Ausgabe 
9.11.1918
 
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Von bujen 10 Herren gehören je zwei ber nafionallrberaken nrtei. ber freisinnigen Partei, ber Fortschrittlichen Volkspar- ,Zi, dem Hessischen Bauernbund und ber Sozialdemokratie au. / Darursiadt, 8. Nov. Zn ber Zweiten Kammer wurde heute Anter Zustimmung aller Parteien ein weitgehendes Freiheits­programm angenommen, nach dem die Verfassung umzugestal­ten ist. Das Programm enthält u. a. die Forderung des allge­meinen, geheimen, gleichen und direkten Wahlrechts ohne alle Kautclen bei dreimonatlicher Wohndauer für alle 25jährigen männlichen Bewohner, Kriegsteilnehmer, die an der Front ge­standen haben, sollen mit 27 Zähren wählen dürfen, ferner die Forderung der Beseitigung des Pluralwahlrechts. Propor­tionalwahlrecht. in den drei Provinzen, berufstandische Umge­staltung der Ersten Kammer auf Grund von Wahlen, Ernen­nung oer Minister auf Vorschlag der Zweiten Kammer. Besei­tigung des Sanktionsrechts des Großherzogs bei Gesetzesvor- laacn. gänzlich Neuwahlen der Kammer alle fünf Zähre, Auf­hebung der Kulturkampfgesehe, fakulatives Frauenwahlrecht in den Gemeinden, Beseitigung der Vorrechte der Standesherren. Aufhebung der Steuerfreiheit des Großherzogs. Verbot der Gründung neuer Fideikommisse. Enteignung zu Gunsten bäuer­licher Ansicdlungen. sinngemäße Ausdehnung des Landtags- wahlrecbtc auf Gemeinden. Kreise und Provinzen, Schaffung ei­nes Landwirtschafts- und ErNähiungsamtes.

Weiter wurde beschlossen, dem bestehenden Ministerium einen Staatsrot aus je zwei Mitgliedern der fünf Parteien an- zugliedcrn. Schließlich wurde eine Amnestie bezüglich aller polktrjchon Verfehlungen, Vergehen und Uebertretungen gegen die östentnche Ordnung, die sich auf die Ileberfchreitung der Lebensmittelverordnungen ausdehnen soll, verlangt. Ferner ist bei den zuständigen Kommandostellen eine Amnestie für alle Disziplinär- und Muitärverqehen bei den hessischen Kontingen­ten zu bewilligen und eine Änderung des Beschwerderechts durchzu führen.

'Nt allen Kasernen Frankfurts Versammlungen der Soldatzen stattfinden, in denen die Mitglieder des Soldatenrats ge­wählt werden, die morgen früh 9 Uhr im Gewerksckaftshaus zufammentreten, um ihre Forderungen zu formulieren.

Der Frankfurter Soldatenrat erläßt folgenden Aufruf-

An unsere Brüder im Waffenrock!

Das Morgenrot der Freiheit geht über Deutschland auf!

Ein Volk erwachst!

Da gilt es Bürger im feldgrauen Rock!

In erster Reibe sind wir berufen, das große Werk der Erneuerung Deutschlands vor tückischen Anschlägen der Rück- wärtser zu schützen.

Wir sind aber auch bestimmt, Willkür, Unordnung und Plünderung zu wehren, da sie die gute Sache -schänden und ge- fäbrden. Darum bat sich zur Ergänzung des Wohlfabrts- ausschusses aus den Tr-uchp'-n der Frankfurter Garnison durch freie Wabl ein Soldatenrat gebildet, der seine Befug, niss-e nrit dem heutigen Tag antritt.

Soldaten! Dieser Ausschuß ist in als-n militärischen Angelegenheiten für Euch die zuständige Stelle!

Stellt Euch geschsoss"n hinter ihn!

Wabrt freiwillige Disziplin!

Für den Provisorischen Soldatenrat:

Motte, Reinbardt, Inf.-^egt. 81- Böttger. Erst-Batl.

81- Tlak Ersatz-Abtla.: Ostormann, Berger, V^rt'-am, Madert und Homberg: Eohn, Ldst.-Inst- Eri.-Btl. 18/Z1- Harris, Ers ^lbtlg. des Felda^t.- ^"gt 63. Grast fab rer 6>'eorg Koniernp. Sergeant Mar Miobeck K-A. 18 Ers.-Komp.); Herber, E.-Ldst.-Jnf.- Rgt. 116.

Die Vorgänge in Hamburg.

Aus Hamburg wird gemelkt: Die Hamburger Börse war «uch heute geschlossen. Der Straßenbahn- und Hamburger Hoch- bahndetrieb wurde morgens um 7 Uhr wieder aufaenommen. wird aber am Nachmittag wieder eingestellt werden. Die Verordnung über dim Aufemhalt auf den Straßen ist arrf 9 Uhr abends bis. ** J, & r morgens abgeändert worden. Sämtliche Geschäfte und Büros müssen um 5 Uhr nachmittags schließen. Die Hamburnr Theater sind während der Mittwoch-Abendvorstellung cnif An- oi-dnung des ^ Arbeiter- und SoldatenrateZ geschlossen worden. Sämtliche Gefangenen des Uutersuchungsgefängniffes. ca. 606 Personen, sind in Freiheit gesetzt worden. Unser diesen befindet sich neben Schwerverbrechern auch der zum Tode verurteilte Raub" mc-rder Ebrrt. der seinerzeit den dänischen Maler Mortensen er­mordete beraubte und in Bergedorf verscharrte.

Hamburg, 8. Nov. Die letzte Nacht ist ruhig verlaufen. Drr Straßen- und Hochbahnbetrieb ist in beschränktem Maße wieder wrsgenommen worden. Der Arbeiter- und Coldatenrat erließ in ferner heute erstmalig erschienenen Zeitung,Die rote Fahne- folgenden Aufiuf an die Bevölkerung:

Hamburger Soldaten. Arbeiter. Parteigenoffen!

Durch die alten Partei- und Gewerkschastsvorstände wi, versucht, dem durch die Revolution entstandenen Arbeiter- ur Coldatenrat Kuüvpel zwischen die Beine zu werfen. Es sind B sirebunam im Gange, neben dem bestehenden Arbeiter- und So datenrat. der alle vorhergehenden Gewalten außer Kraft geset bat. neue Ddeqieitermertrettnwen zu schassen. Der Arbeiter- ur Soldateurat verbittet hiermit der gesamten Presse und alle Druckereien Hamburgs von Aufrufen der alten Partei und E werkichastsvorständen irgend welche Notiz zu nehmen. Zuwider Handlungen aeaen diese Befehle werden durch sofortige mil rarische Maßnahmen bestraft werden. Der Arbeiter- und Cd datenrat ist nicht das Werk einzelner Perfoiren. die nach Bc lreben beiseite gedrängt werden können, sondern er ist das Prc d>.!t einer vollzooencn Revolution. Diese Revolution die di alten hatten (Wtürjt fiat, ist jetzt br-mit fiei*äftiat. die ein feilcltcn Volk-krokte tnifs Neve zusonnnei'Pifafsen, um zu ve, fimbern, da« ein (Tfico? entsteht. Wir sind Een«. mit all- bc,tedenden Arbeiterorganisationen MsainmenWarfi-it«, wei w-r ledes technische Mittel der Ora-nisa-ion an-uwond-n Haber um eine moalichlt sofortige Reaelnnq oller aejrklschaftlicken UN Berrefir-bc-iefiunoen berrustellen. Auch Me alten Eewert schien, die allen Parteroraanifationen werden Eeleoenhei in b-n Dienst einer Zu-ammenMun« aller prole e f r fträfte f ffc!Ten Aber es ist unser.

ift^nWu * ? - U T'^ n Auordnunaen zu treffen. El 1 E' -hre Äu^a.-e. .rordeninxen ,u erheben. Sobald dH Exekutive der in den Betrieben und Kasernen zu wltblender -efeiterfen aeo, det ist, werden wir mir den <5-werksch°fts.

IZTt VI mt Mc Sotm bet 3«f«mmen: !!f ' V "ber iteffennber der ans der Revolutioii

qebo enen Oraanisotion der Räte. Sonberaraanisationen i>

brn H'm Bfi Zwecken und must notwen

der Sol f 6a0S !!? C Z ^ei'eniiber jedem derartigen Versuch der Sab.taae an der Revolution werden wir mit den schärfsten

Z-vni^mostnahnien vor.zehen und vor keinem Mittel zurück-

Für die Kriegsbeschädigten: Eicbinger, Altmaier.

Die Vorstände d ?2 Sozialdemokratischen Vei-eins und des Gewerkschaftskartells erlassen folgenden Aufruf:

Uebt strenge Selbstdisziplin!

Was die nächste Stunde bringen wird, das wissen wir nicht.

Tanks Wilhelm ab. so wird wahrscheinlich geordnete Fortführung einer vertiefiton Retormhewegung polifilch, militärisch, sozial möglich Verharren die alten Ge­walten in Trotz und Eigensinn, so sieht schweres bevor.

Was kommen mag: aufrecht sei es getragen. Aufrecht und starkem Sinnes vollende unser Volk sein Werk.

Das Werk bleibe rein und rein die Hände derer, die - daran schaffen.

Duldet nicht, daß Banden die Volksbewegung für ihre Zwecke mißbrauchen. Duldet keine Vergeudung und Zer- siöi-ung von Volksgut. Nahrung, die verschleudert wird' be­deutet Hunger der Massen!

U'bt firenge Disziplin!

Folgt dem Rufe der Organisation!

Der Vorstand des Sozialdemokratischen Vereins.

Frankfurt a. M.

Der Vorstand des Gewerkschastskarlells Frankfurt a. M.

Arbeiter- und Soldatcnrat in Köln.

.Köln, 8. Nov. In einer soeben siattgehabten überaus stark besuchten Versanrmlung wurde ein Arbeiter- und Sol­datenrat für Köln gebildet, der sein Bureau im Rathaus airf- geschlag^n hat. Der Bürgermeister hat angeordnet, daß die zur Entlassung gekonimenen Gefangenen in Schulen durch die Stadtkückre gespeist werden. Von dem Versammlungsleiter wurde nachdrücklich zur Ruhe gemahnt.

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Weber Unruhen in Hrmau

lesen crir in b;r ..Volksstimme": Während der Rathausver-

hanvlnngen flog ein Stein durch ein Fenster in den Saal: bas steigerte oie Erregung noch mehr. Znstizrat Uth hob dann die Sitzung auf, die Masten stürzten in den Stadtverordneteusaal hinein, und es fanden erregte Auseinandersetzungen zwischen ernze.nen Personen statt. Sehr lebhaft ging es auf dem Markt­platz zu. Unverantwortliche Personen stürmten den Loffosch.n Laoen auf dem Marktplatz, schlugen innen alles kurz und klein und Halfen die Lebensmittel, die heute zur Verteilung gelan­gen foGfc n, zum Fenster hinaus, wo sie willige Abnehmer fan­den. Durch das Herberholen der Polizei gab es dann eine An­zahl Verletzungen.

DieVolksstimme" bemerkt dazu: Die klaffenbewußle Ha­nauer Arbeiterschaft steht diesen Ausschreitungen fern, sie lehnt sie auch ab. Daß sie vorgekommen sind, bedauert sie aufiichtig? denn damit wird gar nichts erreicht. Arbeiter! Nehmt euch e:n Muster an der Kieler Arbeiterschaft, die vor Plünderungen. Nanb und Gewalttätigkeiten gewarnt hat und damit gut zum Ziec gekommen ist. Mit solchen Vorkommniffen. wie in Hanau, wird man immer das Gegenteil von dem erreichen, was be­zweckt werden soll. Einigkeit und Geschloffenheit tun mehr denn je not.

Unterzeichnet: Arbeiter- und Soldatenrat

Wahl don ?rnnks,tcr Leldntenrätcn.

8 ' 9?ob - § n Ergänzung d-s Wol fal,,n»ss 2 M.sns und in Anbetracht, daß verschiedene Tr» denteile eigenmächtig ohne Organisation auf eigen« Fa> W T n Zl en ^ rrtcn ' begaben sich folgende Herren zum Chef d » von Studnitz: R-ichZ!aa?abgeorLnct ® 1 ® e5ir ^ fefretar Kroger, N-Lakl-ur Altmaier, Kirc 1 &*»'toorouf ein Garnison-befehl erging, d< he te abend g Uhr in allen Kasernen die Mannschaften z samnientreten zweck? Bildung von So!dat°nrät«n. Ein V« treter der sozialdemokratischen Partei soll in jeder Käsen öie Oraanisafion leiten. Enfolgedessen werden heute aber

Das gleiche Wahlrecht für alle Kundesllaaten.

Einführung des Frauenstimmrechts.

Berlin, 8. Nov. Die Mehrheitsparteien des Reichstags haben sich geeinigt, tu der nächsten Reichstergssitzung folgenden Initiativantrag einzubringen:

Die Wahlen zum Reichstag und zu den Volksvertretungen aller Bundesstaaten finden nach dem geheimen, gleichen und unmittelbaren Wahlrecht nach den Grundsätzen der Verhältnis­wahl statt. Wahlberechtigt ist ohne Unterschied des Geschlechts, wer daß 24. Qebenzjafyc vollendet hat. Die Zugehörigkeit zur Volksvertretung geht nicht dadurch verloren, daß der Abgeord­nete ein Amt annimmt oder in ein anderes Amt eintritt."

Diefer Antrag bedeutet also, datz das gleiche Wahlrecht dru schließlich des Frauenwohlrechts auf dem Wege der Reichsge­setzgebung in allen Bundesstaaten eingeführt wird. Damit ist auch die preußische Versaffungsreform zum Abschluß gebracht.

Aufruf des Ueichslrsnr'ers an die Auslandsdenilchen.

Berlin, 8. Nov. (WB.) Der Reichskanzler erläßt folgen­den Aufiuf:

An die Deutschen im Nuslande! Zn diesen schweren Ta- gen wird manchem von euch Volksgenosien. die außerhalb der Grenzen des deutschen Vaterlandes von Schadenfreude und Haß umgeben sind. d.as Herz schwer werden. Verzweifelt nicht am deutschen Volke! Unsere Soldaten kämpften bis zuletzt so hel­denhaft, wie nur je ein Heer gekämpft hat. Die Heimat bv, wies eine unerhörte Kraft des Leidens und Ausbarrens. Zm fünften Zahre von seinen Bundesgenosien verlosten, konnte das deutsche Volk den Kampf gegen die wachsende Uebermacht nicht mehr weiterführen. Der Sieg, auf den viel- Hostien, ist nicht unser geworden, aber einen größeren Sieg erfocht das deutsche Volk, denn es besiegte sich selbst und seinen Glauben an das Recht der Macht. Aus diesem Sieae werden wir für ditz schwere Zeit, die uns bevorsteht, neue Kräfte schövfen. auf die auch ibr bauen könnt. Denen von euch, die während der harten Kriegsjahre für ihr deutsches Vaterland gestritten und gelit- len haben, wird auch das neue Deutschland seinen Dank nicht schuldig bleiben. Soweit es in der Macht der deutschen Regie­rung und des deutschen Volkes steht, die Leihen dieses Krieges und ihre Folgen zu lindern, wird ihre Fürsorge ebenso den Deutschen im Auslande wie den Deutschen in der engeren Hei­mat zuteil werden.

Reichskanzler Prinz Max von Baden.

Joffe und Cohn.

Ein Mittagsblatt hatte gemeldet, daß der Abgeordnete Eohn-Rorohausen von der unabhängigen Sozialdemokratie die .etzte Nacht bei dem russiichen Botschafter zu^ebracht und von ihm ein Paket mit Geld ausgehäudiqt erhalten habe. Zu dieser An. gelegenhett erfahren wir noch von zuständiger Seite:

Als der Eintritt in die russische Bostchaft nicht verwehrt wurde, gelangte auch d^r unabhängige Führer in die Botschaft hinein. Der Austritt aus der Botschaft war jedoch nach den ge. trostenen Anordnungen nicht gestattet, und so mußte auch Herr Cohn die Nacht bis zur Abreise dar Botschaft im Gesandtschafts, gebäude zubringen. Herr Joste bat dann dringend. Herrn Eohn ein Paket anvertrnuen zu dürfen, das ngch seiner bestimmten Versickerung nur Geld enthielte. Herr Zoffe behauptete, es seien Betrage für Gefanoenenfürsorae uno das Rote Kreuz Dem wiederholten Wunsch HB^rn Zostes wurde entsprochen, und Herr Cohn konnte das Geldpakei nehmen.

Der behaupteten Bestimmung des Geldes wird man einige Skepsis entgegenbringen dürfen.

Ueber den Znhalt der für die rrrstsiche Botschaft bestimmten und zu Schaden gekommenen Kiste erhalten wir folgende An­gaben: Es befand sich in dem Gepäckstück eine Flugschrift Karl Redeks:Der Zusammenbruch des Zmverialismus und die

Aufgabe der internationalen Arbeiterklaste." Es handelt sich um eine Rede, die Radek am 7. Oktober dieses ZahreS im Mos. kauer Sowjet-Theater gehalten hat. Ein weiteres Flugblatt beschuldigt die deutsche Regierung einer schwindelhaften Frie­densoffensive und beschimpft auch sonst die deutsche Volksregie- rung. Dieses Flugblatt wurde bezeichnenderweise gerade in den letzten Wochen in den Daimler-Werken zu Stuftgort in zahl- reichen Exemplaren verteilt. Ein weiteres Flugblatt:Zittert ihr Bluthunde und Volksmörder!" fordert zur Ermordung aller Nichtarbeiter auf. Es wendet sich vor allem an die Soldaten.

-Nr Kruch mif hn KollchtMu.

Von unserem Berliner Vertreter.

Nach einer soeben eintteffenden amtlichen Meldung sind die Vcziehungen Deutschlands zur russischen Sowjet-Regierung ab- gebrochen. Die deutsche Regierung hat von der russischen Re- grerung Bürgschaften verlangt, daß in Zukunst von ihren Or.

In Frledberg zu haben bei: fiFr. rnettrieNrog» Elektrotechnisches Büro; Willi. Ad. BSeß, Schlosserei und Installationsgeschäft; fiAarl Lftrike» Installationsgeschäft