Ausgabe 
5.9.1918
 
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Doch innen hol jich's nicht gehellt . . .

Wir bringen ln unserer heutigen Nummer einen Aufsatz, der na ''weist, daß die eiirzige Siegeshoffnung unserer Feinde auf dem inneren Zusammenbruch Deutschlands beruht. Wir brau, chcn nicht nochmals zu betonen, daß wir alles tun müssen, um d'^fe Hoffnung zuschanden werden zu Lassen. Unsere und unserer Binder Zukunft hängt davon ab, denn unsere Feinde machen lein Hehl daraus, das; eine Demütigung, ja schlimmeres noch, willenlose Knechtschaft ihr Ziel ist, das sie mit allen Mitteln ZU verwirklichen suchen.

Angesichts der Tatsache, daß es sich in diesem Weltkrieg um einen Kampf um das Sein oder Nichtsein des deutschen Volkes handelt und daß v 1; mit allen Mitteln einen inneren Zu­sammenbruch vermeiden missen, fragt es sich, ob denn bei uns auch alles geschieht, um die Stimmung hochzuhalten, oder ob nicht auch Augenblicke eintreten, wo auch der Zuversichtlichste den Kopf hängen läßt und schier an der Zukunft verzweifeln möchte. Eine Welt von Feinden rennt gegen uns an, es sind die Mächte des Mammons, die sich gegen uns verbündet haben. Seitdem Amerika, wie es jetzt tatsächlich der Fall ist, die Füh­rung bei unseren Feinden übernommen hat, liegt diese Erschei­nung klar vor aller Augen. Die Multimillionäre und Mil­lionäre aus den Vereinigten Staaten, die Eeldbeftien Amerikas find es, die uns in die Zwingherrschaft des Goldes zwängen wollen und in eine Sklaverei stürzen wollen, die den Menschen höchstens die Freiheit des angeketteten Tieres an der Krippe lassen will.

Aber ist nicht auch in unseren Reihen vieles faul? Ge­winnen nicht auch die Mächte des Mammons auch bei uns täglich mehr Raum; breitet üch nicht ein schändlicher Wucher bei allen Klassen immer mehr aus? Häufen sie nicht Gold auf Gold und werden täglich kühner, da es fast den Anschein hat, als ob die sonst so allmächtige Staatsgewalt an sie nicht heran­reichen könnte.

Wir haben jüngst eine Betrachtung gebracht über die vielen tauglichen Leute, die sich immer noch ungefährdet im Lande her- umtreibcn. Es ist soweit gekommen, daß die Meinung sich ver­breiten konnte, wer sich vom Kriege drücken will und die rich­tigen Wege einfchlägt, der bringt es fertig und lacht die Anderen ans, die ihr Leben dem Vaterland zum Opfer bringen. Der gewöhnliche Lntertanenverstand will es nun einmal nicht be­greifen, daß die Einen, es sind die Edelsten und Vesten, jäh­lings aus ihrem Berufe gerissen, jahrelang im Schützengraben zubrlngen, die härtesten Strapazen und Entbehrungen erleiden und schließlich ihr Leben opfern müssen, währeird die Anderen, es sind die Feigen und Schlechten,unabkömmlich" find, ihr teures Leben dem Vaterland erhalten und letzten Endes recht viel Geld verdienen können. Ein jeder Mensch ist zu ersetzen und in strengem Sinn des Wortes ist in der heutigen Zeit Nie­mand unabkömmlich, denn: Ein Wahrzeichen nur gilt, dar

Vaterland zu erretten?

Des Weiteren ist die Wirtschaft in unseren Kriegsgesell- schaften fast unerträglich geworden: Millionengewinne nicht nur der Kriegsgesellschaften, sondern auch Riesenverdienste der Leiter dieser Unternehmen. Wohin wir den Blick wenden, sehen wir das in Deutschland nur zu sehr gewohnte Bild: Nicht persön­liche Tüchtigkeit und Kenntnisse entscheiden, sondern in die Lei­tung dieser Gesellschaften werden meist Leute berufen, die schon über einen sehr, sehr gefüllten Geldbeutel verfügen, und wenn sie dann noch einen schönen Titel obendrein haben, umso besser! In unserer Diplomatie hat -diese Mißwirtschaft schon Schiffbruch gelitten, wirtschaftlich bringt sie uns an den Rand des Ab­grundes.

Es seien hier nur zwei Beispiele gegeben davon, was für Leute in führende Stellungen gelangen. In Frankfurt a. Pk. wurde jüngst ein Mädchen verurteilt, die Dutzende von Butter-. Käse- und Dauermilch-Karten zur Verfügung hatte und davon Gebrauch machte. Als Elsa Steinbrecher so heißt die Dame vom Vorsitzenden des Schöffengerichts gefragt wurde, wo sie die Karten, außer von ihren beiden Mitangeklagten, her habe, erwiderte sie, von Khergest eilten Personen, deren Namen zu nennen sie sich weigere. Es wurde aber auch weiter bekannt, daß das Fräulein dieBraut" des Herrn Kleinböhl ist, der in der Lebensmittelversorgung eine große Rolle spielt. Nun war es auffallend, als er in der im 4. Stock feines Hauses in der Großen Friedbergergasse belegenen Wohnung seiner Braut und in einem zu einem Trink- und Speisezimmer eingerichteten Abteil seines Kasekellers große Gelage gab. an denen Zivil- und Militär­personen oft bis in den Morgenstunden teilnahmen. Mit Recht sagt die .Dackel": Hier muß Licht gebracht, hier muß klargelegt werden, ob die Steinbrecher bodenlos verleumdet, oder die Wahrheit gesagt hat. Das kann geschehen, wenn diehöheren Herrn" des Lebensmittel am tes samt und sonders Strafantrag wogen Beleidigung gegen die Dame stellen. Die Staatsanwalt­schaft, welch? in dankenswerter Welse gegen alle Lebensmittel- verbrecher voraeht, wird auf Ersuchen gewiß die Offizialklage erheben und Herrn Kleinböhl als Zeugen einige Fragen vor­legen, worüber er-die Aussage verweigern kann, angeben

aber muß er, wer bei ihm vonhöheren Herrn" verkehrt.

Ein anderes Dild: Die FrankfurterDrlksfttmme" bespricht die Zusammensetzung der FrankfurterMehlzentrale". Wir lesen:Und was noch auffallender ist: es ünd nicht lediglich

Mohlhändler, die diesem Konsorttmn angehore«. sondern Leute, die mit allen möglichen Dingen schon gehandelt hoben und noch handelm Neben den beiden Herren Wiemer und Wolschendorfs, zwei bekannten großen Mühlenbesitzern, finden wir da: Herrn Ehrmann, Direktor einer Trocknungsqesellfchaft, einen Herrn Roth, der Direktor der He ssen-Nassa irischen Handelsgesellschaft und zu gleicher Zeit Musterzieher der Reichsgetteidestelle ist, ei­nen Herrn Hermann, der Reisender der Reichsgetteidestelle ist. die Herren Reu & Sohn, die nicht nur mit Mehl, sondern auch Mit andren Artikeln handeln und nebenbei als Sachverständige bei der Staatsanwaltschaft gelten, Herrn Hirschberg, der seinem Eigentlichen Beruf noch Inspettor der Viktoria-Versicherungsge­sellschaft ist, ferner Herrn Amberger, der Vertreter der Löhnber- ger Mühlenwerke ist und nebenbei auch noch die Ehre hatte, die Geschäfte der Städtischen Mehlverteilungsstelle zu Nlhreu.

Einige der Mitglieder der Mehlzentrale haben neuerdings sogar eine große Möbelfabrik gegründet, weil sie zu der Erkenntnis gekommen sind, daß bei den heutigen, unerhört hohen Möbel- prelfen auch dabei ein anständiger Rebbach gemacht werden kann. Nimmt man dazu noch die millionenreichen Herren Birnbaum, Dock und Neu, so gewinnt man mehr und mehr den Eindruck, daß es bei der Gründung der Mehlzentrale nicht darauf abgesehen war, einigen Kleinen zu helfen, sondern um eine Berücksichtig, ung der Eroßhandelsinteressen. Daß das Geschäft für die Her­ren eine sehr bequeme Nebeneinnahme ist, erhellt aus der Tat­sache, daß sie monatlich Einnahmen von 700 bis S00 Mark, je nach ihrem Umsatz, einstecken. Die Mühewaltung, die sie dafür leisten müssen, ist eine außerordentlich geringe und wird nicht von ihnen, sondern von einigen Bureaudamen geleistet. Es ist deshalb nicht zu viel behauptet, wenn gesagt wttd, vaß diese Mehlzenttale eineSinekure" für reiche Leute ist."

Soweit das sozialdemokratische Blatt, das weiter noch den Stadtrat Dr. Rößler beschuldigt, das Tun und Treiben dieser Leute zu begünstigen.

Wir könnten diese Beispiele vervielfachen: wir beschränken uns auf diese beiden, die der letzten Zeit und der nächsten Nach­barschaft entnommen find. Wie es dann diesen Leuten, die es verstehen, selbst aus Giftblüten Honig zu saugen, und aus den Schrecken des Krieges Gewinn zu ziehen, ermöglicht wird, in Wsltbädcrn und Sommerftischen ein behagliches Dasein zu füh­ren, davon ein ander Mal.

Jedenfalls fckreien diese Zustände zum Himmel und der Staat hat schon im Interesse des inneren Zusammenhalts die Pflicht, da einmal mit eisernem Besen zu kehren, denn schließ­lich steht das Wohl von 65 Millionen Menschen höher, als das von hunderttausend feigen Drückebergern und gewissenlosen Kriegsgewinnlern.

A die freie Wirtschaft rnimratitch?

Die Verfechter einer Verewigung der gegenwärtigen Zwangs­wirtschaft wärmen mit Vorliebe das alte Argument auf, daß di?ungezügelte Privatwirtschaft" gegen die Moral verstoße. Den Sozialdemokraten von heute, die in der wirtschaftlichen Zwangsjacke das Ideal sehen, sei dabei vorgehalten, daß es die ftanzöfische Revolution des Jahres 1789 war, die in der Pro- klamierung der Eewerbefreiheit der Menschheit ein unveräußer­liches Menschenrecht wiederzugoben vermeinte.Eilt es wieder ein Ancien regime zu stürzen? Ist die Freiheit der Wirtschaft kein unveräußerliches Menschenrecht mehr?" so fragt Dr. Freundt (Berlin) in einem bemerkenswerten, im rotenTag" vom 24. 8. 18 erschienenen Aufsatz überDie innerpolitische Fesselung des Wirtschaftslebens". Der Schwerpunkt dieser von einem star. ken ethischen Bewußtsein getragenen Ausführungen liegt ein­mal in der scharfen und geistvollen Umgrenzung der Begriffe Staat" undRegierung" und damit der Zuständigkeit der Re­gierung auf wirtschaftlichem Gebiete, sodann in der Beweis­führung, daß es in Wirklichkeit die Zwangswirtschaft sei, deren Folgen unmoralische sein müssen. So schreibt der Verfasser in Bezug auf die bekannten Rathenau'schen Forderungen:Die

Preisbildung würde auf dem Wege des innerpolittfchen Kampfes vor sich gehen! Was bisher durch Angebot und Nachfrage ge­regelt wurde, würde ins Riefenhafte vergrößert werden. Die Gegensätzlichkeiten der Interessen auf wirtschaftlichem Gebiet würden sich auf der Volksredrrertribüne tummeln. Eine fürch­terliche Zerrissenheit des staatlichen LeLms wäre die Folge . . . Die nächste wäre die Korruption unseres Beamtentums, wie wir sie stillschweigend heute den Kriegswtttschastsgesetzen gegenüber beobachten." Unbedenklich unterschreiben wird man auch den Schlußsatz dieser Ausführungen:Wir halten eben den Ver­

gleich der Volkswirtschaft mit einer gut verwalteten Aktien­gesellschaft für falsch, well das Leben eines Volkes mehr ist als eine gute Buchführung.

Aus der Heimat.

Friedberg. (E i n g esa n dt.) Das Gras auf der Se«viese j ist seither nicht versteigert worden, sondern stand zur freien Ver­wendung für Jedermann, was den meisten Steigerern nicht bekannt war. Bei Verwertung von Grummetgras kam dieses Gras auf einmal auch zur Dersteigerimg. Nicht allein, daß die betreffenden Steigerer des Grummet teuer bezahlen müssen, denn es ist nicht mehr viel da zum abmachen, so muß er Zu­sehen, wie jetzt noch das Gras von Unberechtigten abgemacht wird. Dies geht aber alles auf Gefahr des Steigerers. Die Stadt sorgt nur dafür, daß zur festgesetzten Zeit das Geld ein- geht. (Ganz hübsche Sache.) Die Stadt hätte mindestens doch vor der Versteigerung öffentlich bekannt machen müssen, daß dieses Gras zur Versteigerung komme und das Futterholen nunm^r verboten fei. Vielleicht kann dieses noch nachträglich geschehen. Ein Steigerer.

De» KriegsWitwengeld oder Kri^Zrvaisei^eld beziehenden Hinterbliebenen von Mllitärpersonen der Unterklassen sollen mit Rücksicht auf die 'außerordentlichen Teuerungsverhältnisse Zu­schläge zu den erwähnten Versorgungsgebührnissen gewährt wer­den. Diese Zuschläge, die vom 1. 7. 1918 ab nachgezahlt werden, betragen allgemein für die Witwe 8 ML. für die Halbwaise 3 Mt. und für die Vollwaise 4 Mk. im Monat. Waisen, die das 16. Lebensjahr überschritten haben, erhalten keinen Zuschlag. Kriegswttwen und Kriogswaifen, die Familienunttrstützung beziehen oder während des gegenwärtigen Krieges bezogen ha­ben, brauchen keinen Antrag zu stellen. Sie erhalten den Zuschlag ohne weiteres gegen Vorlage einer Bescheinigung über die gezahlte Familienunterstützung von der Postkasse gezahlt, bet der fie ihre Kriegsvevsorgungsgebührnisse erheben. Die Be­scheinigung wird kostenlos von dem Gemeindevorsteher ausge­stellt. Der Postkasse ist beim Empfang Quittung zu leisten und die Stammkartennummer anzugeben. Qutttungsvordrucke wer­den von der Postkasse verabfolgt. Die erste Auszahlung der Zuschläge wttd erfolgen, sobald die erforderlichen Vorberei­tungen hierzu, die einige Zett in Anspruch nehmen werden, beendet find. Kriegswitwen und Kriegswaisen, die keine Fa- mll ienunterftützung beziehen oder während des gegenwärtige»

Krieges bezogen haben, werden Zuschläge auf besonderen An» trag beim Vorliegen eines Bedürfnisses bewilligt. Die Anträge' sind an das für den Wohnsitz des Antragstellers zuständige Ver- sorgungsamt zu richten. Das Gleiche gilt für die Hinterbliebenen aus früheren Kriegen.

FC. Nidda» 3. Sept. Als mutmaßlicher Mörder der Leiden in der Speiseanstalt des Sägewerks Himmelöach beschäftigten Frauen kommt der Nachtwächter des Werks Kühn aus Geiß- Nidda in Verdacht. Kühn, der seinen Taschenspiegel u. A. in der Küche verloren hat und lange vor Schluß seiner Dienstzeit seinen Dienst verlassen hatte, wurde verhaftet.

Nidda. Die weiteren Untersuchungen über den Doppelmortz haben ergeben, daß der Verdacht gegen den verhafteten Nacht­wächter Kühn nicht aufrecht erhalten werden kann. Der Täter scheint vielmehr in den Kreisen der Arbeiter zu suchen sein. Schon lange fiel es auf, daß in der Küche Lebensmittel entwen­det wurden, die beiden Köchinnen scheinen nun in der Mord­nacht dem Diebe aufgelauert zu haben; der Dieb kam auch rich« ttg und es kam zum Kampfe, wobei die ältere Köchin erschla. gen wurde, während die jüngere zu flüchten versuchte, aber ebenfalls von dem Mörder ereilt wurde.

FC. Büdingen, 3. Eept. Aus Anlaß des 50jährigen Be» stehens des Mathildenhospitals Büdingen wurde Hofpred'rger August Schäfer dahier mit dem Ritterkreuz erster Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen ausgezeichnet.

FC. Alsfeld» 3. Sept. Das Fest der goldenen Hochzeit be­gehen dahier Iohs. Ernst Freundlieb und Frau Elisabeth geb. Müller.

Frankfurt a. M.» 3. Sept. Am 14. Dezember 1917 wurde in der Allerhelligenstraße kurz nach 11 Uhr abends der Schutz­mann Julius Starr von Einbrechern, die er bei einem Einbruch überraschte, durch Revolverfchüsse getötet. Alle Nachforschungen nach dem Mörder blieben bis jetzt ohne Erfolg. Nunmehr hat hierher gelangten Meldungen zufolge der rm Strafgefängnis Freiendiez eine längere Strafe verbüßende 18jährige Arbeiter Heinemann aus Dieburg anscheinend durch Gewissensbisse getrieben zugestanden, in der fraglichen Nacht auf Starr ge­schossen zu haben. Heinemann war bei dem Einbrüche beteiligt. Als die Gesellschaft von Starr überrascht wurde, habe einer die ParoleDrauf!" ausgegeben, worauf er (Heinemann) geschos­sen habe. Der jugendliche Täter verbüßt augenblicklich eine längere Freiheitssttafe wegen zahlreicher in Frankfurt verübter Einbrüche. Auf die Ermittlmig des Mörders find f. Zt. 2000 Mark Belohnung ausgefetzt worden.

Ans Hessen-Nassau.

FC. Höchst a. M.» 3. Sept. Einen schwunghaften Handel mit unterschlagenen und gestohlenen Kleidungsstücken deckte die Polizei bei dem Schneider und Althändler Jakob Rosenzweig dahier auf. Jnnungsmeister Karl Hohe in Bad-Rauheim, dem eine amtliche Verteilungsstelle für Kleidungsstücke untersteht, belieferte Rosenzweig mit einer Unmenge Kleidungsstücke. Beide wurden verhafttt. Der Arbeiter August Hambach aus Nied kaufte angeblich in Frankfurt a. M. von Unbekannten im Ge- werkfchaftshans und am Bahnhof Bekleidungsstücke, Zeltbahnen usw. für mehrere tausend Mark, für die der Schneidermeister H. Stark dahier ein williger Abnehmer war. Auch hier entdeckte die Polizei ein umfangreiches Lager, das beschlagnahmt wurde. Hambach und Start 'wurden ebenfalls eingesteckt.

FC. Seligenstadt o. M., 3. Sept. Ein 13jähriger Schul­junge im benachbarten Hörstein fuchtelte im Scherz vor seinem gleichalterigen Schulkameraden Franz Nikola, Sohn des Land­wirts Icchann Nikola, mit einem offenen Messer herum. Hierbei brachte er seinem Kameraden einen Stich in die Magengegend bei, an dem der Gestochene alsbald starb.

FC. Mainaschaff, 3. Sept. Von zwei Mainflöhen wurden von der Feldgendarmerie beschlagnahmt: Schinken, Rippenstücke, Butterschmalz, Butter, lebendes Geflügel und über zwei Hekto­liter Branntwein.

FC. Usingen, 3. Sept. Die Stadtverordneten beschlossen die Ausgabe von weiterem Notgeld und zwar von 4000 Marl in 10 Pfennig-Münzen und 5000 Mark in 50 Pfg^Scheinen.

FC. Wiesbaden, 3. Sept. Der vor kurzem hier verstorben- Architekt Wilhelm Wendensus hat sein zirka 700 000 Mk. be- ttagendes Vermögen den Kriegswaisen hinterlassen. Die Law, desbibliothek wurde mll feiner umfangreichen Bibliothek bedacht Der Lokal-Eewerbeverein bekommt seine Werkzeuge und Znstru. mente.

FC. Biebrich, 2. Sept. Für die Stadt Biebrich hatte der Fuhrmann Martin Henning einen Waggon Briketts auszu- laden. Den Rest der Ladung fuhr Henning sich in seinen resp. den Keller seiner Wirttn. Henning erhielt wegen Unterschlag­ung eine Geldstrafe von 25 Mark, die Mitangeklagte Wirtt» wurde von den Schöffen von der Anklage der Hehlerei freige. sprachen. Bei dem Landwirt Georg Hahn in Sonnenberg wurde im Juni des Jahres 1914 gelegentlich einer Milchrsvi- fion festgestellt, daß die Milch stark gewässert war. Da der Ge^ darm, der die Probe entrrommen hatte, im Felde stand, konnte erst heute gegen den Landwirt und seine Ehefrau wegen Mllch- pantscherei verhandelt werden. Beide Angeklagten erzielten einen kostenlosen Freispruch mangels Beweises, da nicht ge­nügend aufgeklärt ist, wer von der Familie das viele Wasser zugegossen hat. Durch die falschen Angaben eines Fuhrmanns stand Frau Wilhelmine Friedrich in Erbenheim, welche für ihren im Felde stehenden Mann das Kcchlengefchäft fuhrt, im Verdacht, wissentlich ihren Kunden ein geringeres Quantum Kohlen geliefert zu haben. Die Beweisaufnahme hat den De» dacht in keiner Weife gerechtfertigt. Frau Friedrich erzielte einen kostenlosen Freispruch, ferner hatte das Gericht das Be» dürfnis, in seiner Urteilsbegründung hervorzuheben, daß a» dem falschen Kohlengewicht die Angeklagte keinerlei Schuld ha^ lediglich der die falschen Angaben gemachte Fuhr man».

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