Umnme r 364 OriiHflyrcig ^IS« Samstag, den 9 . Novem ber 1918 13 . Jahrgang.
Oie .»Iltne Tageszeitung" erscheint zeden Wertta?. Repetmatzrge Beilagcn ,»L-er Kauer aus Hessen", „Die Spinnssnde". Bezugspreis: Bei den Postanstaiten vierieliührlich Att. 2.7o hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Agenten monatlich 1.60 Mk. einschließlich Träger lohn. Anzeigen: Grundwerte 2d Pfg., totale 20 Prg^ Anzeigen von arrswärrs werden durch Vostnachna me erhoben. Erfüllungsort Frtevbera. Schriflleilung und Derlag. Friedberg sHeffeni. 'aanauerstraße 12. Hrrn'vrecher 48. Bosti Heck-Esnto Nr. 43*9, ;lmt *tan(furt a. M.
— Gin Kiaat- rat
lieU’VuU Gründung von Arbeiter- und Zoidalenräten. — Die Republik Kayern.
in He^cn. — Die Waffenstiltftandsbedingnugen nntermegs.
Der deutsche Generalstab ^— meldet: ==5
W. T. K. Kvotzes Hrmptquartiev, derr 8. UorZemdee Amtlich,
Westlicher Kriegßschauplak.
Der Franzose der sich nordöstlich von Oudenaarde erneut auf östlichem Scheldeuser festsetzte, wurde im Gegenangriff wieder über den Fluß geworfen. Zwischen der Scheide und der Maas haben wir die Bewegungen in letzter Nacht plangemäß weitergeführt. Bor unseren neuen Linien entwickelten sich Nachhutkämpfe, die südlich der Straße Bolenciennes—Montz. an der Sambre, nördlich von Avesnes und auf den Maas- Höhen südwestlich von Sedan größeren Umfang annahmen. Cie endeten überall mit der Abwehr des Gegners. Der Feind stand am Abend östlich von Bavai — nördlich von Avesnes «- östlich von Capelle — südwestlich von Hirson — südlich von Signy-L'Abb-.'ye bei Poix Terron und auf den Maashöhen südwestlich von Sedan. Oestlich der Maas Teilkämpfe in dem Waldgelände westlich von Brandeville.
Der Erste Generalquartiermeister: E r 3 n e e.
Abeiidbeyicht.
Berlin. 8. Nov., abends. (WB. Amtlich.) An der Westfront ruhiger Tag.
Arber-reich mig
der WaffenstiUstundsbedittgungeu.
Ablehnung der Waffenruhe.
Berlin, 8. Nov. Die Waffenstillstandsbedingungen sind der deutschen Delegation überreicht worden. Sie sind unterwegs nach Berlin, der Inhalt ist noch nicht näher bekannt. Bis zum Montag muffen sie en bloc angenommen werden. Die Waffenruhe ist von Foch abgelehnt worden
Die Kailerkrlse.
Dem isst onsgesnch des Reichskanzler«
Berlin, 8. Nov Wie wir hören, ist dem Kaiser über d'e Lage telegraphisch Bericht erstattet worden. Eine Antwort ist bisher nicht eingetrosfen. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden hat dem Kaiser seine Demission angebaten.
Berlin, 8. Nov. (WB. Amtlich.) Der Kaiser, welcher vom Reichskanzler über die Gesamrlaas genau unterrichtet ist hat den Prinzen Max von Baden gebeten, einstweilen die Geschäfte des Reichskanzlers weiterzufübreu. bis ein endgültiger Beschluß des Kaisers erfolgt ist. Dieser ist in kürzester Frist zu erwarten.
Die foMraifpij in Deiche.
Sitzung des Kriegskabmctts.
Berlin, 8. Nov. (WB.) Dns Kriegskabinett ist unter dem Vorsitz des Reichskanzlers seit dem frühen Vormittag zu einer Sitzung versammelt. Tie Meldung eines hiesigen Blattes, wonach der Reichskanzler ins Hauptgrrartier abgereist ist, ist somit unrichtig. Es verlautet, daß mit Rücklicht auf die Verkehrsschwierigkeiten die Frist des sozialdemokratischen Ultimatums bis 6 Uhr abends verlängert worden sei. Eine Bestätigung dieser Meldung liegt jedoch nickst vor.
Das Straßenbild der Reichsharrptstadt ist von den politischen Ereignissen fast gänzlich unbeeinflußt. Es wird in allen Betrieben gearbeitet.
Frankfurt, 8. Nov. Tie militärisch angeordnete Telephon- und Telegrammsperre von Berlin hat zu den unsinnig- pieit Gerüchten Anlaß gegeben. Wie wir erfahren ist bis zur sStunft: in Berlin alles ruhig. Die Aufhebung der Telephon- Änd Telegrammsperre ist zu erlvarten.
Uepnblik Payern.
München, 8. Nov. München steht seit gestern abend unter der Herrschaft eines Arbeiter- und Soldatenrates. Ein Mili-
läraufstand hat diesen Zustand in urplötzlicher Entwicklung her- beigeführt. Heute vormittag erscheint folgende Proklamation:
An die Bevölkerung Münchens?
Das furchtbare Schicksal, das über das deutsche Volk herein- gebrochen rst. hat zu einer elementaren Veregung der Münchener Arbeiter und Soldaten geführt. Ein provisorischer Arbeiter» Soldaten- und Banernrat hat sich -in der Nacht zum 8. November im Landtag konstituiert.
Bayern ist fortan Freistaat.
Eure Velksreaierung, die von dem Vertrauen der Massen > getragen wird, soll unverzüglich eingesetzt worden. Eine konstituierende Nationalversammluna, zu der alle Münchener Männer und Frauen das Wahlrecht haben, wird so schnell wie möglich einberufen werden. Eine neue Zeit geht an. Bayern wird Deutschland *ür den Völkerbund rüsten. Dis demokratische und sczialdemokraltsche Republik Bayern bat die moralische Kraft, für Deutschland einen Frieden zu erwirken, der es vor dem Schlimmsten bewahrt. Die jetzige Umwälzung war notwendig, um im letzten Angenblick durch die Selbstregieruirg des Volkes die Entwicklung der Zustände ohne ellzufchwere Erschütterung zu ermöglichen, bevor W feindlichen Heere die Kreuzen überfluten oder nach dem Woffenstillstand^die demobilisierten deutschen Truppen das Chaos herbenühren. Der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat wird strengste Ordnung sichern. Ausschreitungen werden rücksichtslos unterdrückt, die Sicherheit der Personen und das Eigentum wird verbürgt. Die Soldaten in den Kafernew werden durch Soldatenräte »ich selbst regieren und die Disziplin aufrecht erhallen. Ofsipere. die sich den Forderungen der veränderten Zeit nicht widersetzen, sollen unangetastet ihren Dienst versehen. Wir rechnen aas die schaffende Mit, Hilfe der gesamten Bevölkerung. Jeder Arbeiter an der neuen Freiheit ist willkommen. Alle Beamten bleiben in ihren Stellungen Grundlegende soziale und politische Reformen werden unverzüglich ins Werk gesetzt. Die Bauern verbürgen sich für die Versorgung der Städte mit Lebensmitteln. Der alte Gegensatz zwischen Land und Stadt wird verschwinden. Die Ablieferung der Lebensmittel, wird rationell organisiert werden.
Arbeiter und Bürger Münchens, vertraut dem Großen und Gewaltigen, das in diesen schicksalsschweren Tagen stch vorbe- inM. Helft alle mit daß sich die unvermeidliche Umwandlung rasch, leicht und friedlich vollzieht. In dieser Zeit des namenlosen wilden Mordens verabscheuen wir alles Blutvergießen. Jedes Menschenleben ioll heilig lein. Bewahrt die Ruhe W»rkt mit an dem Ausbau der neuen Welt. Der Bruderkrieg der So- ziallsten ist iür Bauern beendet Aus der revolutionären Grundlage. die fetzt gegeben ist. wurden die Arbeitcrmaffcn zur Ein- helt zurückgefübrt. E- l-be die bayerische Republik, es lebe der Friede, es lebe die schaffende Arbeit aller werktätigen Münchener.
Landtag, in der Nacht zum 8. November 1918.
Der Rat der Arbeiter. Soldaten und Bauern.
Der erste Vorsitzende: C u r t E i § n e r.
Bekanntmachung: Zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit arbeiten von heute an das gesamte Polizei- und Sicherbettspersenol 'in Auftrag und unter Kontrolle des Ar- bctter- und Soldatenrates. Den Anordnungen dieser Organe ist unbedingt ^olge zu leisten.
Erklärung des Münchener Polizeipräsidenten: Ich ver
pflichte mu6. bei der Ausübung des Sicherheitsdienstes den Anordnungen des Arbeiter- und Soldatenrates München Folge zu leisten. Sofern ich dieser Verpflichtung nicht Nachkommen kann, muß ick mir das Recht des Rücktritts Vorbehalten
München, 8. November, morgens 1 Uhr.
Der Münchener Polizeipräsident, gez. v. Beckh.
Die „Münchener Neuesten Nachrichten" wurden gestern abend von Aufständischen besetzt und unter Kontrolle genommen. Sie sind die einzige Zeitung Münchens, die heute erscheinen darf.
Münchener Massenversammlung.
München, 8. Nov. (WB.) Die sozialdemokratische Partei veranstaltete gestern nachmittag 3 Uhr auf der Theresien- wiese eine Riesenmassenkundgebung. Dabei sollte von der Partei zu den großen Tagessragen, die auch in der letzten Bertrauensmänneroersammlung der Münchener Arbeiterschaft erörtert wurden, Stellmrg genommen werden. Zehntausende l-aften sich auf dem freien Platze vor der Bavaria eingefunden. Die Gewerkschaften und die Arbeiterschaft der verschiedenen Betriebe waren in geschloffenen Zügen nach dem Versammlungsplatze gezogen. Eine Anzahl Redner hielt Ansprachen
an die Versammelten. Schließlich wurde überall durch HanS>- üv.sheben eine Entschließung angenommen, in der verlangt wird:
Sofortige Abdankung des Kaisers und Thronverzicht des Kronprinzen, Vereidigung des deutschen Heeres auf die Verfassung, Beseitigung aller Verfassungsbestimmungen, die der Freiheit des gesamten deutschen Volkes noch entgegenstehen und den Ausbau Deutschlands zu einem demokratischen Staat? hemmen, Ausschaltung aller rückschrittlichen Kreise aus der vo- , litischen Verwaltung und völlige Demokratisierung der Ver- l waltung, Annahme der Waffenstillstandsbedingungen und Ablehnung der hauptsächlich von den Alldeutschen verlangten nationalen Verteidigung, sofortige Ergreifung aller Maßnahmen die die Ordnung, Sicherheit und Ruhe bei der Heimbeförde- rung der Truppen verbürgen, Schaffung von Bürgschaften ftir das Beschwerderecht der Soldaten, umfassende soziale Fürsorge. Maßnahmen für die Notleidenden, Arbeitslosenversicherung und achtstündiger Arbeitstag.
Von den Rednern, deren Ausführungen wiederholt von stürmischen Zustimmungen begleitet waren, wurde betont, daß die sozialdemokratische Partei nicht zum Ausstande und zur Revolution ausfordern wolle, sondern die Entwicklung zum Volksstaate nach und nach erreichen wolle. Der Aufforderung der Redner zu einem großen Zuge durch die Stadt und nach dem Schlöffe des Königs wurde Folge geleistet.
In einem riesigen Zuge unter Vorantritt einer Musikkapelle bewegten sich die Teilnehmer, unter denen sich auch Kruppen von Soldaten verschiedener Waffengattungen befanden, nach dem Wittelsbacher Palaste.
In einem Maueranschlag hatte schon am Vormittag das Ministerium die Bevölkerung zur Besonnenheit, Ruhe und Ord< nung aufgefordert.
Unterbrochene Verbindung.
München, 8. Rov. (WB ) Die Oberpostdirektton München hat soeben von Berlin die Mitteilung erbalten, daß feder private Telegrammverkehr von und nach Berlin eingestellt worden ist.
Absetznng der DynaK-.e Witiels>>i»ch.
München, 8. Rvo. (WB.) Der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat hat in einer heute vormittag abgehalteneu Sitzung im Landtagsgcbätide die Absetzung der Dynastie Wittelsbach beschlossen.
Der-Vizepräsident verliest sodann eine Proklamation der neuen Regierung, die sich auf die Mitarbeit des gesamten bayerischen Volkes stütze.
„Es kommt jetzt vor allem andern darauf an. daß Ordnung und Ruhe im Lande gewahrt wird. Die llnnvälzung ist vollzogen. Die friedliche Entwicklung muß das weitere Ziel sein. Jeder, der die neue Ordnung zu eigenen Zwecken mißbraucht, ist ein Feind des Volkes und wird als solcher gerichtet werden. Kegen Plünderung und Raub werken wir mit den schärfsten Mitteln oorgehen. Alle Beamten bleiben im Dienst. Sie werden. wie das Heer, auf die neue Verfaffung vereidigt. Unsere Truppen sind angewiesen, die Grenze zu schützen und Heim und Herd vor dem Einbruch des Feindes und der plündernden Banden zu bewahren. Die Soldaten in die Kaserne, die Arbeiter in die Betriebe? Jedem Bürger liegt die Arbeitspflicht ob! (Einmütiger Beifall).
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Gin hessischer Htnnlsrat.
Darmstadt. 8. Nov. (WB.) Amtlich wird bekanntgegeben: Der Großherzog verordnet hiermit wie folgt:
Bis zur endgültigen Regelung der schwebenden und mit Rücksicht auf die gegenwärtige Lage wird zur M*. Wirkung bei den Regierungsgeschäften ein Staatsrat gebildet, dem neben den im Amte befindlichen Ministern Mitglieder Leider Kammern der Landständs -aneehören. Unser Staatsministerium ist mit der Ausführung beauftragt.
Darmstadt, den 8. November 1913.
Ernst Ludwig. gegengezeichnet'. Ewald.
Darmstadt, 8. Nov. (WB.s Der Eroßherzog hat zu Mit-^ gli^-ern des Staatsrats zunächst ernannt auf Vorschlag der 2.' Kammer die Landtagsabgeordneten Geh. Iustlzrat v. Bren* tano-Osfenbach, Rechtsanwalt Dr. Fulda, Beig. Henrich-Darmstadt, Oberbürgermeister Köhler-Worms. Oekonomierat Korell* Angenrod, Iustizrat Dr. Osann-Darmstadt. Iustizral Reh-Als-, selb, Stadtrechner Uebel-Dieburg, Reichstagsadg. Karl Ulrich» Offenbach, Prof. Dr. Werner ButzbqD


