Ausgabe 
4.9.1918
 
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Uerfernt.

Nomanvon AnnyWothe. ,

21) Nachdruck verboten.

Aga, denke dir nur, Jen Nielsen ist hier, Holgers Freund."

Jen hielt den Hut in der Hand, und grüßte empor zu der hohen, weißgekleideten Franengestalt, die auf dem Söller stand.

War denn die Welt hier in dem Minnegarten der Burg wirklich verzaubert?

Stand da oben nicht das Weib, das er so oft in seinen Traumen gesehen, das er bestoc kannte als sich selbst, obwohl es ihm fremd war.

Jetzt, wo sich das sonst so bleiche Antlitz wie in Rosenglut getaucht zu ihm grüßend hernicderneigte. flog es wie eine Duft­wolke um ihn her. Hatten ihn die Leiden Frauen verzaubert? Die Märchenfee spann ihre Fäden, und der letzte Sonnenstrahl zuckte abschiednehmend über das Kreuz des Wartburgturmes. Noch eine kleine Weile, dann lag das Kreuz im Schatten, und in dem verwilderten Minnegarten flüstarten ipie Rosen im Abendwind.-

10. Kapitel.

Und dann saßen die drei in einem der dunkel getäfelten Erker des Burghotels an einem der schweren Eichentische und blickten durch die breiten Fenster hinaus in die dämmrige Ferne Die Sonne war zu Rüste gegangen, aber ihr Wieder­schein lag noch wie ein Flammenmeer am Horizont. Auf dem Tische blinkten die goldgelben Römer, und ein Strauß roter Feuernelken wiegte sich im schlmrken Glase über einer Schale mit köstlichen Früchten.

Jen saß zwischen den beiden Frauen, und er sah oft von ver einen zur anderen. Später noch, nach vielen Jahren, er­innerte er sich oft jeder Einzelheit dieses ersten Wartburg- Abends.

Und wie traulich war es hier. Auf den breiten, dunklen Simsen die alten, gelben Leuchter mit dem Messingrand. Schöne getriebene Zinnteller und Kruge. Ein Lutherbild und das Buch der Bücher die Bibel.

(Eine große ausgestopfte Eule mit glühenden Augen blickte ernsthaft hernieder, und ein Steinadler spannte weit darüber hin seine Flügel. Grünes Efeugerank in Fülle und dazu jene traumhafte, köstliche Stille, die sich wie Balsam auf die Herzen

legt.

Tief unten die Wett die freundliche Stadt mit ihrem Lichtmeer. Ab und zu irrte es wie verlorener Gei gen klang durch die offenen Fenster in den Erker hinein. Er kam von dem stillen Durggarten, dpr verschlafen in der Dämmerung träumte.

..Und Holger hat keine Ahnung, daß Sie hier weilen," nahm Jen das Gespräch wieder auf, forschend in Agas stilles Antlitz blickend.Warum haben Sie es ihm verschwiegen?"

Aga senkte einen Moment die dunklen Wimpern tief über dir grauen Augensterne.

Er sollte eine Weile." kam es zögernd von ihren Lippen, ganz ohne jeden Einfluß von meiner Seite sein. Ein jeder hält das Maß seines Glückes in der eigenen Hand. Je nach seiner eigenen Stärke wird er es schmieden."

Das ist eine sehr kühne Behauptung meine Gnädige," entgegnete Jen lebhaft,dann ist ja überhaupt jedes Glücksbe­wußtfein ausgeschloffen, denn wo findet sich der Mensch, der so mit sich zufrieden wäre, daß er sein Dasein, sein Wesen, seine Taten als Glück empfindet?"

Rein, aber als Unglück vielleicht," kam es leise von Agas Lippen.Sie müffen mich nicht falsch verstehen, Herr Doktor, unsere Taten bedingen unser Glücksbewußtsein. Könnten wir sie, durch andere gehemmt, nicht aussühren, so würden wir es als ein unverdientes Unglück empfinden, daß man uns vor die­ser Tat bewahrt hat."

Und aus diesem Grunde wollen Sie stillschweigend zusehen. wie Holger vielleicht ins Verderben rennt. Sie, mein gnädiges Fräulein, haben den größten Einfluß auf ihn, er verehrt Sie. er bewundert Sie, er glaubt an Sie wie an seinen Gott, und Cie wollen ihn ohne Warnung ins Verderben sinken lasten? Sie gehen in dem Moment, wo er Ihrer so notwendig bedarf, Sie verbergen sich, so daß er Sie nirgends finden kann. Misten Sie denn, daß er geradezu trostlos war, daß er Ihren Aufenthalt nicht erfahren konnte, daß sie lhn ohne jede Nachricht feit Wochen gelassen, daß keine Zeile sich zu ihm verirrte."

Um Agas Lippen zuckte es wie in verhaltener Bitterkeit.

Ich wollte fein Glück oder das, was er fein Glück nennt

nicht stören," sagte sie leise.Nicht einer seiner Gedanken sollte sich zu mir verirren, wo alle seine Sinne einer Frau ge­hören, die seiner Liebe, seiner Neigung nicht wert ist."

Hansi war, gelangweilt durch das ernste Gespräch der beiden, lange hinaus auf den großen Altan getreten und vergnügte sich nun, durch das Fenster eine Frucht nach der anderen vom Tische zu stibitzen und lachend zu verzehren.

Und warum bewahren Sie ihn nicht yor dieser Frau? Sie, Sie allein hätten es gekonnt," fragte Jen.

Er hätte geglaubt, daß ich fein Glück zertrümmere. <S* fer&ft muß den rechten Weg finden. Ein Mann wie Holger Thoresen braucht keine Hilfe durch ein Weib. Entweder geht er unter oder er ringt sich siegreich durch eigene Kraft empor. Ihm zu helfen, ihn zu retten, wäre eine Schande für mich und ihn.«

Jen blickte wie gebannt in das blaffe Gesicht Agas, in dem die grauen Augen unter den schwarzen Brauen wie im leiden­schaftlichen Feuer glühten. Dieses ernste, stille Mädchen trug einen Vulkan in der Brust, und einen Stolz, der sie hoch empor­hob über alle die Frauen, die Jen kannte.

Er geht an diesem Vampyr von Weib, der ihm die Seele zerfleischt, zu Grunde," sagte Jen tonlos.

So mag er fallen," entgegnete Aga hart. Ein dunkles Feuer loderte in ihren Augen auf.Ich kenne Mirena," fuhr sie fort,ich weiß, daß ihr jedes Mittel recht ist, und ich gestehe selbst, mir bangt um Holger Thoresen, aber ich weiß auch, daß er wohl abweichen kann vom Wege, aber nie wird er sich dauernd verirren. Den sicheren Weg zur Heimat findet er doch. Wem, nicht im Leben, so doch im Sterben."

Sie glauben an ihn, auch jetzt, Fraulein Aga?"

Ja, ich glaube an ihn immer und ewig. Wenn die ganze Welt ihn aufgibt, ich weiß, daß er sich wiedersindet."

Und doch gingen Cie gerade jetzt? Mo die ganze Welt sich Mirenas wegen von ihm wendet, da gingen auch Sie?"

Die ganze Welt wendet sich von ihm, von ihm, dem ge­feierten Holger Thoresen?"

Es ist so," nickte Jen trübe.Alles hätte man Holger in der Gesellschaft verziehen, die leichtfertigsten Liebeleien und jeden Tag eine andere Geliebte, aber daß er in den festen Ban­den jener Frau liegt, die so leichtfertig Mann und Kind ver­losten, und wie eine Abenteuerin auf und davon ging, und Schmach und Schande über ihren Gatten brachte, das verzeiht man ihm nicht. Man hat die Gräfin Berghausen in der Ge­sellschaft abgetan, und man wird Holger Thoresen. wenn er so fortfährt, sich in jeder Gesellschaft öffentlich mit der Gräfin zu zeigen, auch abtun. Man schlagt der Mell nicht platt ins Ge­sicht, indem man sie zum Zeugen eines illegitimen Liebesver- hältnistes anrust, dazu hat unsere Gesellschaft doch zuviel Ge­schmack."

_ Fortsetzung folgt.

Bekanntmachung

Mit dem Uebergang ins neue Erntejahr ist eine Nachpriisung der bisher gewährten Brotzu- satzkarten für Schwerarbeiter un­umgänglich notwendig.

An sämtliche Schwerarbeiter, denen daran gelegen ist, die ihnen bisher bewilligte Brotzuiatzkarte weiter zu empfangen, ergeht daher die Aufforderung, sich am Donnerstag, den 5. September und Freitag, den 6. September in den üblichen Eeichästsstunden auf Zimmer Nr. 9 des Stadt­hauses neu zu melden. Bei Nicht- anmeldung kommt die Brotzulage mit der nächsten Kartenausgabe in Wegfall.

Die Erneuerung des Antrags, bei der die Lebensmitielkarte vor­zulegen ist. soll möglichst persön­lich geschehen, doch kann dies auch von anderer Seite erfolgen, vor­ausgesetzt, daß die betreffende Person zur Auskunftserteilung über Art der Arbeit, Arbeitszeit, Arbeilsstätte usw. in der Lage ist. Friedberg, den 29. August 1918. Der Bürgermeister. _I. ?v: Dam

Kekann.mKiyung

Ich bringe hierdurch zur öffent­lichen Kenntnis, daß die Eemeinde- steuerzettel für das Steuerjahr 191 s am 29. vor. Mts. als zu­gestellt zu gelten haben. Friedberg, den 3. Sept. 1918. Der Bürgermeister.

__I. V.t Damm.

Ein älterer

Jagdhund

ohne Halsband, abhanden ge­kommen. Mitteilung gegen Be­lohnung erbeten an

HotelDrei Schwerter",

Friedberg . Tel. 239.

Ein gelber deutscher

auf den NamenPrinz" hörend,

entlaufen.

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Telefon Amt Friedberg Nr. 440.

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Todes-Anzeige.

Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, dah es Eott dem Allmächtigen in seinem unerforschlichen Ratschluß gesallen hat, meine innigst- geliebte Frau, unsere gute treubeforgte Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Schwester

Katharine Marie Schmid

geb. Diehl

Dienstag morgen 2V, Uhr im 65. Lebensjahre nach langem, schwerem, in Geduld ertragenem Leiden durch einen sanften Tod aus diesem Leben abzurufen.

Gronau, den 3. September 1918.

Die tieftrauernden Hinterbliebenen:

Karl Wilh. Schwind

Friedr.KarlWenzel,i Zi imNim-dik-ß. und SVmu ;f

geb. Schwind

Karl Kalbhenn und Frau geb. Schwind Aean Wöckel, i.zi.mDeitt-di-nst, und Frau geb.Schwind Kasimir Lanpus und Frau geb. Dieht nebst fünf Enkelkindern.

Die Beerdigung findet Donnerstag, den 5. September, nachmittags 2 Uhr vom Trauerhause aus statt.

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Bekanntmachung.

Am 1. 9. 18. ist eine Nachtragsbekanntmachung be­treffend Abänderung des § 4 der Bekanntmachung Nr- V. I. 354/6. 16. K. N. A. vom 12. 7.16. betreffend Be­schlagnahme und Bestandserhebung der Fahrradbereifungen (Einschränkung des Fahrradoerkehrs) erlassen worden.'

Der Wortlaut ist in den Amtsblättern und durch Anschlag veröffentlicht worden.

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