Ausgabe 
14.10.1918
 
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Herzenskiimpse.

; Roman von Helene Schütky, geb. von Eersborff.

(Gopzlrigbt 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.)

12) Nachdruck verboten.

D, wie sehr Recht haben Sie mit dieser Meinung, mein gnädiges Fräulein!" sagte Neinhold freudestrahlend.Und ich bitte Sie innigst. wenn Sie jemals in irgend eine Bedrängnis, ln eine schwierge Lage geraten sollten. was Gott verhüten wöge! so denken Sie an mich, Ihren wahrhaft ergebenen und treuen Freund! Ich werde zu jeder Zeit bereit sein, Ihnen mit Rat und Tat, mit allem, was Ich bin und weiß, zu Hilfe zu eilen!"

Ich danke Ihnech Herr von Germshoff, o, ich danke Ihnen von ganzem Herzen! Niemals hätte ich gedacht, daß dies ein so schöner Tag für mich werden würde", setzte sie froh hinzu. »Ich fühle mich nämlich nie einsamer, als bei solchen pompösen Festlickcheiten, wo es von Menscheu wimmelt, die mir alle so innerlich fremd sind. Unsere gute Tante Ella versteht das nicht, sie schwimmt so vergnügt in diesen Nichtigkeiten herum, wie ein Fisch im Wasser. Und es ist gewiß auch gar nicht recht von mir, denn es mögen ja viele gute, kluge, nette Leute darunter sein. Aber ich kann mir nun einmal nicht helfen, mir ist viel wohler zu Hause an meinem Klavier, mit einem guten Buch oder mit wenigen, aber wahren Freunden zusammen. Doch heute ist es ganz anders, heute habe ich gerade Sie hier bei diesem Getüm­mel als Frcifird gefunden, während wir zu Hause immer fremd aneinander vorbei gegangen find! Wie eigentümlich das ist! Aber da wir nun einmal Freunde geworden sind, wollen wir es auch bleiben, nicht wahr?" fuhr sie in wahrhaft kindlichem Tone fort,es darf nicht nur ein schöner Traum, der vergeht, eine Seifenblase, die zerplatzt, sein. Missen Sie. ich bin eigent­lich eine sehr ernste Natur nehme alles sehr schwer. Das würde mir ein großer Kummer sein, wenn Sie es mit unserer neuge- schloffcnen Freundschaft nicht auch ernst nehmen wollten."

Vorhin sagten Sie, daß Sie mich schon ein wenig kennen. Fräulein Hilde", die vertrauliche Anrede kam' ihm ganz von selbst über die Lippen, ohne daß weder er noch sie es bemerkten! O, wenn das zvtrifft, so muffen Sie auch wiffen, wie wahr uwd treu ich es meine, nein, oberflächlich bin ich nicht. Also, topp! Freunde wollen wir sein in des Wortes verwegenster Bedeutung!"

,Welch ein Engelsgemüt in dieser schönen Hülle!" dachte Reinhold entzückt.Nicht eine Spur kleinlicher, gekränkter Eitel­keit über meine scheinbare Vernachlässigung, nicht eine Spur von Falsch. Welch ein guter Kamerad würde sie auf dem Le­bensweg sein? Wenn sie nur nicht diese schauderhaften Millio­nen hätte! Aber ist wenigstens etwas» daß wir nun gute Freunde sind. Und wie famos, wie einfach und selbstverständlich sie das fertig gebracht hat! Denn sie war es doch eigentlich, die diese Wendung herbeiführte."

Schnell wie der Blitz fuhren ihm diese Gedanken durch den Kopf, während er laut sagte:

Gnädiges Fräulein, leider darf ich nicht zu diesem Augen­blick sagen:Verweile doch, du bist so schön?" denn die Pflicht ruft mich ins Weltgetummel zurück. Sie wiffen ja, wenn ich nicht da bin, um dem Orchester den notigen Wink zu geben, f° stockt der ganze Rummel, alle die kleinen unge-duldigen Füß­

chen warten auf den Beginn ves zweiten Tanges ttn3>, --- was am wichtigsten ist, Ihre Majestät darf man nicht warten laffen. Es wird ohnedies der letzte Tanz sein, dem sie beiwohnt. Nachher zieht sie sich in ihre Gemacher zurück "

Also kommen Sie schnell, schnell! bringen Sie mich zu Tante Ella?" sagte Hilde sehr eifrig.Das wäre mir schreck­lich, wenn ich schuld an irgend einer Versäumnis wäre."

Sie nahm seinen Arm, den sie im Eifer des Gesprächs hatte fallen laffen und zog ihn fast laufend dem Schloß zu.

Gleich nach ihnen trat der Marquis hinter einem hohen Dusch hervor, wo er offenbar, wenigstens teilweise ibr Gespräch belauscht hatte. Er hatte sie während des Tanzes nicht aus den Augen gelaffen und als er sah, daß sie miteinander in den Park gingen, war er ihnen lautlos gefolgt, wobei er nicht einmal sehr vorsichtig zu sein brauchte, da sie so versunken ineinander waren, daß sie überhaupt für nichts anderes Sinn hatten. Als sie hier bei einem BoZket stehen blieben, versteckte er sich schnell und geräuschlos dahinter und wurde so Zeuge der neugeschloffe­nen Freundschaft.

Ein hämisches Lächeln verzerrte seine an und für sich schö­nen Züge.

Also darauf gehts hinaus! Unter der Maske der Freund­schaft sucht sich der schlaue Fuchs den Geldvogel zu fangen! Die scheinbare Gleichgültigkeit sollte das arglose Wild nur täuschen und sicher machen. O, ich erkenne dich, deutscher Edelmann mit der treuhechigen Miene!" murmelte er in verbiffener Wut. Da ihm selber eine vornehme Gesinnung vollständig fremd war. konnte er selbstverständlich auch an andere nur seinen eignen, niedrigen Maßstab anlegen. Heucheln. Lügen, Intrigen und Ränkeschmieden schienen ihm die natürlichsten Dinge auf der Welt.Aber warte nur", zischte er zwischen den Zähnen,die Sache kann noch anders kommen! Ich habe noch verschiedene Trümpfe in der Hand, von denen du nichts weißt."

Auch er eilte schnellen Schritts dem Schlöffe zu, um die von ihm engagierte Dame nicht warten zu laffen.

Als er den Ballsaal wieder betrat, hätte niemand in dem süß lächelnden Antlitz des Franzosen eine Spur von den leiden­schaftlichen Gefühlen von Haß, Wut, Eifersucht und Rachsucht finden können, die ihn noch soeben durchlobt hatten.

Es war Käthe Trontheim, vor welcher er sich gleich darauf mit strahlender Miene und angelegentlichstem Eifer verbeugte, als gäbe es für ihn nichts Wichtigeres, als diesen Galopp mit dem jungen Fräulein. Die Kleine gefiel ihm auch wirklich aus­gezeichnet. Ihre beweglickie pikante Lieblichkeit, umweht von der köstlichen Frische der allerersten Jugend zog ihn stark an. Ihre muntere Naivität, ihr lustiges, kindliches, unüberlegtes Ge­plauder, ihr Helles, fröhliches Lachen machten ihm eigentlich viel mehr Spaß als Hildes ernsteres/ reiferes Wesen, wo es immer galt, mit jedem Wort auf seiner Hut zu sein. Aber ihr Reichtum und ihre große Schönheit machten Hilde doch viel be­gehrenswerter. Ueberhaupt würde er nie daran denken, einem kleinen, unbedeutenden, wenn auch noch so niedlichen deutschen Mädchen mit einem mittleren Vermögen seine Marquis-Krone mitsamt seiner in seinen eigenen Augen sehr wichtigen Persön­lichkeit zu Füßen zu legen. Aber so ein kleiner Flirt nebenher, das vertrug sich mit seinen leichtfertigen Lebensanschauungen,

auch noch vor größeren moralischen Abweichungen nicht zu­

rückschreckten, ganz gut. Nur mutzte er vorsichtig sein, daß Hilde nichts davon erfuhr: das könnte ihm das ganze Spiel verderben. War sie erst feine Frau, dann brauchte er sich nicht mehr so in acht zu n-chmen, denn er gedachte dann keineswegs auf die Freu­den des Lebens, wie er sie allein verstand, zu verzichten, son­dern die großen Mittel, die ihm mit ihrer Hand zufallen sollten, dazu in ausgiebigster Weise zu benützen. Er glaubte sich diese Genüffe durch die lange Warte- und Werbezeit redlich verdient zu haben.

Gnädiges Fräulein, der schönste Moment dieses denkwür- digen Tages ist gekommen, indem mir gestaltet ist. diese Elfen- gestalt in den Wogen des Tanzes wiegen zu dürfen" sagte er, sich übertrieben galant vor Käthe verbeug-nd.

O, meine Elfengestalt läßt sich mit dem größten Vergnügen wiegen. Herr Marquis", lachte Käthe übermütig,kommen Cie. ich bin froh, daß das langweilige Herummarschieren der feierlichen Polonaise vorüber ist. Run gibts doch endlich einen anständigen Galopp und Bewegung, man kann sich austummeln? Ah!"

Der Marquis betrachtete mit unverhohlener Bewunderung ihr reizendes, von Lust und Uebermut strahlendes Eesichtchen mit den großen, blitzenden schwarzen Augen, in denen hundert kleine Schelme und Bosheiten zu flimmern schienen.

Entzückende kleine Hexe!" dachte der Marquis, während er die leichte graziöse kleine Gestalt im Tanz viel fester an sich preßte, als es sonst üblich ist. Dabei murmelte er wie in Selbst- vergeffenheit.fianzösiiche Liebesworte in ihr Ohr.Petit anae? mais vous etes charmante! . . comme elle danse! . . fraiche comme une rose! .

Käthe, die schon als Kind eine fianzöstfche Bonne gehabt hatte und außerdem in einem französischen Pensionat gewesen war, verstand natürlich jedes Wort, und sie fand es sehr amü- sant und lustig, daß dieser schöne, elegante, soviel ältere Mann ihr so viele Komplimente machte und so schöne schmeich-dhafie Dinge zuflüsterte Sie lachte daher vergnügt und bewilligte ihm gern noch einen anderen Rundtanz, über den sie noch ver­fügen konnte. *

ll. Kapitel.

9?a<!) Schluß dieses Tanzes trat der Oberhofmarschall vor und verkündete mit lauter Stimme:

,» 2 hkk Majestät die Königin haben sich gefreut, die werten Gäste hier empfangen zu können und bittet, auch noch den üb­rigen Teil des Festes vergnügt verbringen zu wollen!"

Dann erhob sich die hohe Frau und ging, gefolgt von ihrem persönlichen Hofstaat, noch einmal freundlich nach allen Seiten grüßend, doch ohne diesmal jemand anzureden, an den sich tief bis zum Boden Verneigenden vorüber, durch den Saal, um sich durch eine gegenüberliegende Tür in ihre Privatgemächer zurück- zuzlehen.

Damit war der offizielle Teil erledigt und viele der älte­ren Herrschaften folgten dem Beispiel ihrer hohen Eastlvrberin und begaben sich nach Hause, um sich nach den Strapazen der letzten Stunden ihrer häuslichen Bequemlichkeit hinzugeben.

Rur diejenigen, die noch selber tanzten oder die Verant­wortung für tanzende junge Damen hatten, blieben noch an­wesend.

Fortsetzung folgt.

ßi

Nachruf.

v5 m 19. Lebensjahre starb am 29. September bei den

schweren Kämpfen im Westen unser Juniorchef, der einzicie Sohn unseres verehrten Chefs

Herr Paul SbligMMM.

Von tiefer Trauer erfüllt, beklagen wir den Verlust eines hochherzigen Menschen von aufrichtiger Gesinnung, welcher sich durch sein leutseliges Wesen die Herzen derer gewann, die ihm im Leben naher standen.

, werden dem leider zu früh Dahingeschiedenen stets ein

ehrendes Andenken bewahren.

FrieÄberg, den 14. Oktober 1918.

Die Angestellten der Firma M. Seligmann.

's

Statt besonderer Anzeige.

^ ® ot * bem ^mächtigen hat es gefallen, unsere innigstge- lrebte Tochter und Schwester

Mariechen Erb

im 26. Lebensjahre zu sich zu rufen.

Häufer-Hof b. Ober-Widdersheim, den 12. Oktober 1918.

In tiefer Trauer:

Familie Erb.

Dl- Beerdigung finde! statt: Montag, den 14. Oltober 1818, nachm. 3 Uhr.

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Gegen Vorlage der kreisamtlichen Bescheinigungen, auf Eier­karlen rot, Marke 10 , wird 1 Ei zu 39 Pfg. abgegeben.

Eierkarlen und kreisamtliche Bescheinigungen sind vorzulegen- Elerkarten ohne die betreffenden Marken berechtigen nicht zum Bezug: einzeln abgetrennte Marken sind wertlos.

Friedberg, den 12. Oktober 1918.

Der Bürgermeister. 2. V.: Dam m.

Bekanntmaärnng.

Don nächsten Mittwoch, den 16. Oktober ab. verkaufen wir in den hlesigen Kolonialwarengeschäftcn

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Friedberg, den 12. Oktober 1918.

Der Bürgermeister 2. V.: Damm.

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