Ausgabe 
14.11.1918
 
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Donnerstag, den 14. November 1018

11. Jahrgang.

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De der l 0 y 4 Milliarden.

Berlin. 12. Nov. (WB.) Das Ergebnis der neunten Kriegsanleihe beträgt nach den bisher vorliegenden Meldungen ohne die zum Umtausch gelangten älteren Kriegsanleihen 10 Milliarden 337 Millionen Mark. Teilanzeigen stehen noch ans. so daß sich der Gesamtertrag noch etwas höher stellen dürfte. Im Hinblick auf die schwierigen Verhältnisse, unter denen die Kriegsanleihe aufgelegt wurde, muß dieses Ergebnis, wenngleich es an die Ergebnisse der vorangegangenen Anleihen erklär­licherweise nicht heranrercht. doch als höchst befriedigend bezeich. nct werden.

Begeisterung In Wien.

Wien. 12. Nov. Wien ist in gehobener feierlicher Stim­mung, alle Behörden: Betriebe und Geschäfte siiid geschlossen. Der Dcmenstrationszug der Massen über die Ringstraße zu dem Parlament vollzog sich in musterhafter Ordnung. Die feierliche Proklamation der Republik und der Anschluß an Deutschland unter Hissuoo der Nationalflagge entfesselten große Begeiste­rung. Das Empfinden herrscht vor. daß der Anschluß an Deutsch­land. Deutschböhmen und Deutsch-Oesterreich vor der imperiali­stischen Tsckechenflut rettet urcd auch Deutschland stärkt. Man glaubt infolge des Uebergreifens der Revolutionswelle auf die Ententeländer nicht mehr an die Ausführung der grausamen WassenslillstandLbedingungen.

Kicbeubürgen gegen Rumänien.

Wien. 12 Nov. Der Nationalrat der zweieinhalb Millio­nen Siebenbürger, beschloß sich dem Einmarsch der Rumänen bewaffnet zu widersetzen und auch der selbstmörderischen Politik der Karolyiregiernng den Gehorsam aufzusagen.

Ein Putsch der roten Garde.

Wien. 12. Nov. Am 145 Uhr stürmten rote Gardisten und Arbeiter das Parlament mit Gewehrschüssen. Fenster und Tü­ren wurden zertrümmert. Rote Gardisten drangen in die Halle ein und feuerten blindlings ihre scharfen Schüsse in die einzel­nen Gänge hinein. Cie drangen big zum Herrenhanssaal vor wo sich die deutsch-österreichische Nationalversammlung zur Be­ratung zusammengefunden hatte und trieben diese auseinander. Gegen 5 Uhr waren die Gewehrschüsse verstummt. Die roten Gardisten wurden tm Innern des Parlaments aufgehalten. Es ist wieder Ruhe einaetreken Die Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt. Das Parlament ist von tausenden von Menschen um­lagert

Perbot vsrrritiaer Entlastung

von Kriegsgefangenen.

Es ist vorgekommen, daß Arbeitgeber von ihnen bis jetzt beschäftigte Kriegsgefangene obne weiteres in die Gefangenen­lager zurückgebracht haben, obwohl sie von zuständiger Stelle angewiesen worden waren, diese unter allen Umständen bis zum Abruf durch die Lager wette: zu behalten.

Disk kann wegen der bei einem solchen Verfahren unaus- tleiblichen Ernährungs- und Transportschwierigk^iten und we­gen Uebertüllung der Lager nicht geduldet werden.

Alle Arbeitgeber von Kriegsgefangenen haben daber diese selbst wenn ste augenblicklich unbeschäftigt sind bis zum Abruf durch die Inspektion der Kriegsaefan§enenlager oder die Lage: in der seitherigen Weile weiterzuhalten. zu bewachen und 9 zn verpflegen, vorbehaltlich nachträglicher Regelung etwaiger ErlotzausprUäe für gewährte Verpflegung usw. durch die In­spektion der Kriegsgefangenenlager.

Zuwiderhandelnde werden von dem Arbeiter« und Eoldaten- rat zur Verantwortung gezogen werden.

Nachrichtenamt des Arbeiter« und Coldatenrates.

Die erste Sitzung des Soldatenrats.

Der Soldcttenrat tagte am Montag zum ersten Mole im Reichstage. Dem Derichre der9lat. Ztg." entnehmen wir fol­gende Einze'heiten'

Sämtliche Sitze des Sitzungssaales waren von Soldaten be­setzt, während die Tribünen unbenutzt geblieben waren. Vor dem Pult des Präsidenten war ein rotes Tuch gespannt, die Schristführersitze hatten Soldaten eingenommen, die Dünke für Sie Bundesratsmitglieder waren leer und auch die für die Staatssekretäre reservierten Plätze waren bis auf einen uirbe- niitzt: auf rhm faß Ledebour.

Der Abg E o h n eröffnctc die Sitzung und erklärte auf Gegenrufe, er sei als Vorsitzender nichts anderes als ein Ka­merad unter Kameraden und nicht Parteimann.

Erster Redner war der frühere Hauptmann v Behr - selbe; er führte u. ct. aus: Schlagt mir den Kopf ab. wenn ich es dumm mache, aber es -ren«e a» allen Seiten, und mir

müsien darum einig sein! Der Arbeiter- und Soldatenrat muß diktatorisch die Dollzugtzkrast in die Hand nehmen und nur so können wir aus dem Elend, das uns bedroht, herauskommen In sichtlich erregter Stimmung berichtete der Redner über ein von dem Grafen Karclyi aus Ofenpest eben eingetroffenes Te­legramm. in dem der ungarische Munsterprüstdent erklärt, mit un§ durch Dick und Dünn auf das große Ziel der Volkerbefreiung gehen zu wollen.

Gegen den nächsten Redner Ledebour erhob sich heftiger Widerspruch, er sagte u. a : Wir müsien uns gegenseitig näher­kommen. Ich möchte dringend davor warnen. Nebenorganisatio­nen zu gründen, das führt zur vollkommenen Desorganisation Die einheitliche Organisation darf nicht gestört werden. Es wäre ein Verbrechen. Arbeiten Sie nicht der Reaktion in d e Hände. (Lebhaftes Bravo.)

Drr frühere Kriegsberichterstatter Colin-Roß begann mit derFeststellung", daß Offiziere und Mannschaften einig sind. Er sagte dann' Tie Gesabr ui Berlin ist nicht die Reak­tion. sondern der Bürgerkrieg. So weit sind wir durch die Un­fähigkeit der Politiker gekommen. Sie haben das deutsche Volk in die größten Gefahren gestürzt. Wir wollen keine Parteipoli- tik (Stürmische Bravorufe.) Ihr habt die Macht, die Partei- politik heute noch sernzuhalten. Heute noch! Es handelt sib nicht um Sozialdemokraten und Unabhängige, in denen es wie­der Spaltungen gibt. Diese Spaltungen führen uns rettungs­los ins Chaos. (Stürmische Bravorufe.) Die Gefahr, daß wir gegeneinandergehetzt werden, ist groß genug. Wir müsien denen vertrauen, die die Revolution vorgearbeitet haben. Wir. die wir draußen waren, konnten es ja nicht. Wir kamen aber jeder in, richtigen Moment zurück. Mich kennen Sie ja aus meinen Schilderungen. (Zuruf:Sie wollten doch immer weiter

kämpfen in Ihren Artikeln!") Da dieser Zwischenruf gefallen ist. muß ich Dinge erzählen, die ich bisher verschwiegen habe. Im August bin ich an Ludendorff herangetreten und Hobe ihm nachzuweisen versucht, daß es aus *st mit uns. daß alles zufam- menbricht. Man hat mir nicht geglaubt. Noch in den letzten Wochen habe ich beim Reichskanzler vorgesprochen und habe ihm die Lage unserer Truppen genau auscinondergesetzt. Es war alles vergebens. Schon in der ersten Nacht war die Gefahr daß Soldaten gegeneinander gehetzt ,verden. Kommt es nicht zur absoluten Einigkeit unter den Soldaten, dann tritt der furchtbare Fall ein. daß die Entente mit uns überhaupt keinen Frieden schließt, daß sie bei uns einmarschisrt und Teile unseres Landes auckr im Innern okkupiert. DaZ wollen wir nicht. (Stür­mischer. minutenlanger Beifall.)

Der Soldett Specht bemerkte u. a.: Wenn sich Uneinig­

keit in unseren Reiben zeigen sollte, wird es binnen 21 Stunden zum Marodeuren kommen (Zwischenruf'Ist schon".) Soldat Colistin sagte: Wir müsien die Garantie baden, daß jeder

einzelne vollständig auf dem Boden der sozialen Revolution steht. Hub keiner der Gewählten darf sich bei seiner Arbeit von persönlichen Stimmungen leiten lasten. Ich schlage deshalb vor die gestern Gewählten cn bloc wieder zu wählen. Der Soldat Walz erklärte, daß um 3 Uhr nachmittags die sechs neuen Mi­nister eine Beratung im RetcbskanzlerpalaiZ mit dem Arbeiter­und Soldatenrat haben. Schon aus diesem Grunde müßte die Versammlung bald geschlossen werden. Soldat Weißkamp' vi>rlawzte. daß jeder der Gewählten sich mit einigen Worten der Versammlung vorstelle und seine Ziele zu erkennen g<be. Der Vorsitzende schloß sich diesen Ausführungen an und befürwortete den Schluß der Debatte. Er wurde mit überwältigender Mehr­heit beschlossen. Nunmehr traten die einzelnen Delegierten vor und sagten in wenigen Worten, was sie bisher geleistet und was sie im Kriege vollbracht hätten. Gegen K3 Uhr wurde die Ver­sammln ng beendigt.

Bildung von Kauern raten.

Berlin, 12. Nov. (WP) Die neue deutsche Zlftichs- regierung rurt hiermit alle Schicken der ländlichen Be­völkerung ohne UnrerMed der Vart^irichtung zu gemein­samer freiwillige'- Bildung von Ncn'ernräten auf, um die Volksernähning die Ruhe nnd Ordnung auf dem Lande, scwie die ungehinderte Fontlühnino der ländlichen Betriebe sicher zu stellen. Tie Nerckikregienmq hat den Wunsch, die Haatlicfren Eingriffe zur Sicherung der Volksernährung auf das absolut Notwendige zu beschränken, in der Erkenntnis dast Freiwilligkeit und Selbstvenvaltuug schneller und besser e.um Ziele fiifjv*n als di« beste bürokratische Organisation. Je mehr die ländliche Bevölkerung durch freiwillige selbst- gestl>rsfene Orts- Und Gemeindeausschüsse dazu beiträgt, daß schnell und fortlaufend die erforderlichen Lebensmittel- mengen zur Sickerung der Volksernährung bereit gestellt werden, je weniger wird es zu zlvangrlveisen Eingriffen komnren. Die ländliche Bevölkerung hat es also selber in der Hand, diese auf ein Mindestmaß zu beschränken. Die ländliche Bevölkerung kann versichert sein, daß die Reichs- regierung sie Nachdruck! irbst schützen wird vor allen »villkür- lichen Eingriffen ttnberusener in ihre Eigentums- und Pro­duktionsverhältnisse. Wenn der Hunger niemanden aus tz«r Stadt auf daL Land treibt pnd bk von dep Krönt

zurückflutenden Soldatenmassen regelrecht verpflegt werden können wird es solcher Schutzmaßnahmen gar nicht bedürfen. Desha'h ist die freiwillige Lieferung der erforderlichen Le- t«nsmittelmengeri das sicherste Schutzmittel vor Störungen ton Ruhe und Ordnung auf dem Lande und garantiert auch am besten den ngestörttn Fortgang der ländlichen Betriebe. Dieser Zusammenhänge möge die ländliche Bevölkerung sich bewußt sein und alles tun. was in ihren Kräften steht, um das deutsche Volk in dieser schlveren Zeit vor bunt Ver­hungern zu schützen. Niemand wird Unbilliges von ihr ver­langen und sie verantwortlich machen, wenn Transport« 'chnnerigkeiten oder andere Umstände Stockungen in der Versorgung der Bcvölk-"nnsi verursachen. Ader im eigenen Interesse und in dem der Volksgesanstheit muß die Land- bevöltcrung jetzt ohne jeden Verzug die freiwillig« Organi­sierung von Bauermäten in die Hand nehmen. Erfreulicher­weise haben die berittenen Organisationen der deutscher: Landwirtschaft sich bereits mit einem solchen Vorschläge ar, die landwirtschaftlichen Körperschaften Deutschlands ge^ wendet Und sich mit der neuen Reichs regierung darüber ver­ständigt.

Jetzt gilt es schnell tu handeln, jede Passivität auszu- schalten und in freiwilliger gemeinsamer Zusammenarbeit der Va'->ern"äte auf dem Land« mit dem Kriegsernabrnngs- amt und den Arbeiter- und Soldatenräten in den Städten alle Gefahren ahznm«nden. die eine akute Hungersnot über den Einzelnen und über die Volksgesamtheit herausbe­schwören muß.

Bauern. Landarbeiter. Handwerker nnd Gewerbe­treibend« auf dem Land«! Bildet unverzüglich Vauernrätek

Der Rat der Volktbemtttracsten:

Ebert, .Haas«, Landsberg, Scheidemann, Barth, Dittmann.

Zur Inneren Ko'omsaticm.

Berlin, 13. Nov. In derDeutschen Tageszeitung" erlasse? eine Reihe von Großgrundbesitzern der Neumark einen Aufruf in dem darauf h'mgewiesen wird, daß im Interest« der Volks- ernährung eine sorgsame Erhaltung eines Teiles des landwirt. fchafflichen Großgrundbesitzes notwendig sei. Aber dann wirk in dem Ausrufe zugestanden, daß eine wesentliche Vermehrung der kleineren landwirtschaftlichen Betriebe unbedingt erforder­lich sei Zu diesem Zrvecke sei die Aufteilung eines Teiles des landwirtschafrlich benutzten Großgrundbesitzes notwendig, vor allen Dingen auch deshalb, um die .zurückströmenden arbeits-- frohen Menschen aus fester Scholle atzzusiedeln. Die Städte und die Industrie können nicht so viele Leiste auinehmen. wie durck das Ende des Krieges frei werden. Darum fordern die ermähn­ten Großgrundbesitzer zu einer großzügigen inneren Kolonisation auf und zur freiwilligen Hergabe von Großgrunidbesttzerland zr mäßigen Preisen, um auf diesem Lande die Ansiedlung von Bauern, Handwerkern und freien Arbeitern ins Weck zu setzen.

Wilioii iilur die AnW'-nn nad) den |rrar.

Präsident Wilson hat im Kongreß eine Rede gehalten, über die das Wolfffche Telegraphenbureau auszugsweise folgenden drahtlosen Bericht gibt:

Washington, 12. Nov. (WB.) Drahtlos. Wilson hielt im Kongreß eine Ansprache, in der er die Bedingungen des Waffen- stillstandes mitteilte und u. a ausführte:

DaZ Ziel des Krieaes ist erreicht, der bswastnete Imperia- liZmus und die Militärkaste Deutschlands, die geheim und aus eigener Macht den Frieden der Welt stören konnten, sind ver» nichtet. Vielmehr alß das ist aber erreicht. Die großen Nationen der Welt haben sich zu einem geineinsamen Ziele vereinigt, näm­lich den Frieden aufzurichten, der die Sehnsucht der Welt nach uneigennütziger Gerechtigkeit befriÄ>igen wird, und der im Aus- gleichem bestehen soll, die mrf viel besiere und dauerhafterer Grundlage aufgebaut sein werden, als den selbstischen und kon­kurrierenden Interessen mächtiger Staaten. Der humane Ein« der siegreichen Regierringen hat sich bereits praktisch gezeigt. Di« Vertreter des oberstn Kriegsrates ln Versailles versicherten durch einstimmigen Beschluß dorr Vertretern der Mittelmächte, daß alles, was den Umständen nach möglich ist. geschehen soll, um mit Lebensmitteln und Versorgen das Elend zu erleichtern. Es sollen weiter Schritte getan werden, um diese Unterstützung^ maßregeln in systematischer Weise -u organisieren wie es is Belgien geschehen ist. Mit Hilfe des brachliegenden Schiffs« töiums der Mittelmächte soll es alsbald möglich gemacht werden, die unterdrückten Völker vor vollständiger Verelendrrng zu be­wahren und ihnen den Sinn für die großen Aufgaben des poli. tischen Aufbaues klar §u machen, denen sie sich jetzt überall gegenübersehen.

Mit welchen Regierungen werden wir es -ei Aufrichtuns des Friedens zu tun haben, mit welcher Autorität werden sie uns gegenübertreten, mit welcher Bürgschaft, daß ihr« Autori­tät von Dauer sein wird? Hier liegt der Grund für kein« ringen Sorgen und Befürchtungen^