Ausgabe 
4.10.1918
 
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Danksagung

Für die rührenden Beweise herzlicher Anieilnahme beim geglichen Tochter^ Schwester, Braut, Kusine und Nichte

Heimgänge unserer lnnigstgellebten, nnver-

saqen wir allen, insbesondere Herrn Pfarrer Bräunlin für die trostreichen Worte am Grabe, sowie für die überaus reichen Kranzspenden, aus diesem Wege unseren tiesgefühllesten Dank.

Asseuheim, den 4. Oktober 1918.

Sn tiefer Trauer:

Bürgermeister Ewald und Frau

Adolf Ewald, Leutnant der Reserve, z. Zt. im Felde Earl Walter, Leutn. d. Res. u. Komp.-Führer, z.Zt. im Felde.

Her?enskKmpse.

Roman von Helene Sckülky, geb. von Gersdorff.

(Copyright 1C15 by C- Ackermann-Stuttgart.)

8) Nachdruck verboten

Trotz des vielen Zusammenseins, das die Reisen mit sich brachten, wurde das Verhältnis zwischen Vater und Tochter kein innigere.'. In seiner Natur schien überhaupt lein Liebebediirf- r.is vorhanden zu sein. Alle schüchternen Versuche seines Kin­des. an seine verschlossene Herzenstür zu pochen und Einlatz zu finden, waren vergeblich. Er blieb immer finster und unnah­bar und verlangte nichts weiter, als blinde Unterwürfigkeit unter seinen tyrannischen Willen in allen großen und kleinen Dingen. Eine eigene Ansicht durfte sich überhaupt Niemand neben ihm erlauben, am wenigsten seine Tochter. So speicher­ten sich alle Liebesschlltze in ihrem Herzen auf, bereit in reicher Fülle denjenigen zu überschütten, der einstmals davon Besitz ergreifen würde.

In Nom war es zum erstenmal, dotz Eeheimrat Antelmann und seine Tochter im Hause des französischen Volf^ rs, mit dem Marquis von Reymond bekannt wurden. Es fand ein großartiger Vall statt, der sowobl von den dort lebenden vor­nehmen Deutschen, Engländern, Russen, Spaniern usw., wie von der italienischen Aristokratie zahlreich besucht war. Hildes eben erblühte, edle Schönheit feierte dabei glänzende Triumphe, die ganze Männerwelt log ihr huldigend zu Füßen, wozu der goldene Nimbus, mit welchen ibr bald bekannt gewordener gro­ßer Reichtum sie umstrahlte, wohl auch das feinige beitrug.

Einer ihrer eifrigsten Verehrer war sofort Marquis Neu­mond Ihr war er weder angenehmer, noch unangenehmer, als das Heer ihrer übrigen Bewerber. Das Einzige, was ihn da­raus hervorhob und ihr näherbrachte, war sein wahrhaft meister­liches Geigenspiel. Diese Chance wußte er sich auch mit großer Geschicklichkeit zu Nutze zu macken. so daß er dadurch den Vor­zug genoß, viel mehr und vertraulicher mit der bewunderten Schönheit zu verkehren, als es irgend einem anderen vergönnt war. Das Merkwürdigste aber war. daß cs ihm sogar gelang, vor den strengen Augen des GeheimratZ Gnade zu finden. War es feine stets lächelnde, süßliche Miene, war es seine übereifrige Beflissenheit, jeder Laune, jedem Wink des alten Herrn wo­möglich Zuvorzukommen, ihn mit einer beständigen zarten Auf­merksamkeit zu umgeben, ihm den Glauben einzuslößen. als sei für ihn. den Marq-tts, überhaupt nur eine Person, der Geheim­rat. von Bedeutung? Nickt einmal Hilde schien er in Gegen­wart ihres Vaters zu beachten. Und das war vielleicht der feinste Cchachzug in seinem klug ersonnenen Belagerungsplan, der seiner diplomatischen Begabung übrigens alle Ehre machte. Kurz, er war der offenbare Günstl'nq des alten Herrn und täg­licher Gast in der Anrelmannichen Wohnung, einem alten pracht­vollen römischen Palast, den seine verarmten hochadligen Eigen­tümer mit Freuden an reiche Fremde zu vermieten pflegten. Hier musizierte er täglich mit Hilde zusammen und gab sich gol­denen Zukunftsträumen an der Seite der reichen Erbin hin. denn sein eigenes Vermögen war keineswegs so bedeutend, wie er es seiner, des glänzenden Marquis von Reymond. würdig fand. Hilde hatte aus Zwei Grüirden nichts gegen diesen regen Derke.hr einzuwenden. Erstens war sie froh, daß ihn ihr Vater offenbar gern um sich sah und seine meist düstere Laune dadurch einige Aufheiterung erfuhr, zweitens gewahrte ihr das gemein­schaftliche Musizieren einen wirklich reinen, hohen Genuß. An etwas Weiteres dachte sie nicht. Ihr Benehmen war auch stets fo ruhig und höflich, daß der Marquis deu Zeitpunkt zu einer Erklärung noch nicht für gekommen hielt, sondern mit kluger Zurückhaltung die Belagerung der zu erobernden Festung fort- sctzte.

Es war ihm natürlich leicht, die Pläne des Gehelmrats An­telmann zu erfahren, und als sie ihren Aufenthalt nach Paris

vei'lsgten» ihnen auch dorHtit zu folgend Dieselbe« Vorgänge und Gewohnheiten wie in Rom wiederholten sich auch hier. Hilde machte großes Aufsehen in der feinen Pariser Welt, ging in Gesellschaft und empfing solche in ihrer prächtig eingertch* teten Villa am Fauborg St. Eermatn, erhielt täglich Heiratd» anträge, darunter viele von Baronen, Grafen und Prinzen aller Nationen und warf dieselben lachend in den Papierkorb. Auch hier blieb der Marquis der bevorzugte Intimus des- rei­chen Hauses und wurde darum von vielen beneidet. Er. muff­zierte täglich mit Hilde, aber trotz seiner verzehrenden Unge» duld wagte er auch jetzt noch nicht, von seinen Gefühlen zw sprechen. Denn er empfand tatsächlich eine starke Verliebtheit ln die entzückende Deutsche, es war nicht allein das Verlangen nach ihren Millionen, das ihn so lange an ihre Seite fesielte. Zwar liebte er nur ihr reizendes Aeußere; den Wert ihres wahrhaft guten Charakters, ihrer reichen Herzens- und Geistes­gaben vermochte er kaum zu erkennen, viel weniger aber zu schätzen. Da seiN eigenes Bemühen nur dahin ging, liebens­würdig zu scheinen, ohne cs wirklich zu fein, so setzte er bei an­dern das Gleiche voraus.

Daß Hilde eine Deutsche und dazu Protestantin war, störte ihn einigermaßen, besonders anfangs, doch b^ld beherrschten ihn Geldgier und Leidenschaft für das schöne Mädchen so sehr, daß er dem gar keine Bedeutung mehr beilegte. Erst wollte er Bei­des fest in Händen haben, Geld und Weib, das klebrige würde sich finden. Da er sie immer freundlich und mild zu allen Men­schen sah, da sie im Verkehr mit ihrem harten, heftigen Vater sanft und nachgiebig blieb, so würde sie Macks in seiner Hand sein und sie sei überhaupt ganz ohne eigenen Willen oder Ener­gie. Wie falsch er sie beurteilte, sollte er später erfahren.

Es 'war in K. zum erstenmal, daß Hildes sonst stets gleich­mäßiges Betragen zu dem Marguis sich änderte. Sie fuch-e bei ihm gewissermaßen Schutz gegen ihr erwachendes Gefühl für Reinhold, ohne sich anfangs darüber klar zu werden. Auch tat seine niemals schwankende Ergebenheit und jetzt schon jahrelange treue Hingebung, die sie, da er niemals von Liebe sprach für ganz uneigennützig hatten mußte, ihrem durch Reinholds schein­bare Gleichgültigkeit tief verletzten Mädchenstolz wohl. Nie­mals war der Marquis seinem langvorbereiteten und ersehn­ten Siege näher gewesen, als in dieser Zeit. Hätte er jetzt den Angriff gewagt, so hätte Hilde vielleicht in der Verworrenheit ihrer Gefühle seine Bewerbung nicht von sich gewiesen. Er aber ahnte nichts von ihren Seelenkämpfen oder von einem Ne­benbuhler. denn Hilde beherrschte sich vollkommen. Ebenso Nein­hold. Da der Marquis die scheinbar so vollständige Gleichgül­tigkeit zwischen den beiden jungen Leuten nun schon seit Wochen beobachtete, hatte er sich von Reinholds Gefahrlosigkeit über­zeugt und feine anfängliche neidische Antipathie gegen den jun­gen Offizier hatte sich verloren oder wenigstens beruhigt. Des­halb sah er die Veränderung in Hildes Wesen, ihre Unruhe, ihre wechselnde Stimmung, die einmal überaus lustig, dann sehr ernst, einmal überrasckend herzlich, dann wieder eiskalt war, als den Beginn der Erwiderung feine Gefühle an. Heim­lich triumphierte er. denn er glaubte, den Preis seiner langen Bemühungen nun bald in der Hand zu haben, er wollte die Frucht nur noch etwas reifen lassen, ehe er sie pflückte.

6. Kapitel.

So standen die Dinge, als der große Tag des Gartenfestes Ihrer Majestät der Königin gekommen war. Viele junge und ältere Herzen in K. sahen demselben teils mit banger, teils mit freudiger Erwartung entgegen, denn diese Hoffeste gewährten Spielraum für die verschiedensten Regungen und Wünsche, für Flirt und Liebesspiel sowohl für den Ehrgeiz, der möglichst viel von den Strahlen der allerhöchsten Enadensonne erhaschen möchte.

Auch tm Hause des Obersten von Tron^beim, des Komman­deurs des Königin-Garde-Regiments. herrschte diese Erregring, bekannt unter dem NamenVaMieber". Während die ältere

Tochter Frieda schon in der Gesellschaft eingeskhrt war; f'ollte die 17jährige. eben aus der Pension- zuruckgekvhrte Käthe heute ihren ersten Flug in die hchen Sphären unternehmen und bei dieser Gelegenheit auch gleich Ihrer Majestät vorgestellt wer­den. Das war natürlich nicht mr sLr die junge Dame sdlbst. sondern, für die ganze Firmilie ein großes Ereignis. Die her­vorragende Stellung des- Vaters lietz- zwar eim Fiasko ganz ausgeschlossen erscheinen, aber trotzdem ließ die gesellschaf'liche Skala noch viele Nuancen zu. di» in den Augen der Wissenden erst den Erfolg oder Mißerfolg bedeutetem.

Diefe. Bedenken blieben allerdings den besorgten Ettern überlassen. Den beiden Schwestern, die sich innig liebten. staken ganz andere Dinge im Kopf.

Du> Frieda," sagte eben die zierliche allerliebste Käthe, indem sia,. sehr lebhaft und graziös vor dem großen Stehspiegel in ihrem gemeinschaftlichen Mädchenboudoir einhertänzelnd. un­verdrossen den Dreischrittwalzer Übte, den sie. trotz aller Tanz­stunden, noch immer nicht zu ihrer eigenen Zufried-nh-it be- herrschte. ..du, Frieda, meinst du wohl, daß Leutnant von Eerms- hoff mich auch einmal ausfordern wird?"

Eine dunkle Röte schoß ln das zarte, liebliche Gefickt Frie­das, das von einer Fülle prachtvollen goldblonden Haares ge­krönt und von sanften braunen, .fast übergroßen Augen durch­leuchtet war. Sie war eine auffallend schöne Erscheinung, boch und schlank, der Kontrast des hellen Haars und TeintZ mit den dunkeln Augen gaben ihr etwas ganz Besonderes

Warum nicht?" erwiderte sie leichthin.

Run. erstens ist er immer so ln Anspruch genommen von den allerhöchsten und höchsten Herrschaften, hat soviel zu tun mit Arrangieren. Vortanzen. Vorstellen, daß er für anderes kaum Zeit hat. Und dann bin ich doch ein so unbedeutendes Geschöpf, so klein und unscheinbar, daß er mich sscker gar nickt beachtet."

Und wäre das ein so großes Unglück?" fragte die ältere Schwester lächelnd.

..Ab. ja. das wäre schrecklich. Fritzi!" seufzte die Kleine be­trübt. sich auf einen weichen Sessrl werfend und aanz mechanisch mit ihren Füßchen im Takt weiter wippend,ach. dann wäre schon der ganze Rummel nichts! Was liegt mir an all dem Kram? ob ich Majestät vorgestellt werde oder nicht, ist mir ganz schnuppe, wie wir in der Pension zu sagen pflegten. Nur wegen des schönen Reinhold freue ich mich auf den Ball, nur seinetwegen möchte ich auch schön sein, nur ihm möchte ich ge- fallen."

Aber, Kind, sei doch nicht so leidenschaftlich!" warnte die Schwester, die sich mit ihren drei Jahren längere?! Lebens und größerer Erfahrung fast wie ihre zweite Mutter vorkam.Du darfst dich ln diese Schwärmerei nicht so hineinsteigern. Sonst könntest du noch ernstlich dein Herz an ihm verlieren und un­glücklich werden."

Warum muß ich deun dadurch unglücklich werden?" fragte Käthe, trotzig ihre hübschen roten Lippen aufwerfend und mit den schwarzen Augen blitzend.Ist es denn so gan-, ausaeschlos- fen, daß er mir auch einst seine Neigung schenken könnte?"

O ja. Kleines? Das darfst du ruhig als ausgeschlossen be­trachten", beteuerte Frieda in völlig überzeugtem Tone. ..Weißt du denn nicht, Kindskopf, daß alle Mädchen, und auch dis Frauen dazu, -r- für ihn schwärmen? Er kann doch unmöglich alle wiederlieben Da müßte er ein Herz wie einen Eisenbahn- zua mit ungezählten Sitzen haben. Er denkt, scheints auch gar nicht daran. Er ist freundlich und cheval-resk zu allen, aber niemals zeichnet er eine so weit aus, daß sie ein Recht hätte, auf mehr zu hoffen."

Es ist aber doch nicht möglich, ihn nicht zu lieben!" rief Käthe enthusiastisch.er ist so himmlisch, so wunderbar, so einzig! Man kann neben Ihm gar keinen anderen angucken« Sie scheinen alle so fad. so dumm!"

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