Frankreich miß 15 Milliardeu Kriegs' eMDjMg haken.
Der „Secolo" meldet aus Paris: Im Fiffanzausschuß
dtt Kammer gab am Montag der Finanzminister begannt, Frankreich werde im Friedensschluss auf die vollständige Erstattung der in Frankreich durch den Feind angerichteten Schaden bestehen, die auf 13 bis 1b Milliarden Franken zu beziffern wären.
Die Köpfe hängen!
„An dem Tage, an dem Scheidemann als Staatssekretär genannt wurde, ist die Berliner Börse vollständig zusammengebrochen". So heißt es im Bericht über tre Berliner Börse. Auch die Börsenblätter, die politisch die neue Parteiregierung vertreten, können nicht umhin, wenn auch ein wenig verlegen, schüchtern und gekniffen, die Tatsache zu vermerken, daß die gest- rige Börse „eine allgemein tiefgehende Verstimmung zeigte, der sich nur wenige Papiere entziehen konnten." Der Regierungsumsturz wirkte zwar schon an den Tagen vorher stark verstimmend an der Börse, aber erst gestern, als der „Vorwärts", das maßgebende Hauptregierungsblatt, dir überstarke Beteiligung der sozialdemokratischen Führer an der neuen Parteiregierung kundgab, kam es zu dem vollen Zusammenbruch.
In der „Volksstimme" lesen wir:
Seit dem September purzeln die Börsenkurse und gestern erlebte die Berliner Börse den schlimmsten Tag des Krieges- Milliarden ausgepuffler Werte find in die Luft gestiegen, sind zerplatzt wie eine Seifenblase. Alle Kriegswerte haben gewaltig verloren, dazu sehr viele andere Industriewerte. Der Krack wird sich fortsetzen: da§ künstliche Gebäude bebt.
Große Herren lasten die Köpfe hängen . . .
Bekanntlich hat die Börse einen feinen Riecher!
Dev kettende Oedrmk e
in unserer volksfamilte mutz das Snsammen- gebörigkeitsbewutztfein bleiben. Nie hätte Kapitän Nerger mit seinem Schiff „Wolf- ^/s Jahre so hohe Aufgaben vollbracht ohne festes Zusammenhalten von Führer und Matrosen. Wie wir in einem Kelch leben, so sollte unser Streben sein, wirklich ein Reich zu blU, den, zum Beweise der Einigkeit in ^at und Gesinnung.
Zur inneren Kage.
Der Ernst der Lage tritt nunmehr unserem deutschen Volke kn voller Größe vor Augen. So verfehlt es aber wäre, stch darüber hinwegtäuschen ' zu wollen, so nachdrücklich muß doch immer wieder betont werden, daß wir in diesem Kriege schon größere Schwierigkeiten und Gefahren überwunden haben, und daß deshalb kein Anlaß zum Verzagen vorliegt. Und das steht fest: wollten wir heute verzagen, so wären wir morgen verloren! Das deutsche Volk muß sich jetzt, unter Verzicht auf alle Illusionen, innerlich ganz stark und fest machen; und es muß die letzte Kraft und den letzten Nerv.mit restloser Hingabe in den Dienst der nationalen Verteidigung stellen. Für inneren Hader darf jetzt kein Raum mehr sein; alle Kräfte unseres Volkes ohne Unterschied muffen sich auf das einzige Ziel der Behauptung gegen die Uebermacht unserer Feinde richten. Geschieht das, dann kann unser Volk auch weiterhin die volle Zu- verjicht haben, daß es ihm gelingen wird, diesen großen Daseinskampf bis zum guten Ende durchzuhallen.
Dieser Gedanke war für die konservative Partei maßgebend als sie sich entschlossen hat, ihren Widerstand gegen die preußische Wahlrechtsvorlage aufzugeben und sich zur Mitarbeit an einer Koalitionsregierung bereit erklärt hat. Es liegt doch auf der Hand daß eine Negierung, die a! l e Parteien in sich vereinigt, mit ungleich größerer Eefchlostenheit auftreten kann als erne solche, die immerhin wesentliche Teile des deutschen Volkes — und wahrlich nicht den schlechtesten! — ausschließt.
Wir wollen an dieser Stelle ausspcechen, daß sich ohne Zweifel eine tiefe Mißstimmung des deutschen Volkes bemächtigt W um» daß es wirklich an der Zeit ist. daß mit altem Unrat ein-'
ss mal gründlich' gebrochen rvtrb. Schon im Frieden fomtte man öft, uno »richt nur bet Sitzialdemokralen, die Meinung hören, baß es ln Deutschland zweierlei Menschen gebe; die einen, die einen krummen Buckel haben werden, mit Reichtümern und Ehren überhäuft, die anderen aber können sich für die erste Klaffe abmühen. Im Kriege haben sich die Verhältniffe noch verschlechtert. Heute haben wir wieder zwei Sorten Menschen, die einen dürfen stch f ü r das Vaterland lolschießen lasten und die andern verdienen vom Vaterland Millionen, oder kriegen, weil sie gefügige Werkzeuge der Oberen find, ein Ehrenamt nach dem andern.
Das muß aufhörcn und wenn die Demokratisierung sich kn der Richtung bewegen würde, daß darin einmal gründlich Wandel geschaffen und dem Worte: „Freie Bahn dem Tüchtigen!"
ehrlich Rechnung getragen würde, so würde sich das ganze Volk hinter die neue Regierung stellen.
Vorläufig sieht es aber nicht darnach aus. Unsere Demokratie wird denselben Faden weiter spinnen, nur eine andere Nummer.
Die Blätter der Mehrheitsparteien lasten allmählich die Maske fallen. Sie geben offen zu, daß es stch jetzt nicht um eine Zusammenfaffung aller Kräfte des Volkes handelt, sondern um die Errichtung einer ausgesprochenen Parieiregierung. Die konservative Entschließung, die stch auf den Boden des Kaiserlichen Erlaffes vom 30. September stellt, hat einen wahren Schrecken im demokratischen Lager ausgelöst. Man könnte die Herren Demokraten, die noch vor wenigen Tagen mit feierlichem Pathos von. einer Volksregierung'sprachen, ja jetzt beim Worte nehmen und eine wirkliche Volksregierung berufen. In diesem Sinne scheint Herr von Berg tätig gewesen zu sein, und nun versteht man auch die Entrüstung der Linkspresse über das Eingreifen des kaiserlichen Vertrauensmannes, das mit der diesen Herren eigenen Ungenierlhett als ein „unberechtigter Eingriff" in die Rechte des Reichstages hingestellt wird. Soweit haben wir es also glücklich gebracht? Die Demokratie triumphiert, un d ihre erste H andlung ist die Entrechtung einer zum mrnoesten Uehr gronen^omtEhnr;—dn~irmTr mTremjeir einem jeden Vaterlandsfreunde, ganz gleich welcher Richtung, unendlich viel gelegen fein muß, wenn er wirklich die Zusammenfaffung aller deutschen Volkskröst- will. Es gibt keinen parlamentarischen Ausdruck, der angesichts der Gefahr, die uns augenblicklich militärisch und politisch bedroht, ein derartiges Verfahren gebührend kennzeichnen könnte.
Man lese nur, was das führende Blatt der neuen Reichs- regierugrg, die „Frankfurter Zeitung", zu dem Angebot der Konservativen sagt. Den Beschluß über die Annahme der preußischen Wahlrechtsvorlage tut ste damit ab. wenn e§ so nicht gegangen wäre, hätte es der Reichstag gemacht. Man denke, der Reichstag, deffen Mandat ja übrigens längst erloschen ist, soll sich gewaltsam in einzelstaatliche Verhältniffe mischen, was würde das bayerische Zentrum in Bezug auf Bayern in einem solchen Falle sagen? Das Frankfurter Organ unseres Großkapitals fährt dann fort: „Aber das ist nicht das Einzige, was die Konservativen veranlaßt, plötzlich das allgemeine Wahlrecht gutzuheißen. Eie haben noch einen zweiten Beschluß gefaßt, der allerdings nicht so überraschend kommt, da ihn ihre Presse schon präludiert hat. Koalitionsregierung! Die Konservativen möchten gar zu gerne an der neuen Regierung be- tctXigt sein. Ihre Reichstagsfraktion erklärt, daß ste „entschlossen" sei, sich unter Opfern der Ueberzeugnng an einer Regierung zu beteiligen, die sich zur Aufgabe macht usw. Cs ist sehr freundlich von den Konservativen, daß sie dazu entschlossen sind und sich präsentieren. Aber man wird keinen Gebrauch davon machen. Man hat hier wieder die alte Geschichte, daß keiner so böse ist. um dem Moment zu entgehen, wo das Salz seines Witzes dumm wird. Denn man müßte kindisch sein, um nicht zu merken, worauf^ die Konservativen zielen, und ste ruhig stehen zu lasten. Es ist ein intriganter, aber doch allzu greifbarer und daher ungeschickter Versuch, die gründliche Umwälzung der deutschen Politik, die auf dem Wege ist, zu verderben. Diese Umwälzung, heute die Lebensnotwendigkeit des deutschen Volkes, besteht ia gerade darin, daß nunmehr durchaus das Gegenteil der konservativen Politik Wirklichkeit werde. In diesen Neubau die Konservativen hereinzunehmen, — der Gedanke ist grotesk. Niemandem ist er eingefallen als ihnen selber. Was ist doch aus der einstigen konservativen Herrlichkeit geworden? Sie haben ja so manches ..geschoben', aber doch stets innerhalb der Grenzen, die ihnen ihr Stolz gezogen hatte. Nun aber bieten sie sich an. drängen sich auf und lasten sich — vergeblich — zu einem „Dreh" herab, der sie schließlich dem Spotte preisgibt." Also Hohn und Spott ist die Antwort, die das demokratische Blatt für das Angebot der Konservativen übrig hat.
Kelmmttmachnng.
Am 5. Oktober 1918 ist eine Bekanntmackiunn mm ^etnort 10 ' R Befre ff enb ..Beschlagnahme
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® cr Wortlaut der Bekanntmachung ist in den Amtsblättern und durch Anschlag veröffentlicht worden.
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Unter Bezugnahme auf die Mitteilung aus Seite 2 des Steuer- zeitels wird hiermit bekannt gemacht. baß die bis Ende Seot. fälligen Steuern. 1/3. Ziel ein- Z7Uetzl.ch der Nachträge, bis zum Oktober dp. As. zu entrichten sino; Nach Ablauf dieser Frnt beginnt bie Zwanasbellrei-
bung.
Es wird hierbei dringend emp- siohlen, sich der Ueberwecsung aus Banl- ooer Scheckguthaben zu bedienen. In diesem Falle ist außer
dem Namen auch die Heberegiper- nummer des Steuerzetlels anzugeben.
Snedberg, den 2. Oktober 1918.
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Neue Tagesjeilui!
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Die Zusammensetzung der neuen Regierung zeigt ja zur G« nüge, daß es sich um die Errichtung einer reinep Partei« regierung handelt, die durch die Demagogen Scheidemann und Erzberger ihr Gepräge erhält. Man muß sich nun fragen, wie konnte sich die Stelle, von der man früher so hohe Töne zu hören gewohnt war, alle Macht derartig aus den Händen winden lasten.
Sei dem, wie es will, wir haben die Pflicht, in schwerer Stunde auch diese Regierung zu stützen und ihr keine Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Die Herren haben so viel von dem Derständigungsfrieden geredet. Zeigen ste fetzt, was sie können und ob ste in der Lage sind,dem deutschen Volke den ersehnten, ehrenvollen Frieden zu bringen.
Wer Übrigens glaubt, daß mit der Einführung des sogen, parlamentarischen Systems jetzt Ruhe und Frieden hergestellt sei, der befindet stch gründlich auf dem Holzweg. Wenn man dem Radikalismus den kleinen Finger reicht, so will er bald die ganze Hand haben. Der Frankfurter „Volksstlmme" ge. fällt die Ernennung des Prinzen Max zum Reichskanzler nicht und sie schreibt:
„Weil ste selbst keine politische Kraft aufbringen, deswegen war den deutschen Liberalen der Kronprinz immer die Hoffnung: er würde gutmachen. was der regierende Herr versagt. Die Hoffnung auf Max ist nicht mehr wert. Aber er ..lehnt sich doch an das Mehrheitsprogramm", in manchen Stücken ..präzisiert" er es und geht darüber hinaus?? Eben die „Anlehnung" und die „Präzisierung" „läßt tief blicken." Und die Hauptsache: aus eigener Kraft und nicht durch Fürstengunst muß das deutsche Volk leisten, was zu leisten ist. Erst hat sich dieses Volk gesperrt und hat getan, als sei es eine unwürdige Zumutung der Feinde, daß vor der Friedensverhandlung die deutsche Reform geleistet sein müsse. Harte Schläge haben diesem Volke eingebläut, daß wirklich Voraussetzungen für das Vorhandensein einer verhandlungssähigen Regierung zu erfüllen waren. Aber statt durchzugrelfen, soll die Arbeit halb geschehen? Soweit stnv me Dinge gediehen, daß die Herrenhäusler in der Wahl- rechtsfrage Umfallen und jetzt auch die Aufenthaltsklausel nach der Regierungsvorlage schlucken; soweit sind wir. daß die Konservativen sogar klein beigeben und ihren Widerstand gegen das gleiche Wahlrecht fallen lasten' ein fester Ruck noch, und Deutschland kommt wirklich zur Demokratie. Das aber würde Weh-m kosten, die nicht sanftselig von einer weichen Prinzenhand geglättet werden dürfen. Eine „Republik mit dem' Großherzog an der Spitze" verdirbt und verpfuscht das Werk. Günstigenfalls kommt dasselbe heraus wie beim Hertling-Erperiment: es wird Zeit vertrödelt. Das Volk aber hat nicht Zeit zunr Warten. Jetzt heißt es. seine Kraft einsetzen: jetzt die Wehen nicht hemmen. Sonst verkümmert das Kind, das znm Lichte drängt: die deutsche Demokratie!
Ins der Kciumk.
Frankfurt n. M. (Nette Zustände im Frankfurter Le- bensmtttelamt). In der fortgesetzten Debatte über die Lebensmittelversorgung wünschte der Sozialdemokrat Wit- Auskunft über die Beseitigung der Mrßstände in der Schweinehaltung die nach bürokratischen Grundsätzen geltet wurde. In einer einzigen Nacht seien infolge falscher Behandlung etwa 60 Schweine eingegangen; 700 Zentner Kartoffeln, die für Schweinetutter bestimmt waren würden nicht dazu verwendet. Die meisten Angestellten hätten gelogen, betrogen und gestohlen, es sei mit Fleisch, Kartoffeln Un & Milch Schleichhandel getrieben worden. Das System Schumde habe das erwartete große Reinemachen nicht gebracht. Ein Beamter, welcher der schwersten Vergehen beschuldigt war, konnte nach der SckMeiz verschwinden. Noch houte sitzen Leute, die gestohlen haben, auf dem Riederhos'. Die Rechtsanwalt-Dezernenten auf dem Lebensmittelamt seien überflüssig; an deren Stelle braucht man tüchtige Nessortchefs. Direktor Dr. Schmude wußte nichts zu erwidern, als daß eine eingehende Untersuchung angestellt und der Staatsanwalt auf den Fluchtverdacht wegen des in Frage kommenden Schweizers aufmerksam gemacht worden sei. Die Fehler seien beseitigt, das Defizit sei zurückgegangen. Wer's glaubt zahlt einen Thaler!
Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Ott Hirsche!. Friedberg; für den Anzeigenteil: R. .getinei Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung A G.. Friedbera i <o
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