Ausgabe 
4.9.1918
 
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Am 23. Arigrrst brach ein nach starker Artillerievorbereitung «n- gesetzter eircheitlicher Franzosenangriff zwischen Ailette und Aisne an unseren dortigen Stellungen zusammen. Der teil­weise eingedrungene Feind wurde im kraftvollen Gegenangriff zurückgeschlagen.

Am 24. August war wiederum der Schwerpunkt der eng­lischen Angriffs gegen Bapaume gerichtet. Ein Erfolg war dem Feinde nicht beschicken.

Südwestlich Vapaume hatten wir schon am 23. August un­sere Linien, um den Anschluß an die Front südwestwärts Ba- paume zu halten, von der Ancre ein Stück zurückgenommen. Der Feind fühlte nach; am Nachmittage des 24. griff er aus Eour- ceves und Pozieres an, wurde aber durch unseren in die Flanke geführten Gegenstoß über Pozieres zurückgeworfen. Französische Angriffe nördlich der Aisne scheiterten wiederum.

Auch am 25. August gelang es den Engländern nicht, bei Bapaume ihr strategisches Ziel zu erreichen. Ihre immer wie­der mit frischen Kräften hervorbrechenden Angriffe scheiterten im wesentlichen. Oertliche Erfolge wurden rm Gegenstoß von uns wettgemacht. Stärkere, am Abend geführte Angriffe gegen unsere neuen Stellungen in Linie Vazentinle PetitCar- noy^Suzanne wurden abgewiesen. Nach mehrfachen Angriffen gelang es dem Feinde dagegen, sich in Eappri und Fontaine süd­lich der Somme festzusetzen. Südlich der Ailette gewannen wir die Höhe südöstlich PontSt. Mard im Angriff zurück, hielten sie gegen sehr starke feindliche Gegenstöße und machten etwa 409 Gefangene.

Der Engländer setzte seine Angriffe am 26. August zwischen Arras und der Somme fort. Vis nördlich der Scarpe dehnte sich sein Angriff aus; er blieb vor unseren auf Roeux zurückge­zogenen Kampflrnien im Feuer liegen. Südlich des Flusses wichen wir auf die Hohen von Monchy aus. über das der Feind in erbittertem Kampfe vorübergehend vordrang. «Seine beider­seits Bapaume geführten Angriffe brachten ihm ebenfalls nur kleine örtliche Erfolge ein. Südwestlich von Bapaume konnte sich der Feind dagegen in Thilloy mrd Martinpuich festsetzen. Fresnois und St. Mard östlich Noye blieben bei örtlichen fran- Aösischen Angriffen in Hand des Feindes.

Zm schweren Kampfe starüd am 27. August die Armee des Generals v. Below (Otto). Englische und kanadische Infan­terie versuchte beiderseits der Straße ArrasEambrai den Durchbruch zu erzwingen, um auf Eambrai durchzustoßen. Unsere Truppen fingen den mit gewalttger Ueberrnacht an Menschen und Material geführten Stoß dicht östlich von Pelves auf. Nördlich der Somme konnten die Engländer trotz heftiger An­griffe wieder keinen Erfolg erzielen.

Dom Feind völlig ungestört, nahmen wir weiter südlich Misere Linien zwischen Somme und Oise zurück und überließen ihm somit die Trümmerfelder von Chaulnes und Roye.

Südöstlich von Arras scheiterten am 28. August erneute Durchbruchsversuche des Feindes. Nördlich Bapaume und nörd­lich der Somme E brachen englische Angriffe unter schwersten Verlusten zusammen. Französische Angriffe nördlich der Aisne wurden abgewiesen.

Hartnäckig hielt der Feind auch in der vergangenen Be­richtswoche an seinem Plan fest, zwischen Arras und Soissons einen Durchbruch zu erzwingen. Immer wieder führte er dichte Sturmwellen, unterstützt durch zahlreiche Tanks, gegen unsere Linien vor. Nirgecks ist es ihm bisher geglückt, feine weitge­steckten 'ttategischen Ziele zu erreichen. Der Feind erlitt unge­heure Verluste bei operativ belanglosem Geländegewinn.

Der der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz scheiterte ein Angriff der Amerikaner auf Vazoches. Fismette im Vesle-Tal wurde von unseren Truppen erstürmt. Der Amerikaner ließ mehr als 250 Gefangene in unserer Hand und erlitt schwere Verluste. Zn den Argonnen wurden bei erfolgreichem Vorstoß Italiener gefangen genommen.

Die Fliegertätigkeit war an der Schlachffront dauernd äußerst rege.

An der italienischen Front kam es nur zu örtlichen Kämpfen. Auf dem Monte Simone wurde am 22. August ein italienischer ' Vorstoß abgewiesen. Vorfeldkämpfe im Asolonegebie* verliefen am 25. für unsere Verbüneten günstig. Zn den letzten Tagen hrelt an den Gebirgsironten rege Erkundungstätigkeit an.

Zn Albanien haben die Strettkräfte des Generaloberst Frhr. vvn Pflanzer-Baltin am 23. August zwischen Berat und Fieri die feindlichen Linien durchstoßen. Am nächsten Tage wurden die Erfolge erweitert und heftige feindliche Gegenangriffe zu­ruckgeschlagen. Am 25. August siel Fieri, nachdem am Tage vorher die Vrückenkopfstellungen nördlich dieser Stadt genom­men waren. Am gleichen Tage drangen österreichisch-ungarische Truppen in Berat ein. Südlich von Fieri und Berat gewannen unsere Bundesgenossen am 26. weiterhin Raum und erstürmten berderseits des Tomorica-Tales französisch- Stellungen trotz hartnäckigen Widerstandes. Der Gewinn wurde in den folgen­den Tagen erweitert.

Rußland.

Der Anschlag auf Lemn-Uritzkij.

f b^E. Lenin befindet sich in seiner am Kreml ge­

legenen Wohnung in Behandlung dreier der Volschewikipartei «»gehörenden Aerzte Weißbrod. Obuch und Minz. Nach bisher in derZstwestija" veröffentlichten Bulletins ist das Befinden Lenins kritisch aber verhältnismäßig befriedigend. Beide Schüsse trafen die Lunge, doch scheinen wichtige Arterien nicht verletzt zu sein. Wundfieber ist bisher nicht festgestellt. Trotz der in Moskau erst Freitag gegen Mittag eingetroffenen Nachricht von der Ermordung Uritzkis in Petersburg, die in Sowjetkreffen tiefen Eindruck hervorrief, besuchte Lenin verschiedene der in den Moskauer Arbeitervierteln wie gewöhnlich Freitag abend gleich- -eittg veranstalteten sechzehn Massenversammlungen, um selbst das Wort zu ergreifen. Lenin fuhr wie gewöhnlich ohne bewaff­neten Schutz. '

Msskav, 3. Sept. (WB.) Meldung der Wiener K. K. Telegraphenkorrespondenzbureaus. Der Zustand Lenins ist ßarwauernd ernst, jedoch schwebt der Kranke augenblicklich nickt

tn Gefahr. Die Krisis wird binnen zwei bis drei Tage« er­wartet. Anläßlich des Mordanfchlages kommt es zu zahlreichen Verhaftungen, darunter solchen von Ukrainern. Trotz Schutz­scheinen fanden bei den früheren Bürgermeistern Moskaus Urd- new und Asttow Haussuchungen statt. Der Bischof von Njaesna Makerius wurde verhaftet. Das äußere Bild Moskaus ist ruhig.

lleber die Umstände des Attentats verlautet weiter: Die Täterin ist 35 Jahre all und gehört angeblich den gebildeten Kreisen an. Nach einer nicht bestätigten Version handelt es sich bei dem Mordanschlag ausschließlich um einen Racheatt der Witwe eines durch dis Räteregiermig Hingerichteten Offiziers. Offizielle Angaben verweisen dagegen nachdrücklich auf den poli­tischen Hintergrund; sowohl das Petersburger wie das Mos­kauer Attentat, der in beiden Fällen der gleiche sei. Die Tä­terin bezeichnet sich selbst als Mitglied der Partei der rechten Sozialvevoluttonäre, Anhängerin Tfchernowos, des früheren Vor­sitzenden der Konstituante. Ihre Mitschuldige, die Lenin beim Verlassen der Fabrik aufhielt, wurde durch einen der Revolver- schüe verwundet und befindet sich in ärztlicher Behandlung. Die Aburteilung der Attentaterin wird, wie verlautet, nicht durch eine außerordentliche Kommission, sondern durch einen öf­fentlichen, aus Arbeitern bestehenden besonderen Gerichtshof er­folgen. Zn Sowjetrreisen bezeichnet man mit Besttnuntheit auch diesmal Sawinkow als der Organffator der beiden neuesten At­tentate.

Der in Petersburg ermordete Chef der dortigen außer­ordentlichen Kommission Aritzky, war zu Anfang dieses Zahres Kommissär für die Wahlen zur konstituierenden Versammlung. Die von Sawinkow zum Zweck des Terrors gegründeteKampf- organisation zur Beseitigung der Sowjetregierung und Wieder- cinberufung der Konstituante" verfügt den bisherigen offiziellen Bekanntmachungen zufolge über bedeutende Geldmittel, die von den Ententeregierungen zur Verfügung gestellt worden. Ein Mitglied der Sowjetregierung äußerte mir gegenüber, man be­absichtige, die RegieruiWen der früheren Verbündeten wissen zu lassen, daß man auf weitere Attentate mit Attentaten auf Staatsmänner der Entente in ihrem eigenen Lande antworten werde.

Erfolge der Bolschewisten.

^ Bern, 2. Sept. Die Volfchewiki-Agentur in Bern meldet den Zusammenbruch der militärischen Operationen der Eegenrevo- lutionöre in Rußland.

Die Kämpfe in. Sibirien.

Haag, Z. Sept. Reuter meldet aus Tokio amtlich: Am

Morgen des 24. August gingen die Alliierten zur Offensive über und verfolgten den Feind bis an den Fluß Uierafa. Hier wa­ren Brücken zerstört, weshalb die Verfolgung aufgegeben wer­den mußte. Die Haupttruppenmacht der Alliierten kam am 24. August bei Mandschuli an. Semenow hielt eine Eisenbahn- krerczung 35 Meilen westlich von Mandschuli besetzt.

Haag. 3. Sept. Reuter meldet aus Peking: Semenow sagt in feinem Stabsbericht: Nach einer umzingelnden Bewegung

eroberten wir Cloviania. Vier Kanonen, einige Mafchinenge- wehre sowie Gefangene fielen uns in die Hand.

Vom 30. August meldet dieTimes" aus Wladiwostok: Der Feind ist vom Ussuri rm vollen Rückzug nach Chabarowsk. Eine plötzliche Flankenbewegung der Japaner führte zur Abschneidung der Eisenbah, und zur Eroberung zweier Panzerzuge. Der all­gemeine Vormarsch der Alliierten, unter denen sich auch die Ja­paner befinden, wurde heute ftüh von Sjmapowka aus begon­nen. An der Baikalstont zogen die Tschechen an der Ostseite des Vaikalsees nach dem Osten. Nach den letzten Berichten stehen sie bei Verkne Udinfk und machen die entschlossensten Anstreng­ungen, die Alliierten zu unterstützen.

Die Explosion in Odessa.

Wien, 3. Sept. (WB ) Das k. k. Telegraphenkorre- spondenz-Bureau teilt über die Explosion in Odessa mit:

Gestern um 3 Uhr 30 Minuten nachmittags explodierten in einem Vorort Odessas die ausgedehnten ehemaligen rus­sisch-rumänischen Munitionslager. Die Explosionen dauerten bis Mitternacht. Drei inmitten des Komplexes gelegene Fyroxilinmagazine wurden durch einen glücklichen Zufall verschont. Die Explosion dieser Magazine ^wäre für die ganze Stadt verhängnisvoll geworden. Die Zahl der Menschenverluste ist begrenzt. Die Rettungs. und Eindäm- mungsarbeiten wurden von österreichisch-ungarischen Trup­pen durchgeführt. Der Brand glimmt fort. Die große Zuckerfabrik Brodsky ist eingeäschert worden. In der ganzen Stadt sind die Fensterscheiben zertrümmert worden. Der Schaden geht in die Millionen. Die Magazine standen vor der Uebergabe an die ukrainischen und österreichisch- ungarischen Kommandanten. Die Ursache der Explosion ist unbekannt. Es wird Brandlegung vermutet.

MM dkg polmjchk» ßabiilklls?

Warschau, 3. Sept. (WB.) Die Warschauer Presse be­schäftigt sich mit der Möglichkeit eines Rücktritts des Ka- binetts Steczkewski. Unter den Kandidaten für den Posten des Premierministers werden genannt: der ehemalige

Ministerpräsident Kucharzewski, der aber die Annahme des Portefeuilles abgelehnt habe, Prinz James Radziwill, der Vizepräsident des Staatsrates Mikulowski-Pemerski und auch der Vertreter des Negentschaftsrates in Moskau Les- nicki.

Eine neue Cerilrede.

Haag, 3. Sept. Avr London wird gemeldet: Am 29. und 30. August hat in London eine Versammlung des interalliierten Seetransporttats stattgefunden. Es waren Vertteter Frank­reichs, Italiens, Amerikas und Englands zugegen. Lord Ce- c i l hat gestern am Schluß der Beratungen eine Rede gehalten, in der er eine Uebersicht über die Errungenschaften dieser Ver­sammlung gab,

Der Marinerat der Alliierten r^irdr im Dezember 19if gegründet, tn dem die verschiedenen Kommissionen der Alliier­ten, die sich mit Nahrungsmittelsragen beschäftigen, vertrete» sind. Ebenso haben wir einen Munitionsrat in Paris. Zn dem hiesigen Rat können wir den Schiffsraum so gut wie nur möglich verteilen. Cecil behauptete: Wir können das Volk ernähre, und werden imstande fein, dies weiter zu tun. Wir transpor- tieren unsere Heere über See. Dagegen sind die U-Voote schließ, lich machtlos.

Die Gefahr einks flmilidnildp Zuges.

Eksttabladet" (Kopenhagen) fuhrt am 27. August ans: Ebenso wie in anderen kriegführenden Ländern sind heute in den Vereinigten Staaten die Parteiunterschiede verschwunden. Republikaner und Demokraten arbeiten einig dem gleichen Ziele entgegen, und es scheint, als ob die Republikaner die Führung übernehmen wollen. Der amerikanische Wille, den Krieg bis zu ernenn Ziele durchzuführen, das den Vereinigten Staaten nicht Landgewinn sichert, aber die wirtfachftliche und moralische Kontrolle über Europa, ist durchaus vorhanden. Amerika will Deutschland seine Friedensbedingungen diktieren, und zwar in Berlin oder wieNew Pork Tribüne" schreibt, wenigstens auf der anderen Seite des Rheins. Aber selbst, wenn ein Sieg jenseits des Rheins in einer sehr nebelhaften und ungewissen Ferne liegt, wird Deutschland doch bereits jetzt einem Gegner gegenübergestellt, der zusammen mit den übrigen eine so über, wältigende llebermacht darstellt, daß man-verwundert darüber sein m.r.% wie verhältnismäßig schwache Spuren sie bisher an der Westfront hiitterlasseu konnte. Von Auflösung rm deub- scheu Heere ist nicht die Rede. Zm Gegenteil wird über kräftige Gegenangriffe berichtet. Weiß man nichts anderes von der fer. nen Zukunft, so doch, daß sie besttmmte Verbandsziele in sich schließt. Deutschland als enorm starke und gut organisierte Mi­litärmacht wird jahrelang aushatten können, was der Verband auch weiß. Da es jetzt ernstlich um Elsaß-Lothringen und di» Kolonien geht, muß man neue Anstrengungen voraussehen.

Das Oberkommando liegt wohl formell in Fochs und Haigs Händen. Aber in Wirklichkeit hat Amerika die Oberleitung, ° weil es wirffchaftlich, polittsch und militärisch die Westmächte gerettet hat, und weil seine Vorräte, nicht nur an Rednern und Agitatoren, sondern auch an Nahrung, Soldaten. Geld und Willen unerschöpflich sind. Die Amerikaner haben England und Frankreich erobert. Sie verfügen dort über ganze Städte, mäH. tige Industrieanlagen, eigenes Verkehrsnetz. Amerika will nichts von Frieden, sondern von Krieg hören Wenn der Friede ein- mal geschlossen wird, so wird Amerika sich von dem grünen Tisch lebenskräftiger denn je erheben. Aber wie wird dann Europa ausfehen?

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Von K. Oechler in Ilbeshausen (Vogelsberg.)

Als die Baumwolle und die daraus gefertigten Stoffe in früheren Jahren noch weniger bekannt waren, stand die Schaf­zucht in hoher Blüte. Durch die Baumwolle ist die Schafzucht und auch der Flachsbau zurückgedrängt worden. Die Baumwoll- ftoffe, namentlich der Hemdenflanell, wurde so billig herge­stellt und verkauft, daß es sich bei dem Bauernstand nicht mehr lohnte, wegen den hohen Arbeitslöhnen, sich die Kleiderstoffe aus Wolle und Flachs selbst herzustellen. Das war aber nicht allein die Ursache, weshalb die Schafzucht und der Flachsbau zurückgegangen lind, sondern auch der behördliche Druck war schuld daran, welcher auf beide Züchtungen ausgeübt wurde.

Was die Schafzucht anbelangt, so hatten wir in den Ge. birgsgegenden mssere alten einheimischen Schafe, welche de» Unbilden der Wttterung widerstanden, es mar das sog. Schmier- vieh. Bekamen sie Räude, dann beseittgte das Eußhorn des Schäfers diese Krankheit. Es mußten die Gemeinden diese ölten Schafe abschaffen und Reingut wurde einieführt. Auch diese wurden grindig, es wurden tierä'-ztliche Waschungen vor­genommen, welche mit großen Kosten verbunden waren. Manch­mal wurden auch die ganzen Herden abaeschafft und wieder durch andere ersetzt, so daß die Schashalter stets in Unkosten ver­setzt wurden und nickt auf ihre Rechnung kamen. Um sich nicht weiteren Scherereien auszusetzen, sahen sich die Gemeinden veran­laßt, die Schafzucht ganz aufzugeben. Jetzt, wo wir mit der Zufuhr vom Ausland mit Baumwolle abgeschnitten sind, sucht man die' Schafzucht der Wolle halber wieder zu fördern und zu heben. Zn vielen Gemeinden hat man nun durch die Not der Zeit gedrungen, wieder angefangen die Schafzircht einzuführen wo noch Weiden vorhanden sind. Von dem Merdeglände ist aber auch nicht viel mehr vorhanden, vielfach hat man dieses in W^ld angelegt und heute wäre man froh, wenn man es noch beweidsn könnte.

Aehnlich» verhalt es sich auch mit dem Flachsbau. Auch auf diesen wurde ein behördlicher Druck ausgeübt. Früher wurde der sog. Zohannisflachs (nur Johanni gesät) gebaut und dann in den Bächen und Flüssen geröstet. Wegen den paar Fischen, welche oft durch das Flachswasser zu Grunde gingen, wurde um den Feinschmeckern zu gefallen, das Rösten des Flachses in den Ge­wässern untersagt. Die Landwirte sehen sich deshalb auch hier genötigt, diesen Zweig der Landwirtschaft aufzugeben.

Daß es nun an den nötigen Rohstoffen zur Bekleidung fehlt, das haben wir den damaligen Gesetzgebern zu danken, welche die­sen beiden Zweigen der Landwirtschaft, Schafzucht und Flachsbau, zum Ruin verholfen haben. Heute ruft man nun behördlicherseits wieder den Landwirten zu: Züchtet Schafe und baut Flacks.

Eine große Anzahl Landwirte und auch geringere Leuts haben sich nun wieder Schafe angelegt wegen der Wolle zum nötigen Strumpfgarn, weil es fast keines mehr zu kaufen gibt oder wenn noch zu haben, ungeheure Preise dafür verlangt werden.

Auf einmal wird aber auf die Schafhalter wieder ein DmV ausgeübt. Vvr mir liegt einMerkblatt für Schashalter" unter­zeichnet von der Kriegsamtftelle Frankfurt a. M. Nach diesem Merkblatt sollen die Schafhalter ihre sämtliche Wolle an bekannt gegebene Finnen abliekern und nichts für sich bebalin. Dagegert