Ausgabe 
4.9.1918
 
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Nummer 207 Einjchreis & SB

Mittwoch, den 4. September 1918

11. JatzrsanH.

Ueue

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Minie läisfff Dijcheii Srerpr mii Aisise.

Anunlerlirochene Anstürme der Franzosen und Engländer. Deutsche Kemegungrn planmäßig vollzogen'

10 00V Tonnen versenkt. Der deutsche Kronprinz über die Lage.

Der deutsche Generaistak S fe= = meldet: .5

Dv. T. K. Gvotzes HaupIqrrartLev, drrr 3. §cpUmbcv Amtlich.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppen Kronprinz Nupprecht und

B o e h n.

Zwischen Ppern und La Bassöe erfolgreiche Infanterieg-:- sechte im Vorgelände unserer neuen Stellungen.

Zwischen Scarpe und Somme setzte der Engländer seine An­griffe fort. Südöstlich von Arras gelang es ihm durch Einsatz stark überlegener Kräfte, unsere Jnfanterielinien beiderseits der Chaussee ArrasCambrai einznstoßen. In der Line Etaing Ostrand Huryöstl. Eagnicourtnovdwestl. QueantNordrand Noreuil fingen wir den Stoß des Feindes auf. Mehrfache Ver­suche des Gegners, Über die Höhen von Dury und östlich Cagni- court gegen den Kanal weiter vorzudringen, scheiterten an dem Eingreifen unserer bereitstehenden Reserven. Beiderseits von Bapaume teilweise mit Panzerwagen, teilweise nach stärkster Artillerievorbereitung vorgetrvgene Angriffe des Feindes wurden abgewtefen. Nördlich der Somme haben wir nach heftigen Kämpfen die Hohen östlich von SaillyMoislaineAizecourt le HautOstrand Psronne gehalten.

Beiderseits der Bahn NesleHam schlug das in den letzten Kämpfen besonders bewährte Referve-Infanterie-Regiment Nr. 271 auch gestern wieder mehrfache Angriffe der Franzosen ab. Sonst zwischen Somme und Oise nur Artillerietätigkett.

Nach mehrstündiger stärkster Artillerievorbereitung griffen Franzosen, durch marokkanische und amerikanische Divisionen ver. stärkt, am Nachmittag zwischen Oise und Aisne an. Die aus der Ailette-Ntederung gegen Pierrmande und Folembray vor­brechenden Angriffe scheiterten in unserem Feuer. An einzelnen Stellen warf unser Gegenstoß den Gegner zurück. In den Wald­stücken westlich und siidlich von Coucy le Chateau drückte der Feind unsere vorderen Linien etwas von der Ailette ab. Zwischen Ailette und Aisne sind mehrfach wiederholte sehr starke Angriffe des Feindes gescheitert. Gardekürasfiere, Leibkurassiere und 8. Dragoner unter Führung ihres Kommandeurs Oberst­leutnant Graf Magnis haben mit dem gestrigen Tage seit ihrem Einsatz 16 schwere feindliche Angriffe abgewiesen und die ihnen anvertrauten Stellungen stets restlos behauptet.

*

Wir schossen gestern 13 feindliche Ballone und 55 Flugzeuge davon 36 auf dem Schlachtfelds von Arras ab. Hierbei brachte das Jagdgeschwader 3 unter Führung des Oberleutnants Lörzer 26 Flugzeuge zum Absturz. Oberleutnant Lörzer errang dabei feinen 35. Luftfieg.

Der Erste Gencralquartiermeistcr: Ludendorfs.

Abendbericht.

Berlin. 3. Sept abrnds. (WV Amtlich.) Zwischen Scarpe md Somme ruhiger Tag. Gestern nacht hier eingeleitete Be­wegungen haben sich plangemäß vollzogen. Beiderseits von Noycn wurden Teilangriffe der Franzcsen abgewiesen. Zwischen Ailette und Aisne haben sich am Abend neue Kämpfe entwickelt.

Der österreichische Generalstab »=_- meldet: - ,

Wien, 3 Cept. (WB.) Amtlich wird verlautbart:

Keine größeren Kampfhandlungen.

Der Chef des GeneralstabeS.

O 1"'"V .. . .

Der bulgarische Genera!stab

- meldet:

Sofia. 2. Sept. (WB. Nichtamtlich.) Eeneralstabsbericht.

Mazedonische Front: Westlich des Ochridasees zerstreuten

Dir feindliche Erkundungsabteilungen durch Feuer. Zwischen Ochrida- und Prespasee drang einer unserer Erkundungstrupps in feindliche Gräben ein, von wo er französische Gefangene, ein Maschinengewehr und anderes Kriegsgerät zurückbrachte. In Gegend Bitolia, an mehreren Stellen im Cernabogen und west­lich des Dopropolje war das Artilleriefeuer auf beiden Seiten

zeitweise lebhafter. Südlich Huma auf beiden Seiten mäßige Feuertätigkeit, die nur zeitweilig ziemlich heftig war. Nördlich der Ljumnitza drang eine unserer Angriffsabteilungen in feind­liche Gräben ein und nahm mehrere Griechen gefangen. Bei Altschak Mahle und westlich von diesem Dorfe wiesen unsere Posten mehrere feindliche Sturmabteilungen zuriick.

Die FronlimlMMg in flnnümt.

I Berlin, 2. Sept. (WB.) Die Stellungen, die die Deutschen

J vor der Gegenoffensive Fochs inne hatten, waren aus einer ab­gebrochenen Offensive entstanden. Sie waren nicht geeignet, um in ihnen eine nachhaltige, auf Kräfteersparnis hinzielende Verteidigung zu führen. Infolgedessen waren sie auch nicht ausgebaut. Von dem Augenblick an, wo die deutsche Führung sich entschlossen hat, zwischen Arras und Soissons durch eine groß­zügige und freiwillige Rückverlegung ihrer Linien den feind­lichen Plan eines doppelten Flügelangriffs zu stören, war die Aufgabe der in Flandern nach verbliebenen Offensiostellung, die durch die erfolgreiche Apriloffensive entstanden war, und als keilförmiger Vogen fh der Linie KemmelMeterenMerville nördlich Bethune verlief, die logische Folge der zwischen Scarpe und Oise durchgeführten Frontstreckung. Mit derselben sorg­samen Vorbereitung wie bisher wurde auch hier die Aufgabe dieses Abschnittes durchgeftihrt. durch die dem Feinde die- Mög­lichkeit eines umfassenen Angriffes an dieser Stelle entzogen wird. Die Räumung selbst blieb dem Feinde tagelang verbor­gen. Alles, was in diesem Gelände ihm irgendwie von Nutzen sein konnte, war in aller Ruhe zurückgeschafft worden. Selbst die zahlreichen Leitungsdrähte wurden abgebaut. während die Unterstände, wichtigen Verteidigungspunkte, Brunnen und Brücken nachhaltig zerstört wurden. Schwache zurückgelassene, mit zahlreichen Maschinengewehnn ausgerüstete Nachhuten

fugten den endlich folgenden Engländern, die sich oft im Verein mit den besten französischen Divisionen vergeblich um die Wie- dererobernng des Kemmel bemühten, schwere Verluste zu.

Die nächsten sechs Wochen . .?

Genf, 3. Sept. DerTemps" schreibt: General Foch ist

immer noch der Hoffnung, einen Winterfeldzug vermeiden zu können. In Albert versicherte Foch, die nächsten sechs Wochen würden die Entscheidung dieser Frage bringen.

Der Kronprinz über die Kage.

Berlin, 3. Sept. Der Berliner Vertreter der Bndapefter ZeitungAz Eft" veröffentlicht folgenden Bericht über eine Unterredung rnit dem deutschen Kronprinzen:

Das Anrennen der Feinde gegen unsere Front dauer't an," sagte der Kronprinz.Infolge elastischer Verteidigung wichen wir an mehreren Stellen der Front zurück, wie das beim Bewegungskrieg möglich ist. Diese Angriffe des Fein­des und das stelleMveise Zurückweichen unserer Front wird in den Kreisen der Bevölkerung vielfach falsch ausgelegt. Man ist bei uns zu sehr an fortwährendes Vordringen ge­wöhnt, und wenn einmal eine Schlacht kommt, in der der Feind angreift, und wir uns selbst verteidigen müssen, dann H.rd die Situation nicht immer recht verstanden. Bei der Beurteilung der Lage, sowohl der Kriegslage, als auch der politischen Lage, dürfen wir eines nie vergessen: Wir sichren einen Verteidigungskrieg. Das gilt sowohl von militärischem wie von politischem Gebiete. Der Krieg ist nur für den Feind ein Vernichtungskrieg, -für uns nicht: wir wollen keinen von unseren Gegnern vernichten, wir wollen uns aber behaupten. Wir sprechen offen vom Sieg. Das Wort Sieg darf nicht so verstanden werden, daß wir den Feind ver­nichten wollen, sondern nur so, daß wir uns behaupten und nicht unterkriegen lassen wollen. Von dem Augenblick an. da England in den Krieg eintrat, war mir das klar, und ich betonte es immer wieder."

Auf die Bemerkung des Berichterstatters, daß der Krorv- prinz im Auslande als Kriegshetzer gelte, antwortete dieser: Diese Anschuldigungen sind mir bekannt. Brauche ich daraus zu sagen, daß davon kein Wort wahr ist? Wenn Deutschland den Krieg hätte haben wollen, dann würden wir nicht diesen Augenblick ausgewählt haben. Für Deutsch­land wäre kein Augenblick ungünstiger gewesen als der da­malige. Es war klar, daß England die Gelegenheit benutzen würde. Belgien war doch nur ein Vorwand. England griff ein, weil die deutsche Konkurrenz unerträglich geworden war

und die Engländer einfach mehr arbeiten mußten als früher. Wir kämpfen für unser Leben, und ich wiederhole nochmals, daß unser Ziel deshalb kein anderes sein kann, als uns zu sichern."

Wovon erwarten Eure Kaiserliche Hoheit das Kriegs ende?" %

Davon, daß die Gegner einsehen werden, daß der kolossale Einsatz dem Gewinn nicht gleichwertig ist, daß sis nicht soviel gewinnen können, als sie dabei verlieren müssew Der feindliche Ansturm wird wohl noch einige Zeit dauern, dann aber miissen die Gegner selbst einsehen, daß sie ihr Ziel nicht werden erreichen können. Unsere Truppen kämpfen glänzend und in allererster Linie schreibe ich cs ihrer Tapfer­keit zu, daß eine so kolossale Uebermacht uns nicht erdrückt hat."

Und wie bewährt sich der Feind, Kaiserliche Hoheit?"

Die Franzosen kämpfen glänzend Und verbluten. Sie sparen nicht mit dem Menschen material und scheuen keine Opfer. Bei den Engländern ist der einzelne Mann auch sehr gut und zähe, aber die Führung versagt. Bei den Ame< rikanern habe ich festgestellt, daß sie größtenteils nicht wissen, wofür sie kämpfen. Ich fragte einen gefangenen Amerikaner wofür sie kämpfen. Er antwortete: Für Elsaß. Und aus die Frage, was Elsaß sei, gab der Amerikaner zur Antwort: Elsaß sei ein großer See. Aber den Einsatz der Afrikaner fühlen wir natürlich An Material haben sie sehr viel ge­liefert, und jetzt liefern sie auch sehr viel Menfchrnmateriab*

Ein iicutralfö Arial über die läge.

Basel, 3. Sept. In seiner heutigen Besprechung der tttifl. tärifchen Lage im Westen kommt der militärische Mitarbeiter derBaseler Nachrichten", Oberst E g l i, zu folgendem Schluß:

In Flandern war die weitere Verkürzung der deutschen Front nach der Zurücknahme östlich des Waldes von Nieppe zu erwarten. Sie ist nun durch die Räumung der Höhen bei Bail- leul und des^ Kemmelberges erfolgt. Noch kann nicht erkannt werden, wo sich die neuen deutschen Stellungen befinden, doch ist anzunehmen, daß es ungefähr die alten Linien fein werden. Auch dieser Rückzug darf nur als die folgerichtige Durchführung der Entschließung der deutschen Obersten Heeresleitung ange. sehen werden. Noch ist die allgemeine Rückzugsbewegung der Deutschen zwischen Ppern und Aisne nicht zu Ende, aber es läßt sich ttotz des stellenweise starken Widerstandes doch erken­nen, daß schon eine bedeutende Zahl von Divisionen zurückge­nommen und für andere Verwendung frei geworden sind. Außer­dem beweist aber auch die Langsamkeit des Vorrückens der Alli­ierten, daß die deutschen Truppen durch die Ereignisse keines-- wegs so erschüttert sind, wie manche glauben wollen."

16 000 Tonnen versenkt.

Berlin, 3. Sept. (WB. Amtlich.) Im Sperrgebiet int England wurden 16 000 Brutto-Register-Tonnen versenkt.

Der Chef des Admiralstabcs der Marine.

Die Kriegsereignisse der lehten Woche.

(Abgeschlossen am 29. August 1918.)

Auf dem westlichen Kriegsschauplatz wurde am 22. August ein tn Vorbereitung befindlicher Angriff der Engländer zwischen Moyenville und Miraumont durch unseren zuvorkommenden An­griffs stoß gestört, teilweise wurde der Feind sogar 2 Kilometer, zurückgeworfcn. Seine wiederholten Angriffe, die er an diesem Tage in Richtung Bapaume führte, scheiterten ebenfalls. Vor- übergehend gelang es dem Feind, über die Straße Albert^ Vraye vorzudringen, unsere Gegenangriffe warfen ihn in feind Ausgangsstellungen zurück. Vergeblich wurde das englische Ka^ valleriekorps nördlich von Braye gegen unsere Infanterie zur Attacke angesetzt, es wurde, ohne auch nur den geringsten Erfolg, zu erzielen, fast gänzlich vernichtet. Nach stärkstem Arttllerie- kampf begann am nächsten Tage der Feind zwischen Arras und- Chaulnes von neuem die Schlacht. Nördlich Bapaume wichess unsere Truppen befehlsgemäß kämpfend auf CroisillesSt. Leger <n 15 r vorübergehend gelang es dem Feind über Mory vorzu- dringen.

Infolge der befehlsgemaßen Zurücknahme unserer Linie« aus BehagniesPys zerschellten hier am Abend starke feind­liche Angriffe. Am Südteil der Cchlachtfront wurden am glei­chen Tage unsere Truppen hiitter die Ailette zurückgenomnien.^.