Ausgabe 
4.10.1918
 
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Franzosen Schriften gefunden worden sind, welche die Auf­forderung enthielten:Schonet weder Mann, noch Weib, noch Wenn solche Hetzarbeit schon zu Anfang des Krieges ihre Fc-irchie tragen sollte, wie würden die Franzosen dann erst in unserem Lande hausen? Wer vermag sich dies vorzustellen? Wo ist da das Lästermaul, das angesichts solcher Aussichten noch den Wunsch äußert: ..Es wäre gar kein Fehler, wenn man die Frair. Zesen einrnal hereinlasien würde, dann hätten wir mehr zu essen?"

Es ist deshalb höchste Zeit, daß der Teil unserer Bevölkerung welcher sich durch die feindliche H-etzarbeit und durch gedanken­lose Redensarten fast bis zum Landesverrat hinreißcn läßt, ernst­lich übrlegt, was für ihn selbst aus dem Spiele steht wenn unsere Feinde ins Land Yereinkämen, und wer da noch zur vernünftig n Überlegung fähig ist, der kann nur zu dem Schluffe kommen: Der liebe Gott bewahre uns davor, daß unsere Feinde bei uns

feinen eigenen Vorteil dem Wohl des Volksganzen hintanstel- len nach dem schönen Wahlspruch unsrer Feuerwehren:Einer fiir alle und alle für einen!" Denn nur durch einmütiges Zu­sammenstehen ist das Durchhalten bis zum Endsieg zu erreichen. Der Endsieg ist aber erreicht, wenn wir den Feind nicht im Lande haben.

im Lande Hausen! Und jeder Einzelne möge sich sagen: Ich felbst ^ wrll mein Menschenmöglichstes tun, um derartigen ver­räterischen Redensarten mit größter Schürfe entgegenzutreten, um den Siegeswillen und den Glauben an den Sieg aufrecht zu er­halten, um dadurch auch in meinem Teile für mein Vaterland und für meine Heimat zu streiten.

Die verwerflichen Redensarten:Es wäre gar kein Fehler, wenn man einmal die Franzosen hereinlassen würde, dann hätten wir mehr zu effen" und ähnliches führen in sehr vielen Fäll-n such grauen und Mütter im Munde, deren Männer und Söhne im Felde stehen, die im Kampf gegen den Feind ihr Leben und rhre Gesundheit dem Vaterland zum Opfer gebracht haben und wenn man auch berücksichtigt, daß infolge der Ernöhrungsschwie- ri grellen Kleinmut und Verzagtheit in die Gemüter einkehren, so muß doch auch dieses gesagt werden, daß alle diese Entbeh­rungen und Röte ein Kinderspiel find gegen die Rot und gegen die Leiden, wenn wir den Feind im Lande hätten. Kann es da wirklich nur eine einzige Mutter geben, welche wünscht daß rhre Kinder der Blut- und Habgier und den sämtlichen Begier­en der schwarzen, roten und weißen Feinde preisgegeben sein sollen^ Wo ist diese Mutter? Eine solche deutsche Mutter gibt etIDÖ ^ t auch denjenigen deutschen Müttern ^ 7 lche die Redensart:Es wäre gar kein Fehler, wenn man die Franzosen einmal hereinlaffen würde, dann hatten wir mehr zu effen" gedankenlos nachplappern, ganz von selbst die f j 1,0,1 ^ fllIS Segen alle derartigen Redensarten anzu- kampfen und alle diejenigen als Landesverräter zu brandmar­ken, welche solch niederträchtige Redensarten im Munde führen . Vereinigten Staaten von Nordamerika werden dieie-

h ° n Srieben 3U reben wogen, von der aufgepeitschten Menge zu Tode geschlagen und zu Tode gemar-

v7n MenS$e ii)l ° Pfer ergeht, dann werden sie

von den Gerichten zu 20. 30. ja sogar zu 99 Jahren Zuchthaus

verurteil^ trotzdem sie kein anderes Verbrechen begangen haben,

.° 0n ^ riei>en SU reden. Wenn man die Verhältniffe bei den Rordamerrkanern vergleicht mit den Verhältniffen bei uns so muß doch jeder Mensch ehrlich gestehen, daß die Verhältniffe ber uns g^adezu als paradiesisch zu bezeichnen sind, denn bei uns ist noch niemand zu Tode geprügelt worden, wenn er seine friedfertige Meinung bekundet hat. aber um so mehr hat bei uns jeder Einzelne die heilige Pflicht, für sein Vaterland ein­zutreten und daran mitzuarbeiten, daß verräterische Stim- mungen überhaupt nicht aufkommen und daß der Wille zum Durckhalten nicht untergraben wird.

Insbesondere sei aber auch unserer Landbevölkerung vor Augen gestellt, was sie zu gewärtigen hat. wenn wir den Feind im Lande hatten, denn daß die heutigen Zustände mit all den behördlichen Verordnungen und Zwangsmaßnahmen, die eben unent^brlich sind, wenn man die Ernährungsschwierigkeiten soll uberwinden können, tausendmal leichter zu ertragen sind.. 5? Ereueltaten. die Verwüstungen, die Schändungen, die Hungersnöte und alle sonstigen Nöte, welchen unsere Bevölkerung ausgesetzt wäre, wenn wir den Feind im ^ande hatten. Hier muß der einzelne sein eigenes Wohl und

Hindenburg ;mn Friedens schritt.

Generalfeldmarschall von Hindenburg hat an das Feld­heer nachstehenden Erlaß gerichtet:

"Die österreichisch-ungarische Regierung hat allen Krieg- ! führenden vorgeschlagen, Zur Herbeiführung des Friedens zu : unverbindlichen Besprechungen in einem neutralen Lande Vertreter Zu entsenden. Die Kriegshandlung soll dadurch mcht unterbrochen werden. Die Bereitschaft zum Frieden widerspricht nicht dem Geiste, in dem wir den Kampf für unsere Heimat führen. Schon im Dezember 1916 hat der Kaiser, unser oberster Kriegsherr, mit seinen Verbündeten den Feinden den Frieden angeboten. Mehrfach hat seitdem die deutsä-e Regierung ihre Friedensbereitschaft bekundet. Tie Antwort aus dem feindlichen Lager war Spott und Hohn. Tie feindlichen Regierungen peitschten ihreVölker und Heere weiter auf zum Vernichtungskampf gegen Deutschland.

So führten wir unfern Verteidigungskampf weiter. Unser Verbündeter hat nun'einen neuen Vorschlag gemacht, in Besprechungen ejnzutreten. Ter Kampf soll dadurch aber nicht unterbrochen werden. Für das Heer gilt es also, werterzukämpfen. Das deutsche Heer, das nach vier sieg­reichen Kriegsjahren prachtvoll die Heimat schirmt, muß unsere Unbesiegbarkeit dem Feinde beweisen. Nur hierdurch tragen wir dazu bei, daß der feindliche Vernichtungswille gebrochen wird. Kämpfend haben wir abzuwarten, ob der -Feind es ehrlich meint und er diesmal zu Friedeusverhand- lungen bereit ist, oder ob er wieder den Frieden mit uns zurückweist und wir ihn mit Bedingungen erkaufen sollen, die unseres Volkes Zukunft vernichten."

Als unser Hindenburg das schrieb lagen die Antworten der Feinde auf die von Oesterreich angeregten Friedensver­handlungen noch nicht vor. Irrwischen hat das Oberhaupt der gegen uns verbündeten Feinde, der arnerikanische Präsi­dent Wilson, jede Friedensanregung wieder höhnisch zurück- gewiesen, nur durch Geivalt und durch die Waffen, nicht durch Verhandlungen dürfe die Entscheidung herbeigesührt werden In demselben Sinne haben sich unsere von den Arnerikanern jetzt ganz abhängigen übrigen Feinde ausgesprochen. Sie schließen aus der Friedensanregung Oesterreichs, wie wir das vorausgesagt haben, daß Deutschland und seine Verbündeten zu längerem erfolgreichen Widerstande unfähig geworden seien und hoffen binnen kurzem ihr Spiel, die völlige Zer­stückelung und Vernichtung Deutschlands und Oesterreichs erreichen zu können. Da wird ihnen Hindenburg und unsere tapferen Heere einen dicken Strich durch diese Rechnung machen, wenn nur das deutsche Volk daheim einmütig und opferbereit hinter ihnen steht. Das wollen und das müssen wir, wenn wir uns vor Augen halten, daß es für uns nur noch die Wahl gibt: Vollständiger Sieg über unsere Feinde oder vollständige Vernichtung unserer völkischen Selb­ständigkeit und unstr-es deutschen Wirtschaftslebens durch jene!

Gin kostspieliger Kntzstall.

Eine längere Aussprache erregten in der Tempelhofer Gemeindevertretersitzung die Mitteilungen des Bürger­meisters Wiesener von den Fehlbeträgen des Betriebes der Gemeindemolkerei. Vor nahezu zwei Jahren war in Tempel­hof durch Ankauf von nrehreren kleineren Molkereien, deren Besitzer eingezogen waren, ein Gemeinde-Kuhstall errichtet.

der durchschnittlich über 24 Kühe verfügte. Die jetzt 3ogene Bilanz hat einen Fehlbetrag von 4000C Mar* er- 6e6en, und e« steht bei weiterer Bewirtschaftung zu envarLeir, daß man dauernd mit einem monatlichen Zuschuß von 150-.- Mark zu rechnen hat, das macht also im Jahr ML 1800k* oto pro Kuh und Jahr Mk. 750 Verlust. Lediglich die Futterkasten werden durch die Bruttoeinnahmen alle' üb- ngen Kosten im Wege des Gemeindezuschusses gedeckt Bürgermeister Wiesener erklärte es bei der Art des Be» triebes für unmöglich, auszukommen-, die Futterkosten feterr gu hoch. Die tägliche Milchmenge sei mit 120 Liter reichlich hoch angenommen; von 35 000 Einwohnern erhielten die,« teure Milch nur gegen 200 Einwohner. Die Gemeinde habe.- keine Verpflichtung, ihren Molkereibetrieb auf Kosten der Allgemeinheit zugunsten weniger Personen aufrechtzuerhal- ten. Die einträgliche Gestaltung des Betriebes auch für dw Zukunft sei ausgeschlossen, und die Lebensmittelkommissiorr mache deshalb den Vorschlag, den Kuhstall aufzulösen. Irr der ausgedehnten Erörterung wurde von ärztlickrer Seite dre Einstellung der Molkerei außerordentlich bedauert. UeberaL in Groß-Berlin würden die Molkereien infolge des scharfem Vorgehens der Fettstelle eingestellt und von den Besitzern Ziegen angeschafft. Die Sozialdemokraten sprachen sich gleichfalls für Beibehaltung des Kuhstalls aus, da es sich hier­um das öffentliche Wohl handle. Daß aber die praktische Seite unsere Demokraten und Sozialdemokraten zum Nach­denken darüber anregen sollte, wieviel unsere Milcherzeuger im Lande für ihr Produkt erhalten oder eigentlich erholtem müßten, darauf wird man vergeblich hoffen.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

' 19. Sonntag nach Trin., 6. Oktober 1918.

Gottesdienst in der Stadtkirche.

Vormittags 9% Uhr: Herr Pfarrer Ritter.

Abends 8^ Uhr: Herr Pfarrer D i e h l. Kollekte fiÄ den Knclchau in Heusenstamm.

Gottesdienst in der Burgkirche.

Vormittags 8 Uhr: Militärgottesdienst. Herr Pfcm^

D i e h l.

Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach.

Vormittags 10 Uhr: Gottesdienst. Anschließend BeichK und Feier des heiligen Abendmahls.

Nachmittags 1%. Uhr: Jugendgottesdienst.

Katholische Gemeinde.

Sonntag, den 6. Okt. 1918, 20 Sonntag nach Pfingsten.

Beichtgelegenheit am Samstag von 5 llhr an urch Sonntags früh von 6 Uhr an.

y 2 7 Uhr Frühmesse.

8 Uhr Militärgottesdienst (Singmesse mit Predigt^ Gemeinsame hl. Kommunion der Mitglieder der RosenkrmM bcüderschaft.

^10 Uhr Hochamt mit Segen und Predigt.

Nachmittags 2% Uhr Rosenkranz-Andacht mit Sege?H und Umgang; danach Versammlung des Nosenkranz-Vereinsh

Um 4 Uhr: Versammlung des Jünglingsvereins.

Während der Woche: Um V 2 7 und 7 Uhr hl. Messen

Werktags, abends 6% Uhr: Rosenkranz-Andacht.

Nach dem Hochamt Ausgabe von Büchern aus der Vom romaus-Bucherei.

Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Ott« H i r sche l. Friedberg: für den Anzeigenteil: R Herrn er. Jnedberg. Truck und Verlag derNeuen Tageszeitung^ A- G.. Friedbera i <o

ci verkaufen und Versteigerungen aus Beständen der Heeres- und Marine­verwaltung, die fürDriegszwecke nicht mehr gebraucht werden, kann die Zahlung an Geldes Statt durch Hingabe von Driegsanleihe geleistet werden. Diese Vorschrift erstreckt sich auf alles, was zur Abgabe an die Bevölkerung frei wird, also insbesondere auf Pferde, Fahr­zeuge und Geschirre; Fcldbahngecät, Motor- lokomotiven und Draftfahrzeuge nebst Zubehör; Futtermittel und sonstige Vorräte; land­wirtschaftliche Maschinen und Geräte sowie Werkzeug; Fabrikeinrichtungen mit den zu­gehörigen Maschinen und Geräten; Eisen, Stahl und andere Metalle; Holz und sonstiges Bau­material; Webstoffe und Rohstoffe aller Art

Däuser, welche die Bezahlung in Driegsanleihe leisten, werden bei sonst gleichen Geboten bevorzugt. Die Driegs­anleihe wird zum vollen Nennbeträge ange- rechnet und bis zur Höhe des Dauft oder Zuschlagprcises in Zahlung genommen. Als Driegsanleihe in diesem Sinne gelten sämtliche ^o/oigen Schuldverschreibungen des Reichs ohne Unterschied sowie die seit der 6. Anleihe ausgegebencn H'/r^igen auslösbaren Schatz- Anweisungen.

Also: Vlur die Driegsanleihe, nicht der Besitz baren Geldes, bietet Sicherheit dafür, daß der Landwirt und der Gewerbetreibende das, was er braucht, aus dem frciwerdenden Driegsgcrät erwerben kann.