Deputation zum Herzog und legte ihm eine Abdankung^' Urkunde vor. Der Herzog zögerte nicht, sie zu unterzeichnen.
Wilhelmshafen, 11. Noo. Der Eroßh^rzog von Oldenburg ist aögesctzt.
Dresden. 11 Nov. Der Arbeiter- und Soldatenrat von Grcsj-Dresden erläßt einen Aufruf an das Volk, in dem gesagt wird, der König sei seines Thrones entsetzt und die Dynastie Wettin habe aufgehürt zu existieren.
^ürst Heinrich der 27. von Neuß jüngere Linie sprach für sich und sein Haus den Verzicht auf den Thron aus.
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In Mainz.
Marnz, 9. Nov. Wie in anderen Städten Jal auch hier in Mainz die Vo-köbewegnng Platz gegriffen. Am Freitag abend fanden 4 sozialdemokratische Versammlungen statt. Es sprachen die Abgeordneten Ulnch-Offenbach, Adelung- Mainz und mehrere andere. Die Versammlungen nahmen einen rüstigen Verlauf, drohen Beifall fand die Mitteilung das; der Gouverneur von Mainz seinen Platz für immer verlassen wird. Für Sonntag sind weitere Versammlungen am beraumt. Heute um Mitternacht wurden im Militär- und Provinzialarrellhaus . die Inhaftierten auf Verlangen von Soldaten- und Ziviltrupps freigelassen. Im Laufe des Tages fanden Verhandlungen statt, an denen Offiziere der Oberbürgermeister. Landtagsabgeordnete, Stadtverordnete nnd zwei Soldatenabgeordnete teilnahmen. Es wurde die Bildung eines Wohlfahrtsausschusses beschlossen. Sämtliche militärischen Wachen und Posten ziehen wie bisher auf.
Osicnbach, 8. Ncv. Auch in Offenbach bildete sich heute früb. ohne Widerstand zu finden, ein Arbeiter- und Soldatenrat. der die Staatsgewalt übernabm. Bahnhöfe und Postamt wurden durch Truppen besetzt. In der Stadt herrscht vollkommene Nnbe. Die meisten Offiziere hatten sich vor Eintreffen des Soldatenrates ans den Kasernen entfernt.
Friedberg. Auch hier bat sich ein Soldatenrat gebildet. Die Bewegung ist in aller Ruhe vor sich gegangen, die Ruhe wnrdo nirgend? gestört und das Straßenbild blieb unverändert. Die Soldaten brachten istr-e Forderungen richtig :or und wählten meist gemäßigte Kameraden in den Rat. Auch in Gießen wurde ein Saldatenrat gebildet.
Worms. Auch hier hat sich ein Soldatenrat gebildet.
Weitere Arbeiter- und Soldatenräte.
Es ist unmöglich, ausführliche Meldungen zu bringen, über alle die Vorgänge, die sich bei der Bildung von Arbeiterund Sol baten raten zugetragen haben. Fast überall trugen sich die Dinge in einheitlicher Weise zu. Aus Berlin ist noch zu melden daß Liebknecht von dem Balkon hetz königlichen Schiosies eine Ansprache hielt, von dem der Kaiser zu Beginn des Krieges an das begeistert« Volk gesprochen hat. Arbeiter- und Soldatenräte wurden weiter gebildet in Augsburg. Wnrrhurg. Köln. Mannheim Karlsruhe, Essen, Düsseldorf. Leipzig, Dresden. Magdeburg, Hannover und anderen Orten. In Hanau kam es -u ernstlichen Ruhestörungen. Nach einem Bericht der „Volksstimme" wurden die Bäckerläden geplündert.
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Aufruf au die Fronltrupperr.
Der Arbeiter- und Soldatenrat Metz hat folgenden Funk spN'.Ä an alle kämpfenden Truppen gerichtet:
In Metz hat sich heute der Arbeiter- und Soldatenrat Zu dem Zwecke gebildet, um Ruhe und Ordnung im Lande aufrecht zu halten und damit Euch zu unterützen.
Kameraden? Wir bitten Euch, weiter Ordnung und Sitte pn bewahren und «ruf uns zu i'ertrau.en. Nur die Einigkeit zwischen uns allen kann uns ror dem Schlimmsten bewahren. Vis zum Eintritt des in aller Kürze bevorstehenden Waffen- strllstandcs muß die Front aehalten iverden.
Darauf ist von Frankfurt a. M. nachstehender Aufruf ergangen:
An die Fronttruppen?
Seit letzter Nacht besteht in Frankfurt a. M. eia Arbeiter rmd Soldatenrat, in besten Hand sich die öffentliche Gewalt befindet.
Sein Zweck ist, Ordnung und Nuhe in der Stadt zu garan fieren. und zu bekennen, daß Frankfurt bei der großen sozialen UnruHlzung. die sich vollzieht, nicht zurücksteht. Sobald die Negiert, ng in die Hände der sozialdemokratischen Parteien, in Verbindung mit den Arbeiter- und Soldatenräten iibergegangen sein wird, wird sich ihr der Arbeiter- und Soldatenrat unterstellen.
Kameraden, angesichts der gewaltigen Entwicklung, die sich im Innern unseres Landes zum künftigen Wöhle des deutschen Volles vollzieht, richten wir an Euch die Bitte, die letzten Tage die uns- nach vom Waffenstillstand trennen, auszuharren, und foic Helm-at zu schütz.>n.
Arbeiter- und Soldatenrat rFanksurt a. M. gez. Moser, Reinhardt, i. A. Eng. Jordan.
Gegen Len Kolschewismns.
Berlin, 10. Nov. (WB.) Die deutschen Gesandten im Kaag uned in Brüste! berichten, daß nach ganz zuverlässigen Rachrichten aus Ententelreifen die Entente mit einen, bolschc- Vistischen Deutschland keinen Frieden schließen würde, weil sie in «einem solchen Staate keine Negierungsgewatt finden würde, öeren Autorität und Dauer genügend verbürgt sein würde. Die lkntente würde sich berufen fühlen, in diesem Falle in Deutsch .fand einzumarfchieren und in Deutschland Ordmmg zu schassen.
Berlin, 9. Nov. Wie das Vetner „Jnlelligenzblati" meldet. wurde in Versailles von den Alliierten boschlosten, den
Bolschewismus in allen Ländern, wo er ausbr-che, mit den Waffen zu bekämpfen.
v Eine Expedition der Entente gegen die Bolschewisten.
Bern, 8. Noo. »Die Menschheit", das Organ des Bundes für Menschheitsinteresten, erfährt von russischer Seite, daß eine Expedition der Ententemächte gegen die Bolschewisten in Eroß- rußland auf dem Wege über die Ukraine geplant sei. Von anderer Seite wird dem gleichen Blatte mitgeteilt. Amerika habe Oesterreich-Ungarn wisten lasten, daß die Entente entsprechende Maßregeln ergreife, dem Ausbruch einer bolschewistischen Bewegung in Oesterreich zu verhindern.
Ruhe und Ordnung halten!
Der Ausruf der neuen deutschen Volksregierung umreißt in schlichten, sachlichen Worten den ganzen Umkreis der feit dem 30. September geleisteten Arbeit und die ganze furcht- bare Größe der gemeinsamen und nur gemeinsam unter Einsetzung aller Dolkskräfte zu leistenden Arbeit. Kein Pathos, kein Cchlagwort, keine Zukunftsmusik hallt aus diesem Aufruf, um so wirkungsvoller und eindringlicher ist daher seine ernste Sprache der furchtlosen Wahrheit. Unser Ziel ist der Friede: die harte Aufgabe der Gegenwart ist zwar auch der Kampf, der diesen Frieden schleunigst herbeiführen soll, aber nur der Kampf, der geführt werden muß. solange der Gegner seine Bereitwilligkeit zur Durchführung der von uns anerkannten, von seinern eigenen Vundesführer Wilson ausgestellten Kriegsund Friedenszielei, noch nickt ausgesprochen hat. Mit glanzvoller Opserwilligkeit und Pflichttreue der bedrohten Heimat gegenüber leistet die Front draußen unerhört Großes; sie wehrt die Greuel des Krieges vom friedlichen Boden des Va. terlandes ab. Mit eisernen Nerven und blutenden Leibern hält sie stand. Da darf das Volk daheim auch nicht die Ner- ven verlieren und der erstlgreiheißenden Arbeit der Volksregierung zur Herbeiführung des Friedens in den Arm fallen und den letzte-, Heide,ikompi draußen lähmen. Augenblicklich, in den Tagen der stärksten militärischen und politischen Spannung. in denen über das Schicksal des ganzen deutschen Vol. kes entschieden wird, in denen der Bestand des Reiches und die geordnete wirtschaftliche Lebensbürgschaft auch für den letzten Arbeiter sichergestcllt werden muß. dürfen nicht impulsive Eingebungen, nicht unsachliche, der Not der Stunde nicht gerecht werdende Erörterungen, nicht verantwortungslose Demonstra. tionen die innere Einheit der Nation gefährden und den Blick für das große Ziel: Deutschlands Zukunft, trüben. Wir alle müsten uns restlos klar werden, daß Deutschlands Zukunft auch unsere eigene Zukunft ist. deren Grundlagen wir jetzt erkämpfen. deren Ausbau nach unseren eigenen Wünschen und unserer erprobten Arbeitskraft und Arbeitsleistung uns selbst Vorbehalten ist.
Nur Nuhe und Ordnung im Lande können der Volksregie, rung den geregelten Gang auch des wirtschaftlichen Lebens, der schwierigen Versorgung aller mit allen Bedürfnisien des Leibes und der Nahrung und die Stützung der draußen noch kämpfenden Brüder ermöglichen. Von Ruhe und Ordnung im Lande hängt die Gestaltung der Zukunft ab. Denn worauf lauern jene Kriegstreiber jenseits der Schützengraben, die mit ihren uferlosen Annexions- und Demütigungsabsichten auch jetzt der Beendigung des Krieges entgegenwirken? Cie hoffen auf den inneren Zerfall des Reick)es. der nur ihren Plänen dienlich fein und die wehr, und machtlosen vereinzelten deutschen Drüderstämme zum Epielball und AusLeutungsobjekt der westlichen Eroßstaaten machen würde. Wie es nach dem Zer. fall der Herrlichkeit des alten Reiches jahrhundertelang der Fall war.
„Daß Reich muß uns doch bleiben?" Dieser Leitsatz unserer gemeinsamen Zukunft mutz uns als Leitstern all unseres Handelns und Denkens vvrfchweben. Unter diesem Gesichtswinkel müssen, unbeschadet ihrer Bedeutung, alle übrigen Fra. gen und Forderungen zurücktreten. Der Friede und das einige Reich sind unsere gemeinsame, die deutsche Zukunft, der das deutsche Volk trotz allem, gestützt auf die unverglc,chlrck>en Leistungen einer mehr als vierjährigen Kriegszeit, mit Der- trauen und Selbstvertrauen entgegenblicken kann.
Aber zerstören wir nicht, wenige Augenblicke vor der De. endigung der Weltkatastrophe, durch eigenes Verschulden, durch unzeitgemäße Nervosität unsere Zukunft, von der für Millionen deutscher Brüder Heimat und Herd, Dasein und Arbeit ab hängt?
Dkr im?e Msinmlche Sinnt -Mn
Wien, 9. Nc o. Uebcr Laibach sind ln Wien Meldungen eingetrosfen. denen zufolge die Regierung des neuen südslawischen Staates die Mobilmachung angeordnet habe. Sie wen- bd sick gegen Italien und besten Ansprüche auf Istrien und Dalam-atieu.
Anschluß Deutsch-Oesterreichs an ' Deutschland.
Berlin. 10. Nov. Der deutsch-österreichische Staatsrat hat einstimmig mit begeistertem Beifall beschlossen, der ag, Dienstag zusammentretenden Nationalversammlung den Anschluß Deutsch-Oesterreichs an da§ Deutsche Reich vorzuschlagen.
Me lslge an der stM mid die dtnijche KaniMnst.
Der Zerfall Oesterreich-Ungarns, der Waffenstillstand zwistben den Ländern der Donau-Monarchie Und der Entente legen die Frage nahe, ob Deutschland —' wenn es sein müßte — weiter durchhalten, weiter kämpfen könnte Für die Beantwortung dieser Frage ist entscheidend der Stand der deutschen Kampfkraft. Ist die deutsche Kampfkraft noch ein achtunggebietender Faktor, mit dein die Feinde rechnen müssen, fordert die Vernichtung der deutschen Kampskraft von den Feinden noch große Ovfer. so ist damit
ohne weiteres die Möglichkeit des Durckchaltens. dke Bet* werfung des Gedankens einer schmählichn Kapitulation he- iaht; denn die Abhängigkeit der militärischen Niederringung Deutschlands von weiteren opferreichen Kämpfen wird nicht nur für die FriedenSgeneigtheit unserer Feinde, sondern auch für ihre Waffenstillstand-- und Fciedensbedingungen von wichtigem Einfluß sein.
Wie steht es nun um die deutsche Kampfkraft? Soweit die Front als Gradmesser dieser Kampskraft geprüft werden muß. gibt der Verlauf gerade der letzten Kampfe den zuverlässigsten Ausschluß. Wenn Großangriffe wie die der Eng- länder, Franzosen und Amerikaner vonr 23. und 25. Oktober, vom 1. und 4. Nov ein der von unseren Frontstreitkräften in solch glänzender Weise gebrochen werden können, daß der feindliche Ansturm zum größten Teil sogar an unseren vorderen Kampftruppen zerschellt, und der Angriffsstoß dort, wo ein örtliclpr Einbruch gelingt, alsbald in unserer tiesge- gliederten Abwehrzone aufgefangen wird, so beweisen unsere Truppen durch diese Abwehrerfolge von neuem die ungebrochene Widerstandskraft des deutschen Heeres.
Nur ein Heer, das trotz seiner Zahlenunterlegenheit an Kampfkraft dem Gegner nicht nachsteht, kann an Material und Menschen so weit überlegenem Feind den Durchbruchs das Zerreißen der Front venvehr^n.
Durch den in den letzten Tagen an die Front gebrachten Ersatz von mehreren hunderttausend Mann — vielfach bisher Reklamierte — hat dieselbe eine für die noch bevorstehenden Kämpft nickt zu unterschätzende Stärkung erfahren. In der Heimat haben wir noch genügend Reseiwen. um dauernd den Abgang in der Westfront auszugleichen und auch in einer neuen Süd- und Südostfront unsere Grenzen gegen ein Vordringen der Entente zu verteidigen. An dem Gebirge und dem Winter haben wir starke natürliche Bundesgenossen, sollte rrns die Verteidigung unserer Südgrenzen ausgezwungen werden.
Einen Beweis für die ungeschwachte Leistungsfähigst it unserer Kriegsindustrie und die vaterländisch Hingabe der dort tätigen Arbeiterschaft liefert die Tatsache, daß der in den bisherigen schweren Kämpfen entstandene Ausfall an Kriegmaterial völlig wieder ausgeglichen ist. Wir haben überdies genügend Rohstoffe und Vorräte im Lande, um auch ohne jede Zufuhr aus dem Auslande noch längere Zeit den Kampf fortsttzen zu können.
Reichstagsnachmahl.
Reullettis. 9. Nov. Bei der Reichstagsersatzwahl in Neu- siettin wurde der bisherige Vertreter v. Bonin (kons.j mit 3786 Stimmen wiedergervählt. Riedel (Soz.) erhielt 1282 Stimmen.
Letzte Meldungen.
Jutsrrrierrmg Kaper Wilhelms.
Amsterdam. 10. Noo. Aus zuverlässiger Quelle verlavtet. daß die holländische Regierung die Internierung des Kaisers beschlösse» habe.
Der WaffenSMaud irkßeschloljen.
Metz. 11. Nov. Die dem Arbeiter- und Soldatenrat unterstehende hiesige Funkfvruchstation hat folgenden Funkfpruch cuf- gefangen:
Marschall Foch an die Oberkommarrdiercndev!
1 Die Feindseligkeiten werden an der ganzen Front am 11. November 11 Uhr französischer Zeit eingestellt werden.
2. Die alliierten Truppen werden bis auf weiteres Bef.hl erhalten, die an diesem Tage und zu dieser Stunde erreichten Linien nicht zu überschreiten.
Marschall Fcch.
Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto H i r f ch e l. Friedberg; für den Anzeigenteil: R. H e v n e r, F riedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tageszeitung* A G.. Friedberg i, H
Todes-An,eige.
Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Mitteilung, daß heute morgen nach kurzer Krankheit mein lieber Mann, unser guter Vater, Großvate» Schwiegervater, Bruder und Onkel
Heinrich Peter MM
nicht lange nach dem erst kürzlich erfolgten Heldentode seines jüngsten Sohnes Heinrich im Alter von 73 Jahren sanft entschlafen ist.
Slanrmheirn, den 10. November 1913.
In tiefem Schmerz:
Die.Hinterbliebenen:
Fron Marie Weickett Johannes Heinrich rtSeickert Anna Weickeet geb. Zlentzel Marrin Dollbrecht Wrickert Erniite Wcilkcrt geb. Scherck EUfe Rsn geb. Weickrrl tronrad Rau
und fünf Enkelkinder.
Beerdigung findet Mitwoch 2 Uhr nachmittags statt.


