Ausgabe 
15.11.1918
 
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Beilage zrrrNeuen Tages^eiLNng

Nummer "< 0 l

Samstag, den 16. Usvcmdcr HM 8

| 11. ?aljrntinr*

Bereitstellung ausreichender finanzieller Mittel und billiger Baustoffe die alsbaldige Wiederbesiedlung des platten Landes zu ermöglichen, wobei Kriegsbeschädigte und Kriegsteilnehmer ganz besonders zu bevorzugen sind.

Die Wiederbevolkerung des platten Landes, die Schaffung eigener Heimstätten für unsere he'mkehrenden Krieger ist keine Parteifrage. sondern soll und wird alle Deutschen zu gemein samer Arbeit vereinigen.

Da es in der gegenwärtigen Zeit aus naheliegenden Grün­den unmöglich ist, sofort in Berlin eine größere Zahl von Be­rufsgenosten zusammenzurusen. um mit ihnen gemeinsam an die Arbeit zu geben, so hält es der Groß Grundbesitz des Königsber. ger Kreises für seine Pflicht, öffentlich seine Stimme zu er­heben in der Gewißheit, hierdurch die Meinung vieler vater- ländUch denkender Landwirte zum Ausdruck zu bringen.

Wir fordern diese letzteren auf. sich der von uns kundge­gebenen Bereitwilligkeit öffentlich anzufckließen. Zullimmungs- erklärungen werden an die Adreste des mitunterzeichneten Land, rats v. Keudell in Königsberg Nm. erbeten.

ZildMß tiiics Linikriiritig in Gi^cn.

Zluf Veranlassung einiger Landwirte, war eine Versamm­lung der Landwirtschaft betreibenden Bevölkerung der Stadt Glesien einberufen, die sehr gutem Zuspruch hatte. Stad'ver ordneter W i n n , zum Vorsitzenden der Versammlung gewählt erklärte in längerer Ausführung, von welchem Gedanken aus die Versammlung einberufen sei. Er halte es für zweckmäßig, zunächst für den Landkreis Eiesien, dann an'cklichend für ganz Oberhesten Bauernräte zu bilden, wie d es mittlerweile auch von Berlin aus gewünscht worden sei. Mängel der bis. herigen Lieferung führte er zum Teil auf falsche Masinahmeu zurück, vor allem darauf, dasi die Versorgung der Bevölkerung nicht von vornherein in die Hand der zuständigen Landwlrt- sckoftskammern gelegt worden sei. Wäre dies geschehen, dann wäre Getreide auf Abruf geliefert worden und nicht in den Sammelstellen verdorben, der Fehler der Druschprämien sei nicht gemacht worden und der Schleichhandel habe nicht in dem Masie überhand genommen, daß er aus der Metterau zukn min­desten ebenso viel Kartoffeln ausgesührt habe, wie der Kom­munalverband. Der Bauernstand müsse aber nun unter allen Umständen mit der jetzigen Regierung Hand in Hand arbeiten. Dazu seien die Bauernräte berufen. Erstrebt miisie werden: 1. eine erhöhte Kartoftelablieferung. 2 eine erhöhte Milcher­zeugung. Zu diesem Zwecke müßten die Kühe geschont und als­bald von der Heeresverwaltung Pferde zum gleichen Preise ge­stellt werden, wie sie vordem abgegeben worden seien Ferner mutzten sofort die teilweise natz crufgestupelten Futtervorräte der Magazine zum gleichen Preise wieder zur Verteilung kommen. 3 eine erhöhte Schweinezucht, die durch dir reiche Buckeln- und Eickelernte ermöglicht werde. Hierbei müßten die Scklachtbe- schränkungen für den Erzeuge gemildert werden. 4. Eine er- böhte Schafzucht. 5. Vor allem aber müsse dem Schleichhandel ein Ende gemacht werden.

Die Aussprache, an der sich u. a. der Vorsitzende des ober- hessischen Viehhandelsverbandes, Prof. Rosenberg, beteiligte und bei der auch die Mtlchfrage angeschnitten wurde, nabm einen sehr anregenden Verlauf. Es wurde sodann die Wahl eines vorläufigen Daucrnrates für den Umkreis von Gietzen beschlos­sen. Man einigte sich auf einen Vauernrat von vier Versonen bestellend aus den Herren Prof Rofenberg, Wtnn, Gottmann und Prertz. _

Stadtv Winn schloß die Versammlung mit der freudige,. Fesrstellung. daß in jeder Beziehung vollkommene Einheit er, zielt sei und der Vauernrat sofort zum Wähle der ganzen Be­völkerung seine Tätigkeit ausnehmen könne.

Glesien hat somit den Anfang des höchst erstrebenswerten Znsammenscklustrs der Bauern gemacht Es steht zu hoffen, dos- sich alle Gemeinden der Landkreise anlchließen werden, so d^' sick die Organisation allmählich über ganz Obechesten ausbre.v.n kann.

Das Ergebnis der Sriettsenkeihe.

Berlin, 13. Nov Das Ergebnis der neunten Kriegsanleihe beträgt nach den bisher vorliegenden Meldungen ohne die zum Austausch gelangten älteren Kriegsanleihen 10 337 000 000 Mk. Teilanzeigen stehen noch aus. so daß sich der Gesamtbetrag noch etwas erhöhen dürfte.

Bisher waren 87.8 Milliarden Kriegsanleihe gezeichnet.

Die

1.

Kriegsanleihe

erbrachte

4.481

Milliarden

Mark

2.

9106

n

pf

3.

i»

12.102

4.

10.708

5.

pf

10099

6

d

13122

H

7

ff

12 026

ff

8

Pt

ft

15,001

n

n

Wenn

das Ergebnis

der neunten Kriegsanleihe

trotz der

Verlängerung der Zeichnungsmöglichkeit um 14 Tage nicht je* netz der letzten Anleihe erreicht, so lag das an den unsicheren und ungeklärten politischen und militärischen Verhältnissen de« letzten Wochen.

ln Friedberg zu haben bei: Fr. Futen'leBitrae:, Elektrotechnisches Büro;Äl SSBb. A«f. aSris, Schlosserei und Installafonsgeschäft; Karl Ij ft«? Ke, installationseeschäft.

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Ihn* innere r Kolonisation.

Der von uns im Auszug mitgeteilte, von 30 Großgrundbe­sitzern der Reumark Unterzeichnete Aufruf zur freiwilligen Ab­gabe von Land zwecks Sicherung der inneren Kolonisation hat folgenden Wortlaut:

Deutsches Volk!

Dein Land, deine Freiheit, deine wirtschaftliche Zukunft alles was deine Väter in harter Arbeit erworben, ist in Gefahr! Schwere Lasten müssen getragen viel Zerstörtes wieder aufge­baut werden Da gilt es einig zu fein und alles Trennende zurückzustellen Der gemeinsame Dienst zum Wahle des Vater­landes musi in dieser schweren Stunde alle Teile unseres Volkes alle Bürger. Bauern und Arbeiter in gewissenhafter sozialer Pflichterfüllung einen.

Der Großgrundbesitz des Kreises Königsberg (Neumark) Hai schon zu Beginn des Krieges eine Organisation geschaffen, welche ;m Bewußtsein der sozialen Pflichten des Grundbefitzerstandes den Versuch gemacht hat. der unter der herrschenden Teuerung scharr leidenden städtischen Bevölkerung nach Möglichkeit aus reichende Lebensmittel zu mäßigen Preisen zu verschaffen.

Es muß aber offen ausgesprochen werden, daß die Ver sorgung der städtischen Bevölkerung Deutschlands mit ausreichen den Nahrungsmitteln auch nack dem Kriege den allergrößten Schwierigkeiten begegnen, ja, daß sie vielleicht gänzlich unmög­lich nnd damit die Gefahr einer Hungerkatastrophe heraufbe- fchworen wird, wenn nicht Stadt und Land einig eine angemes­sene Regelung der landwirtsckaftl:ck>en Produktion herbetführen welche die unbedingt notwendige Vermehrung der landwirtschaft­lichen Erzeugung nach dem Kriege sichert

Hicrzu bedarf es der sorgsamen Erhaltung eines Teiles des landwirtschaftlichen Großgrundbesitzes, der als Kornprodu.zent und als Führer auf dem Gebiete des wissenschaftlichen Fort­schritts für die Allgemeinheit unentbehrlich ist. Es bedarf aber auch vor allem einer wesentlichen Vermehrung des kleineren landwirtschaftlichen Betriebes. Zu diesem Zwecke ist die Auf letlung eines Teiles des landwirtschaftlich benutzten Großgrund­besitzes notwendig. Auf diesen Teilen des bisherigen Groß­grundbesitzes müsien arbettsfcohe Menschen angesiedelt werden.

Bald strömen die Krieger in die Heimat zurück. Die Städte und die Industrie können nicht soviel aufnehmen, wie sie vor dem Krieg beherbergten und beschäftigten. Es fehlt an Woh­nungen und an ausreichender Arbettsgelegenhett. Wohl aber kann die deutsche Landwirtschaft den Heimkehrenden nicht nur Arbeit und Unterkunft geben, sie kann und muß auch allen Tüchtigen die gesicherte Aussicht auf ein glückliches eigenes Heim und den Aufstieg zu wirtschaftlicher Selbständigkeit eröffnen.

Die Unterzeichneten sind bereit, alles zu tun, um dies Ziel zu erreichen. Der heimkehrende Krieger soll es nach Möglichkeit in der Hand haben, sich bereits bet der Demobilisation dem flachen Lande zuzuwenden, um sich dort durch Beschästlgung in der Landwirtschaft auf seine künftige eigene Scholle vorzube­reiten.

Darum fordern wir die sofortige Inangriffnahme einer groß­zügigen inneren Kolonisation.

Wir erachten es für eine Ehrenpflicht des staatlichen, konn munalen und privaten Großgrundbesitzes, daß er diese Be­strebungen durck freiwillige Hergabe von Land zu mäßigen Preisen zur Ansiedlung von Bauern, Handwerkern und freien Arbeitern fördert. Pflicht des Staates ist es. euch seinerseits durck Beseitigung unnötiger bureaukratischer Erschwernisse, durck

HerrenskttmMe.

Roman von Helene Sckütky, geb. von Gersdorff.

(Copyright 1915 by C- Ackermann-Stuttgart.)

58 ) Nachdruck verboten.

Käthe ging mit gesenktem tief erblaßtem Gesicht neben ihm. Was hatte sie getan? Ja, sie war entsetzlich leichtsinnig gewesen. Sein großer Ernst machte tie'en Eindruck auf sie. Noch vor einigen Tagen wäre das vielleicht weniger der Fall gewesen, aber das zudringliche Wesen des Marquis gestern, das ihr so widerlich gewesen, hatte sie schon stutzig gemacht.

Als sie stumm neben ihm ging, kam ihm eine schlimme Be­sorgnis

Käthe", sagte er bange,sagen Sie mir irur eins: haben. Sie den Marquis lieb?"

Nein, nein, nein, gar nickt!" schrie sie da fast heraus.

Aber weshalb haben Sie es denn getan?" fragte er rat­los, aber doch erleichtert.

Ach was. es war ja lauter Unsinn!" gestand sie ganz ehr­lich.Ich dachte, es wäre ein Hauptspaß, da mit ihm hier und da ein wenig zu plaudern, ohne daß es jemand wüßte. Es war euch zuerst ganz lustig, aber schon bald fing er an, mich zu mopsen, pardon. mich zu langweilen, und der Marquis gefiel mir auch gar nicht mehr so gut, wie im Anfang, er redete so sonderbar und sah mich so sonderbar an, daß ich am liebsten davongelaufen wäre. Und gestern, ach nein, gestern war er ganz abscheulich .... ich mag es gar nicht erzählen."

Erzählen Sie mir nur alles, kleine Käthe, es ist bester, wenn ich alles weiß, damit ich ganz klar sehe, wie es steht" ermutigte er die Zögernde.

Nun, ja denn, es ist mir eigentlich auch ganz wohl, wenn ich Ihnen alles sagen darf, nür war's selber ganz unheimlich dabei geworden."

Und dann berichtete sie ihm getreulich alles, was sich gestern ereignet und was sie so sehr erschreckt hatte. Auch daß

der Marquis sie zrum Schluß wieder überreden wollt, mit ihm in traend einem Zimmer zusammen zu kommen.

Aber das tue ich nickt, auf keinen Fall!" versicherte sie eifrig.Ich mag nicht' Der Mensch ist mir ganz verleidet. Am liebsten möchte ich ihn gar nicht mehr sehen!"

Er war tief erschrocken und dach tief dankbar, daß es nicht noch schlimmer stand Die Kleine war innerlich ganz unbe­rührt von der garstigen Affäre und ebenso rein und unschuldig wie vorher. Ja, ihr reiner Sinn hatte ihr von selbst das Rich. tige gezeigt. Aber dock), welches Glück, daß gerade er pnd kein anderer dahinter gekommen war, er konnte sie so ernstlich war­nen, daß sie von nun an vorsichtiger wurde.

Und nun sagen Sie mir, Herr von Naundorfs", fuhr sie fort,jetzt, da Sie alles wisten. finden Sie es doch nicht mehr so schrecklich schlimm, nicht wahr? Es war ja ein dummer Streich von mir. das gebe ich zu, aber so eine furchtbare Sünde war es doch nicht?"

Nein, Käthe, es war von Ihrem Standpunkt aus nicht so schlimm, aber es hätte sehr, sehr schlimm werden können. Und da ich nun doch einmal durch den Zufall, oder bester gesagt durch eine Fügung der Vorsehung, Ihr Beichtvater geworden bin", setzte er lächelnd hinzu,so müsten Sie auch noch einige Worte geduldig anhören, wollen Sie?"

Sie nickte eifrig.

Sehen Sie. Ihre Hauptschuld liegt in zwei Punkten. Er­stens darin, daß Sie Ihrer lieben verehrten Frau Mama un­gehorsam waren, zweitens, daß Sie etwas hinter dem Rücken der Ihrigen taten, etwas, das Heimlichkeit, Versteckerei erfor­dert. Liebe, liebe kleine Käthe, daß dürfen Sie niemals wieder tun! Versprechen Sie mir das fest in die Hand! Wenn je­mals die Versuchung wieder in Gestalt eines Scherzes an Sie herantritt, so fragen Sie sich zuerst, ob Sie es mit Misten Ihrer Mutter, Ihrer Schwester tun dürfen. Sagt Ihr Genüssen Nein so lasten Sie es bleiben! Versprechen Sie mir das fest und vergesten Si^es niemals!" Er hielt ihr die Hand hin, in die sie ohne Zögern einjchlug.

^.Ich verspreche es Ihnen Herr von Naundorff. und werde

Wort halten!" versickerte sie.

. ..Und eine Soldatentochter hält ihr Wort, davon bin ich fest überzeugt", erwiderte er freudig, ihre Hand kräftig drückend.

Ich habe übrigens auch mehr als genug an dem einen Versuch", sagte sie, schon wieder lachend,und bin froh, doh ich diese Geschichte nun los bin. Sagen Sie mir nur noch eins. Herr von Naundorff: werden gleich alle Männer so frech, wie der Marquis, wenn man öfter allein mit ihnen ist? Er war doch vorher so nett und bescheiden, wie hätte ich das denken können?"

Ja, Kind, das ist's ja eben, weshalb die Sitte es verbie. tet", entgegnete Gustav,und kein Mädchen, keine Frau setzt sich ungestraft über dies» Schranken hinweg. Ich fürchte, die meisten Männer würden da nickt immer so ehrerbietig bleiben, wie es eigentlich ihre Pflicht i.st"

Aber Sie. Herr von Naundorff. würden niemals etwas so Garstiges tun. das weiß ich sicher", behauptete Käthe,mit Ihnen könnte ich ruhig allein eine Reife um die Welt machen."

Er sab sie gerührt an

Ja. das könnten Sie allerdings'" bestätigte er.Aber, nun noch eins. Es ist möglich, daß der Marquis Versuche mackt. Sie wieder in sein Garn zu locken, daß er Sie anspricht. Ihnen womöglich gar noch schreibt. Weisen Sie ihn nur ganz kurz ab. sagen Sie ihm. daß Sie weder Zeit, noch Lust zu fer­neren Zusammenkünften mit ihm halten. Seine etwaigen Briefe lasten Sie unbeantwortet, denn er darf nichts Schrift­liches von Ihnen in Händen haben. Bis jetzt haben Sie ihm doch noch nie geschrieben?" \

Sie schüttelte energisch den Kopf

Das ist gut!" fuhr er fort.Sollte er, nachdem Sie ihn abgewiesen haben, Sie noch weiter belästigen, so sagen Sie es mir, bitte, ich werde dann schon mit ihm fertig werden."

Ach. wie gut, wie furchtbar gut Sie zu mir sind! Womit habe ich das verdient?" rief sie und als er sie anblickte, sah er Tränen in ihren großen ausdrucksvollen Augen schimmern.

Da wurde ihm ganz seltsam weich ums Herz» diese stets,' lachenden Artgen tu Tränen! .(Fortsetzung folaU.