Ausgabe 
16.11.1918
 
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10 Pfennigs die Mummet

*

Dimmer 270

Cjlijchreis

Samstag» den 16 . November 101 ^

11. Jahrgang.

m*r\t Neoetmakiae BeilagenLi er Kauer aus Hellen". ..die Hptnnkuve". Seiugapr.ia : Bei den Postanstalten vlerieliährlut, Mt. Vie -uc Naaeareilmrs* erichemt i«oen ro * m -inickilieklick, Traaerlohn. Amcinett: tötuntneile 2b '45rg^ lofale 20 iSic^, Anzeigen von auswärts werden durch Pa.rnachno hinzu tritt noch das Bestellgeld: -e^den^ent-n manaiN» 1.00^ ffte1eilK ^gg.,er trage 12. WotetHt 4S. Po t. nebEsnts Ilr. W. Um. Fean.furl a. M.

erhoben. EnüUuno«

Aufruf:

An die ländliche Kevölkerntty:

In Berlin ist !°it »estern eine nene Regier»»« an, Rnder. -kn »Ncn Sind!-» D-otlchl-nLs find Arbeiter- «nd -oldat-nrat- an der Gemalt und unterstützen die neue Regierung, um unser Vaterland einer besseren nnd freieren Zukunft entgegenzu-

führen. M

Der soziale Grundsatz der neuen Ordnung ,st: Jever Ar­

beiter ist seines Lohnes wert. Die erwerbstätige Bevölkerung de^. flachen Landes hat darum von der neuen Ordnung der Dinge nichts z» befürchten. Sich-rh it des Lebens und Eigen­tums wird durch die Arbeiter- und Soldatenräte gewährleistet.

Die ländliche Bevölkerung hat aber alles zu befürchten, wenn d'e Lebensmittelversorgung der großen Städte «ns Stechen gerät. Dann verliert die neue Ordnung die Gewalt über die hungernden Massen. Die Anarchie bricht ans. Magazine und Läden, die geplündert werden könnten, sind lerr. Dann wird sich ereignen, was keiner von urrs^wünschen kann. Von Hunger ge­triebene. verzweifelte und zu allem entschlossene Hansen werden sich mit Gewehren nnd Maschinengewehren bewaffnet ans das flache Land ergießen. um sich hier mit Gewalt anzue'gnen. was sie 6»^«% um nicht Hungers zu sterben. Dann sind schlitttmfte Mrssetat-'n unvermeidlich. Mord und Brand an der Tagesord­nung. Unbeschreibliches Elend br'cht über Euch herein.

Bauern! W llt Ihr Euch und Eure Kranen und K'nder wollt Ihr Eure Dörfer nnd Gütrr vor furchtbarem Schicksal be­wahren. so unterstützt berc'tiviNiq alle Anordnungen nnd Be­stimmungen der Arbeiter- und Soldaten äte, und sorgt im En vernehmen mit Euren b'sberio-n Behörden den Landratsämt'rn dafür. d".ß die Leöensmsttc'szusubr für die Städte n'cht nur ebenso unbehindert vonstatten geht wie bisher, sondern noch reichlicher flieht.

Bauern! Mas Ihr in diesem Sinne tut, tut Ihr für Euch!

Frankfurt o. M.. 16 November 1918.

Der Arbeiter, und Soldalenrat.

Für den Exekutio-Ansschuh: Groger. Hüttmann.

Zu dem obenstechenden Aufruf machen wir daraus aufmerk­sam, daß in der Haurtsacbe die Milcbliefen'ng uvoeb-'ver zursick- gegangen ist. Die festgesetzten Mengen müssen geNe'ert werden da wir sonst gezwungen sind, den Viehbestand in Eigenkontrollo zu nehmen.

Bauern tut Sure Pflicht, damit nicht der Hunger Zu Aus fchreitungen treibt.

Der Arbeiter- nnd Syldef nrat.

Gg. Nepp. Heidenreich.

Kindcnbnra nn alle!

Kassel, 14. Nov. EeneralfeldmarschaN v Hind e nb u r o har folgenden Funtspruch ergehen lassen: Funkspn-ch an alle

besonders an die Heeresgruppe Mackensen.

Ich stehe nach wie vor an der S p itz e der Obersten Heeres­leitung. um die Truppen, in Ordnung gefestigt, in die Heimat xurückruführen. Ich erwarte, daß alle Kameraden Behörden Offiziere. Unteroffiziere und Mannschaften euch weiterhin ihre Pflicht tun. Dies ist allen Truppen bekannt zu geben.

v. Hindenburg.

Pie rtclehung der Ueichsamter.

Berlin. 1b. Nav. (WB^ Amtlich.) Nach dem Beschluß des Natcs^er Volksbeapftragten sind die Reichsämter wie folgt be setzt worden' Auswärtiges Amt Dr Soli. Reichsschatzamt Schis, fer. Reichswirtschaftsamt Dr. August Müller. Reichsamt für wirtschaftliche Dewobilisation Dr. Köth. .Kriea.c-.ernährungsamt Emanuel Wurm, Reichsarbeitsamt Bauer Kriegsministerium Scheuch. Neichsmarineamt v. Mann Reichsjustizamt Dr Krause und Reichspostamt Niidlin. Ferner gehören den Reichsämtern als Unterstaatssekretäre an' Auswärtiges Amt Dr. David Kriegsernährungsamt Robert Schmidt Rei.hsarbeitsamt Gies- berts. Als Beigeordnete werden den Staatssekretären zur Seite gegeben' Auswärtiges Amt Karl Kautsky, R?icbLschatzamt Ed. Bernstein. Reicbswirtschastsamt Dr. Erdmann.Köln, Reichsamt für wirtschaftliche Dewobilisation Büchner und Schumann Reicksarboitsamt Jäckel. Kriegsmi.'.ifterinm Göhre und Däumig Neichsmarineamt Dr. Oskar Cohn Staatssekretär Erzberger wird gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt die Friedensver Handlungen einlelten. Wegen der Besetzung des Rrichsamls des Innern schweben noch Verhandlungen.

Berlin, 15 Nov. (WB. Amtlich.) Die Pressemitteilung über die Resscrtverteilung in der Reichsleitung hat zu Irr. tümern Anlaß gegeben. Die Einteilung in bestimmte Resiorts bedeutet nur eine Verteilung des Arbeitsstosfes innerhalb der Reichtzregierung. im besonderen zur Erledigung der Eingänge. Sie bedeutet aber keinesfalls einen Ersatz oder die Aushebung

der bisherigen Etaatssekretariate. Die bisherigen Ctaatssekre- lariate behalten vielmehr nach dem Willen der Reichsleitung ausdrücklich und uneingeschränkt ihre Arbeitsgebiete und erle­digen die ihnen gegebenen Aufgaben nach der generellen An­weisung der Reichsregcerung.

Die Beamten bleiben «ruf ihrem Posten. Die Gehälter werde- fortgezablt. Das Privateigentum wird geschützt. Plünderung - werden standrechtlich abqeurteilt. Der Arbeiter- und Soldaten rat tagt von heute ab im Rathause in Permanens, t 'ter Bekanntmachungen folgen.

fanjlrr tldttt über die ^nfralifn brr fjfiniflf.

Berlin, 15. Nov. Im Reichstag fand gestern abend eine Sondersitzung der Scldatenräte der Berliner Garnison sta t. Der Reichskanzler Ebert hatte ansragen lasten, ob die Versammlung ihm den Zutritt erlauben wolle. Es ist gewiß das erste Mal daß ein deutscher Reichskanzler di? Erlaubnis zum Eintritt in den Sitzungssaal des Deutschen Reichstages vorher telephonisch nachsuchen mußte. Eberl wurde mit drei Hurras empfangen. Ebert führte folgendes ans'

Kameraden, ich möchte zunächst bemerken, daß ich gegen die Bildung der rclen Garde bin. ?ie Front hat bis -um letz'en Tage tapfer gehalten, aber die Etappe ist im Begriff, sich auf. zulösen. Der Wunsch, nach Hause zu'rückzukehren, die Nötigung.' die Gebiete schnell zu räumen und der Mangel an Transport­mittel haben an einigen Stellen eine wahre Panik hervorge- rufen. Dieses Chaos wird vermehrt durch die Unmöglichkeit, die zurückftutenden Masten gründlich zu ernähren. Wir mästen das Industriegebiet intakt halten, wir mästen die Ernährung organisieren:: dazu brauchen wir Ruhe im Innern. Schleunigst müssen, und zwar am besten durch Sie. Organisationen auf den Bahnhöfen geschossen werden, die die Heimkehrenden verp'legen und ihnen Arbeit zuw-eisen. Ich schlage vor. diese ungeheure Hilfe schleimigst zu beginnen Heute ist die zurückflutende Welle schon in Westfalen, in wenigen Tagen wird sie in Berlin sein. Die Zentra.lorgane in Berlin mästen geschätzt werden, wenn die Organe im Lande funktionieren sollen. Gelingt uns dies, dann haben wir Aussicht auf einen verhältnismäßig besteren Frieden. Siebt aber der Gegner, daß bei uns Anarchie herrscht. dann wird er uns einen Frieden diktieren, der die deutsche Wirtschaft ver­nichtet Die Zukunft unseres Volkes gilt es auf das schleunigste sicher ?u stellen, und hierzu bitte ich Sie. uns Ihre starken Arme zu leihen

Hierzu berichtet das Wolffbüro noch ergänzend: An der

Sitzung nahm auch der ehemalige Reichstagsaboeordnete Wels als Kommandant von Berlin teil. Die Versammlung nahm zur Kenntnis, daß der Vollzugsrot des Arbeiter- und Eoldatenrates von der Bildung einer roten Garde Abstand genommen bat. Es wurde sodann die Organisation des Sicherheitsdienstes be­sprochen wobei eine einmütige Ablehnung des Bolschewismus zutage trat Im Fmeresie der Ausrecbterhiltnna der Ordnung wurde beschlosten, daß die Offiziere und technischen Beamten nach Möglichkeit in ihren bioheriren Stellungen rerbleiben sol­len Die Aussprache über d'e Verpsleguna^verbältniste er^ab die Notwendigkeit. mit den vorhandenen Vorräten möglichst sparsam zu r-ersghren zumal die bestehenden Vetbal<nisse durch das Zurückiluten unserer Truppen naturgemäß in Unordnung gebracht werden. Trotzdem aber muß man versuchen, dieser Schwierigkeiten Herr ui werden' schleunige V-rsoraung ist daher unbedingt geboten. Dia Dewobilisation robb nach den Grund sätzen. die das Krieg^msnisterium ausgearbeitet bat. dnrcbge- führt werden. Von allen Rednern wurde den Delegierten der Soldaten im Vollzugsrat völliges Vertrauen ausgesprochen.

I'ns Ziel dev Ilnabtzängigt«.

derlin. 15. Nov (WB.) Die erste heute erschienene Rum mer der ..Freiheit", des täglichen Blattes der Unabhängigen in Berlin, bringt einen Leitaufsatz, in dem gesagt wird: Wir haben die Freibeit verhältnismäßig leicht errungen. Sehr viel schwerer wird es sein das erworbene Gut zu befestigen und zu behaupten. Unsere Gegner haben sich feige verkrochen, aber sie sind deshalb nicht tot. Sie sammeln neue Kräfte. Eie warten auf den Augenblick, wo sie zum Schlage gegen uns ausholen kön­nen. Die erste und vornehmste Aufgabe der sozialdemokratischen Nepublik besteht darin, das Erbe des Proletariats sick)er zu stellen. Nichts wäre mehr verfehlt, als auf die so schnell erwor­benen Anhänger und Mitläufer Rücksicht zu nehmen. Die"

Stunde des Proletariats ist gekommen. Sie muß genutzt wer­den! Unser Ziel war nicht etwa nur die Beseitigung der Hohen- zovcrn und die Verjagung der Duodezfürsten. Unser Ziel war auch nicht die Veränderung einiger Paragraphen der Verfassung. Unser Ziel war und ist der Sozialismus

Ans brr A.- n. Z.M-u'M Hamburg.

Hamburg, lg. Rov. Der Hamburger Arbeiter ^id Solda- tenrat veröffentlicht folgende Bekanntmachung:

Der Arbeiter- und Soldatenrat hat die politische Gewalt im Hamburger Staatsgebiet übernommen. Senat und Bürger­schaft bestehen nicht mehr. Das Hamburgische Staatsgebiet bil- ! bet künftig einen Bestandteil der Deutschen Volksrepublik. Ueber die weitere Gestaltung der Verhällnisie entscheiden die später zu schaffenden gesetzlichen Körperschaften. Für Ruhe und Ord­nung wird Gewähr geleistet. Jeder gehe seinem »m*

Cin freies Hannover.

In Hannover regen sich, wie dies nicht anderes zu erwanen war "die Mitglieder der Deutfch-Hannoverscken Partei, die sich mit der Neuordnung der Dinge von 1866 nicht einverstanden erklärt haben, mit einem AufrufAn alle Hannoveraner!" Es heißt da u. a.:

Mit dem Kriegsbeginn hatte die Deuftch-Hannoversche Par­tei den parteipolitischen Kampf eingestellt, in der Erwägung, daß in des Vaterlandes Rot alle parterpoUrischen Bestrebungen zuräckzutreten haben. Mit voller Hingebung an ihre vaterlän- d'sche PUicht haben die hannoverschen Riederjachsen mit den üb. rigen Deutschen gewetteifert. und rühmende Anerkennung ist ihnen zuteil geworden. Die Einstellung des Parteikampfes be­deutete keinen Verzicht auf die Forderungen des Hannoverschen Volkes. Im Gegenteil, nachdem wir mit der Tat beweisen, daß kein and-rer dmitscher Sramm den niedersäcbsischen übertrifft in tieucc Erfüllung seiner Pflicht gegenüber dom deutschen Vater» lande, dürfen wir hoffen, daß dos deutsche Volk ein besteres Ver­ständnis gewonnen hat für die echt deutschen Bestrebungen der Hannoveraner, die überdies ganz in der Richtung liegen, in der die neue Entwicklung innerhalb und außerhalb Deutschlands sich vollzieht. Man erkennt das Recht aller Völker an. über ihre Schicksale selbst zu bestimmen. Sollten da deutsche Brüder dem hannoversche Volke sein uraltes. 1866 ihm gewaltsam en'risie- nes Recht auf staatliche Selbständigkeit versagen können, besten Preußen, Sachsen. Bayern sich erfreuen. Im neuen deut-chen Rc-che darf cs keine unterdrückten Deutsche mehr geben. Unter den gleichbecechtigten deutschen Bundesstaaten muß auch unser Hannoverland d'e ihm gebührende Stellung wieder einnehmen Diese Forderung ist selbstverständlich, denn iedem Hannoveraner sind ReLt, Ordnung und Freiheit Lebensbedingung. Hannovers Schicksal muß geleitet werden von einer Negierung, die ent­sprechend dem Willen des Volkes sich zusammensetzt. Darum vertrauen war. daß alle Hannoveraner ohne Unterschied der Prr- tel nnd ohne Rücksicht ans die Tagesereigncsie ihre Stimme ve:- einigen werden in der Forderung: Im freien Deutschland ein frcics Hannover?

Pie Nationalversammlung.

Die Nationalversammlung für Baden wird am Sonntag den 5. Januar 1919 gewählt Sie tritt innerbilb zehn Tager nach der Wahl in Karlsruhe zusammen. Die Wahl erfolgt nach dem gleichen, geheimen, direkten und allgemeinen Wahlrecht auf Grund des Verhältniswahlsystems durch alle mindestens zwanzig Jahre alten männlichen und weiblichen Personen, die am Tage der Wahl Badener sind.

Regierungsbezirksweste':

Berlin. 15. Rov. (WB.) DieFreiheit" meldet: Wie

wir^en, werden die Vorarbeiten für den Entwurf der Wahl, kreiseinteilung zur verfastungaebenden Nationalversammlung be­reits im Neichsamte des Innern begonnen. Man nimmt an daß in Preußen die bisherigen Regierungsbezirke die Wlbl. kreise für die nach dem Verhältniswahlsystem vorzunehmenden Wahlen bilden werden.

Hindenburg in Ha?)el.

Kassel, 11. Nov. (MB.) Generalfeldmarschall v. Hin. denvurg i]t heute vormittag im Großen Hauptauartier ein­getroffen und hat im Wilhelmshöher Schloßhotel Wohwung ge­nommen. Am Bahnhof fanden sich Vertreter des Arbeiter, und Eoldatenrates und für die Stadtverwaltung Oberbürgermeister Koch ein.

Heine Kedrohnng Hofens.

Posen, 15. Nov. (WB.) DasW. T. B." Posen teilt mit. nach Erkundigungen bei zuständiger Stelle, ist das Gerücht, pol- nische Offiziere hätten die Uebergabc der Stadt Posen gefordert und polnische Legionäre beabsichtigten, in Posen einznmarschie- ren, völlig unbegründet.

ClrSrnfefii in flirnl und yorarlbrrg.

Innsbruck, 14. Non. (WB.) Unter Bezugnahme auf die grundlegenden Beschlüsse der Wiener einstweiligen .Nationalversammlungen schreiben die ,.Inn»br. Nachr.": Ter Tiroler Nationalrat faßte bisher lediglich einen einzigen grundlegenden Beschluß, nämlich die Annahme der repu­blikanischen Staatsfonn. Darüber hinaus ging unser