jancit keinerlei revolutionäre Agitation und Propagunoa gegen tätliche Einrichtungen in Deutschland betrieben werde und daß die Erntordung des Grafen Mirbach endlich ausgleichende Sühne finde. Die russische Regierung ist ersucht worden, bis zur Erfüllung dieser Forderungen ihre amtlichen Vertreter, die sogar vor einem Mißbrauche des diplomatischen Kuriergeheimnisses nicht zurückgeschreckt sind, aus Deutschland zuruckzuziehen, ebenso sind die deutschen amtlichen Vertreter in Rußland abberufen. Der russische Botschafter, Herr Joffe, ist, wie man hört, bereits gestern Abend ans Berlin abgereist.
Man kann diese Stellungnahme der deutschen Regierung nur aufZ wärmste begrüßen und sich freuen, daß endlich unsere Beziehungen den vom Blute ihrer eigenen Mitbürger befleckten Bolschewisten, die sich noch kürzlich ungescheut praktisch wie theoretisch zu dem Grundsatz der Völker bekannt haben, abgebrochen sind. Diese Beziehungen haben uns nicht nur in der ganzen Welt als Helfershelfer einer Revolutionspartsi, die von allen besonnenen Demokraten entschieden abgelehnt wird, aufs schwerste kompromittiert, sondern haben uns vor allen Dingen das russische Volk, das unter der unerträglichen Despotie der bolschewistischen Henker seufzt, vollkommen entfremdet. Wer Gelegenheit gehabt hat. sich während des Krieges in Rußland persönlich davon zu überzeugen, mit welcher Inbrunst die Intelligenz und der Mittelstand in Rußland zur Zeit der Machtfülle Deutschlands Hilfe von deutscher Seite gegen die Bedrückung der Bolschewisten erwartete, und wie grenzenlos die Enttäuschung in ganz. Rußland bei Abschluß des Brester Friedens war. wird diesen Gesichtspunkt zu würdigen verstehen. Mit dem Abschied Joffe ist erfreulicher Weife einer der unglücklichsten Wege der deutschen Politik beendet und es ist endlich die Möglichkeit eines wirklichen dauernden Einvernehmens zwischen dem deutschen und dbm russisckx-n Volke heraestellt worden. Diese Möglichkeit ist um so wichtiger, als bei der heutigen Ablage der Sturz der Bolschewisten nur noch eine Frage von Aachen ist.
Die DtirgWonierünq der Sdjnift.
Zürich, 7. Roo. Der „Züricher Anzeiger" meldet, daß in der Stadt Zürich in den letzten Tagen der erst^ Arbeiterrat nach bolschewistischem Muster gegründet wurde. Mehrere russische Revolutionäre, darunter die Bolschewistin Valabanow. halten sich in Zürich auf; sie hatten Besprechungen mit sozialdemokratischen Ministern. Die Blätter verurteilen diese revolutionären Umtriebe, da durch sie die Schweiz in die schwersten sozialen Wirren gestürzt werden könnte.
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7. Nov Es wird gemeldet, daß die Körckge von Serbien und Montenegro freiwillig abdanken wollen. Der serbische Thronfolger sei zum Präsidenten, ein Montenegriner zum Vizepräsidenten der aus beiden Staaten zu bildenden Re-nblik
euser sehen.
AMMlen liuildjrn frniikmff) uni AMmlra?
Zürich, 7. Nov. Die „Züricher Morgenzeitung" meldet: Die Franzosen beklagen sich neuerdings über die Verdrängung ihrer Schwerindustrie durch die Amerikaner. Es bestätigt sich, wie die französischen Zeitungen feststellen, daß die Amerikaner nach dem Kriege einen Teil der französischen Munitionsindustrie übernehmen werden, um die Anlagen zur Herstellung von Teilfabrikaten und Lokomotiven zu verwenden. Das amerikanische Syndikat, das sich dazu gebildet hat. hat die Beteiligung französischer Firmen abgelehnt. Die Amerikaner beabsichtigen auch, die von ihnen in Frankreich gebauten Eisenbahnlinien nach dem Kriege weiter zu betreiben und so den französischen Linien Konkurrenz zu machen.
Die Engländer in Odeßa.
Basel, 7 Nov. Das Ukrainische Telegraphenbureau in Lausanne meldet: Dem Gesuche der ukrainischen Regierung ent
sprechend sind die Engländer gestern in Odessa eingezogen.
den. Die übrigen Wahlergebnisse stehen noch aber eine republikanische Mehrheit ist bereits gesichert. Im Senat erhielten die Demokraten 45, die Republikaner 44 Sitze. In vier von den übrig hleibenden sieben Wnhldistrikten sind die Aussichten für die Republikaner günstig.
Hejsijcher Landtag.
Zweite Kammer.
Präsident Köhler eröffnet die Sitzung vom Donnerstag, der noch Beratungen in den Fraktionen vorausgegangen waren, um 11 Uhr Lei dichtbsfetzten Tribünen. Zunächst erteilte er das Wort dein Abg. Ulrich, der zunächst erklärte, daß man über die Mitteilungen des Ministers vom 26. Oktober, insbesondere über die Tatsache, daß der Großherzog und das Ministerium bereit ist, sich auf heu Boden des Parlamentarismus zu stellen, überrascht gewesen sei. Nun gelte es, die Umwandlung des Obrigkeitsstaates in einen Lolksstaat so rasch, wie möglich, vorzunehmen, doch gehe dies nicht so glatt, wenn auch alle Parteien grundsätzlich damit einverstanden sind. Die Anschauungen über die Form der Umwandlung seien innerhalb des Ausschusses sehr verschieden und müsie deshalb nochmals eine eingehende Besprechung des Ausschußes erfolgen. Vieles sei freilich von der bisherigen Negierung ungeregelt geblieben, so die Frage der Amnestie, wozu ein Antrag des Abg. Schmitt vcrliege. Auch die Organisation der Kammer selbst muß neu erfolgen. Die Fragen der Negierungsfcrm, der Ersten Kammer, die Wahlordnung u. et. seien alle nucht geklärt und bedürfen rasche und eingehende Erörterung, ebenso, wie die Vorrechte der Fideikommisse, das Frauenstimmrecht u. a. Er beantrage deshalb die Vertagung der Kammer auf Freitag und hofft, daß bis dahin bei ernster Arbeit dis Hauptsache geklärt werde.
Staarsm'mister Dr. Ewald weist den Vorwurf des Vorredners, vaß in der Frage der Amnestie nichts geschehen sei. zurück, mit dem Hinweis, daß schon vor einiger Zeit von Amtswegen die Gerichte und Staatsanwaltschaften zur Einreichung der Verzeichnisse der wegen politischer und ähnlicher Vergehen Verurteilten einzureichen. Alle diese Personen seien alsbald begnadigt worden. Sollte jemand vergessen worden sein, so erbitte er entsprechende Mitteilung.
Abg. Dr Osann kann vor dem Lande konstautieren, daß im Ausschüsse fleißig gearbeitet wurde, die Schwierigkeit liege aber in der Personenfrage, es müsien auch allgemeine Unterlagen für die Umwandlung geschaffen werden. Im Interesse des Volkes und Volksvertretung müsie eine sehr gründliche Beleuchtung aller in Betracht kommenden Fragen erfolgen und die Oetfentlichkeit hat großes Interesie an dieser Entwicklung» welche uns in die neue Zeit hinüberleitet. In allen Parlaments- kreifen herrscht der feste Wille, eine volle Einigkeit zu schaffen. hierzu sei aber noch eine kurze Frist notig, denn es besteht die Hoffnung, diese Meinungsverschiedenheiten zu Überdrucken.
Abg. v. Brentano unterstützt die beiden Vorredner und betont daß die vielen vorgeschlagenen Aenderungen nicht überstürzt beraten werden'dürfen. Seit Tagen wird im Ausschuß von früh bis spät gearbeitet, um die großen Schwierigkeiten zu überwinden und Grundsätze zu entwerfen, denen sich alle Parteien unterwerfen. Die gestern erfolgte einstimmige Annahme des Initiativantrages beweise, daß es mit der Neuregelung Ernst sei und hoffe man, ein großzügiges Programm vorlegen zu können.
Abg. K o r e l l - Angenrod erklärt im Namen des Bauernbundes, daß sie dem Vertagungsantrag zustimmen. Bisher feien seine Freunde den Anträgen der Linken am weitesten entgegengekommen. Man dürfe aber nicht mit verbundenen Augen marschieren, sondern die Entwicklung mit Ruhe durcharbeiten man werde auch ferner, soweit wie es irgend möglich sei, zum Wohle des Volkes und des Vaterlandes milarbeiten.
Abg. Erünewald führt aus, daß er mit den Anträgen feiner freisinnigen Freunde in vielen Punkten nicht ganz einverstanden fei, er halt das Vorgehen der Minister für bedenklich, es herrsche die Auffassung, daß die Schwierigkeiten durch den Rücktritt der Minister noch größer werden, zudem große Aenderungen in Aussicht sind. Die Personenfrage kommt erst in zweiter Llnie. Er will das Zweikammersystem erhalten wißen, auch ist er gegen Auflösung der Fideikommisie, dagegen ist er gegen das Frauenstimmrecht im Staate. Die Minister sollen bleiben bis alles geregelt ist.
den jetzt im Aus-fchusse erfolgenden Beratungen wolle man keil einzelnen Gesetze, sondern nur eine Grundlage schaffen, damt man erfahre, wie es im Volke steht, und auf der man weit« bauen kann. An die Personenfrage habe er im Ernst noch nicht gedacht. Da man schon in jeder Vertagung eine gewisie Ver- schleppung sehe, ist er für eine möglichst rasche Entscheidung. Er kann zunächst auch in dem Verhalten keine Fahnenflucht sehen, doch müsie die Personenftage auch bald erledigt werden.
Abg. K o r e l l - Ingelheim teilt im Namen seiner freisin« nigen Freunde dem Hause mit, daß der Abg Erünewald n-cht im Auftrag der Fraktion gesprochen habe. Grünewald sei nicht mehr Mitglied der Fraktion. Er ist über dessen Verhalten um so erstaunter, als G. gestern noch anderer Anschauung war. Des Redners Partei wird nach wie vor für dag aktive und passive Stimmrecht der Frauen eintreten. Er hoffe. daß der Minister. Wechsel recht bald erfolge, nicht aus persönlicher Abneigung, er habe auch keine ehrgeizigen Wünsche, ihm sei jede Person aul dem Ministerstuhl recht, welche das Vertrauen des Volkes und der Kammer besitze. Im Interesse unseres Hesienvolkes fe* eine ruhige und sachliche Entwicklung der Lage absolut notwendig und erhofft er in diesem Sinne eine allgemeine Verstän- digung.
Abg. Erünewald führt aus. daß der Vorredner der erste sei. der nun seinen vor vier Jahren erfolgten Austritt aus der freisinnigen Partei an die Öffentlichkeit bringe. Dieser Austritt sei aus Gründen feiner sdes Redners) Ebre erfolgt und wolle er nur mitteilsn, daß der Abg. Korell-Ingelheim nicht ganz unschuldig an dieser Tatsache sei.
Die Verhandlungen werden sodann abgebrochen und auf Freitag früh 10% Uhr vertagt.
Wegen KorndeSchiagnahme.
Dortmund, 7. Nov. Gegen Kornbeschlagnahme widersetzteu sich die Frau, die Tochter und der 16jähriäe Sohn des Landwirts Fiichtenkötter in Brock-Ostbevrn. Der Sohn schoß den Gendarm an. worauf ein Hilisgendarm die Frau und Tochter erschoß und den Sohn v°rwundete. Der Sohn wurde gefesielt abgeführt. Dcr befindet sich im Felde.
Ans der Heimat.
Ans Hessen-Rasian.
Höchst a. M.. 6. Nov. (5 Jahre Zuchthaus für einen Schwei- nediebstahl.I Der vielfach vorbestrafte 45jährige Bäcker August Ruppert von hier hatte im Mai mit zwei Genosien in Sprend. lingen zwei fette Schweine abgeschlachtet und gestohlen. Beim Heimtcansport des Fleisches wurde er auf dem Frankfurter Hauptbahnhof erwischt und verhaftet, während die Helfershelfer entkamen. Für den Schweinediebftdhl verurteilte die Strafkammer in Darmstadt den Ruppert zu 5 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Die Mildiebe konnten nicht bestraft wer. den, da Ruppert sie nicht verraten bezw. nicht kennen will.
Kriftel. 5. Nov. Vor einigen Tagen ging die Meldung durch die Presse, die hiesige Gemeinde habe die ihr auferlegte Pflichtmenge an Kartoffeln nicht geliefert. Wie der Gemeinde, rat mitteilt, hat die Gemeinde Kriftel die ihr auferlegte Pflicht- lieferung von 2898 Zentner Kartoffeln an die Stadt Höchst ge. liefert. Die Mitteilung, wonach die Lieferung von 1200 Zentner Kartoffeln an den Kreis Höchst nicht erfüllt, bei der Nach, vrüfung aber 1800 Zentner beschlagnahmt wurden, hat sich in O k r i f te l zugetragen.
AuS Nheinhessen.
FC. Vom Wemmarkt, st. Nov. Tie in den letzten Wockien berrfckv-nde Flauheit im Weinhandel hält noch an. Tie Kaufabschlüsse sind sogenannte Mutz-Käufe, d. h. der betreffende Handel mntzte seine knappen Vorräte anffrnchen. Ganz besonders machen die ansbleibenden Aufträge der Heeresverwaltung sich stark preisdrückend bemerkbar. Auch die gegenwärtige Kriegslage bezw. die Friedensaussichten wirken drückend auf das Barometer der Wein-Spekulanten.
FC. Mmnz, 3. Nov. Als er auf dem Kaiser-Karl^lling ailf einen fahrenden Straßenbahnwagen springen wollte und dabei zu Fall kam. wurde der L9jährige Krkegsinvalide Michael Wolf aus Mombach so schwer verletzt, daß der Tod sofort eintrat.
Wilsons WalWücderlage.
Ncwyork. 7. Nov. sWB.) Aus den bisherigen Wahler- gebnisier. geht hervor, daß der Ausgang der Mahlen nicht zweifelhaft ist. Für das Repräsentantenhaus sind soweit bisher bekannt, 219 Republikaner und 183 Demokraten gewählt wor
Staattzminister Dr. Ewald erklärt, daß durch die Rück- trittserklärung kein Vakuum entstehe, da der Großherzog sich ja Zeit über den Rücktritt selbst Vorbehalten habe. Sie werden ihren Posten so lange versehen, bis alle Fragen geregelt sind. !
Abg. Ulrich stellt fest, daß ihm die Differenzen des Abg. , Erünewald mit feinen Fraktionsgenossen nicht interessiere. Bei l
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