten Tiere ohne Entschädigung von uns enteignet und einqezo^n werden. Diese Warnung ist in allen Gemeinden wiederholt ortsüblich bekannt zu machen. Die Hansmetzger. die ohne Genehmigung derartige Schlachtungen vornehmen, werden von der Ausübung des HausmetzgergowN'bes,scsort ausge­schlossen und außerdem streng bestraft. Das gleicl« gilt von den amtlichen Verwiegern. Wir bitten die Bevölkerung dringend, in der jetzigen Zeit die nötige Ruhe und Besonnen­heit zu wahren und nickt durch Verbreitung derartiger un­wahrer Gerückte die ordnungsmäßige Versorgung des Volkes zu stören Der Hinweis ans die Unsicherheit d'^r jetzigen Verhältnisse ist keine Entschuldigung für die Uefcer» trehmg der bestehenden ro!kswirtscha>'tllchen Verordnungen.

Jagdausübung. In. dem Verhandlungsbericht des Hes­sischen Arbeiter- und Soldatenrats vom 12. d. Mts. befindet sich die Mitteilung, daß der Ausübung der Jagd nichts im Wege stehe. Dies ist selbstverständlich nicht so aufzufassen, daß die Jagd nunmehr von jedermann frei ausgeübt werden könne: es sollt? vielmehr bumit nur gesagt sein, daß die Jagdbel-echtigien die Jagd wie feitt^r im Nahmen der gesetz­lich'» Vorschriften ansüben dürfen und den Inhabern ord­nungsmäßig von den Krnisamtern ausgestellter Jagdwaffen- päffe das Tragen von Jagdgewehren zum Zwecke dew»Jagd» aus Übung gestattet sei. Unbefugte Jagdausübung wird un- nachllcktlick bestraft.

Tie Annahme von Feldpostsendungen mit Wareninhalt (Päckck>en) nach der Ostfront wird sofort eingestellt. Nach der Westfront sind nur zugelassen amtliche, gervöbnlichc und eingeschriebene Feldpostbriefe. Alles Nebrige dabin bleibt gesperrt. Der Privatpaketverkehr nach Finnland ist ausge­hoben. Die Annahme von Privatpaketen an Heeresange­hörige im Feld auch narb dem Osten wird sofort einge­stellt. Die Sperre gilt auch f iir Gefanaonenfendimgen über die Militärpaketämter Der Privatpaketverkehr vom Heere nach der Heimat bleibt bestehen.

FC. Aus Hessen. 14. Nov. Die Urteile vor den Straf­kammern werden in Helfen nunmehr mit den Worten ver­kündet: Es ergeht dahin Urteil, an den Schöffengerichten: Es ergeht zu Recht

Kerzerrskämpfe.

Roman von Helene Stütko. geb von Gersdorff.

ICopjnght 1915 by C. Ackermann-Stuttgaez.j 40) Nachdruck verboten.

Hilde hatte sich aus ihrer anfänglichen Verblüffung so weil erholt, um klar denken zu tonnen. Warum war sie fo sehr erschrocken? Nur weil ihr Vater ihr den Heiratsantrag in so bündiger Form mitgeteklt hatte und sie gewohnt war. alle seine Anordnungen blind zu vollführen. Aber hier handelte es sich doch um anderes, als sonst. Um ihre Freiheit. um ihr ganzes Leben! Das konnte doch selbst er nicht nach seiner Laune ver­schenken wollen! Sie lebten doch nicht mehr im Mittelalter, wo solche Dinge vorgekommen sein mochten' Wie viele Heirats­anträge hatte sie schon bekommen und abgewiesen. und wenig­stens darin hatte er chr immer freie Hand gelosten.

Lieber Beter", «ntgegnete sie daher sanft, aber fest,etz tut mir leid, daß der Marquis sich de- fran.zufischea Sitte ent­sprechend zuerst an dich gewandt hat. sonst hätte er sofort von mir selbst gehört, daß ich niemals seine Gattin werden kann."

Der Geheimrat fuhr auf.Du kannst nicht seine Gattin werden? Weshalb nicht, he?"

Weil ich ihn nicht liebe und niemals ohne Liebe heiraten werde", erwiderte sie, so ruhig sie konnte.

Larifari, lieben, dummes Zeug!" brummte er. das ist ganz überflüssig und findet sich alles von selbst nach der Hochzeit. Die Frau liebt immer de^Mann. dem sie gehört und der ihr den Herrn zu zeigen weiß. ^!nd warum sollst du den Marquis nicht lieben? Er ist ein schöner, kluger Mann aus vornehmer Fa­milie. hat auch Vermögen, so daß du nicht zu fürchten brauchst, er wolle dich nur deines Geldes wegen. Da,zu jeiue Violine r Da könnt ihr nach Herzenslust zusammen geigen und fiddeln. roas euch ja schon immer soviel Vergnügen gemacht hat. Lange­weile wird's dadurch bei euch nicht geben."

% »Ja. Papa, musiziert habe ich stets sehr gern mit dem Mar- Kais", erwiderte Hilde, die sich inzwischen vollkommen gefaßt hatte, sehr ruhigdos ist wahr. Aber heiraten ran» ich ihn ItswoQcn doch ni ht/

Willst du damit im Ernst sagen, daß du dich weigerst?"

Allcrdi^s will ich bas."

Haft du nicht gehört, daß ich ihm bereits meine Zusage gegeben, ihn auf morgen zur Verlobungsseler hierher bestellt habe??

Doch, Papa, das habe ich wohl gehört und muß dich bit­ten, ihm meine Weigerung nlilzuteilen oder, falls dir das un. angenehm fein sollte, werde ich ihn selbst benachrichtigen."

Und damit hältst du die Sache für erledigt?" schrie er wütend.Kennst du mich so schlecht, daß du meinst, ich werde jemals mein Wart oder einen Befehl Zurücknehmen? Du weißt seil du auf der Welt bist, daß davon keine Rede sein kann. Du herralest den Marquis mit oder ohne Liebe, das ist ganz einer- teil Verstanden?*'

Niemals!" klang es fest aus ihrem blasien Munde.

Niemals? Das werden wir schon sehen, du freches, unge­horsames Kindl" donnerte er in furchtbarem Zorn über ihren Widerstand.Ich weiß wohl, woher dein Trotz kommt. Von dem windigen Leutnant, er hot dich gegen mick, aufgestachelt, sonst würdest du niemals wagen, gegen meinen Willen zu han­deln, der Mttgifijüger. der . . "

Vater'" rief Hilde drohend.Vater, hör' auf!"

Genug der Komödie!" schrie er. durch seinen brutalen Zornesausbruch einigermaßen erleichtert.Du wirst nun be­griffen haben, daß es einen Widerstand gegen meinen Willen nicht gibt, was du übrigens schon vorher hättest wisien können. Scher' dich auf dein Zimmer und denk' über die Sache nach! Beim Mittagessen wirst du mir deine Einwilligung mitleilen und übermorgen bist du glückliche Braut! Punktum!"

Hilde erhob sich mühsam und schleppte sich mit wankenden Knien zur Türe, durch welche sie, ohne ihren Vater noch einmal anzusehen, verschwand.

Der Geheimrat blieb ohne das gewohnte Siegesgefühl zu­rück. Was mar das? Sie wagte, ihm zu widersprechen, sich ernstlich auszulehnen? Unerhört? Er schüttelte den Kopf, als ob er vor einem Rätsel stände. Aber er würde sie schon mürbe

mache». Ihm blieb noch der heutige und der halbe morgige

AuS Slarkcnburg.

Wixhausen, 15. Nov. Freche Viehdiebe wurden am MltL, woch früh aus der hiesigen Station festgenommen weiche in der Nacht dort S Gänse. 13 Hühner und 4 Enten im Werte von etwa 800 Mark gestohlen, abgeschlachtel hatten und in einem mach, ligen Schließkorb nach Frankfurt bringen wollten, von wo st« am Abend vorher den Korb gebracht hatten. Der eine ist ei» Deserteur Ph. Mees aus Unterfranken, der andere ging durch

FC. Vom Odenwald, 14. Nov. Der Sohn eine» Wirte- in Güttersbach spielte mit dem Gewehre seines älteren Bruders in Gegenwart eines jüngeren 7jährigen Bruders und dessen 6jährigen VetttrS. Nach kurzer Zeit entlud sich das Gewehr und der Vetter stürzte tot nieder, während das Gescl) weiter den Arm des jüngeren Bruders schwer ver- letzte.

Aus Hessen-Nasiaa.

FC. Wiesbaden. 13. Nov. In dem Hause des russische« Erzpriesters von Protopopoff, der sich seit Kriegsbeginn in der Schweiz aarfbält, wurde in der vergangenen Nacht ein Einbruch verübt. Aus einem Stall wurde nachts ein Läuferjchwei» gestohlen, das an Ort und Stelle abgeschlachtet wurde.

FC. Aus dem Regierungsbezirk Wiesbaden, 14. Nov. Di« Landwirtschaftskammer ersucht die Landwirte dringend, alles, was in ihren Kräften steht, zu tun. um die Abgabe der ihne» auferlegten Kartofsellieferungen vor Eintritt des Frostes unbe­dingt sicher zu stellen. Von der geregelten Lebensmittelver­sorgung der Erofstädte unid Industriezentren wird für die näch­sten Wochen großes abhängen. Die Landwirtschaftskammer ver­traut darauf, daß sich die nasiauischen Landwirte und Fraue« desien bewußt sind und danach handeln werden.

FC. Idstin 14. Nov. Eine Versammlung hiesiger Land­wirte wählte einen Bauernrat. Dieser Rai forderte die Arbei­ter «ni> Soldaten auf, ihrem Beispiel zu folgen, damit diese drei Organisationen eine Stutze der öffentlichen Behörden seien. *

Feldpostversand

Durch die Rückbeförderung der Trup­pen in die Heimat ist die Bestellung der Feldzeitungen nicht mehr möglich. Wir haben deshalb von heute ab den Feld­postversand eingestellt.

Alle diejenigen Besteller bezw. Be­zieher, die im voraus bezahlt haben, bitten wir, den zuviel bezahlten Betrag bei uns in Empfang zu nehmen oder uns mitzuieilen, wohin wir diese«» senden sollen.

Neue Tageszeitung

Druckerei und Verlag A.-G.

Verantwort!«ck kür den politiickxn und lokalen Xeii: Ctto Hjrfchel. Friedberg: fiir den Anzeigenteil: N Kenner. F-iedberg. Truck und Verlag derNeuen Tageszeitung", A G. Friedtero f *

Tag. Daß die Verlobung morgen stattfinden müsie, stand bei ihm fest. Er mußte dem Marquis gestehen, daß es in seinem Haufe noch einen andern Willen gäbe, als den seinigen? Un­denkbar! Uebrigens fiel ihm plötzlich noch etwas ein. Er klingelte. Ein Diener eilte herein.

Ich laste Fraulein Lehmann bitten!"

Rach wenigen Minuten fiat Fräulein Franziska ein. 9Ta- türlich hatte sie soviel wie möglich gehorcht, des Eehcimrottz zornige Stimme gehört und sich den Zusammenhang kombiniert.

Komme» Eie näher. Ziska'" herrschte er sie an.Stellen Sie sich vor. das unverschämte Mädel, die Hilde, weigert sich, den Marquis zu heiraten, trotzdem ich ... . rch", setzte er mit Emphase hinzu,es ihr befohlen habe!"

Fräulein Lehmann schlug die Hände über dem Kopf zu. sammen.

Ja. ist denn so etwas überhaupt möglich?" rief sie.De, Herr Geheimrat haben besohlen und sie weigert sich?! Wag fallt ihr nur ein!"

Der Debeimrat fühlte sich durch diesen Glauben an seine unbedingte Macht sehr geschmeichelt, besonders nach der Wunde, die seine Tochter durch ihre Widerjätzlichkeit seiner Eitelkeit eben geschlagen hatte.

Ja, das möchte ich aaich wisien!" brummte er.Ein glän­zender Beweis für ihre Erziehungsmethode ist indesien Hilde« Benehmen keineswegs. Lehmann". Das hätten Sie ihr bester einprägen müsien, daß Gehorsam gegen den Vater allen« anderB vorgeht."

Das habe ich mich immer bemüht, zu tun", versicherte Fran­ziska.Sie war doch euch bis jetzt das reine Lamm! Was ip denn nur in sie gefahren?"

Was wird in sie gefahren sein? Verliebt ist sie. verliebt bis über die Ohren in einen armseligen Leutnant. Daher ihr Widerstand. Daß sie nack>geben muß. ist klar. Und zwar bis übermorgen, wo der Marquis eintrifft."

Und was soll ich dabet tun?" fragte Franziska.

(Fortsetzung auf der vierte» Seite).