Uerfemt.
Roman von Anny Wothe.
Nachdruck verboten.
Aga lächelte bitter. ' ? ^
< ..Unsere Gesellschaft, lieber Doktor, tut, was ihr gerat« bequem ist. Ich bitte Sie, dieselben Damen, die einst Holger Tho- resen wie einen Gott verehrten, die ihn feierten, als wäre er direkt vom Himmel auf die Erde gekommen, die tun ihn in Acht und Bann, weil er es gewagt, vor ihren Augen einer anderen sich und sein Herz zu schenken. Keine dieser Frauen, die jetzt so stolz, wie Sie sagen, über ihn hinwegsehen, hätte sich aber besonnen, seinetwegen den Pfad der Tugend und der Pflicht zu verlassen, wenn er nur sich Herbeigelasien hätte, ihrer zu begehren. Eine jode hätte seine Liebe als eine hohe Ehre empfunden, der gefeierte Dichter war ihnen ein Gott, rmd für ihn zu sündigen das Heil der Welt.
Und diese Welt, die ihn emporgchoben, steinigt ihn jetzt? Die schreibt das Wort „Verfemt" auch über seine Stirn? Lieber Doktor, ich kann es nicht glauben, die Welt ist doch nicht so kleinlich, so erbärmlich."
„Es ist so," gab Jen schmerzlich bewogt zurück. „Aber was will das Kainszeichen der Gesellschaft heißen gegen die Tatsachen. daß mit der Achtung der großen Menge etwas anderes für ihn schwinden wird."
..Sie machen mich wirklich neugierig," gab Aga mit leichtern Sarkasmus zuriick.
^Der Ruhm," entgegnen Jen Nielsen fest.
„Holgers Ruhm? Sie scherzen, Herr Doktor. Der steht fest und untastbar da. den wenigstens kann ihm niemand rauben."
„Sie irren, mein gnädiges Fräulein — ich weiß, daß er selbst Momente hat, wo er an feinem Können verzweifelt. „Wie nun." so sagte er mir selbst, „wenn mich, so lange wie ich zu chaben war, die Weiber nur emporgehobon auf die Höhe, auf der ich stand. Wenn ich es nun nicht meinem eigenen Können verdankte. daß ich der ersten Einer bin?" So sprach Holger zu mir. Ich suchte ihn natürlich zu beruhigen, aber es gelang mir nicht. Er ist düster und in sich gekehrt, und seit der Unglück- ! selige« Duellgeschichte ist er wie verwandelt."
..Duell? Er hat ein Duell gehabt?" fragte Aga atemlos, und eine heiße Blutwelle schoß in ihr Antlitz, „und ich weiß nichts davon."
Ein vorwurfsvoller Blick Jens traf sie, so daß sie die Augen senkte.
„Er hat sich natürlich mit Frau Mirenas Gatten geschossen. Der arme Kerl hat einen Schuß durch die Lunge erhalten, er wiiä) wohl kaum mit dem Leben davonkommerr, und Holger —“ „Holger," schrie Aga entsetzt auf, uckd umklammerte angstvoll Jens Hand, „sprechen Sie. er lebt doch? Ist er verwundet?"
„Streifschuß am linken Arm, kaum der Rede wert, heilt vor- 8« glich, aber im Innern, da sieht er böse aus."
„Und Sie ließen ihn allein," rief Aga aufspringend und -ah Jen mit blitzenden Augen an, während Haust, durch die erregte Stimme aufmerksam geworden, ans Fenster kam und rief:
„Ra nu, was ist denn eigentlich los. Kommt heraus und guckt mal den Mond und die Sterne an."
| „Er hat mich gchen heißen," entgegnete Jen bekümmert.
.er ist in den wenigen Wochen kaum wieder zu erkennen, und
Kekam-tmachurrg
Die Aussichten für die Versorgung der bürgerlichen Bevölkerung mit
Leuchtöl
fü'e den Winter 1913/19 haben sich nicht gebessert. sodaß mit einer ernsten Beleuchtungsnot gerechnet werden muß. Nur der vierte Teil der im vorigen Jahre »rbertoieseneu Menge steht zur Verfügung. Man hofft mit Kerzen und Calcium-Karbid einen gewissen Ausgleich schaffen zu können. Zum Zwecke eines sparsamen Verbrauchs der überwiesenen Leuchlölmengen hat dieReichs- regierung Sparlämpchen an- fertigen lasten, die sehr wenig Brenn; off benötigen und in Kürze ausgegeben werden können.
Die hiesigen (Anwohner,
dir iiblr sonstig gtltnäjhnw aiiilfl ülijl orrfiigkil,
Werden aufgeforderk, sich bis zum 7» ds. MtF, auf Zimmer Nr. y des Stadthaufes während der Gefchirftssiunden zu lueldea und gleichzeitig ^mzu- geben. ob sie ein Spartämpchen für Petroleum oder eine Karbio- lampe durch meine Vermittlung zu erwerben gedenken.
Meldungen nur zum Zweck der Keller, und Waschküchen- Beleuchtung oder überhaupt zur Beleuchtung von Rcben- .räumen sind vollständigzweck- tos.Die künstliche Beleuchtung eines Zimmers uns der Küche must in der heutigen Zeit als hinreichend angesehen ,werden.
Friedherg, den 3. Sept. 1918.
Der Bürgermeister I. V.: Damm.
Anständiger Herr sucht für einige Wochen
bejstttsmbl. Zimmer.
J Angebote unter Nr. 1879 an die Ge»chäftsstelle der „Neuen Tageszeitung".
nur eine hak Macht übÄ iHn, Äeses pflichtvergessene Weib, bas ihm die Seele zerstörte. Kommen Sie heim- Fraulein Aga, helfen Sie, retten Sie ihn."
..Nein, ich kann nicht, niemals. Mirena ist mir fast eine Schwester, mein Dater liebte sie wie ein eigenes, ttregeleitetes
Kind und es ist mir-doch lasten wir das. Zum Herbst
bin ich wieder daheim. Ist Holger der Mann, für den ich ihn halte, so wird er den rechten Weg finden, ist er es nicht, so wird er zugrunde gehen."
„Und das dauert Sie nicht, Sie, die helfen konnten?"
„Ja. mit Hintansetzung meiner Menschenwürde. O, ich weiß, was Sie meinen, Doktor Nielsen, ich weiß es, und ver. zeihe Ihnen, weil Sie für Ihren Freund bitten, ich aber würde einen Mann verachten, den ich erst aus dem Sumpf herausziehen mußte, in dem er steckt. Frei muß sich der Aar entfalten, und daß er es kann, dafür möchte ich mein Herzblut geben."
Herrlich und stolz, mit großen, flammenden Augen stand Aga vor Jen und reichte ihm beide Hände.
„Lasten Sie uns Frieden machen," sagte sie herzlich. „Sie, sein Freuird, ich, seine Freundin. Wenn ich mich jetzt Holger entziehe, so wird es mir selbst bitter schwer, aber glauben Sie mir, es muß sein, wenn er sich selber wieder finden soll.
„Ich beuge mich Ihrer besteren Einsicht," sagte Jen bewegt, und führte Agas Hand ehrfurchtsvoll an feine Lippen.
„Was macht ihr denn da." tönte Hansis Stimme zum Fenster herein, und ihr schimmerndes Köpfchen bog sich neugierig um die Ecke. „Ach, Handtiiste, das mag ich auch gern, bitte, kiisten Sie mal," dabei stteckte ste ihr schmales Händchen herablastend Jen durchs Fenster entgegen.
„öansi, du bist entsetzlich," ries Aga unwillig.
„Sie ist entzückend," rief Jen begeistert, und küßte heiß und innig die kindliche Hand. Dann bot er Aga den Arm, und sie traten hinaus auf den im Mondenschein schimmernden Altan. Hansi schmiegte sich zärtlich in den anderen Arm der Schwester, und so standen die drei Me,sichen eine Weile wortlos und blickten traumverloren in die schweigende Sommernacht.
Tief unten die Stadt mit den blinkenden Lichtern, und zur Seite die hohen, schroffen Mauern der Wartburg tief im Schotten.
Nur ein einziges Lichtlein schimmerte hell aus der alten Lutherstube, und der Mond warf silberne Schleier über das alte Gemäuer. Wie flüssiges Silber tropfte es von dem jetzt blasten Kreuze auf dem Wartburgturm. Die alte Uhr der Burg verkündete die zwölfte Stunde.
Hansi löste sich aus dem Arme der Schwester und trat dicht an das schmale Geländer des Altans, sehnsüchtig zu dem Nacht- Himmel emporblickend.
„Schauen Sie nach fallenden Sternen! aus," fragte Jen scherzend, der ihr gefolgt war.
„Nein." sagte sie, und eiu großer, scheuer Tränentropfen stand in ihren sonst so sonnigen Augen, „ich dachte nur an einen alten Wartöurgspruch."
„Und der lautet?"
„Wem nie von Liebe Leid geschah, dem ward von Leid cku'ch Liebe nie?" flüsterte Haust, und starrte weichin in die Ferne.
Jen schauerte seltsam zusammen.
„Es wird kühl," sagte Aga herzutretend. „Hoffentlich folgt dieser Zaubernacht ein wonniger Morgen."
„Gute Nacht und frohe Träume. Gute Nacht," sagte Jen leise, dann war er allein auf dem Altan, allein in der weiten großen Einsamheit. Das Mondenlicht webte weiter seine zitternden Gespinste und die Sterne flimmerten. Gerade über dem großen Kreuz aber funkelte hell und glänzend der Liebes- stern.
' ' ‘ i *j 17. Kapitel.
Als Jen am andern Morgen erwachte, sah er sich ganz verwundert in dem seltsamen Gemach um, in dem er geschlafen hatte. Durch die großen, breiten Fenster kam eine ganze Flut von Nosenlicht herein und spielte über die braunen, getäfelten Wände und den schweren Metallbeschlägen der wuchtigen Türen.
„Donnerwetter," sagte Jen, die Augen reibend, und sich in der großen, breiten Bettstelle behaglich dehnend, „ich bin doch nicht etwa in die Kemenate der heiligen Elisabeth selbst ge. raten?"
Noch einmal rieb er sich die Augen. Langsam kam ihm das Bewußtsein, daß er nicht auf der Wartburg selbst war, sondern im Martburg-.Hotel. Das Landgrafenhaus, Elisabethen- Galerie und die Kemenate der Heiligen hatten nur durch seine Träume gespukt. Und war auch das nur geträumt, daß er über den großen Wactburgturm. Bergfried geheißen, hinweg mit Hansi auf dem „Tugendpfad" gewandelt?
Jetzt lachte Jen hell auf und sprang mit einem Satze aus dem Bette. Wie schön war doch die Welt? Wie zauberisch schön dieser köstliche, frische Morgen. Weit öffnete Jen die Fenster, die kühle Frühluft einzulasten. Ein Lied auf den Lippen, vollendete er dann eiligst seine Toilette. Bald trat er auf den großen Altan hinaus, um dort zu frühstücken. Er war noch menschenleer. Alles still, alles feierlich. Die Burg lag noch im tiefsten Schlummer. Nur über die Zugbrücke wanderte langsam der Wachtposten hin und her. Golden spiegelte sich ein Schein der Morgensonne, die über Eisenach aufging, in der blanken Helmspitze. Dort die Sonne und weiter über dem Hörseltal noch wallende, steigende Nebel. Wie sie stiegen, höher und immer höher, und jetzt, jetzt hatte die Sonne sie ganz besiegt. In scharfen, feinen Linien trat der Hörselberg hervor, und weiter von blauem Duft umwoben die Rhön und tief unten das Werratal. Jen saß und schaute, und ließ sich das Frühstück herrlich munden. Als er es aber verzehrt, da litt es ihn nicht länger. Er stand auf, und den großen, weißen Lernenhut aufsetzend, schritt er die schmale Holzstiege hinab in den kleinen Garten. Auch hier war alles still. Nur ein paar Führer hiel. ten Ausschau nach neugierigen Wanderern. Langsam schritt Jen unter der Zugbrücke der Burg fort durch ein ganz enges Felsen- tor. Der Wog fällt hier schmal und steil ab, aber bevor man ihn erreicht, ladet ein köstliches, kleines Maldrondell mit ein paar alten, von grünen Moosen überwucherten Sleinbänken zum Ruhen ein. Bon einer dieser Steinbänke schimmerte ein Hellrosa Kleid zu Jen herüber, und ohne sich zu besinnen, rief er laut hernieder:
„Hansi, Fraulein Hansi?"
„Wer ruft da?" gab eine lachende Stimme zurück
..Tannhäuser aus dem Hörselberg." rief Jen übermütig zurück, näher tretend und dem jungen Mädchen beide Hände ent- gogenstreckend.
„Ist das ein Unsinn," sagte Hansi. herzhaft seine beiden Hände schüttelnd. „Sie und Tannhäuser!"
Fortsetzung folgt.
Verwandten. Freunden und Bekannten machen wir hierdurch die schmerzliche Mitteilung, daß unsere inmgstgeliebte Frau. Mutter. Schwiegermutter, Großmutter. Schwester, Schwägerin und Tante
Kn» KmMrzikmt WMW Hsütt
verw. Megerle, geb. Meier
heute morgen 3 U8 Ufjt nach längerem Kranksein, versehen mit den hl. Sterbesakramenten, sanft in dem Herrn entschlafen ist.
Friedberg, Bad-Nauheim, den 4. September 1918.
In tiefer Trauer: Kommerzienrat Wilhelm Halle?
Dr. Wilhelm Megerle Auguste Mick geb. Megerle Hermann Megerle, Leutnant d. L„ im Felde Frieda Megerle geb. Rapp Dr. med. Fr ick Clisabet Megerle geb. Ullrich und sieben Enkelkinder.
Die Beerdigung findet Freitag nachmittag 4 Uhr statt.
Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen.
Betr.: Die Fleischversorgung für die Bevölkerung der Stadt Friedberg.
Kekmmtmachmrg
Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Verkauf von Rind« und ITalbflci^, sowie Wurst für diese Woche am Freitag, ten 6. September 1918 von nachmittags 1 bis 6 Uhr in den sämtlichen hiesigen Metzgerläden ftattfindet.
Die Verkaufszeit ist genau einzuhalten.
Friedberg, den 5. Sept. 1918.
Der Bürgermeister I. V.: Dam m.
Was anziehesi?
Jede Frau, besonders jede Mutter wird bei der Dringlichkeit dieser Frage die Hilfe zu schätzen wissen, die das neue Favorit- Moden-Album (Preis M. 1.—) und die Favorit-Schnitte für preiswerte Beschaffung allerlei Kleidung bieten. Erhältlich bei
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Briefmarken
einzelne, alte Briefe oder Sammlung kauft Geißler, Bad«Nauheim, Hauptstraße 104.
Wi in F iliert
(flm ^aalbau)
Direktion: Johannes Breiholz. Sonntag, 8. Sept., abends 8 Uhr:
Grosser Lustspiel-Schlager! Einzig dastehender Lacherfolg.
„Oer Taugenichts"
oder
„Er verheiratet seine Schwester.“
Preis-Lustspiel in 4 Akten, von Dr. Carl Töpfer.
Preise der Plätze: Im Vorverkauf in d.Hofbchhdl. Bindernagel u. im Zigarrengescli.Oppenheimer Nchf. 1. Parkett, num., 1 75 M., Sperrsitz, num., 1.25M., 2. Platz und Balkon 80 Pfg. An der Abendkasse: l.Par- kett, num., 2 M., Sperrsitz, num., 1.50 M., 2. Platz und Balkon 1 Mk. Einlass 7 Uhr, Anfang 8 Uhr,
Nachmittags 4 Uhr:
KiEider-TorAlelluiig,
Klein Däumling und «er Menschenfresser
Marchenspiel in 5 Akten, von A. Wllheimy.
Preise der Plätze nur an der Kasse r 1. Parkett, num., IMk., Sperrsitz, num., 75 Pf., 1. Platz, num., 50 Pf., Balkon 30 Pf.
Erwachsene zahlen entspr. Zuschi. Einlass 3 Uhr, Anfang 4 Uhr.
Miljikmrin.
Nächste Singstunde im Siag- saale der Augustinerschule
Fnilag K.Skpt., 8y 4 nliriiti0.'
Um regelmäßigen Besuch der- Proben werden alle Chormitglieder dringend gebeten.
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