Uirmmer (Oiijfljirm b *° iSt Dienstag. den 12. Novembe r 1918 11 . Jahrgang.
Dk ,.Ur„- Tns.«!kitm.s" -rlch°int jeden W-Htag. NegelmMge Beilagen „Der Kauer au« S'Nl»»". „DI. SpiunSube». S.,ug-pr-i°- Bei den Pastanltalten aie-teliäk-lick. Mk 2 70 ;>nzu tritt noch das Bestellgeld: bei den Agenten monatlich 1.00 Mk. einschließlich Trägerlohn. An.-ia-n- Grund,eile 2d Psg. totale 20Pjg, Anzeigen von auswäns werden durch Postnachnadme _erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Hchriftleitung und U-riag Fnedberg (Hessen). Hanaueritrahe 12. Ferniprecher 48. Postscheck-Tonto Nr. 4859. Amt Frankfurt a. M.
Der letzte Tagesbericht.
Westlicher Kriegsschauplatz.
Gei der Abwehr amerikanischer Angriffe östlich der Maas Zeichneten sich durch erfolgreiche Gegenstöße das Brandenbur. gische Reserve-Infanterie'Regiment Nr. 207 unter seinem Kommandeur Oberstleutnant Hennigs und Truppen der 192. säch. fischen Infanterie-Division unter Führung des Oberstleutnants v. Zefchau, Kommandeur des Infanterie-Regiments Nr. 183 besonders aus.
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Infolge Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrages wurden heute mittag an allen Fronten die Feindseligkeiten eingestellt.
Der Erste Eeneralquo-rLiermcister: Grüner.
Gin Appell an Wilson.
Berlin. 11. Nov. (MB. Amtlich.) Heute morgen fand eine [ Besprechung der Staatssekretäre statt- Nach Bekanntgabe der Bedingungen des Waffenstillstandes wurden die Bedingungen angenommen. Entsprechende Weisungen sind der Friedensdelegation gegeben worden. Hxute nacht ist folgende Note an den Staatssekretär Lansing nach Washington gefunkt worden:
Herr Staatssekretär!
Ueberzeugt non der Gemeinsamkeit der demokratischen Ziele unid Ideale, hat sich die deutsche Regierung an den Herrn Präsidenten der Bereinigten Staaten mit der Bitte gewandt, den Frieden herzustellen. Dieser Friede sollte den Grundsätzen entsprechen, zu denen Präsident Wilson sich stets bekannt hat. Er sollte eine gerechte Lösung aller strittigen fragen und eine dauernde Versöhnung der Völker zum Zweck haben. Der Präsident hat ferner erklärt, daß er nicht mit dem deutschen Volke Krieg führen und es in seiner friedlichen Entwicklung nicht behindern wolle. Die deutsche Regierung hat die Bedingungen für den Waffenstillstand erhalten. Nach einer Blockade von 59 Monaten würden diese Bedingungen, insbesondere die Ab- gäbe der Verkehrsmittel und die Unterhaltung der Besatzungstruppen bei gleichzeitiger Fortdauer der Blockade, die Ernährungslage zu einer verzweifelten gestalten und den Hungertod von Millionen Männer, Frauen und Kinder bedeuten. Wir mußten die Bedingungen annehmen. Wir machen aber den Präsidenten Wilson feierlich und ernst darauf aufmerksam, daß die Durchführung der Bedingungen im deutschen Volke das Gegenteil der Gesinnung erzeugen muß. die eine Voraussetzung für den Neubau der Völkergemeinschaft bildet und einen dauer. hoffen Rechtsfrieden verbürgt. Das deutsche Volk wendet sich daher in letzter Stunde nochmals an den Präsidenten mit der Bitte, auf eine Milderung der vernichtenden Bedingungen bet den alliierten Mächten hinzuwirkcn.
Der Staatssekretär des Auswärtigen Amis: Solf.
ZMculmy rrnd ßraiipn«; RüMtchf.
Berlin, 11. Nov (WB.) Die holländische Meldung wonach Hindenburg in Holland angekommen sein soll, beruht c.uf Unwahrheit. Hindenburg befindet sich im Großen Hauptquartier und steht auf dem Boden der neuen Negierung. Auch das Hauptquartier des Kronprinzen Rupprecht befindet sich auf seinem Posten und ist nicht, wie die Meldung des „Nouvelles" behauptet, ans der Flucht.
IMerjiiijniiüi da li'Mijfte durch die Mlitgltkreiärk.
Berlin, 11. Nov. (DB. Amtlich.) Die Staatssekretäre And Chefs der Reichsbehörden sind von der Reichsregierung mit der vorläufigen Weiterführung der Geschäfte beauftragt. Das Eindringen unbefugter Personen in die Geschäftsräume der Nejchshebörden und die lwbernahme amtlicher Geschäfte durch solche Personen ist nicht gestattet.
Die h'elchsregiecung: Ebert. Haase.
Ein Pripattelegramm der „Frankfurter Ztg." meldet:
Berlin, 11. Nov. Tie sämtlichen bürgerlichen Mitglieder sind aus der Negierung.ausgeschieden. Am Samstag haben sich Zentrum, Fortschrittliche Volkspartei und National- liberale noch darauf geeinigt, daß sie mit einer Regierung, gebildet aus Mehrheitssozialdemokraten, bereit fein würden, zu arbeiten. Ein Zusammenarbeiten mit den Unabhängigen und den Spartakuslenten lehnten diese Parteien ober von vornherein ab. Nachdem nunmehr die politische Negierung aus Mehrheitsspzialdemokraten und Unabhängigen gebildet worden ist. ist für die bürgerlichen Vertreter kein Platz mehr in ihr. Die Geschäfte werden vorläufig nur noch weiter- führ^n Kriegsminister Scheuch, Staatssekretär des Reichs- marineamtes v. Mann und Staatssekretär des Auswärtigen Dr. Solf. Reichskanzler Ebert schlug vor. einzelne Fachmini«
| sterien mit Bürgerlichen zu besehen. So wird beabsichtigt, den nationalliberallen Abgeordneten Schiffer mit dem Posten eines Staatssekretärs zu betrauen. Ebert hat weiter den Wunsch ausgesprochen, daß ein fortschrittlicher Abgeordneter ein Fachministerium übernehmen sollte. Ob dieser Versuch gelingen wird, kann zweifelhaft erscheinen, denn der Reichskanzler dürfte mit solchen Vorschlägen auch bei den Unabhängigen auf schärfsten Widerspruch stoßen.
Berlin, 11. Nov. Vizekanzler v. Payer wird, nachdem er \c\n Ami niedergelegt hat, heute Mittag nach seiner Heimat zurückreisen.
An dos Heimatheer!
Berlin, 10. Nov. (WB.)
Der Waffenstillstand steht vor der Türe. Der Frieden wird ihm folgen. Der Augenblick naht, wo das Blutvergießen ein Ende hat. Auch in der Heimat wurde trotz der tiefgreifenden Umwälzungen das Blutvergießen bisher fast ganz vermieden. Die Männer der neuen Regierung erklären, daß Ruhe und Ordnung unter allen Umständen aufrechterhalten werden sollen. Daran muß auch das Feldheer und das Heimatheer mit allen Kräften Mitwirken. Nur dann kann die ordnungsmäßige Zurückführung des Feldheeres und die Entlassung der Mannschaften stattfinden, nur dann kann auch die Ernährung von Volk und Heer wieder gesichert werden. Der Bürgerkrieg muß vermieden werden. Alle militärischen Dienststellen haben ihre Dienstgeschäfte unverändert weiter- znführen. Die Bildung von Soldatenräten und Beteiligung dieser Soldatenräts an der Abwicklung des Dienstes ist bei allen Formationen durchzuführen. Ihre Hauptaufgabe ist, bei der Einrichtung des Ordnungs- und Sicherheitsdienstes mitzuwirken und das engste Einvernehmen zwischen den Mannschaften und ihren Führern herznstellen. Von der Waffe gegen Angehörige des eigenen Volkes ist nur in der Notwehr oder bei genuinen Verbrechen oder zur Verhinderung von Plünderungen Gebrauch zu machen.
Ebert, Reichskanzler. Scheuch, Kriegsminister,
G ö h r e, Mitglied des Reichstages.
Ahg. Mich hejßicher Aaatsinimsttr.
Tarmstedt, 11. Nov. Das Staatsministerrum sowie das Ministerium des Innern der neuen Regierung hat als einziger Minister der bisherige Abgeordnete Ulrich übernommen. Ihm unterstellt sind als Ministeraldirektoren der bisherige Abgeordnete Reumann (Offenbach) für die Ernährung und Abgeordneter Raab für Sozialwirtschaft und das Landesarbeitsamt. Ueber die Finanzabteilung, Iustizabteilung und Landwirtschaft schweben noch Verhandlungen.
Das badische Mehrheitslrabinett.
Karlsruhe, 10. Nov. (WB.) Die neue Regierung wurde unter dem Vorsitz des Sozialdemokraten Geiß gebildet. An ihr sind beide sozialdemokratischen Parteien, Nationalliberale, Fortschrittler und das Zentrum beteiligt. Das Auswärtige Amt wird in die Hände der Nationalliberaleu gelegt. Die unabhängigen Sozialdemolraten besetzen die Aemter des Krieges und für soziale Angelegenheiten, die Sozialdemokraten die der Justiz, des Verkehrs und des Unterrichts, Zentrum die der Finanzen und der Ernährung. Der Innenminister ist der fortschrittliche Abg. Dr. Haas. Auf Wunsch der unabhängigen Sozialdemokraten wurde dieses Ministerium vom Großherzog nicht ernannt.
Derrtlch-Oesterreich.
Wien, 11. Nov. (WB.) Der Staatsrat nahm einen Gesetzentwurf au, worin Deutsch^Oestcrreich als Republik und Bestandteil der deutschen Republik erklärt wird.
Kaiser^tarls Schic^al.
Wien, 11. Nov. (WB.) Der Kaiser erließ folgcnbc Kundgebung:
„Seit meiner Thronbesteigung war ich unablässig bemüht, meine Völker aus den Schrecknissen des Krieges herauszufühlen. an dessen Ausbruch ich keinerlei Schuld trage. Ich habe nicht gezögert, das verfassungsmäßige Leben wiederherzustellen und habe den Völkern den Weg zu ihrer selbständigen, staatlichen Entwicklung eröffnet. Nach wie vor von unwandelbarer Liebe für alle meine Völker erfüllt, will ich ihrer freien Entfaltung meine Person nicht als Hindernis in den Weg stellen. Im voraus erkenne ich die Entscheidung an. die Deutsch-Oesterreich über seine künftige Staatsform trifft. Das Volk hat durch seine Vertreter die Regierung übernommen. Ich verzichte auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften. Gleichzeitig enthebe ich meine österreichische Regierung ihres Amtes- Möge das Volk von Deutsch-Oesterreich in Eintracht und Versöhnlichkeit die ge. schafsene Neuordnung befestigen. Das Glück meiner Völker
mar von Anbeginn das Ziel meiner heißersehnten Wünsche. Nur der innere Frieden kann die Wunden dieses Krieges heilen.
Karl m. p. Lammasch"
Die Entente und Ungarn.
Budapest, 11. Nov. Die Besatzungsarmee der Entente für Ungarn wird etwa 6000 Mann betragen. Die Entente verlangt Eisenbahn-, Telephon- und Telegraphenausrüstungsmaterial, besonders für Serbien, ferner 100 Lokomotiven, 20 000 Eisenbahnwaggons, schließlich Lebensmittel und 25 000 Pferde, und sichert für die Requisitionen die Tagespreise zu.
Viktor Adler
Wien, 11. Nov. (WV.) Dr. Viktor Adler ist gestorben.
Krikßscrklärnng Rmnalimig nn VeMilaild.
Berlin, 11. Nov. Zuverlässige Nachrichten, die aus Budapest hier eintreffen, besagen, daß die neue rumänische Regierung an Deutschland den Krieg erklärt Hatz
Die Eisenbahner arbeiten.
Berlin, 11. Nov. (WV.) Der Arbeiter- und Soldatenrat teilt mit: Ueber 10 000 Eisenbahnarbeiter und -Angestellte
tagten heute im Zirkus Busch und an anderen Stellen und nahmen einmütig folgende Resolution an: Die deutschen Eisenbahner erklären, mit allen Kräften für die Ausrechterhaltung des Verkehrs Sorge tragen zu wollen. Sollten sich gegenrevolutionäre Regungen zeigen, so wird der Verkehr sofort ein-ge. stellt werden.
Die ..ViMciillche AüMeink Zeiliing".
Berlin, 11. Nov. Die von dem linken Flügel der Unaßs hängigen in Beschlag genommene „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", die während der letzten Tage als international erschienen ist, wird von heute ab wieder als Organ der gesamten Negierung erscheinen und soll wieder den Titel ..Norddeutsche Allgemeine Zeitung" führen.
ilfuehifion in !>kn Ellitiilt-Llllaleii.
Es dül-chlanfen Gerückte das Land, als ob auch in Herl Ententestaaten, im französischen Heer und in der englischen Marine Unruhen ausgebrochen und Soldatenräte gebildet worden seien. Sogar die Nachricht taucht auf, Marschall Foch sec seines Amtes entboben. Wir stellen demgegenüber fest, daß derartige Nachrichten von keiner Seite beglaubigt sind und auch um deswillen unwahrscheinlich sind, weil sich die Ententestaaten im Siegesjuhel befinden.
Ci» falsches Gerücht.
Wilhelmshaven, 10. Nov. (WV.) Das Gerücht, dke englische Flotte sei in Wilhelmshaven eingelaufen, entbehrt jeder Grundlage.
Unruhe» und UoUrscrnährnng.
Vor weiteren Unruhen muß auch im Interesse der Volks» ernährung, vor allem der Versorgung der großen Städte und Industriezentren, dringend gewarnt werden. Schon jetzt ist infolge der Verkehrsstörungen eine Stockung in der Anlieferung von Lebensmitteln, namentlich Kartoffeln, nach den von den Unruhen ergriffenen Städten eingetreten, auch die Kartoffelversorgung Frankfurts steht vor ernsten Gefahren. Da es ohnedies schon sehr schwierig war und ist, unsere Großstädte rechtzeitig mit Kartoffeln zu versorgen, so kann sich jeder leicht selbst vorstellen, daß Unterbrechungen des ordnungsmäßigen Bahnverkehrs die Kartoffelanfuhr in gefährlichster Weise zum Stocken bringen müssen. Ebenso hört mit Eisenbahnstörungen sofort die Zufuhr von Frischmilch aus deren Ausbleiben von bedenklichsten Folgen für die Ernährung der Kinder und Kranken ist. Die Fischzufuhr hat infolge der Unruhen in den Seestädten augenblicklich bereits ganz anfgehört. Auch die Zufuhr von Fleisch und Fett nach den Großstädten würde durch weitere Störngen des Bahn- Verkehrs verbunden. Dabei handelt es sich ja nicht nur mit die unmittelbaren Transporte: der Landwirt kann schon gar nicht mehr die Ablieferungen vornehmen, sobald Verkehrsstörungen ejntl-eten. Dazu kommt natürlich noch die un- mittelbare Gefahr, daß Landwirte, wenn sie hören oder glauben können, es herrsche Revolution, zu einer Panrk kommen, wie sie sich in solchen Fällen aller Bevölernngski'eiss bemächtigt und zahlreiche Leute veranlaßt, ihre Wertobjeftk dem ordentlichen Verkehr nach Möglichkeit zu entziehen.
Die Bevölkerung kann also nicht ernst senurj gewarnk werden. Ruhe und Besonnenheit zu beivahren: eine weitem


