Das Prinzip der Gerechtigkeit /»
rorangestellt wird, ohne auch nur zu prüfen, ob nicht bei billiger Anwendung jenes Prinzips cruch cchne Fortsetzung des ganz zwecklos gewordenen Zerstörungswerkes eine Verständigung erreicht werden könnte, wie fie unseren Gegnern wiederholt ange- boten wurde. Es ist nicht denkbar, daß selbst die zuversichtlichste Hoffnung auf den Endsieg es der gegnerischen Seite gestatten könnte, sich auf die Dauer der Uederlegung zu verschließen, ob sie dennoch weiter die ungeheuersten Anstrengungen und Opfer rechtfertigen kann, um Prinzipien durchzusetzen, die nicht ihr Monopol sind, oder um die inneren Angelegenheiten anderer Völker zu ordnen, die das ganz gut besorgen können. Ich glaube, eine sorgfältige und aufrichtige Prüfung würde viel auf der anderen Seite zu der Einsicht bringen, daß man dort vielleicht für imaginäre Dinge kämpft.
Meine hochgechrten Herren! Es mag eine uirdankbare Sache sein, dem Gegner seine eigene Einsicht vermitteln zu wollen. Der feindliche Verband kann sich aber, wenn er will, leicht überzeugen, daß er in allen Fragen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit der zukünftigen Völkerbeziehungen bei unserem Bunde keinem Widerstande, sondern eigenem Fortschrittsbedürfnis begegnen wird, ebenso aber auch dem Entschlüsse, für unser gutes Recht uns auch weiter standhaft einzusetzen. Unsere Gegner mögen nur dazu Gelegenheit geben in ruhiger Rede und Gegenrede. Es ließe sich an
irgend eine direkte informative Aussprache ‘ denken, die noch längst keine Friedensoerhandlung wäre, alles zu erörtern und abzuwägen, was die kriegführenden Parteien heute von einander trennt, und es wird vielleicht keines weiteren Kampfes bedürfen, um sie einander näher zu bringen.
Meine hochverehrten Herren? Ich wollte Ihnen keine wesenlosen Friedansaussichten Vortäuschen in einem Augenblick, wo noch das Kriegsfieber die Welt schüttelt, ich mußte aber vor Ihnen vom Frieden sprechen, weil wir ihn alle ehrlich wollen. Gewiß ist, daß in allen feindlichen Ländern eine stets zunehmende Anzahl von ähnlich Denkenden besteht. Wir wollen zu gegenseitiger Berstäirdigung nach Kräften beitragen und die Wege ebnen helfen mit versöhnlichem Sinn, aber, solange es not tut, ausharren in treuer, entschlossener gemeinsamer Abwehr.
Rußland.
Englisch-französischer Mißerfolg.
Petersburg, 8. Sept. Nach einer Meldung des Blattes „Norfke-Mune" wurde bei Tegry eine 500 Engländer und Franzosen starke Abteilung von den Rüsten vernichtend geschlagen. 8 Maschinengewehre, 50 Wagen Munition wurden erbeutet.
Die „Rote Zeitung" bringt eine Meldung, wonach in Rifhni Nowgorod ein Konzentrationslager für 5000 Personen eingerichtet wird, die als Bürgen für weißgardistifchen Aufstände dienen sollen. Rach derselben Zeitung führen die Engländer im Murmangebiet die Zwangsmobilisation aller Männer im Alter von 18—40 Jahren durch.
Me Rußland
Mer seine rijemaüGen Verbündeten
Die Moskauer „Prawda", Rr. 162 vom 3. August, schreibt: „$ie Sozial-Revolutionäre und Menschewiki suchen die russischen Arbeiter in die Armee „unserer Verbündeten" zu ziehen. Sie fordern zum Uebertritt auf die Seite der Tschecho-Slowaken auf. die von den Franzosen bestochen sind. Sie rufen zum Kampfe gegen die Deutschen auf. Was bedeutet aber ein solcher „Volkskrieg" in einem Bündnis mit den Franzosen und Engländern gegen die Deutschen? Der Volkskrieg ist in Wirklichkeit ein imperialistischer Krieg. Es ist der Krieg für die Raubgelüste der Engländer auf Klein-Asien, sowie auf Persien und Teile der deutschen Kolonien. Es ist der Krieg für die Raubgelüste der Franzosen auf Elsaß-Lothringen und die übrigen Teile der überseeischen Besitzungen Deutschlands. Es ist der Krieg, der den Amerikanern Süd-Amerika ausliefert. Er gibt den Verbündeten die Herrschaft über die Land- und Seewege. Nicht nur die Ueberreste Deutschlands und Oesterreichs, sondern auch Rußlands sollen von den Verbündeten eingesackt werden. Das ausgesogene Rußland soll eine Kolonie, Erbgut des verbündeten Kapitals werden. Eben darum, iirdem sie die Rüsten mit sich in den Krieg zu reißen suchen besetzen die Verbündeten in erster Linie die nördlichen Teile Rußlands. Das ist kein Krieg, sondern eine bloße Auslieferung an die Blutegel des französischen Kapitals. Die frarpMche? Wucherer fordern von dem freien Volke die Zahlung der Zarei.. schulden. Um Milliarden Zinsen aus ihm herauszusaugen, rauben sie das Murmangebiet, nehmen sie das Weiße Meer. Mit den Einkünften der Zollämter, Häfen, Eisenbahnen und der nördlichen Wälder wollen sie die Schulden decken. Sie fordern die den französischen Kapitalisten abgenommenen Werke und Fabriken zurück, und werden auch noch andere Reichtümer an sich reißen. ; Um überhaupt kämpfen zu können, wird man dann von neuem bei 1 tfnen borgen müssen. Das bedeutet aber, mit dem Kopf voraus in die Fangarme des Polypen laufen."
W'M hm in rinn W.
Es besteht bekanntlich die Befürchtung, daß den in den Kriegegefellschuften tätigen Personen ihre genauere Kenntnis >' der für später geplanten Maßnahmen sehr zustatten kommen * dürfte, daß aber diese Tätigkeit auch dazu dienen könnte, nahestehenden Firmen Einkaufsmonopole — wenn auch nur indirekt — zuzuführen, hätte man eigentlich nicht erwarten sollen. In ihrer Nummer vom 27. Juli teilte die „Allgem. Produkten^zei- tunq" in einem längeren Artikel „salus publica“ mit:
"Die Abteilung Knochen und Leim beim Kriegsausschuß ! kür Ersatzfutier wird bekanntlich von Herrn Martin Strauß, ' Mitinhaber der Firma Gebrüder Strauß in Frankfurt a. M.. geleitet. Als Leiter dieser Abteilung hat Herr Martin Strauß keiner Firma Gebr. Straub das Monopolrecht für den Ein
kauf gewisser Rohstoffe, in erster Linie Leimleder, für Bulgarien, Rumänien, Holland und die Türkei verliehen."
Nach fünfwöchigem Warten wird jetzt am 6. September in dem genannten Blatte vom Kriegsausschuß für Ersatzfutter tim Berichtigung veröffentlicht, die feststellt, daß Herr Martin Strauß nur Leiter der Abteilung „Knochen" ist und dann als richtig rugibt,
»daß der Leiter der Eesamtabteilung» zu der u. a. die Sektionen „Knochen" und „Leimleder" gehören, im Jahre 1916 Verhandlungen mit der Firma Gebr. Strauß geführt hat und zu bestimmten Vereinbarungen hinsichtlich der Einfuhr aus-, ländischen Leimleders gelangt ist."
Also formell ist nicht der Leiter der Abteilung „Knochen" sondern der Leiter der Eesamtabteilung nach außen verantwortlich für die „bestimmten Vereinbarungen hinsichtlich der Einfuhr ausländischen Leimleders". Weshalb drückt sich der Kricgsausschuß für Ersatzfutter denn nur so unbestimmt über die „bestimmten" Vereinbarungen aus? Mag er doch zur Entkräftung des gegen Herrn Martin Strauß erhobenen Vorwurfs Antwort darauf geben, welcher Art die „bestimmten Vereinbarungen" mit der Firma Gebr. Strauß sind und auf welche Gebiete sie sich beziehen. Durch die jetzige Berichtigung wird die Sache erst wirklich aufklärungsbedürftig. Es handelt sich hier um eine so wichtige grundsätzliche Seite unserer Kriegswirtschaftsorganisationen, daß die breitere Oefsentlchkeit wohl einen Anspruch auf restlose Aufklärung hat.
heileres Mer nnlere KrikgsimWsien.
Ein hübsches Zerrbild, das aber als ein Stimmungsmesser recht bezeichnend ist, bringt die „Jugend". Wir müssen uns leider versagen, das Eefch-chtlein unverkürzt zu bringen, müssen uns vielmehr auf einen Auszug beschränken. Also: „Ganz
Berlin hatte geflaggt: Die 1000. Kriegsgesevschast war soeben
begründet worden und dieser Sieg moderner Rationierungs- kultur mußte natürlich gebührend gefeiert werden." Mit Mühe gelingt es einem Bürger zu der Feier, der Eröffnung der „La- vag", so nannte sich, einem neuen scheußlichen Brauch folgend, die Gesellschaft, zu gelangen. Ein feiner Herr, dessen Verdienste durch zahlreiche Orden anerkannt waren, empfängt ihn und es entspinnt sich folgendes Gespräch:
„Ah," sagte der Besucher hochachtungsvoll und ergebenst, „Sie also haben dies kolossale Unternehmen unter sich?"
„O nein," wehrte er geschmeichelt, aber bescheiden ab, „ich bin nur der fünfte Dizesubdirektor. Im ganzen sind wir dreizehn Vizesubdirektoren. Ueber uns stehen zehn Subdirektoren, sieben Vizedrrettoren, fünf Direktoren, drei Oberdirektoren und ein Generaldirektor mit dein Titel Exzellenz."
„Um Eotteswillen," staunte ich, „wozu brauchen Sie nur soviel leitende Beamte?"
„Aber, mein Herr," murrte er und sah mich mißbilligend an, „wer soll denn die ungeheuren Tantiemen verzehren, die das Unternehmen abwirft? Überdies haben wir noch erheblich mehr Beamte. Da sind 28 Abteilungschefs, etwa 40 Prokuristen und mehrere hundert Buchhalter, Sekretäre, Kassierer — die Tippftäuleins, Telephonisten, Laufburschen usw. gar nicht zu zählen?"
„Ungeheuerlich," murmelte ich, noch hochachtungsvoller und ergebener als vordem. „Wie gewaltig muß dann erst Ihr technisches Personal sein!"
„Technisches Personal?" lächette der Herr Direktor. „Köstlich? Was so das Publikum alles von einem verlangt! Die Technik kommt natürlich erst am Schluß — oder Sie müssen gerade Tischler, L^erarbeiter, Dekorateure usw. zum technischen Personal rechnen, die uns mit Klubsesseln, Billards und ähn. lichen notwendigen Sachen versorgen. Doch halt, einen Ingenieur haben wir allerdings schon angestellt."
In dieser Tonart geht es weiter. Der Herr Vizesubdirektor stellt noch fest, daß das Unternehmen in der Zukunft begründet sei, eben sei die Hauptsache, daß die Gesellschaft ein schönes Hotel mit zahlreichen prächtigen Räumen erworben habe und die Beamten ihre Geyälter bezögen. Beleidigt antwortete er auf die Frage, was er eigentlich zu tun habe. „Zu tun, zu tun? Groß, artig! Was sollen wir denn zu tun haben? Doch das gleiche, was meine Kollegen zu tun haben, nämlich gar nichts. Und außerdem bin ich Auffichtsrat mehrerer anderer Krieqsgefell- schaften, meine Zeit ist also genügend ausgefüllt." Doch der Herr Vizefubdirektor muß zum Festessen, es gibt dort zwölf Gänge, Suppe und Nachtisch nicht mitgerechnet, der Herr Ingenieur Leuchter vertritt ihn und erläutert das Wesen der „Luoag" das heißt: „Lust-Verwertungs-Aktiengesellschaft".
„Die Luft ist das dem Menschen notwendigste, nützlichste und — bisher wenigstens — billigste Element. ' Man braucht sie 1. chemisch-biologisch zum Atmen, 2. physiko-mechanisch zum Bewegen von Mühlen, Motoren, Segelschiffen usw., 3. iechno- logssch für den Verkehr der Flugzeuge, Lenk- und Freiballons,
4. industriell zur Erzeugung von Stickstoffdünger, Munition usw.' und 5. medizinisch zu Heilzwecken, insbesondere bei Erkrankungen der Nerven und der Atnrungsorgane. Da wir in Deutschland geradezu unbegrenzte Mengen dieses kostbaren Stoffes zur Verfügung haben, können wir sagen, daß unsere Zukunft gewissermaßen in der Luft liegt. Trotzdem ist sie bisher merkwürdiger- und törichterweise nicht rationiert gewesen. Vielleicht aus Besorgnis, daß wie bei den anderen Kriegsgefellschaften sofort nach erfolgter Rationierung der betreffende Stoff. ausgehen und es in diesem Falle also Luft nur noch von hinten herum geben würde. Das ist jedoch nicht zu befürchten. Jeder unserer Herren Direktoren ist ein ausgebildeter Luftikus; keinem von ihnen wird je die Puste ausgehen. So ist es denn der Zweck unserer Gesellschaft, die Luft zu rationieren. Es werden Karten zum Luftverbrauch ausgegeben. Jede Person erhält einen Zähler, den sie dauernd bei sich zu führen hat. Zuwiderhandlungen werden mit vier Wochen Gefängnis oder 10 000 Mark Geldstrafe geahndet. Das Letztere ist uns lieber, da wir große Ausgaben haben. Der Zähler registriert nun die Anyahl, Lange und Intensität der Atemzüge und stellt genau den Verbrauch an Kubikmetern fest. Jeder Person wird nach Alter und Beruf eine bestimmte Menae Luft zn billigem Preise zur Verfügung ae-
stellt, wobei für die Atmung durch die Saut eine Pauschalsumme zu entrichten ist. Wer mehr verbraucht, zahlt Strafe. Das Letztere ist uns lieber, da wir große Ausgaben haben."
Der Besucher ftagt:
„Was erhalten denn Sie für einen Schalt?" lich ein.
„O," Wetterte bet &err Ingenieur, „125 Mark den Monat — ich bin ja nur Ingenieurs
„Und Dividenden?"
Leider nein, die sind für die Herren Direktoren reserviert Doch soll ich bei guter Führung 50 Mart Teuerungszulage be- kommen."
„Im Monat?" fragte ich.
„Wo dmken Sie hin?" dienerte er. „Im Jahr natürlich! Doch kann ich nach längerer Dienstzeit zum Arbeiter der„Luvaq"- Werke avancieren und verdiene dann das sieben- bis achtfache meines jetzigen Gehaltes."
„Und was mag so ein Suboize .... nein, Vizesubdirektor beziehen?"
„Auch nicht viel," dienerte er; „höchstens 15—20 000 Mark, ohne die Tantiemen natürlich. dis erheblich sind. Aber leider' wir können zu Anfang noch nicht viel zahlen, da wir große Au-> gaben haben. Dies Festessen heute zum Beispiel . .
Ich schüttelte meinem Führer dankbar die Hand.
Zum Schluß folgt die Frage: „Verzeihung Herr Ingenieur! Roch eine Frage, Herr Ingenieur. Wie lange mag sich bas deutsche Publikum diesen Schwindel noch gefallen las. sen?" Da richtete sich der Ingenieur kerzengrade empor: ..Das deutsche Publikum?" rang er nach Atem. „Das deutsche Pub- lrkum? Mein Herr, das deutsche Publikum ist uns - ist uns Luft!"
Verschiedenes.
Amerika ohne Vier. Reuter meldet aus Washington: Die Lebensmittelverwaltung hat angeordnet. daß alle Brauereien am 1. Dezember schließen müssen und Vier und andere Mais, getränte vom Markte zu verschwinden haben, sobald die Vorräte aufgebraucht sind.
Eierlegen unter Aufsicht. Vor dem Schöffengericht in Wermelskirchen stand der Hammerschmied K., weil er als Geflügelhalter seiner Verpflichtung zur Ablieferung von Eiern nicht nachgekommcn sein soll. Das Gericht erkannte auf Freisprechung, dem Anträge des Amtsanwalts folgend, der selbst erklärte, daß es schwierig, ja fast unmöglich sei. den Hühnerbesitzern nachzuweisen, daß sie so und so viele Eier abliefern könnten, es sei denn, daß jedes Huhn die Eier unter Aufsicht legen müsse; eine derartige Dressur habe man aber den Hühnern bis. her nicht berbringen können.
Wie mau in der demokratischen Schweiz über die Demokratisierung Deutschlands denkt, darüber ein lehrreiches Beispiel. Vor uns liegt die Nummer eines kleineren Schweizer Blattes das „Der Limmattaler" heißt und im Kanton Zürich erscheint' Untertitel: „Freisinnig-demokratisches Organ". Darin findet
sich ein Artikel „Der Abgang Kühlmanns": der Verfasser sagt am Schlüsse wörtlich: „Der Reichstag wollte der Welt allen
WUsonphrafen und Hetzereien der Ententepresse zum Trotz beweisen, daß Deutschland parlamentarisch regiert werden könne. Er ist damit eigentlich einem Tvick der raffinierten gegnerischen Stimmungsmache glatt aufgesessen. Das parlamentarische Regime ist, während ganze Nationen auf Tod und Leben ringen und äußerste Konzentration das höchste Gebot heißt, nicht nur überflüssig, sondern sogar gefährlich. Darum scheidet es sich auch virtuell bei allen Kriegführenden automatisch aus. Der Reichstag mag am Problem der Demokratisierung Deutschlands im Frieden arbeiten, wenn feine Stunde gekommen sein wird. Jetzt ist zu sülchen Experimenten kerne Zeit, dazu steht für das Reich denn doch zu viel auf dem Spiel!"
Gegen die Dmangsm'rilchnft.
Der Hamburger „Ausschuß für den Wiederaufbau der Friedenswirtschaft veröffentlicht eine Erklärung, in welcher die deutsche Geschäftswelt davor gewarnt wird, von zwangswirt- fchaftliu,en Maßnahmen für die Uebergangswirtschaft vorteilhafte Wirkungen zu erwarten. Zugleich erhebt er „in all«
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Jeder fÜektro -Jnßallai2U& Weiß es
In Friedberg: zu haben bei: Fr. Fuenriellnjir,
Elektrotechnisches Büro; Willi. Ad« ließ, Schlosserei und Installationsgeschäft; Karl Lfiüke. Installationsgeschäft


