Ausgabe 
3.10.1918
 
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Herzenskarnpse.

Roman von Helene CLütky. geb. von Eersdorff. ^ (Copyright 1915 by C- Ackermann-Stuttgart.)

7) Nachdruck verboten

Mit seinen Pferden hatte er ein wahres Freund­schaftsverhältnis. sie kannten seinen Schritt, seine Stimme und wieherten freudig, wenn er kam und folgten ihm mit ihren rührend stummen Blicken, als feien sie traurig, wenn er fort- ging. Und wie prachtvoll er als Reiter aussah! Es war eine Lust, die kräftige, geschmeidige Figur auf dem Rücken eines Vollblutrenners zu sehen, dazu die vor Freude und Gesundheit strahlenden Augen in dem schönen jungen Männerantlih. Ein­mal auf einem Spaziergang, den sie mit ihren Verwandten in Begleitung Reinholds unternahm, war ihnen eine arme alte Frau begegnet, die auf der Straße stand und sich vergebens be­mühte, ein großes Bündel Holz, das ihr zu Boden gefallen war. mit ihren müden, zitterigen Armen wieder auf den Kopf zu heben.

Als Hilde von Mitleid bewegt, sich nach ihr umblickte, sah sie. wie Reinhold bei ihr stand, freundlich mit ihr plauderte und ihr behilflich war. ihre schwere vast wieder an die gewünschte Stelle zu bringen. Dann ging er sogar noch eine kleine Strecke Weges mit der Alten in entgegengesetzter Richtung weiter, drückte ihr dann etwas in die Hand, jedenfalls ein Geldstück, und holte dann mit langen Schritten und frohen Augen seine eigene Gesellschaft wieder ein, die ihn seines Samariterdienstes wegen gutmütig verspottete.

Ach. wie kann man denn ein armes Weiblein sich so plagen sehen, ohne zu helfen, das geht doch gar nicht!" hatte er sich lachend entschuldigt.

Wie hübsch das war! Ein glanzender junger Offizier aus der intimsten Umgebung der königlichen Majestäten, der sich nicht nur nicht genierte, sondern es geradezu selbstverständlich fand, einer armen Frau beizuspringen!

Von diesem Augenblick an wußte Hilde, daß sie ihn liebte. Sie mußte ihn lieben, vb sie wollte oder nicht, ob er sich um sie kümmerte oder nicht, für immer, ihr ganzes Leben lang, das fühlte sie deutlich. Nie hatte sie gedacht, daß -sie einen Mann lieben könne, dem sie vollständig gleichgültig war. Sie hätte

ßegTaubt, dadurch ihre^ Mädchen- «nd^FraAenwürbe herabz«. ziehen. And nun geschah eZ. daß sie sich sogar sagte, diese Liebe sei ihr Höchstes und würde, auch unerwidert, immer ihr Höchstes bleiben. Es war ihr Schicksal, immer einsam zu sein, trotz ihres warmen, nach Liebe sich sehnenden Herzens.

Ihre Mutter war gestorben, sie das einzige Kind, konnte sich ihrer kaum erinnern. Sie mußte eine schöne, kluge, anmu­tige Frau gewesen sein. Ob sie glücklich war? Wohl kaum. Denn ihr Vater hatte einen harten, tyrannischen, unberechen­baren Charakter, mit dem schwer umzugehen war. Don der Wärme und Zartheit, deren ein Frauenherz bedarf, um sich wohl zu fühlen, hatte er keinen Begriff. Vielleicht hatte er seine Gat­tin auf seine Art geliebt, aber gezeigt hatte er es nicht; sie mußte unter seiner mürrischen, wortkargen, despotischen Art, die keinen Widerspruch duldete, unendlich gelitten, mußte gefühlt haben, daß ihre besten und schönsten Eigenschaften gar nicht zur Geltung kamen, sie verkümmerte wie eine Blume, die stets im Schatten steht.

Auch Hilde stand ihrem Vater fremd gegenüber. Don An­fang an mochte ihm ihr Erscheinen, als das eines Mädchens, unwillkommen gewesen sein, er hätte einen Sohn als Erben seines Namens und seiner Reichtümer haben mögen. Mit ihr wußte er nichts anzufangen. Er sorgte wohl in allen äußer­lichen Dingen für sie und dank seiner großen Mittel fehlte es ihr an nichts. Sie hatte Wärterinnen. Bonnen. Gouvernanten, schöne, reiche Kleider, luxuriöse Zimmer und Spielsachen in Menge, aber Niemand, der sie liebte, den sie wieder lieben konnte. Unter ihren Erzieherinnen wäre vielleicht hie und da eine gewesen, der sie hätte näher treten können, aber sie wechsel­ten immer rasch, teils weil sie sich das strenge, herrische, dazu oft ungerechte Benehmen ihres Brotherrn nicht gefallen ließen, teils weil er sie häufig wegen kleiner Versehen kurzerhand fort­schickte. Ebenso geschah es mit den Dienstboten. Das große, fast fürstliche Haus wimmelte immer von Dienstboten, aber darunter war kein liebes treues Gesicht, das sich als zur Herrschaft ge­hörig fühlte und betrug. Immerfort Wechsel, lauter Fremde um sie her.

Nur eine Persönlichkeit hielt länger Stand. Es war Fräu­lein Franziska Lehmann, eine vermögenslose Iugendbekannte ihrer Mutter, die als Hausdame die oberste Aufsicht führte. Sie

Lbte durch Schmeichelei und Unterwürfigkeit einen gewissen fluß auf Geheimrat Antelmann aus, den sie aber keineswegs zum Guten verwandte. Sie glaubte, daß es in ihrem Interesie läge, wenn der Geheimrat völlig isoliert und nur auf sie an­gewiesen sei. Daher suchte sie auch Vater und Kinder einander möglichst fern zu halten, und aus dem gleichen Grunde förderte sie den steten Wechsel der Hausbewohner.

So war Hildes Kindheit in äußerem Reichtum, aber innerer Leere und Herzensöde vergangen. Vielleicht wäre sie selbst in­nerlich verödet, trotz ihrer guten Anlagen, wäre ihr nicht im wichtigsten Abschnitt ihres Iugendlebens ein zufälliger Um­stand zu Hilfe gekommen. Sie sollte konfirmiert werden und da traf es sich, daß der Pfarrer, der sie dazu vorbereitete, ein wirklicher Seelsorger war, der die traurige Lage des armen reichen Kindes erkannte und sie mit besonderer Liebe an sein Herz nahm. Er erschloß ihr den ganzen Reichtum, den sicheren Lebenshalt, den die milde, weise Lehre des Evangeliums in sich birgt; er machte sie bekannt mit der ganzen Schönheit und Be­friedigung, welche echte, innerliche Religiosität gewähren muü. Und dann führte er sie in feine Familie ein. wo sie zweierlei kennen lernte, was einen unauslöschlichen Eindruck auf ihr empfängliches Gemüt machte: wahre Frömmigkeit, verbunden mit frendrger. gesunder Lebensbejahung und ein liebevolles, hei­teres, glückliches Familienleben. Wie wohl fühlte sie sich bei diesen guten Menschen, die sie wie eine der Ihrigen, aufnahmen! Ihr Vater duldete achselzuckond ihren Verkehr im Pfarrhause. den sie auch nach der Konfirmation eifrig fortsetzte.

Er begriff nicht, was sie dort so Anziehendes fand: ihm

waren die Leute, die eine wohlgeachtete, aber doch im Grunde bescheidene Stellung einnahmen, höchst uninteressant.

Nachdem sie noch ein Jahr in einer vornehmen Pension der französischen Schweiz zugebracht hatte, machte ihr Vater lange Reisen mit ihr, wo sie dank seiner reichen Mittel ihr großes Bildungsbedürfnis befriedigen und ihr hervorragendes musika­lisches Talent bei ersten Meistern verschiedener Nationen weiter bilden konnte. Sie waren mehrere Winter in Berlin gewesen, hatten andere Jahre in Rom verlebt: doch blieb Paris der Lieblinasaufenthalt des Eeheimrats, weshalb sie auch dort stets am längsten verweilten. Im Sommer kehrten sie meistens in ihre reizende Villa am Rhein zurück.

Fortsetzung folgt.

Velr.: Feifchversorgnng.

Bekam,imachnng

Ich bringe hierdurch zur öffent­lichen Kenn nis, daß die mir vom Kommunalverband Friedberg zur Derieilung an die Schwerste und Schwerarbeiter der' Stadt Fried­berg überwiesene Wurst für die Woche vom 3-./9. bis 6./10. 1918 am Freilag. den 4. Oktober 1918, nachmittags von f bis 6 Uhr, in dem Geschäftsladen des Metzqer- meisters Adolf Engel, Kaiser­straße Rr. 98, zum Verkauf kommt. Die Abgabe der Wurst erfolgt nur unter Dorla e der für die Schwer- und Schwerstarbeiter ausgegebenen Fleisch-Zusatzkarten.

Der Verkauf des Fleisches für Kranke für die Woche vom 80 . Sept. bis 6. Oi ober findet am F eitag, den 4. Ouoler, nachmittags von 2 bis 3 Uhr in den Metzgerläden der Rindsmetz er, wie seither statt.

Die Verkaufszeiten sind genau einzuhalten. Nach Ablauf dieser geht das Anrecht auf die zustehen­den Mengen Fleisch oder Wurst verloren.

Friedber^ den 3. Ott. 1918.

Der Bürgermeister 2. V.: Damm.

Bekanntmachung

Nach der Bekanntmachung Er. Kreisamts Friedberg vom30. Sept. d. I. hak das Direttorium der Neichsgetreideitelle für die Zeit vom 3>. Lepiember bis 6. Oktober 191^ als Er atz für die entfallende Fleisch menge, dre Ausgabe einer Mehlmlage verfügt. Diese Zu­lage beir gt in der genannten Zeit für die Stadt Friedberg 125 Gramm Weizcnörormehl aus den Kops der fleischverso gungs- berechliaien BeoötUruiig. Die Berabfo.gunq geschieht auf den Ab chniil der neuen Fleischkar.e, der die Aus chr>ft tiägr:30.Sep­tember bis 6. Ollobec fleischlos". Der Beikauf erfolgt nur in den Mehthandmngen

Adam fißttfiij n. f. Simt

am Freitag, den 4. und Samstg, den 5. Oktober, alle sonstigen Mehloerkäuser sowie die Bäck - reien sind zu die,er Mellabgabe nicht besagt. Die Neichsfleißh- tarie ist bei der Ausgabe vorzu­zeigen. Sie darf nur von deii vorerwähnten Verkaufsstellen ab- getrenni werden.

Der Preis des Mehles bersch- net sich wie folgt:

125 Gramm losten 8 Pfg.

250 15

375 23 :

500 29 usw.

Zuwiderhandlungen gegendlese Anordnung werden nach § 89. Ziffer 12, der Reichsgetceideord- nung bestraft.

Friedberg, den 2. Oktober 1918.

Der Bürgermeister , I. V.: Damm.

Bekanntmachung

über den Bezug bestellter Nährmittel.

Die auf unsere Bekanntmachung vom 20. September bei den Kleinhandelsgeschäften bestellten Mengen

Erbsen. Suppen und Graupen

können von den Bestellern vonl 5. d. M. ab bezogen werden. Der Bezug kann nur bei dem Geichäft erfolgen, bei dem die Bestellung aufgegeben wurde. Dabei ist die Näyrmittelkarte mit vorzulegen. Nährmittelkarten ohne die betreffenden Marken berechtigen nicht zum Bezug; einzeln abgetrennte Quittungs-und Bezugsmarkeu sind wertlos.

Es entfallen auf:

Nährmittelkarte 6 (rot) Marke 50 100 Gramm Erbsen zu 10 Pfennig.

100 Gramm Suppen zu 10 Pfennig.

125 Gramm Graupen zu 10 Pfennig.

Nährmittelkarte C (blau) Marke 59 100 Gramm Erbsen zu 10 Pfennig.

1 Suppenwür el zu 10 Pfennig.

1£5 Gramm Graupen zu 10 Pfennig.

Mit dem 9. Oktober verlieren die Marken ihre Gültigkeit- Wer die von ihm bestellten Waren bis zu diesem Zeitpunkt nicht bezogen hat, verliert den Anspruch darauf.

Die Kleinhandelsgeschäfte haben die betreffenden Quittun'-'S- und Bezugsmarken adttttrennen, und getrennt nach Nummern und Farbe auf Bestellbogen aufgcklebt, bis spätestens 10. d. Mts. bei uns abzuiiefern.

Bis zu dem vorstehenden Zeitpunkt, allo dem 9. d. Mts., von den Bestellern nicht abgenommene Warenmengen sind bis zum 10. ds. Mis anzuzeigen. Nichtbeachtung dieser Bor chrift hat den Ausschluß von dem Vertrieb der Nährmittel zur Folge.

Friedberg, den 2. Oktober 1918.

Der Bürgermeister 2. V.: D am m.

Bekanntmachung X>i© Volksküche

wird am Montag, den 7. Oktober wieder eröffnet.

Die Abgabe von Mittagessen erfolgt nur ge^en am Werktag vorher gelöste Karten. Wochenkarten wer en nur SamStags ausgegeben. Verkaufs eit 117 2 bl» 127 2 Ahr mittags.

Der Preis stellt sich

für Tageskarten auf 40 Pfennig.

Wochenkarten für die 6 Werktage 2.10 Mk.

Vei'ung von Wochenkarten müssen die Nährmittelkarten abgegeben werden.

Friedberg, den 2. Oktober 1918.

Der Bürgermeister

2 . V.: Damm.

Mahnung

der tadniiejeiicnt

Unter Bezugnahme a ,f die Mit­teilung auf Seite 2 des Steuer- zettels wird hiermit bekannt ge­macht, daß die bis Ende Sept. fälligen Steuern. 1/3. Ziel ein­schließlich der Nachträge, bis zum 11. Oktober ds. Js. zu ent­richten sind; Nach Ablauf dieser Frist beginnt bic Zwangsbeitrei­bung.

Es wird hierbei dringend emp­fohlen, sich der Uebcrweifung aus Bank- oder Scheckguthaben zu be­dienen. 2n dieiem Falle ist außer dem Namen auch die Heberegister- nummer des Steuerzettels anzu­geben.

Knedberg, den 2. Oktober 1918.

Die Stadtkasse.

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