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Nummer 230 Einzelpreis $

Dienstag, den 1. Oktober 1918

11. Jahrgang.

Oie ..Dlrue Tageszeitung" erscheint irden Werktag. Regelmäßige BeilagenDer Kauer aus Hellen",Die Spinnstube". Kezugspreis: Bei den Postanstalten vierteljährlich Mt. 2.4u hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Aaenten monatlich 90 Pfg. einschließlich Trägeriohn. Anzeigen: (örundzeile 2b Pjg^ lokale 20Pig^ Anzeigen von auswärts weroen durch Postnachnahme erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Hchriftleitung und Uerlag Friedbera s.Hessen), '--anauerstratze 12. Ferniprecher 48. Bosti steck-Lsnto Nr. 4859. Amt Frankfurt a. M.

Die ParteiherrjchafL im Reiche wird verkündet.--»Die größte Schlacht des Weltkrieges. Erfolgreiche deutsche Abwehr, geringer feindlicher Gewinn. 21000 Tonnen versenkt.

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Der deutsche Generalstab

meldet: =..

M. T. Ä. Trotzes Hanprqnartiev» de« 30. September Amtlich.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht und B o e h n.

In Flandern setzte der Feind seine Angriffe fort. Der Einbruch des Gegners in unsere Stellungen am 27. September nötigte uns, den rechten Flügel unserer Abwehrfront hinter dem Handzame-Abschnitt von nördlich Drxmuide bis Merkem zurück­zunehmen und auf dem linken Flügel des Kampffeldes den Wiet- schaete-Bogen zu räumen. Feindliche Angriffe gegen den Hand- zame-Abschnitt und gegen die Linie Zarren-Westroosebeeke wur­den abgewiesen. Zwischen Passchendaele und Becelare drang der Gegner bis Morrelad und Dazidende vor. Dort fingen wir seinen Stotz auf. Der am frühen Morgen von Houthem bis Kouen an der Lys vordr'mgende Feind wurde durch Gegenan­griffe wieder zurückgeworfen. Wir kämpfen hier an der Lys- Niederung.

Gewaltiges Ringen an der Front zwischen C a m - t ra i und St. Quentin. Gegen die Stadt und beiderseits der Stadt führte der Feind 16 Divisionen in den Kampf, um Eambrai zu nehmen und unsere Front beiderseits der Stadt zu durchbrechen. Nördlich von Eambrai sind die bis zu achtmal wiederholten starken feindlichen Angriffe vor unseren Linien bei Sancourt und Tilloy an erfolgreichen Gegenangriffen geschei­tert. In den Vororten von Eambrai, Neuville und Cantiepre faßte der Feind Fuß. Wir stehen hier am Westrand der Stadt hinter der Schelde und schlugen dort erneute Angriffe des Geg­ners ab Dke über den Kanalabschnitt nördlich von Marcoing geführten Angriffe des Feindes brachen vor und an der Straße EambraiMasniöres zusammen. Südlich von Marcoing drückte uns der Feind hinter den Kanalabschnitt MasniöreZCreve- courl zurück. Mit gleicher Kraft griff er unsere Front von Gon- nelieu bis südlich von Bellenglise an. Zwischen Eonnelieu und Bellicourt schlugen wir den mehrfachen Ansturm des Gegners restlos zurück. Villerß Euislain, das vorübergehend verloren ging, wurde wieder genommen. Oertliche Einbruchstellen wur­den im Gegenstoß wieder gesäubert. Die in der Front bei Gon- nelieu und VillersEuislain schwer kämpfenden Divisionen warfen den aus Richtung Marcoing gegen ihre Flanke vor­brechenden Feind mit ihren Reserve-Bataillonen in entschlosse­nen Gegenangriffen wieder zurück. Zwischen Dellicourt und Bellenglise stieß der Feind über den Kanal vor. Wir brachten 'hn am Abend in der Linie Nordrand BellicourtWestrand IoncourtLehancourt zum Stehen. Die nördlich von Ericourt sich aller Anstürme erwehrenden Regimenter mußten am Abend ihre Flügel auf Lehancourt zurücknehmen.

An dem großen erfolgreichen Abschluß der gestrigen schweren Kämpfe haben Truppen aller deutschen Stämme gleichen Anteil. Der Engländer hat seine örtlichen Erfolge mit sehr hohen blu­tigen Verlusten erkauft.

Heeresgruppen Deutscher Kronprinz und E a l l w i tz.

Gegen unsere neue Linie a.n OiseAisne-Kanal drängte der Feind stark nach. Der Franzose setzte zwischen Suivpes und der Aisne, der Amerikaner gegen den Ostrand der Aroonnen und zwischen den Argonnen und der Maas feine erbitterten An­griffe fort. Mehrere neue Divisionen warf der Feind auch gestern wieder in den Kampf. Zwischen Auberive und Somme- Py schlugen mir mehrfachen, nordwestlich von Somme Py neun­maligen Ansturm des Gegners vor unseren Linien ab. Wir standen am Abend nach Abschluß des Kampfes in der Linie Aure nördlich Ardeuil nördlich SechaultVouconville. !D?it besonderer Kraft stürmte auch der Amerikaner gegen den Ostrand des Argonnenwaldes und gegen die Front zwischen den Argonnen und der Maas an. Sein Ansturm ist völlig gescy-si- tert. Beiderseits des Aire-Tales entrissen wir dem Feinde Apremont. Aus dem Walde von Montrebeau warfen wir den Amerikaner mehr als 1 Kilometer zurück.

Wir schossen gestern 45 feindliche Flugzeuge ab.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.

Aüeridbericht.

Berlin, 30. Sept., abends. (WB. Anrtlich.) In Flandern

allgemeinen ruhiger Tag. Erneute Massenangriffe der Eng- lälchex gegen und beiderseits Lanchra^sind unter Mw ersten Ver­

lusten für den Feind gescheitert. Westlich Le Catelet haben sich am Abend Kämpfe entwickelt. In der Champagne wurden Teil- angriffe der Franzosen, östlich der Argonnen starke Angriffe der Amerikaner abgewiesen.

ie Zukunft des Landes ist Deine Zukunft. Geht das Land Ln Trümmer, reißt es Dich mit. ZeichneKrtegs- a n l e i h e Du tust es für Dich.

Der österreichische Generalstab ,==5^=^== meldet: =,

Wien, 30. eSpt. (WB.) Amtlich wird verlautbart:

Auf dem italienischen Kriegsschauplatz erfolgreiche Patronil- lenunternehmungen.

Unmittelbar westlich des Ochridafees haben wir, der Lage an der bulgarischen Front Rechnung tragend, nach örtlichen Kämpfen den Geländestreifen geräumt.

Der Ehts des Generalstabe-.

Sofia, 28. Sept. (WB.) Eeneralstabsbericht.

Mazedomsche Front: Westlich des Wardar setzten unsere

Einheiten ihre Bewegungen plangemäß fort. Zwischen Wardar und Struma Kampfe der Nachhuten mft schwachen feindlichen Kräften. Im Strumatal erfolgreiche Patrouillengefechte.

jj Das türkische Hauptquartier e== meldet: -

Kenstantinopel, 28. Sept. (WB.) Generalstabsbericht. Palästinafront: Die Kämpfe am TiberiaZfee dauern an.

Von den übrigen Fronten nichts Neues.

Konstantinopcl, 29. Sept. (WB.) Eeneralstabsbericht. Palästinafront: Die Engländer setzten ihren Vormarsch mit Kavallerie beiderseits der Eisenbahn DeraaDamaskus und noödöstlich fort.

Aus der übrigen Front Ruhe.

Um die Lage in Palästina besser zu verstehen, lassen wir den englischen Bericht, der im allgemeinen den Tatsachen ent­sprechen dürfte, folgen:

Am 27. September leistete der Feind in dem Nordgebiet (Tiberiassee) einigen Widerstand, indem er die Uebergänge am oberen Jordan bei Iisr Benat Pakub nach Mezerib und Deraa behauptete. Im Laufe des Abends erzwang eine Brigade australischer leichter Kavallerie den Uebergang südlich von Iisr Benat Pakub. Am Morgen des 28. September wurde der Feind aus seinen Stellungen am oberen Jordan vertrieben, indem unsere Truppen nach dem linken Ufer übersetzten und die Wie­derherstellung der Brücke unternahmen. Südöstlich von dem See überwand unsere Kavallerie den türkischen Widerstand bei Ir- bid und Erremte. Im Laufe des Nachmittags des 27. und am Morgen des 28. trieb sie den ihr gegenüberstehenden Feind vor sich her nach Norden über Mezerib hinaus, wobei sie dem Araber­heere des Königs Hussein bei Deraa die Hände reichte. Letzte­rer hatte die Eisenbahnstationen Ezra und Hagazala (nördlich von Deraa) auf der nach Damaskus verlaufenden HedschaZlinie am 28. 9. eingenommen, wobei er ungefähr 1500 Gefangene machte. Weiter nördlich wird die Vorwärtsbewegung unserer Kavallerie, die auf ihrem rechten Flügel von Arabern gedeckt ist, von dem Deraa-Gebiet aus fortgesetzt. Unsere Truppen näherten sich Mezerib am Abend des 28. 9. Im Südgebiet hat­ten unsere Kolonnen im Amman-Distrikt bis zum Abend des 27. während ihrer Operationen östlich vom Jordan 5700 Gefangene gemacht und 28 Geschütze erbeutet. Am 28. 9. standen sie bei der Elkastal-Station, 14^ Meilen südlich von Amman, mit den Vvrtruxpen des türkischen Heeres in^Fühlung, die sich yördlich

von Maan zurückgezogen. Im ganzen wurden bis 8 Uhr abends am 29. 9. 50 000 Gefangene und 325 Geschütze gemeldet.

21000 Tonnen versenkt.

Berlin, 29. Sept. (WTB. Amtlich.) Im Sperrgebiet um England versenkten unsere U-Boote

21,000 Bruttoregistcrtonnen.

Der Chef de- Admiralstabes der Marine.

Die Schlacht im Westen.

Genf, 30. Sept. DerTemps" schreibt: Unsere Heer-,

kämpfen jetzt um den ausgesprochenen Durchbruch, der zur letzten Etappe des Krieges führen soll. Die Heeresleitung ver­sichert der Armeekommission, daß sie eine militärische Entschei­dung bis Mitte Oktober erwarte, daß aber alles von der Stärke des feindlichen Widerstandes und seiner Reserven abhänge.

Eine HavaZnote meldet dagegen weniger" zuversichtlich: Der Feind verhindert durch sein Massenaufgebot von Artillerie und Abwehrmaterial unser Vorrücken. Die Schonung unserer Re­serven laßt mutmaßlich keine größeren Entscheidungen in der jetzt begonnenen Kampstätigkeit erwarten.

Oesterreichs Waffenhilfe.

Wien, 29. Sept. (WV.) Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Am 26. September, einem Großkampftage an der Westfront, haben di« bei Verdun stehenden österreichisch- ungarischen Truppen des Feldmarschalleutnants Metzger sich rühmlichst ausgezeichnet. Der gegnerische Einbruch wurde durch rasches Zugreifen der österreichisch-ungarischen Reserven voll­ständig wett gemacht Die österreichisch-ungarischen Truppen griffen überdies noch mit allen verfügbaren Kräften in den Kampf ihres Nachbarabschnittes ein und konnten damit den deutschen Waffenbrüdern die wirksamste Unterstützung gewähren.

Gin Erlaß des Kaisers.

Berlin, 30. Sept. (WB.) Der Kaiser hat an den Reichs, kanzlcr Grafen Hertling den folgenden Erlaß gerichtet:

Euer Exzellenz

haben mir vorgetragen, daß Sie sich nicht mehr in der Lage glauben, an der Spitze der Regierung zu verbleiben. Ich will mich Ihren Gründen nicht verschließen und muß mit schwerem Herzen Ihrer weiteren Mitarbeit entsagen. Der Dank des Vaterlandes für das von Ihnen durch Uebernahme des Re-chskanzleramtes in ernster Zeit gebrachte Opfer und die von Ihnen geleisteten Dienste bleibt Ihnen sicher.

Ich wünsche, daß das deutsche Volk wirksamer als bisher an der Bestimmung der Geschicke des Vaterlandes mitarbeite. Es ist daher mein Wille, daß Männer, die vom Vertrauen des Volkes getragen sind, in weitem Umfange teilnehmen an den Rechten und Pflichten der Regierung. Ich bitte Sie, Ihr Werk damit aozufchließen. daß Sie die Geschäfte weiterführen und die von mir gewollten Maßnahmen in die Wege leiten, bis ich den Nach­folger für Sie gefunden habe. Ihren Vorschlägen hierfür sehe ich entgegen.

Großes Hauptquartier, den 30. September 1918. gezeichnet Wilhelm I. R. gegengezeichnet: Dr. Graf von Hertling.

So hat also die Linke im Deutschen Reichstag vollständig den Sieg davongetragen und der Kaiser hat, wie das nach seine, Haltung in den letzten Jahren nicht anders zu erwarten war. nachgegeben. Das deutsche Reich hört auf, ein Bundesstaat zu fein, an feine Stelle tritt der Staat der Parlamentsherrschaft, d. h. die Parteien werden fortan die Regierung in die Hand nehmen und solange es ihnen beliebt eine Schatten-Mo­narchie dulden, die, wie in England, weiter keinen Zweck hat, sondern höchstens eine Verzierung vom Staatsgebäude bilden soll. Herr v. Payer rüstet sich bereits, die Nachfolge Hertlings anzutreten und die Herren Scheidemann und Ebert sehen sich schon nach Ministerftacks um.

Wieder einmal verdient die Haltung des Zentrums ge­brandmarkt zu werden. Erzberger und die schwarzen Sozial­demokraten in seiner Gefolgschaft haben milgeholfen, ihre eigen« Partei auszuschatten. Die Partei, die unter Windhorft als' ein Hort des bundesstaatlichen Charakters des Reiches galt, hilft mit, den § 9 der Reichsverfassung z« beseitigen, wodurch die Zentralgewalt nach Berlin übersiedelt und einzelne machte hungerige ^Politiker an die Spitze kommen.