Ausgabe 
7.10.1918
 
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Die Helven von DourquolK.

VerNn, 6. Oft. (WB.) Ein bezeichnendes Beispiel flir den heldenmütigen Widerstand, den die Deutschen auf der gesamten

Front den Massenangriffen der Entente entgegensetzen, gibt eine Brieftaubenmeldung, die von der tapferen Besatzung des ehemaligen Bourquois abgeschickt wurde. Sie lautet in klassischer Kürze'

Der Feind ersteigt von allen Seiten aus dem Nebel den Berg. Es wird erbittert gerungen, und sek es bis zum letzten Mann. EZ lebe der König."

Die Helden von Bourquois haben ihre Meldung wahr ge­macht. Sie rangen bis zum letzten Mann gegen fünf-igfache Aebermacht.

Der Kampf gegen die Tanks.

Berlin, 6. Ott. (MB.) Wenn die endgültige Nreder- kampfung der Tankwaffe im wesentlichen eine Frage der Tech- nil ist, hat sich doch die Taktik überraschend schnell auf eine neue Form des Angriffs eingestellt. Gingen anfangs auch mitunter vor allem den iungen Truppen vor den anrollenden Tankwagen die Nerven durch, so haben sich doch mit erstaunlicher Schnellig5 keit selbst Anfänger in der Tankbekämpfung eine Ruhe ange­wöhnt. die die fauchenden Elefanten der Wefffront mit sicherem Herzschuß außer Gefecht setzt. Beeinflußt durch die starken Ver­luste traten die Tanks in den letzten Tagen mit unverkennbarer Vorsicht auf. Dennoch mußten sie wiederholt vor der deutschen Infanterie, selbst ohne artilleristische Unterstützung, kapitulieren Die Gefangennahme der Besatzungen läßt sich die Infanterie trotz Sperrfeuer und EelandeschwieriMten nicht nehmen. Mi, nenwerfer und Artillerie wetteifern untereinander, der Infan­terie den Kampf zu erleichtern. Ost genügten wenige Schüsse euf nahe Entfernung, um die Tanks zu erledigen. Daß die Reste der zerstörten Geffchwader mit Vollgas zuruckjagen. konnte off genug als Erfolg der kräftigen Abwehr gebucht werden.

Ser |ai|rr m Hm isnii Wime.

Berlin, 5. Okt. (WTB. Amtlich.) Seine Majestät der Kaiser hat nachstehenden Erlast an das deutsche Hecr und die deutsche Marine gerichtet:

An das deutsche H-ex und die deutsche Marine!

Seit Monate» stürmt der Feind unter gewaltiger Kraft- anstrcngung fast ohne Kampfpause gegen eure Linien an. ^n wochenlangem Ringen, vielfach ohne Ruhe, müstt ihr aus- harrcn und dem an Zahl weit überlegenen Feinde die Stirn b,cten. Dann liegt die Größe der Aufgabe, die err.h gestellt ist und die chr erfüllt. Truppen aller deutschen Stamm- tun rhre Schuldigkeit »nd verteidigen auf fremdem Boden heldenhaft das Vaterland. Hart ist der Stand Meiner Flotte um sich den vereinten feindlichen Seestrcrtkrästcn gegenüber zur Geltung zu bringe« und in vnermüdlicli«r Arbeit die Armee ai ihrem schweren Kampf zu unterstützen. Mit Stolz und Bewunderung sind die Avgen der Heimat auf di- Taten des Heeres und der Marine gerichtet. Ich sage euch Meinen und des Vaterlandes Dank.

Mitten in das schwerste Ringe« fällt der Zusammen­bruch der mazedoukschc« Front.

Ich habe mich im Einvernehmen mit unseren Vcr. kündeten entschlossen, dem Feinde nochmals den Frieden an- zubicten. Doch nur zu einem ebrenvcllen Frieden werden wir die Hand reichen. Das schulde wir den Helden, die ihr Leben für das Vaterlaud gelassen haben, das schulden wir »uferen Kindern. Ob die Waffen ruhen werden, steht noch dahin.

Bis dahin dürfe« wir nicht erlahmen. Wir müssen, wir bisher, alle Kräfte daran setzen, unermüdlich dem Ansturm des Feindes standhaften. Die Stunde ist ernst, aber wir fühlen uns, im Vertrauen auf unsere Kraft und Gotteö gnädige Hilfe, stark genug, unsere geliebte Heimat zu ver­teidigen.

Die flroarammrfiJf dkg AMMchkrs.

«erfm, 5. Ott. Am Vundesratstifch: Reichskanzler Prinz M a x von Baden, v Payer. Dr. Solf. y. Krause, Graf Rödern, Rüdlrn. v. Stein. Dr. Friedberg, Drews, Gröber, Scheidemann. Erzberger. Bauer Der Sitzungssaal ist voll besetzt. Die Est­rade für den Bundesrat und sämtliche Zuhörertribünen sind uberfüllt.

Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 5M Uhr mit der geschäftlichen Mitteilung von der Ernennung des neuen Kanzlers und führt dann aus:

Meine Heften? 'Seitdem wir am 13. Juli voneinander ge- fchieden sind, sind Ereignisse eingetreten, die uns Sorge berei­ten. Unsere Westarmee ist nach stürmischer Offensive zur Defen- sive und der langsamen Rückwärtsbewegung übergegangen. Dem sturm lachen Andrrngen unserer Feinde und ihrer zahlreichen HrUsovller Hai unsere tapfere Armee im Westen einen Wall entgegengesetzt. Wie es dem Feinde bisher nicht gelungen ist, chn zu durchbrechen, so haben wir die Hoffnung und feste Zu­versicht. daß es ihm auch in Zukunft nicht gelingen wird dieser Schutzwehr Herr zu werden. (Lebhaftes Bravo.) Den tapfe­ren Krregcrn gilt unser Gruß und der Dank des Vaterlandes.

Osten haben die Armeen unserer Verbündeten der Türkei i-nd Bulgariens, schwere Niederlagen erlitten. Bulgarien ist ws dem Vierbund ausgeschieden und hat einen Waffenstillstand -eichlossen. Im Innern hat Graf Hertliug die erbetene Ent- wssung aus dem Reichskanzleramt erhalten, nachdem er dieses Amt nicht ganz ein Jahr lang verwaltet hat. Im hohen Alter Eat er trm wiederholten dringenden Ruf des Kaisers Folge ge- ke.stet und hat. getragen von der Mehrheit des deutschen Bol- tes. e.ne polrt.sche Neuorientierung in die Wege zu leiten ge- fuckt. Ueberoangszeiten bergen tu ihrem Schoß immer Schmie- r gkeltcn '-"' sind auch dem Reichskanzler Grafen Hertling

* lS " fle ' ,< * t ""hr meistern kannte

1<bieh er aus dem Amte. Aber hoch soll es seiner politischen

Weisheit und seinem vaterländischen vinn ungerechnet werden, daß er die neuen Wege, die er selbst nicht mehr gehen konnte, anriet und ebnete. (Bravo!) Sein vornehmer Sinn, sein lie-' benswairdiges Wesen, seine abgeklärte Weisheit, sein hohes Pflichtgefühl wird der Reichstag und das deutsche Volk anerken­nen und ihm selbst ein tteues und dankbares Angedenken be- wahren. (Lebhafter Beifall.)

Vor uns steht in mannigfacher Veränderung eine neue Re­gierung an ihrer Spitze als Kanzler der Prinz Max von Baden. Sie werden es mir nicht verdenken, wenn ich, der Mann aus dem badischen Volke, auf dem Prästdentenstuhl. dem Sproß des badischen Fürstenhauses, auf dem Kanzlerplatz besonders warme heimatliche Gefühle der Genugtuung und Freude ausspreche. Im Lande Baden hat der Onkel unseres neuen Reichskanzlers das Wortgesprochen, daß er keinen Gegensatz kenne zwischen Fürsten- und Volksrecht, und in einem anderen deutschen Staate ist der gleiche Gedanke in die Worte gefaßt worden, daß der Oberste im Staate fein erster Diener fein müsse. Von der neuen Regie­rung hoffen wir zuversichtlich, daß sie in immer engerer Füh­lungnahme mit dem Volke und nur bedacht auf das Wohl des Volkes ihres hohen und fchwirigenAmtes walten möge. (Bravo!) Eine neue Zeit ist im politischen Leben des deutschen Volkes angebrochen. Es ist selbstverständlich, daß manche Kreise im Hinblick auf die großen Taten der Vergangenheit dieser neuen Zeit kritisch, zögernd, sogar ablehnend gegenüberstehen. Von den Leistungen dieser neuen Zeit erhoffen wir eine versöhnende und klärende Wirkung. (Bravo!) Ihre Geburtsstätte ist ge­heiligter Boden auf den Schlachffeldern und in den Schützen­gräben. auf den heimischen Arbeitsstätten, wo jeder Deutsche ohne Unterschied olles Gut und Blut daran setzt für des Vater­landes Wohl. (Lebhafter Beifall )

Meine Herren! Der Name des neuen Kanzlers hat einen guten Klang in der ganzen Welt. Seine freiheitliche Gesin­nung. sein Ansehen, sein Vertrauen auf die Menschheit, die er auch während der vier fürchterlichen Kriegsjahre nicht verloren hat. sind folrde Grundlagen für feine künftige Wirksamkeit (Bravo?). Den Schwergeprüften dieser Kriegsjahre, den Ver­wundeten und Gefangenen, ist er in warmer Anteilnahme viel­fach nahegetreten und hat sich dadurch nicht nur den Dank des deutschen Volkes, sondern auch den Dank bei den Feinden er­worben. Das möge auch feinen auf den Frieden und die Ver­söhnung der Völker gerichteten Bestrebungen förderlich sein Möge Gottes Schutz auf der Arbeit der neuen Regierung und des Reichstags ruhen. (Lebhafter Beifall.)

Auf der Tagesordnung steht die Entgegennahme von Mil- erlungen des Reichskanzlers. Ich erteile dem Herrn Reichs­kanzler das Wort.

Uerchsrrasrzler Prius §ttar vorr Kaden:

(fteinci& dem kaiserlichen Erlaß vom 30. September hat das Deutsch Reich eine grundlegende Umgestaltung seiner politischen Leitung erfahren. Als Nachfolger des um unser Vaterlaich aufs höchste verdienten Grafen von Hertling bin lch von Serner Majestät lem Ko-sei an die Spitze der neuen Regierung berufen weiden. Cs entspricht dem Wesen der nunmehr bei uns eingeffchrren Regierungsweise, daß ich dem Relcbstag ohne Verzug vor der Oeffentlichkeit die Grundsätze darlege,-nach denen ich mein veraiitwortungsschweres Amt zu fuhren gedenke. Diese Grundsätze sind, bevor ich mich zu der Uebernahme der Kanzlergech>äfte entschloß, im Einver- nehmen imt den Verbündeten Negierungen und mit den Führern der Mchiheftsparteien dieses hohen Hauses feft- gelegt worden. Sie enthalten michin nicht nur mein eigenes Politisches Glaubensbekenntnis, sondern auch das des weit überwiegenden Teiles der deutschen Volksvertretung, also der de"!chen Nation, die den Reichstag auf Grund des all­gemeinen. gleichen und geheimen Wahlrechts nach ihrem Wunsch zusammengesetzt hat.

Nur die Tatsche, daß ich die Ueberzeugung und den Wrllen der Mehrheit des Volkes hinter mir weiß, hat mir die Kraft gegeben, in der sclsiveren und ernsten Zeit, die wir miteinander erleben, die Leitung der Reichsgeschäfte auf mich zu nehmen. Die Schultern eines einzelnen wären zu schwach um 'illein die ungeheure Verantwortung tragen zu können, die der Regierung in der Gegenwart znfällt. Nur wenn das Volk an her Bestimmung seiner Geschicke in weitestem Um- fange tätigen Anteil nimmt, die Verantwortlichkeit also mit auf die Mehrheit feiner frei erwählten politischen Führer sich erstreckt, kann der leitende Staatsmann seinen Anteil an ihr im Dienste des Volkes urch Vaterlandes mit Zuver- sicht übernehmen.

Der Entschluß, dies zu tun, ist mir besonders dadurch erleichtert worden, daß in der neuen Regierung auch maß­gebende Vertrauensmänner der Arbeiterschaft zu den höch­sten Aemtern im Reich gelangt sind. Ich sehe darin die sichere Bürgschaft dafür, daß die neue Regierung von dem festen Vertrauen der breiten Äassen des Volkes getragen ist. ohne dessen überzeugungstreue Gefolgschaft ihr ganzes Handeln von vornherein zum Mißlingen verurteilt wäre. Was ich heute hier ausspreche, sage ich also nicht nur in meinem Namen und in dem meiner amtlichen Mitarbeiter, sondern auch im Namen des deutschen Volkes.

Das Programm der Mehrheitsparteien, auf die ich mich stiitze, enthält zunächst ein Bekenntnis zu der Antwort der früheren NeiäMregierung auf die Note des Papstes vom 1. August 1917 und die bedingungslose Zustimmung zu der Entschließung des Reichstags vom 19. Juli desselben Jahres. Es bekundet ferner die Bereitwilligkeit, sich einem allge­meinen Bunde der Völker aufgrund der Gleichberechtigung aller, also der Starken und Schrvach>en, anzujchließen.

Die Lösung der vielumstrittenen belgischen Frage

sieht es in der völligen Wiederherstellung Belgiens, insbe­sondere seiner Unabhängigkeit und seines Gebietsumfanges. Auch eine Verständigung über die EntsckÄdigungsfrage soll angestrebt werden. Die bisher geschloffenen gcredensver-

träge will das Programm zu keinem Hindernis für den as- gemeinen Friedensschluß werden lassen. Es strebt im be. sonderen an, daß sich in den baltisä>en Ländern, in Litauen und Polen alsbald auf breiter Grundlage Volksver­tretungen bilden. Das Zustandekommen der dazu nötigen Voraussetzungen wollen wir ohne Verzug durch Einführung von Zivilverwaltungen fördern. Ihre Verfassung und ihre Beziehungen z« den Nachbarvölkern sollen jene Gebiete selb­ständig regeln.

In der inneren Politik

habe ich durch die Methode, in der sich die Regierungs­bildung vollzog, klare und feste Stellung genommen. Aas meinen Vorschlag sind die Führer der Mehrheitsparteien zu meinen unmittelbaren Ratgebern berufen worden.

Meine Herren! Ich war der Ueberzeugung, daß die Einheitlichkeit der Reichsleitung nicht nur gewährleistet wer­den sollte durch die bloße schematische Parteizugehörigkeit der einzelnen Mitglieder, sondern ich hielt es fast noch für wichtiger durch die Einheitlichkeit der Gesinnung. Von die­sem Standpunkt bin ich ausgegangen auch bei der Wahl meiner Mitarbeiter, die nicht dem Parlament angehören. Ich habe das größte Gewicht darauf gelegt, daß die Mit­glieder der neuen Reichsleitung auf dem Standpunkt des Rechtsfriedens stehen, unabhängig von der Kriegslage, und daß sie sich zu diesem Standpunkt auch bekannt haben irr einem Zeitpunkt, da wir auf dem Höhepunkt unseres mili­tärischen Erfolges standen.

Meine Herren! Ich bin überzeugt, daß die Art, in der jetzt die Reichsleitung unter Mitwirkung des Reichs ge- bildet worden ist, nicht etwa vorübergehendes darstellt und daß im Frieden eine Regierung nicht wieder gebildet wer­den kann, die sich nicht stützt auf den Reichstag und nicht die führenden Männer aus ihm entnimmt. Der Krieg hat uns über das alte vielfach zerrissene Parteileben hinausgeführt, das es so sehr erschwert hat, einen einheitlichen, ent- schlossenen politischen Willen zur Durchführung zu bringen. Mel-rheitsbildung heißt politische Willensbildung und ein unbestreitbares Ergebnis ist es, daß zum ersten Male in Deutsck-land große Parteien sich zu einem festen, einheit­lichen Standpunkt zusammengeschloffen haben und damit in die Lage gekommen sind, an dem Schicksal des Volkes von sich aus mitzuwirken. Dieser Gedanke wird niemals er- lösck>en und diese Entwicklung niemals rückgängig gemacht werden. (Beifall.) Dabei verttaue ich. daß solange Deutsch­lands Gesllück von Gefahren umbrandet ist, auch die außer­halb der Mehrheit stehenden Volkskreise und deren Vertreter die nicht der Reichsleitung angehören, alles Trennende zurückstellen und dem Vaterlande geben, was ihm gebührt. (Beifall.)

Diese Entwicklung macht eine Aenderung unserer ver- fassungsrechtlichen Vorschriften im Sinne des kaiserlichen Erlasses vom 30. September erforderlich, die es ermöglicht, daß diejenigen Mitglieder des Reichstages, die in die Rerck)s- leitung eintreten. ihren Sitz im Reichstage behalten. Eine entsprechende Vorlage ist dem Bundesrat zugegangen und wird ihm zur Beschlußfassung unverzüglich unterbreitet wer den.

Meine Herren! Seien wir eingedenk der Worte, die der Kaiser am 4. August 1914 gesprochen und die ich im De- zember v. I. in Karlsruhe in die Worte fassen durfte: Wohl gibt es Parteien, aber es sind alles Deutsche". (Beifall.) Unter dem.Zeichen dieses Kaiserwortes muß sich auch die pofftisck-e Entwicklung in dem führenden deutschen Bundesstaate Preußen vollziehen und die Botschaft des Königs von Preußen, die das demokratisck)e Wahlrecht ver­sprach. schnell und restlos erfüllt werden. (Beifall.) Die preußische Wahlrechtsfrage ist bei der überragenden Stellung Preußens eine deutsche Frage (Zustimnnmg) und ich zweifle nicht, daß auch die Bundesstaaten, die in der Entwicklung ihrer verfaffungsmäßigen Zustände noch zurückstehen, dem preußischen Beispiel entschlossen folgen werden. (Beifall.) Dabei halte ich unerschütterlich fest an den föderativen Grundlagen des Reiches, also eines Bundesstaates, dessen ein- zelne Glieder ihr inneres Verfaffungsleben in voller Selbst­ständigkeit bestimmen, ein Recht, auf das auch Elsaß-Lothringen

vollen Anspruch hat. (Beifall.) Die Selbständigkeit und Vielfältigkeit des Lebens in den einzelnen Bundesstaaten, das enge treue Verhältnis, das jeden Deutschen mit seiner Heimat und seinem Landesherrn verbindet, sind die Quellen, aus denen die unbeschreibliche Kraft, die Vaterlandsliebe und Opferfreudigkeit des deutschen Volkes während des ganzen Krieges geflossen find.

Durch die ganze KriegSzeit haben sich die Klagen hin­durchgezogen über die

Handhabung des Belagerungszustandes.

Sie haben ttennend und verbitternd gewirkt und di« freudige Mitarbeit an den schweren Aufgaben der Kriegs- zeit gehemmt. (Sehr richtig.) Bis auf weiteres können, wi« das Beispiel aller kriegführenden Staaten lehrt, die außer- ordentlichen Machtbefugnisse nicht entbehrt werden, die der Belagerungszustand verleiht. Aber es niuß ein enges Ver­hältnis zwischen dem Militär und den Zivilbehörden herge­stellt werden, das es ermöglicht, daß in allen nicht rein militärischen Angelegenheiten. also besonders auf dem (&<- biete der Zensur, des Vereins- und VersammlnngsweienS, die Gesichtspunkte der zivilen Verwaltungsbehörden maß- gebend zur Geltung kommen und daß die Entscheidung letzten Endes unter die Verantwortlichkeit des ReickOkanzlers ge­stellt wird. Zu diesem Zweck wird ein Befehl des Kaisers an die Militärbcsehlshaber ergehen «nd die kaiserliche Verord­nung vom 4. 12. 1916 unverzüglich entsprechend ausgebaut werden.

Mit dem 30. 9. 18, dem Tag dos Erlasses, beginnt ein» neue Epoä)e in Deutschlands innerer Geschichte. (BeisallZt

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