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Herzenskärnpse.

L Roman von Helene Schütky, geb. von Gersdorff. t je: (Copyright 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.)

4) Nachdruck verboten

Sie sind die Güte selbst, Tantchen", sagte er mit fröhlichem Lachen. Sie hatte ihm diese intime Anrede im engsten Kreise gestattet.

Der Kommerzienrat brachte voll Eifer eine kostbare alte italienische Geige herbei, die der Franzose fast mit Andacht aus ihrem wertvollen Kasten nahm.

Bald darauf ertönten in dem akustisch gebauten und einge­richteten Musiksalon in prächtigem Zusammenspiel die wunder­vollen Klänge der Beethovenschen Kreuzer-Sonate. Gleich wah­ren Wogen des Wohlklangs rauschte das herrliche Tonbild am Ohr der lautlos lauschenden Zuhörer vorüber. Auch der Sohn des Hauses und seine junge Braut, eine schlanke elegante Blon­dine, Marie von Lienberg, waren während des Spiels leise herangeschlichen. Tief ergriffen hörte Reinhold zu. Er hatte diese großartige Schöpfung Beethovens immer bewundert, aber so bewegt hatte sie ihn noch nie, so ganz verstanden hatte er sie noch niemals, wie heute.

Nach Schluß des langen Stückes herrschte zuerst sekunden­langes Schweigen, wie unter dem Dann eines übermächtigen Eindrucks, dann aber gab es laute Bravos, und alle Anwesen­den eilten auf die beiden Künstler zu, um ihren Dank und ihr Entzücken in begeisterten Worten auszudrücken.

Auch Reinhold trieb es unwillkürlich zu ähnlichen Aeuße- rungen seines Gefühls, doch, seinen Vorsätzen getreu, hielt er sich auch jetzt zurück und stimmte nicht in den Jubel der Andern eüt-

3 . Kapitel.

Fn den folgenden Wochen hatte Reinhold einen starken In­neren Kampf zu bestehen. Der lebhafte Eindruck, den das rei­

zende, eigenartige rvsfen von Hilde Antelmann beim ersten Zusammensein auf ihn hervorgebracht hatte, vertiefte sich bei öfterem Sehen, dag sich als unvermeidlich erwies, zu einem großen ihn ganz beherrschenden Gefühl. Wie hätte auch ein so sehr für physische und geistige Schönheit empfänglicher Mensch wie er, einer so seltenen Vereinigung von äußeren und inneren Vorzügen gegenüber, wie sie sich in Hilde verkörperten, gleich­gültig bleiben können? Er merkte mit Schrecken, wie sich alle seine Gedanken und Gefühle nur noch um sie drehten, wie er nur noch lebte von einem Wiedersehen mit ihr zum andern, wie alles andre, was nicht mit ihr zusammenging, selbst sein sonst so sehr geliebter Dienst, selbst seine Lektüre, ihn nur noch anöde­ten. War das Liebe? So hatte er noch nie empfunden, trotz­dem ihn der schlimme Schelmengott Amor auch schon öfters mit seinen Pfeilen gestreift, aber nie ernstlich verwundet hatte. Und was sollte daraus werden? Niemals würde er von seinen Grundsätzen abgohen und sich um ein so kolosial reiches Mädchen bewerben, er, der selbst ganz Vermögenslose. Das widerstrebte seinem stolzen, männlichen Selbstgefühl zu sehr. Das hätte ihn vor sich selbst, wie vor der Welt für immer in eine fchiefe Stel­lung gebracht, die seinem empfindlichen Ehrgefühl unerträglich gewesen wäre. Freilich wußte er ja auch keineswegs, ob es ihm, auch wenn er sich um sie bemühte, gelingen würde, ihre Liebe zu erringen. Er war durchaus nicht so überzeugt von seiner Unwiderstehlichkeit, wie er seinen Erfolgen beim weiblichen Ge­schlecht nach alle Veranlassung gehabt hätte, es zu sein. Er war eine von jenen seltenen Naturen, die durch Schmeichelei und Weihrauch nicht verdorben werden. Und Hilde vollends schien ihm eine so glänzende Persönlichkeit, daß er auch ohne ihre Mil­lionen kaum den Mut gehabt hätte, sie für sich erringen zu wol­len. Auch war er überzeugt, daß er ihr vollkommen gleichgültig sei. was ja auch ganz erklärlich war. da er sich ihr gegenüber nie natürlich gab, sondern immer in seiner kühlen Reserve blieb.

Außerdem glaubte er, seinen Beobachtungen nach, fast über- zeugt sein zu dürfen, daß zwischen ihr und Marquis Reymond

ein Einvernehmen, wenn nicht schon bestände, so doch als dentz Wege wäre, sich zu gestalten. Daß der Franzose alles aufbot, um sich ihr angenehm zu machen, war für Jedermann ersichtlich. Ihr Benehmen war fteilich wechselnd, zuweilen war sie sehr lieben-, würdig, dann wieder verhielt sie sich ganz gleichgültig, ja. sogar abstoßend gegen ihn. Doch war die Musik allezeit ein Binde, mittel zwischen ihnen, dessen Macht niemals versagte. Wäh­rend der vielen Stunden, wo die Beiden miteinander musizier, ten, wußte Reinhold oft nicht, was stärker in ihm war: der

reine Genuß an der künstlerischen Leistung, das Vergnügen, das heimlich geliebte Mädchen ruhig betrachten und ihr zuhöre» zu dürfen oder der eifersüchtige Groll, daß ein Andrer mit ihr gemeinschaftlich sich in die höheren Regionen der Kunst und Schönheit schwingen durfte, während er selbst ausgeschlossen und unbeteiligt dabei saß? Dazu quälte ihn noch etwas. Er konnte, trotz des glatten, schmeichlerischen Benehmens des Marquis das instinktive Gefühl des Widerwillens, ja, eines leisen Argwohns nicht loswerden, als sei die einnehmende Außenseite nicht echt, sondern nur die Maske, unter welcher sich ganz anderes, vielleicht sogar verderbliche Leidenschaften, verborgen hielten. Und der Gedanke, daß ein Unwürdiger das von ihm so hochgehaltene, wie eine Heilige verehrte Mädchen betören und unglücklich macken könnte, denn natürlich mußte eine solche Ehe unglücklich w den machte ihn selbst tief unglücklich, so daß er sich fragte es nicht seine Pflicht sei, aus seiner Reserve heranszutrei Vielleicht, wenn er versuchte, sich ihr zu nähern, würde es ihm gelingen, ihre Achtung, ihre Freundschaft zu erringen und sie vor der ihr drohenden Gefahr zu bewahren. Dann aber ver. spottete er sich wieder selbst:merkst du denn nicht, Reinhold, daß du dich selbst belügst, daß du nur einen Vorwand haben möchtest, um selbst als Bewerber bei ihr aufzutreten?" Und was für Beweise hatte er denn, daß der Marquis nicht der gute Mensch war. als der er scheinen wollte? Konnte seine Ab' Neigung nicht nur in^ seiner Eifersucht begundet sein?

Fortsetzung folgt.

Todes-Anzeige.

Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß uns heute mittag unsere einzige innigstgeliebte Tochter. Schwester, Braut. Kusine und Nichte

Lina Ewald

tm blühenden Alter von 23 Fahren nach kurzem, schwerem Leiden durch den Tod entrissen worden ist

Affenheim, den 27. September 1918.

Die tieftrauernden Hinterbliebenen:

Bürgermeister Ewald und Frau Adolf Ewald, Leutnant d. Res., z. Zt. im Felde Carl Walter, Leutnant d. Res., z. Zt. im Felder

Die Beerdigung findet Dienstag, den 1. Oktober. nachmittags 3 Uhr. hier statt.

M-mmrmachnttg Bekanntmachung

bei dem seither üblichen Bei

uba ?pii'fr9H5 des Ma^versahrr-s.

Laut Bechluß der Stadlver- otl! _ en-Vettammlunq, welcher di>rch E oßh. Ministerium des 2n- TK.n genehmigt wurde, soll die iei^e übliche Mahnung für Ge meind^steueru nicht mehr durch besondere Mohn et'el, sondern dar^.- öffentliche Bekanntmachung erfolgen. Es werden deshalb den Schuldnern keine Mahnzettel zu- geitellt, die Mahnung erfolqt da­für durch wiederholte Belannt- m.ichung in den hiesigen Ons- zeitun-m sowie durch Anschlag «n dem für öffentliche Bekannt­machungen bestimmien Platze des S-adthaufes und in der Etadt- Eaffe. 2n der Veröffentlichung tvird genau angegeben, bis zu trelchem Tage die fälligen Steuern ohne Kosten bezahlt werden kön­nen. Mahngebühren werden dabei von der Stadtkasse nicht erhoben.

Vorstehendes Verfahren findet »ur Auvendung auf die Bei-^

treibungsverfahren.

Friedberg, den 27. Sept. 1918. Der Bürgermeister 2. V.: D a m m.

Bekanntmachung

Bei der am 26. lf. Mts. statt­gehabten Auslosung von Obtiga- l onen der städtischen Anleihe vom 11. November 1878 sind folgen­de Stücke gezogen und zum 1 . Jan. 1919 zur Rückzahlung gekündigt worden:

Ltt. A. Nr. 140 und 234,

B. 60 und 78,

C. 65.

Die Stücke können übrigens jetzt schon eingelöst werden, falls die 2nhaber die Beträge durch Ver- mittlung der Stadtkasse für die 9. Kriegsanleihe anlegen.

Friedberg, den 28. Sept. 1918.

Der Bürgermeister 2. V.: Damm.

Nach der Bundesratsverordnung vom 2. September 1918 ist der An- und Verlauf von

Saat-Kartoffeln

nur bis zum 15. November 1918 gestattet.

Zum Zwecke einer Vereinfachung des Versands und der Beförde­rung hat die Landwirtschafts­kammer einen Bezug in Sammel- ladungen empfohlen.

2ch habe daher auf Zimmer Nr. 4 des Stadthauses eine Liste auflegen lassen und stelle den 2nteressenten anheim, durch einen Eintrag in diese ihre Bestellung spätestens bis zum 15. Oktober d. I. zu bewirken.

Bei der Bestellung ist anzu- geben, ob

*) anerkanntes Saatgut aus den Saatbaustellen oder d) feldbesichtigtes Saatgut gewünscht wird, ferner ob die Lieferung im Herbst oder i«

Frühjahr eriolgen soll. Die Ent­

scheidung, ob Herbst- oder Früh­jahrslieserung erfolgt, bleibt aber dem Lieferanten überlassen.

Bei Lieferung im Frühjahr wird sich der Preis etwas erhöhen. Auch behält sich die Landwirt- schaftskammer vor, anstelle an­erkanntes, feldbe sichtigles Saat­gut oder umgekehrt, zu liefern, sobald die Lieferung in dem ge­wünschten Saatgut nicht mehr erfolgen kann.

Friedberg, den 26. Sept. 1918. Der Bürgermeister 2. V.: Dam m.

Uelchs-Ankauf.

Die Gemeinde Ober-Nosbach beabsichtigt einen 18 Monate alten prungfühigen Faselochs anzukau. en. Besser solcher Tiere können hre Offerten bei Unterzeichneter Stelle einreichen.

Ober-Nosbachs 27. Sept. 1918.

Treßh. Körgermeislerri Vber-K-otzach.

D i e f f e n b a ch.

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Bewerber wollen sich melden bei Ludwig Himmelreich I., Ober- Eschbach bis zum 6. Oktober d. I.

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