Uerfernt.
Nomanvon AnnyWothe. ,
21) Nachdruck verboten.
„Aga, denke dir nur, Jen Nielsen ist hier, Holgers Freund."
Jen hielt den Hut in der Hand, und grüßte empor zu der hohen, weißgekleideten Franengestalt, die auf dem Söller stand.
War denn die Welt hier in dem Minnegarten der Burg wirklich verzaubert?
Stand da oben nicht das Weib, das er so oft in seinen Traumen gesehen, das er bestoc kannte als sich selbst, obwohl es ihm fremd war.
Jetzt, wo sich das sonst so bleiche Antlitz wie in Rosenglut getaucht zu ihm grüßend hernicderneigte. flog es wie eine Duftwolke um ihn her. Hatten ihn die Leiden Frauen verzaubert? Die Märchenfee spann ihre Fäden, und der letzte Sonnenstrahl zuckte abschiednehmend über das Kreuz des Wartburgturmes. Noch eine kleine Weile, dann lag das Kreuz im Schatten, und in dem verwilderten Minnegarten flüstarten ipie Rosen im Abendwind.-
10. Kapitel.
Und dann saßen die drei in einem der dunkel getäfelten Erker des Burghotels an einem der schweren Eichentische und blickten durch die breiten Fenster hinaus in die dämmrige Ferne Die Sonne war zu Rüste gegangen, aber ihr Wiederschein lag noch wie ein Flammenmeer am Horizont. Auf dem Tische blinkten die goldgelben Römer, und ein Strauß roter Feuernelken wiegte sich im schlmrken Glase über einer Schale mit köstlichen Früchten.
Jen saß zwischen den beiden Frauen, und er sah oft von ver einen zur anderen. Später noch, nach vielen Jahren, erinnerte er sich oft jeder Einzelheit dieses ersten Wartburg- Abends. —
Und wie traulich war es hier. Auf den breiten, dunklen Simsen die alten, gelben Leuchter mit dem Messingrand. Schöne getriebene Zinnteller und Kruge. Ein Lutherbild und das Buch der Bücher — die Bibel.
(Eine große ausgestopfte Eule mit glühenden Augen blickte ernsthaft hernieder, und ein Steinadler spannte weit darüber hin seine Flügel. Grünes Efeugerank in Fülle und dazu jene traumhafte, köstliche Stille, die sich wie Balsam auf die Herzen
legt.
Tief unten die Wett — die freundliche Stadt mit ihrem Lichtmeer. — Ab und zu irrte es wie verlorener Gei gen klang durch die offenen Fenster in den Erker hinein. Er kam von dem stillen Durggarten, dpr verschlafen in der Dämmerung träumte.
..Und Holger hat keine Ahnung, daß Sie hier weilen," nahm Jen das Gespräch wieder auf, forschend in Agas stilles Antlitz blickend. „Warum haben Sie es ihm verschwiegen?"
Aga senkte einen Moment die dunklen Wimpern tief über dir grauen Augensterne.
„Er sollte eine Weile." kam es zögernd von ihren Lippen, „ganz ohne jeden Einfluß von meiner Seite sein. Ein jeder hält das Maß seines Glückes in der eigenen Hand. Je nach seiner eigenen Stärke wird er es schmieden."
„Das ist eine sehr kühne Behauptung meine Gnädige," entgegnete Jen lebhaft, „dann ist ja überhaupt jedes Glücksbewußtfein ausgeschloffen, denn wo findet sich der Mensch, der so mit sich zufrieden wäre, daß er sein Dasein, sein Wesen, seine Taten als Glück empfindet?"
„Rein, aber als Unglück vielleicht," kam es leise von Agas Lippen. „Sie müffen mich nicht falsch verstehen, Herr Doktor, unsere Taten bedingen unser Glücksbewußtsein. Könnten wir sie, durch andere gehemmt, nicht aussühren, so würden wir es als ein unverdientes Unglück empfinden, daß man uns vor dieser Tat bewahrt hat."
„Und aus diesem Grunde wollen Sie stillschweigend zusehen. wie Holger vielleicht ins Verderben rennt. Sie, mein gnädiges Fräulein, haben den größten Einfluß auf ihn, er verehrt Sie. er bewundert Sie, er glaubt an Sie wie an seinen Gott, und Cie wollen ihn ohne Warnung ins Verderben sinken lasten? Sie gehen in dem Moment, wo er Ihrer so notwendig bedarf, Sie verbergen sich, so daß er Sie nirgends finden kann. Misten Sie denn, daß er geradezu trostlos war, daß er Ihren Aufenthalt nicht erfahren konnte, daß sie lhn ohne jede Nachricht feit Wochen gelassen, daß keine Zeile sich zu ihm verirrte."
Um Agas Lippen zuckte es wie in verhaltener Bitterkeit.
„Ich wollte fein Glück — oder das, was er fein Glück nennt
nicht stören," sagte sie leise. „Nicht einer seiner Gedanken sollte sich zu mir verirren, wo alle seine Sinne einer Frau gehören, die — seiner Liebe, seiner Neigung nicht wert ist."
Hansi war, gelangweilt durch das ernste Gespräch der beiden, lange hinaus auf den großen Altan getreten und vergnügte sich nun, durch das Fenster eine Frucht nach der anderen vom Tische zu stibitzen und lachend zu verzehren.
„Und warum bewahren Sie ihn nicht yor dieser Frau? Sie, Sie allein hätten es gekonnt," fragte Jen.
„Er hätte geglaubt, daß ich fein Glück zertrümmere. <S* fer&ft muß den rechten Weg finden. Ein Mann wie Holger Thoresen braucht keine Hilfe durch ein Weib. Entweder geht er unter oder er ringt sich siegreich durch eigene Kraft empor. Ihm zu helfen, ihn zu retten, wäre eine Schande für mich und ihn.«
Jen blickte wie gebannt in das blaffe Gesicht Agas, in dem die grauen Augen unter den schwarzen Brauen wie im leidenschaftlichen Feuer glühten. Dieses ernste, stille Mädchen trug einen Vulkan in der Brust, und einen Stolz, der sie hoch emporhob über alle die Frauen, die Jen kannte.
„Er geht an diesem Vampyr von Weib, der ihm die Seele zerfleischt, zu Grunde," sagte Jen tonlos.
„So mag er fallen," entgegnete Aga hart. Ein dunkles Feuer loderte in ihren Augen auf. „Ich kenne Mirena," fuhr sie fort, „ich weiß, daß ihr jedes Mittel recht ist, und ich gestehe selbst, mir bangt um Holger Thoresen, aber ich weiß auch, daß er wohl abweichen kann vom Wege, aber nie wird er sich dauernd verirren. Den sicheren Weg zur Heimat findet er doch. Wem, nicht im Leben, so doch im Sterben."
„Sie glauben an ihn, auch jetzt, Fraulein Aga?"
„Ja, ich glaube an ihn immer und ewig. Wenn die ganze Welt ihn aufgibt, ich weiß, daß er sich wiedersindet."
„Und doch gingen Cie gerade jetzt? Mo die ganze Welt sich Mirenas wegen von ihm wendet, da gingen auch Sie?"
„Die ganze Welt wendet sich von ihm, von ihm, dem gefeierten Holger Thoresen?"
„Es ist so," nickte Jen trübe. „Alles hätte man Holger in der Gesellschaft verziehen, die leichtfertigsten Liebeleien und jeden Tag eine andere Geliebte, aber daß er in den festen Banden jener Frau liegt, die so leichtfertig Mann und Kind verlosten, und wie eine Abenteuerin auf und davon ging, und Schmach und Schande über ihren Gatten brachte, das verzeiht man ihm nicht. Man hat die Gräfin Berghausen in der Gesellschaft abgetan, und man wird Holger Thoresen. wenn er so fortfährt, sich in jeder Gesellschaft öffentlich mit der Gräfin zu zeigen, auch abtun. Man schlagt der Mell nicht platt ins Gesicht, indem man sie zum Zeugen eines illegitimen Liebesver- hältnistes anrust, dazu hat unsere Gesellschaft doch zuviel Geschmack."
_ Fortsetzung folgt.
Bekanntmachung
Mit dem Uebergang ins neue Erntejahr ist eine Nachpriisung der bisher gewährten Brotzu- satzkarten für Schwerarbeiter unumgänglich notwendig.
An sämtliche Schwerarbeiter, denen daran gelegen ist, die ihnen bisher bewilligte Brotzuiatzkarte weiter zu empfangen, ergeht daher die Aufforderung, sich am Donnerstag, den 5. September und Freitag, den 6. September in den üblichen Eeichästsstunden auf Zimmer Nr. 9 des Stadthauses neu zu melden. Bei Nicht- anmeldung kommt die Brotzulage mit der nächsten Kartenausgabe in Wegfall.
Die Erneuerung des Antrags, bei der die Lebensmitielkarte vorzulegen ist. soll möglichst persönlich geschehen, doch kann dies auch von anderer Seite erfolgen, vorausgesetzt, daß die betreffende Person zur Auskunftserteilung über Art der Arbeit, Arbeitszeit, Arbeilsstätte usw. in der Lage ist. Friedberg, den 29. August 1918. Der Bürgermeister. _I. ?v: Dam
Kekann.mKiyung
Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß die Eemeinde- steuerzettel für das Steuerjahr 191 s am 29. vor. Mts. als zugestellt zu gelten haben. Friedberg, den 3. Sept. 1918. Der Bürgermeister.
__I. V.t Damm.
Ein älterer
Jagdhund
ohne Halsband, abhanden gekommen. Mitteilung gegen Belohnung erbeten an
Hotel „Drei Schwerter",
Friedberg . Tel. 239.
Ein gelber deutscher
auf den Namen „Prinz" hörend,
entlaufen.
Steyer. Ockstadt,
Telefon Amt Friedberg Nr. 440.
1 Gesucht in Herrschaftshaus auf's Land, einsamLelegen. gediegenes
jlchiB Mchell
oder Witwe
aus guter Familie für Küche und Haushalt. Nur solche, welche auf dauernde Stelle reflektieren, mögen sich melden. Schriftl. Offerten mit Gehaltsansprüchen und Bild erbeten an
tzrä«l. Winkrl.Fra-dfttta. M.
Leerbachstraße 82, pt.
:<
Todes-Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, dah es Eott dem Allmächtigen in seinem unerforschlichen Ratschluß gesallen hat, meine innigst- geliebte Frau, unsere gute treubeforgte Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Schwester
Katharine Marie Schmid
geb. Diehl
Dienstag morgen 2V, Uhr im 65. Lebensjahre nach langem, schwerem, in Geduld ertragenem Leiden durch einen sanften Tod aus diesem Leben abzurufen.
Gronau, den 3. September 1918.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Karl Wilh. Schwind
Friedr.KarlWenzel,i Zi imNim-dik-ß. und SVmu ;f
geb. Schwind
Karl Kalbhenn und Frau geb. Schwind Aean Wöckel, i.zi.mDeitt-di-nst, und Frau geb.Schwind Kasimir Lanpus und Frau geb. Dieht nebst fünf Enkelkindern.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 5. September, nachmittags 2 Uhr vom Trauerhause aus statt.
LeSirmäffcfien
zum baldigen Eintritt gesucht.
Clemenfine Stern,
Friedberg»
gegenüb. d. Engelapotheke.
€reld=Lotterie
mit sofortigem Gewinn-Entscheid! Kess. Landesverein vom Roten Kreuz und Alic-Frauenverein. Lesiiriefe zu 1.13 Mk., 5000 Gewinne in bar mit 33500 Mk. Hervorragende Gewinnaussichten! Jedes 10. Los gewinnt! Sof. Gewinn- fluszahi. Losbriefe zu 1.10 ML, II SL 11.10 Mk. Knill Stamiti, Friedberg (Hessen).
Visitenkarten “üMlf
9fit Ccfüjeitiif Drmkerein. Der!.
Bekanntmachung.
Am 1. 9. 18. ist eine Nachtragsbekanntmachung betreffend Abänderung des § 4 der Bekanntmachung Nr- V. I. 354/6. 16. K. N. A. vom 12. 7.16. betreffend Beschlagnahme und Bestandserhebung der Fahrradbereifungen (Einschränkung des Fahrradoerkehrs) erlassen worden.'
Der Wortlaut ist in den Amtsblättern und durch Anschlag veröffentlicht worden.
Ltellv. Ctiikralkommailiio 18. Ameekarps.
htimz! Achtung!
Salisfralikil, fdne Waschnet mehr!
66
Witt Landwirte 1 . FraH am WW. e.y.
Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Kronprinzenstratze 41. (Kronprinzenbau.) — Fernrus Körner 420«. Durostunden. Moruag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, nachmittags ** n , — Gefchaftsanzeigen in diesem Raum nur für
unsere Wit-lleber; dieselben sind kostenlos, jedoch muß bei Aufgabe der Anzeige auf die Mitgliedschaft hingewiesen werden.
Eine große Partte schone " **
Ferkel /
zu verkaufen.
Wilhelm Keil/Melbach.
Sailerftoff-Bleiche,
das Ideal-Waschmittel.
2n Originaldosen zu haben im
Hessischen
Versandhaus
Ph. Diener,
F riedberg i. Hessen,
gegenüber d. Lebensmittelausschuß
IMste Mali
Ortsgruppe Friedberg. Donnerstag, den 5. September» abends 8 Uhr:
Zusammenkunft bei Ellermeier.
Kartoffel-
Erntemaschinen
(Original Harder) alle Sorten Pflüge,
Wendepflüge,
Rübenschneider
sofort lieferbar.
Wilh. Häuser,
Friedbera. Telefon 76.
Bindegarn
für Strohpressen, prima Ware, kein Ersatz, abzugeben. Preis auf Anfrage.
Hell. Schultheis,
in Ltrin urth b.Bad-Nauheim Fervspr. Bad-Nauheim 320.
Guterhaltenes
Piano
von foliüer Konstruktion gegen Kaste zu kaufen gesucht.
Offerten unter F. C. I. 327 an Rudolf Moste. Frankfurt a. M.
Ich kaufe
Netkitt, Lnzniik
überhaupt alle Sämereien z» Höchstpreisen und erbitte be° musterles Angebot.
S. Hirsch, WormS a. Rh., Festhausstr. 27, Telefon 144 u. 157,
vt-ucksuclien
liefert schnell und billig loee Tagesziilong, Druckerei 0 . Verlag ML


