Eltern. Er hört die bittersten Klagen — nicht wegen der Arbeit, sondern wegen der Drangsalierungen, denen sie von der eigenen Verwaltung ausgesetzt sind. Sie sehen und hören, wie diese Verwaltung das zur Aufrechterhaltung der SSirtfcfttft unbedingt nötige Vieh aus den Ställen zerrt"...
Gesteigert wird nach Ansicht dieses Arbeiters die Erbitterung durch die Beobachtung, daß die Verwaltung sich zur Durchführung ihrer Maßnahmen der Hilfe von „Reklamierten, Drückebergern in den Augen der Soldaten", bedient, die ihrem Alter nach in den Schützengraben gehörten. Dieselben Reklamierten seien es. die der Frau des städtischen Urlaubers die oft von weither mühsam zusammengeholten kleinen Nahrungsmittelmengen zur Stillung des Hungers der Kinder fortnehmen. Das verbittere den städtischen Ür- ^uber und daneben die Beobachtung, daß die Hälfte seiner Bekannten, die ihm ebenso wehrfähig erscheinen, wie er selbe! .st irgendwo Unterschlupf gefunden hat, keine Entbehrungen leidet und sich in allen möglichen Vergnügungsstätten amüsiert wie im Frieden.
Endlich höre der Urlauber überall das Gerede, daß der Friede nicht erkämpft, sondern en'chwatzt werden müßte und daß wir schon so oft Frieden hätten haben können, wenn wir nur gewollt hätten.
Dieses von demokratischer Seite in das Volk geworfene verlogene „Gerede" dient nur dem Zweck, das schlecht unterrichtete Volk, das nicht weiß oder nicht gerade daran denkt, wie oft unsere früheren Negierungsmänner schon direkt oder indirekt unseren Feinden die Friedenshand angeboten haben, gegen die sog. „Militaristen, Nationalisten oder Alldeutschen" aufzuhetzen und daheim wie draußen Mißmut zu erregen.
Um anderen Beschwerden von der Front abzuhelfen, fordert der Arbeiter gleichmäßige Verpflegung für Offiziere und Mannschaften. Das ist also dieselbe Maßnahme, die von den konservativen Abgeordneten neben der Solderhöh- ung verlangt worden ist. Nach Abstellung aller berechtigten Beschwerden der Front bezeichnet derselbe Arbeiter (ein gedienter Soldat) die Wiederherstellung der eisernen Zucht als durchaus notwendig Mit Hilfe dieser hätten die Franzosen die schlimmsten Meutereien in ihrem mißmutig gewordenen Heere unterdrückt.
Die wichtigsten Mahnungen aber sind in folgenden Sätzen der Arbeiterzuschrift nredergeleat:
„Es gilt jetzt, der Armee den Glauben wiederzugeben. Die Sacke ist denn doch durchaus nicht gefährlicher, als sie bei Ausbruch des Krieges war. Laßt uns nun endlich den Krieg im Ernst führen! Zurück mit allen Reklamierten und sogenannten Unabkömmlichen an die Front! Heraus mit den? letzten Lehrer, Oberbürgermeister und Reichstagsabge- ordneten (besonders mit den langgedienten Zivilversorgungsberechtigten bei den Behörden), sofern er sich im wehrpflichtigen Alter befindet. Tie Front muh den Glauben wiederbekommen, daß die Wehrpflicht für alle vorhanden ist. Es kann und darf nur Unabkömmliche geben bei der Herstellung des unmittelbarsten Kriegsbedarfes. Geht der Krieg wirklich verloren, so wird unser Unternehmertum dafür büßen müssen, daß es Drückebergern hilfreich seine Hand ent- gegenstreckte. Auch die wichtigsten unserer Kriegsbetriebe müssen von vornherein die Hälfte ihrer Reklamierten heraus, geben. Vor allem hat eine rücksichtslose Auskämm ung aller militärischen Schreibstuben und Betriebe zu erfolgen. Hier werden starke Männer verwandt, «m die Arbeit von Krüppeln und Frauen zu verrichten. Jegliche Arbeit, die sich nicht um Brot und Waffen dreht, ist zu unterbinden; alsdann wird jeder ersetzt werden kennen und keiner mehr unabkömmlich sein. Der Tod fragt doch auch nicht, ob jemand abkömmlich ist- „Haben wir ganz vergesien, daß wir noch eine
Anzahl waffenfähiger Jahrgänge im Rückhalte haben?
Schreiber dieses ist jetzt 5V Fahre alt. und er ist knegsbrauch. barer als ein Kind von 19 Jahren. Ein Federstrich kann 50 neue Divisionen aufsiellen: ein Gambetta fände leichtere Arbeit bei »ns, sofern er sich nur zeigen wollte. Unter lauter sozialistischen Arbeitern lebend, vermag ich keinen zu entdecken, der einen Frieden um jeden Preis, der auch nur Lothringer! preisgeben wollte."
Das glauben auch wir, daß selbst kein sozialistischer Ar- beiter für die Abtretung Lothringens (oder Oberschlesiens) als Friedenspreis zu haben sein würde, wenn ihm nur klar gemacht wäre, daß damit unserer Schwerindustrie, der Grundlage der gesamten industriellen Entwickelung, der Le- bensfaden abgeschnitten werden würde. Im übrigen wollen wir uns nicht jedes Wort des Kölnischen-Arbeiters zu eigen machen, wohl aber verdient seine Mahnung, unseren Frontsoldaten den Glauben an den Sieg dadurch zu stärken, daß man alle kriegshrauchbaren Männer, die nicht mit Munitions und Broterzeugung beschäftigt sind, alle „Kriegsschieber" und Drückeberger ohne Rücksicht auf ihr Alter oder angebliche Unabkömmlichkeit zu jenen seit Jahren im Feuer liegenden Helden hinausschickt. Das würde ermutigend auf unsere Front, mäßigend auf die Vernichtungsforderungen unserer Feinde einwirken, wenn sie erkennen müßten daß das deutsche Volk bereit ist, auch sein Letztes an Sicherung seiner völkischen Ehre und Zukunft zu setzen. Das würde einen annehmbaren Frieden endlich nahe bringen.
Meisterhafte Mckniae.
Ein Blick auf die Lage an der Westfront.
Von Oberst Immanuel.
Soll die Verteidigung auf die Dauer erfolgreich blöiben so darf sie nicht starr und nur vom Willen des Feindes abhängig sein, sondern muß sich biegsam, beweglich, geschmeidig erhalten, um sich ungünstig werdenden Lagen rechtzeitig zu entziehen und hierdurch neue, besiere Kampfbedingungen zu schaffen.
Mit wuchtigem Schwünge haften wir im März 1918 aus der Westfront den großen Angriff begonnen, der uns bis zum Juli im Norden über den Kemmel hinaus, in der Mitte vor Amiens und Eompisgne, im Süden bis über die Marne führte und in seiner Fortführung zu den besten Aussichten berechtigte. Allein ein Umschlag trat ein. wie er nun einmal in iedem Kriege möglich ist. Der Feind, durch über Erwarten starken Zuzug verstärkt, in bezug auf Material uns um Vielfaches überlegen. schritt zum Gegenangriff und traf uns hiermit in einer strategischen Lage, die. für den Angriff geschaffen, der Verteidigung nicht günstig war. Sonach entschloß sich die deutsche Heeresleitung, der veränderten Lage sofort Rechnung fragend, zum Dbbrechen des Gefechtes und zum Zurückverlegen der Fronten. Diese Aufgabe aber wuchs zu gewaltigen Schwierigkeiten, weil der Feind über Kräfte verfügte, die den unierigen sehr bedeutend überlegen waren. Wer selbst einen Rückzug im Weltkriege mitgemacht hat. der weiß, daß er Prüfstein für die Nerven der Führer und für die Ausdauer wie für das Vertrauen der Truppen ist. „Zurück?" Ist im Kriege ein bitteres Wort EZ stellt hohe Ansprüche an die Geduld und Moral der Truppe.
Heute, wo sich im Lande leider mancher Kleinsinn und viel Nervosität regen, muß mit Nachdruck betont werden, daß dle deutsche Führung und die deutsche Truppe die Prüfung gut bestanden haben, und daß kein Grund zur Verzweiflung. zumZagev vorhanden ist. Es kommt eben nur darauf an, mit Gleichmut und Vertrauen eine ungünstige Lage zu überdauern und durch sie hindurch in eine besiere Zukunft zu blicken Wir müsien durch die innere Gefchlosienheit den Kämpfern an der Fronr den Beweis liefern, daß das deutsche Volk als Ganzes um der Rettung und der Ehre des Vaterlandes willen bis aufs letzte zu kämpfen bereit ist, wenn es sein muß.
Was wollten die Feinde?
Sie rechneten mit Bestimmtheit daraus, uns entscheidend zu schlagen, strategisch und moralisch an der Front zu brechen, womöglich große Teile des deutschen Heeres einzukesieln und gefangenzunehmen.
Ist ihnen daß gelungen?
Nein! Also haben sie ihren Zweck nicht erreicht Alle An. Zeichen sprechen überzeugend dafür, daß sie auch im weitere» Verlaufe des Krieges niemals an dieses Ziel gelangen werden.
Warum haben sie diesen Zweck nicht erreicht?
Weil die deutsche Heeresleitung Herrin der Streitkräft» und der vollen Entfchlußsteibeit geblieben ist, weil sie da, kampferprobte und kriegsgeübte Heer fest in der Hand hält und auch die schwere Kunst des Rückzuges versieht.
Worauf kommt es auf dem Rückzug im großen Maßftabe an?
Vor allem ailt es. Kräfte zu sparen und Verluste zu meiden, während der Feind sich bei seinem hitzigen Nachdrängen schweren Opfern aussetzt und sich hierdurch mit der Zeit zermürbt. Sodann handelt es sich darum, daß nickt einzelne Teile ge- schlagen oder abgeschnitten werden, daß also die Front geschlos- sen und lückenlos, undurchbrochen und ungelockert so lange zu. rückgeführt wird, bis fe nach der Laae haltgemacht und dauern» der Widerstand geleistet werden kann.
Kirchliche Packrichterr
_ Evan gelische Gemeinde.
24. Sonntag nach Trin., 10. November 1918. "
Gottesdienst in der Burgkirche. Vormittags M Uhr: Herr Pfarrer Kleberger. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst. Herr Pfarrer D i e h !.
Nachmittags r >!4 Uhr: Veranstaltung der Evangelischen Vereinigung zu Luthers Geburtstag. Vortrag von Herrn Direktor Schöel! über das Thema: W.is hat Luther der Gegenwart zu sogen?
Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach. Erntedankfest
10 Uhr: Gottes! ienst. Kollekte. 2 Uhr: Kriegsandacht.
«
Evang. Stadtmission Friedberg, Lndlvigstraße 24: Sonntag: ty 2 Uhr nachm. Sonntagschule, 8 y 2 abends öffentliche Versammlung.
Montag: 8 y 2 Uhr abends Frauen-Mimonsstunde. Dienstag- Sy 2 Uhr abends Jugendstunde.
Donnerstag: 8 y% Uhr abends Dibelbesprech- und Krieg?, gebetstunde.
»
Katholische Gemeinde.
Sonntag, den 10. Ncv. 1918. 25 Sonntag nach Pfingsten.
Beichtgelegenheit am Samstag von 6 Uhr an und Sonntag? früb von 6 Uhr an.
Uhr Frühmesse.
8 Ubr Mi!itärao*1esdiensi (Singmesse mit Predigt).
}410 Uhr Hochamt mit Predigt.
Nachmittags 2 n 4 Uhr Christenlehre und Herz-Maria^ Bruderschafts-Andacht mit Segen.
Während der Woche: Um V : 7 und 7 Ubr hl. Messen. Freitag, abends 8 Uhr: Kriegsandacht.
Nach dem Hochamt Ausgabe von Büchern aus der Bor- romä'us-Bücherei.
Verantwortlich kür den politischen und lokalen Teil: Otta Hirsche!. Friedberg: für den Anzeigenteil: R. § ev n er. Iriedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tageszeitung A G.. Friedbera i <5
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