Ausgabe 
8.10.1918
 
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Dummer 230 Eilychreis d,° SB Menslas. den 8 . Oktober 1918 _ 11 , Jahrgang

DieNeue Tagesreitung" erscheint ,eden Werktag. Regelmäßige BeilagenSer Dauer ans Helfen".Die §>pinnstut»e". Keingspreia: Gei den Postanstalten vlerlelkährlich Mk. 2.7tz hinzu tritt noch das Bestellgeld: bei den Agenten monatlich 1.00 Mk. einschließlich Trägerlolm. An?eigen: Grundzeile 25 Psg.. totale 20 Plg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahi« erhoben. Enüüungsori Friedber«. HchrifLleitnng und Verlag Friedberg (Hessens. .-^anauerllräge 12. Ferniprecher 48. Pojtj tzeck-Lonto Rr. 18 ',g. -Amt Frankfurt a. M.

Gewaltige Verluste der Amerikaner. Uene Angriffe. Dachtzntkämpfe in Alkanien. Schlechte Aufnahme des Lettischen Friedensangebotes kei den Feinden.

|J Der deutsche Generalstak

£;=, - meldet: 5

Russland kiindiyt der Türkei den Kreller frieden.

Auch von Deutschland erwartet es dessen Aufhebung.

W. U. F. Mrstzes Hrr:r^L^nartier» den

7. Gklobev Amt!ich.

Westlicher Kriegsschauplatz^ 'Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht.

In Flandern und vor Eambrai ruhiger Tag.

Heeresgruppe Boehn.

Nördlich von St. Quentin dauern die schweren Kampfe seit ^TTitte September fast ununterbrochen fort. Trotz wiederholten Einsatzes frischer Verbände hat der Feind hier bisher keine nen­nenswerten Ecfolg-e erzielen können. Auch gestern sind seine Angriffe, die sich am Vormittage nordöstlich von Le Eatelet und beiderseits von Lesdins entwickelten und am Nachmittage auf breiter Front nördlich von St. Quentin vorbrachen, ge­scheitert. Der Feind, der am Sommekanal zunächst auf Es- stgny-le-Petit Voden gewann, .wurde durch erfolgreiche Gegen­stöße und nächtliche Unternehmungen wieder bis auf Nenaucourt zuruckgedrangt.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Der Feind folgte gegen unsere neuen Stellungen an der Aisne und Suippetz zwischen Pontavert und Bezancourt schar : nach und stieß vielfach im Angriff gegen ste vor. Kämpfe ent­wickelten sich bei Pontavert. Berry an Vac, beiderseits der Straße ReimsNeuschalel und bei Bezancourt. Der Feind wurde überall abgewiesen. An einzelnen Stellen halten sich kleine Abteilungen auf dem nördlichen Suippesufer. Mit stär­keren Kräften griff der Gegner an der ArneZ und westlich von St. Etienne an. Auch hier^blieben seine Angriffe in unseren Gegenstößen ohne Erfolg.

An der Schlachtfront in der Champagne trat gestern nach zehntägigen erbitterten Kämpfen Gefechtspause ein. Qestlich von St. Etienne, bei Qrsenil und Autry wurden Teilangriffe, an vielen Stellen der übrigen Front stärkere Erkundungsvorstöße des Feindes abgewiefen.

Heeresgruppe Gallwitz.

Zwischen den Argonnen und der Maas setzte der Amerika­ner leine heftigen Angriffe fort. Das Infanterieregiment Ge­neralfeldmarschall v. Hindenburg Nr. 147, das schon westlich der Maas in erfolgreicher Abwehr und im Angriff entscheidend dazu beitrug, den Durchbruch des Feindes zu verhindern, schlug auf den Höhen östlich der Aire den Feind zurück. Gefreiter Klei- nowsski tat sich hierbei besonders hervor. Schwerpunkt der feind­lichen Angriffe lag auch gestern zu beiden Seilen der von Ehar- peutry auf Nouagne führenden Straße. Die dort feit Tagen im Kampfe stehenden elfaß-lothringifchen und westfälischen Regi­menter brachten den mehrfacken Ansturm des Feindes völlig zum Scheitern. Der Amerikaner erlitt wiederum schwerste Verluste.

Ter Erste Generalynartlermeister: Ludendorff.

Abendderich^.

.. ScrI ' n : 7 ; Dft -' abend. (MTB. Amtlich.)' Qertliche Kämpfe nördlich der Scarpe. Nördlich von St. Quentin und zwischen Argonnen und Maas haben sich in den Abendstunden feindliche Angriffe entwickelt. Zn der Champagne ruhiger Tag.

Die Front

Die neueste Entwicklung der Dinge im Osten, vor allem die Einnahme der Stadt Baku durch die Türken, haben dazu ge­führt, daß die Sowjetregierung sich nicht mehr an die Abmach­ungen des Brester Friedens gebunden hält und diesen der Tür­kei gegenüber aufhebt.

Zn einer Note, die die Räteregierung, wie dasNeue Wie­ner Journal" erfährt, der Türkei zugestellt hat, wird davon gesprochen, daß der Artikel 4 des Brester Vertrages, der der Bevölkerung der Provinzen Kars, Ardahan und Datum das Recht gewährte, ein neues Regime im Einvernehmen mit den benachbarten Staaten zu errichten, durch das Verhalten der Türkei verletzt fei.

Seit der Unterzeichnung des Friedensvertrages seien diese Distrikte von den ottomanischen Truppen besetzt und dort die Einrichtungen der militärischen Okkupation geschaffen worden, begleitet von Räubereien und unerträglichen Plünderungen und Akten der Grausamkeit gegen die friedliche Bevölkerung.

Zugleich mit der Einführung der türkischen Herrschaft «uvde die gewaltsame Rekrutierung der männlichen Bevölke­rung, vom 19. Lebensjahr angcfangen, durchgeführt. Die Bevölkerung, deren freier Willensausdruck durch die neue Ord­nung der Dings festgestellt werden sollte, wurde terrorisiert und in Lebensbedingungen gebracht, von denen man nur sagen kann, daß sie eine Komödie und eine Beleidigung des Be­griffs Recht sind. Die angesehenen Bürger der Provinzen, deren Einfluß sich zum Schaden der Türkei hätte geltend machen könuen, wurden ausgewiesen oder verhaftet und in vielen Fällen füsiliert. Zn diesen und anderen Grausamkei­ten gegen die Bevölkerung der von Rußland abgetrennten Provinzen sieht die Sowjetregierung eine wesentliche Ver­letzung des Artikels 4 des Vertrages von Vrest-Litowsk."

Der Friedensvertrag hätte ferner bestimmt, daß die mili­tärischen Operationen zwischen der Türkei und der Räterepublik beendet seien. Statt dessen hätten reguläre tükische Truppen Ge­biete besetzt, die zur russischen Republik gehören. Dann heißt es in der Rote weiter:

Cchließlicb unternahm im Juli d. Z. die ottomanische Armee eine Expedition gegen Baku, und nach einem heroischen Widerstand der Sowjettruppen gegen die erdrückende Ueber- macht des Gegners fanden die Türken den Weg nach Baku, eine der bedeutendsten Städte der russischen Republik. . . .

Die ottomanische Negierung hat sechs Monate lang un­ausgesetzt den Vertrag von Vrest-Litowsk trotz aller Proteste der Sow;etregierung verletzt, indem sie eine der wichtigsten Städte der russischen Republik eingenommen und in eine schreckliche Ruine verwandelt hat. Dadurch hat die ottoma- nische Negierung gezeigt, daß der Vertrag von Vrest-Litowsk. der zwischen der Türkei und Rußland geschlossen wurde, nicht mehr in Kraft ist.

Dic. Regierung der russischen sozialistischen Föderatlv-Re- publik ist gezwungen, festzustellen, daß infolge der Handlungen der ottomanischen Negierung der Vertrag von Vrest-Litowsk. der zwischen Rußland und der Türkei friedliche Beziehungen Herstellen sollte, null und nichtig ist.

Gezeichnet Tschitscherin."

Demnach befindet sich Rußland wieder im Kriegszustand mit der Türkei.

opfert Bluc und Gesundheit.

Wer Kriegsanleihe zeichnet, opfert nichts.

Er erfüllt nur eine pfiichr, die chm noch dazu guc verzinst wird.

Es darf nicht fein, dast sich ein Deutscher dieser leichtesten aller Rriegspsiichcen entzieht.

! Der österreichische Genernistn == meldet:

SBicn, 7. Okt. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Italienischer Kriegsschauplatz: Unverändert. Balkan-Kriegsschauplatz: In Albanien neuerliche

YuttampseE Skumbl. Im südlichen Grenzgebiet Altse

***** Kampfhandlungen.

Cine gewaltige Abfuhr.

. Berlin, 7. Okt. (WB.) Kennzeichnend für die Methode, lmt der die feindlichen Berichte hergestellt werden, ist der amerikanische amtliche Heeresbericht vom 5. Oktober, der wie folgt lautet: Unser Angriff westlich der Maas,' der

heute . fortdauert,. traf auf entschlossenen Widerstand der feindlichen Artillerie und Maschinengewehre aus gut ausge- bauten Stellungen. Starke Gegenangriffe wurden überall mit schweren Verlusten für den Gegner abgeschlagen. Die Fassung dieses Berichtes zielt darauf hin, der großen Masse des nicht eingeweihten amerikanischen Volkes sowie der ge- samten Entente die Tatsack)? zu verschleiern, daß die ame- rikanische Armee (vergleiche unsere Heeresberichte!) beim Angriff zwischen den Argonnen und der Maas eine ge­waltige Abfuhr erlitten hat. Trotz des Masscneinsatzes von Menschen und Maschinen auf und über der Erde ist der ame­rikanische Sturm, auf den so aroße Hoffnungen gesetzt wot>

den sind, nach kurzem Vorprallen dank der tapferen Abwehl unserer Truppen stecken geblieben. Das weiraesteckie Ziel, der Durchbruch der Front, ist nicht erreicht worden. Mit be- sonders hohen blutigen Verlusten wurde der Feind abgs- wiefen. Wie er dies versteckt auszudrücken versucht, zeigt- der oben angezogene Bericht.

Die AisiniilM dkg AngMs du WlklMchlk.

Soweit sich bis jetzt erkennen läßt, findet das neueste Fris. densangebot in der feindlichen Presse eine wenig günstige Auf. nähme. Aus England liegt folgende Meldung vor:

London, 7. Okt. (WB.) Das Reuterfchs Bureau wurdr gestern am späten Abend amtlich dahin verständigl, daß die kö­nigliche Regierung, solange die Vorschläge der deutschen Regie­rung. die, wie man glaube, unterwegs jeien. nicht eingelroffen feien, keine amtliche Kenntnis von ihnen besitze. Unter diesen Umständen habe 'es keinen Zweck, daß die königliche Negierung einen Kommentar dazu gebe. Eine amtliche Meinungsäußerung müsse notwendigerweise verschoben werden, bis der Charakter der Vorschläge bekannt sei.

Die Presse verhält sich ablehnend. Reuter wird aus aus­ländischen diplomatischen (offenbar amerikanischen) Kreisen mitgeteilt, man hege gleich der englischen Regierung folgend« Auffassung: Bei der Prüfung der Lage, die durch die Rede des Prinzen Max entstanden sei, müsse man die größte Vorsicht walten lassen und zunächst einmal den offiziellen Bericht ab- warten. Die Hauptsache aber sei, daß ein deutscher Reichskanzler zum ersten Male offiziell zugebe, daß das deutsche Volk die wirk­lichen Verhältnisse einzusehen beginne. Zn diplomatischer Hin­sicht scheint es, daß der nächste Schritt durch den Präsidenten Wilson erfolgen müsse. Präsident Wilson aber habe deutlich feine Ziele abgegrenzt und soweit sich bis jetzt erkennen lasse, erkläre der deutsche Reichskanzler, daß Deutschland diesen Zielen zustimme. Aber es fei ganz klar, daß diese Zusicherung der Reichskanzlers durch Garantien gestützt werden müßte.

Zn Frankreich scheinen zwar die Sozialisten einem baldigen Frieden geneigt zu sein, wie aus folgender Meldung hervorgehl:

Cenf. 7. Okt. DasJournal du peuple" meldet, daß der sozialistische Landesrat Frankreichs noch in der Sonntagnacht Telegramme an die englische Arbeiterpartei und die amerika­nische Vruderpartei zur Absendung brachte, um eine gemeinsame Kundgebung der Sozialisten der Entenieländer zur Friedens­frage herbeizuführen.

Die Stimmung der Zeitungen geht dagegen aus einer Ha- vas-Rote hervor, in der es heißt: Das Anerbieten Deutschland« und seiner Verbündeten mn Herbeiführung eines Waffenstill- standeZ und des sofortigen Eintritts von Friedensverhandlungen, das Wilson von Oesterreich-Ungarn als treuem Vollziehungs- beamten gemacht worden ist, ist ein abgekartetes Manöver zwi­schen den Mittelmächten und ein Teil des ganzen vorgesehenen Planes der Friedensoffensive. Obgleich die französische Regie­rung amtlich noch nicht Stellung genommen hat, kann man un­schwer voroussehcn, welche Aufnahme sie sich vorbehält. Unter den gegenwärtigen Umständen kann die Antwort nur in einem Rein" bestehen. Die Meldung schließt: Man verhandelt nicht mit dem Feinde auf dem Boden des besetzten Vaterlandes.

Auch in Amerika findet sich vorerst kein entgegenkommen­des Anzeichen. DieRewyork Times" enthält einen schroffen Aussatz mit der Ueberfchrift: Keinerlei Frieden mit den Hohen- zollrrn. Wenn Deutschland Frieden wolle, müsse es den Kaiser verjagen. DieStin" meint, der von Prinz Max unternom­mene Schritt werde nicht mehr Erfolg haben, als der von Oester, reich. Wilson werde wissen, was er Oesterreich und Preußen zu antworten habe. Die einzige Handlung der Deutschen, der di< Verbündeten vertrauen könnten, sei die völlige Uebergabe.

DieAssociated Preß" sagt: Es ist kaum wahrscheinlich^

daß der deutsche Vorschlag Beachtung finden wird, solange Deutschland Frankreich und die anderen besetzten Gebiete nldtf räumt.

Dagegen wäre die Nachricht, daß die amerikanischen Trup^ pentransportc nach der Front eingestellt werden, falls sie bewahrheiten sollte, von Bedeutung.

Am meisten scheint man noch in Italien mit einem -al- dlgen Frieden zu rechnen.

DerSecolo" meldet aus Rom: Nach persönlichen

klärungen. die Orlando zu einigen Abgeordneten im Ausschuß nach seiner großenKammerrede machte.ergibt sich die beruhigend« Hoffnung, oaß der Ministerpräsident am 10. Oktober im Haus« diskrete Tatsachen bekanntgegeben wird, die das Ende des Krie­ges erwarten lassen. DerTorriere" bereitet auf eine Liquk datisa tc» Kriege» jwl