Verfemt.
Noman von A nny Wothe.
20) Nachdruck verboten
„Ach." sagte Hansi, und ihre lichtbraunen Augen strahlten sonnig auf. „Wie wird sich Aga freuen, Sie kennen zu lernen, und ich erst, ich bin ganz toll vor Freude. Hoffentlich bleiben °' IC ein wenig hier? Sie glauben gar nicht, wie still und einsam es hier ist, eigentlich zum Sterben. Aga meint aber, es wäre stimmungsvoll."
„Wohnen Sie hier auf cor Burg?"
„Bewahre, ich glaube, das dürfte ich noch nicht mal, wenn ich die Frau des Kommcmd an ton wäre, denn Frauenzimmer
werden hier auf dsr Burg nicht geduldet, wenigstens behauptet der alte Burgdiener, daß er feine Frau hat unten in der Stadt zurücklassen müssen. Nein, wir wohnen in dem hier angrenzenden Burghotel, das genau in den: Stil der Burg erbaut ist und gleichsam dazu gehört."
„Gefällt es Ihnen?"
„Ach ja, es ist nur zu einsam. Am Tage kommen ja viele Gaste herauf auf die Burg, aber wenn die Sonne sinkt, wird alles totenstill. Wir sind die einzigem Fremden hier oben und des Morgens, da ist es so still und feierlich wie in der Kirche. Finden Sie das schon, Herr Nielsen?"
„Ts ist wie ein Märchen hier." sagte Jen und legte einem Moment die Hand beschattend über die Augen, „mir ist's als träume ich."
„Wachen Sie lieber auf, dann will ich Ihnen zur Belohnung für meine Rettung auch den „Tugendpfad" zeigen. Wollen Sie mit?"
„Auf den Tugendpfad, natürlich," scherzte Jen und haschte nach der kleinen Hand, die sich ihm zur Führung entgegen- sttectte.
Jetzt stand Hansi vor einer schweren Eisentür in der Mauer still. Ein großer, alter verrosteter Schlüssel steckte im Schloß, den Hansi mit kräftigem Hand umdrehte und die schwere Tür öffnete.
„Den Schlüssel verdanke ich meinem alten Freunde, dem Burgdiener, der es für notwendig hält, daß ich alle Abende auf dem „Tugendpfad" wandele. Er meint, „det wäre der eenzige vernünftige Spazierjang um det olle Iemäuer."
„t)et .9)?ann hat Recht," sagte Jen tiefaufatmend, auf den kleinen Söller tretend, von dem eine ganz schmale Treppe tief herab auf einen engen Waldpfad führte, der sich in schwindelnder Hohe außerhalb der alten Burgmauer hinzog.
„Ist das nun nicht wirklich märchenhaft," fragte Jen. eiligst Hansi folgend, die blitzschnell die hohen Stufen herniederstieg und nun untenstehend zu ihm aufsah. „Sollte man es glauben'
gehen" kann^ ^ auibli(H ’ *> icr -in Menfchen-
Eignete Hansi, schelmisch zu ihm auflächelnd, „ein aus dem Tugendpfad wandeln, wie
W-Versicherung.
Die Versteigerung des der kotadt Friedbecg gehörigen Obstes wird an Ort und Stelle wie foltt vorgenommen:
Mittwoch, den 4. Sept. 1918. ooii vormittags 8 Ujc ab. von den Bäumen in der Stadtge- markung; Zusammenkunft am viereckigen Weiher.
Donnerstag, den 5 . Sept. 1913. von vorm ttags 8 Uhr ad, von
den Baumen in der Feldge markung' Zu-ammenkunft an der Ackerbau- schale.
Freitag, den 6 Sept. 1918, von vormittags 8 Uhr ab, von den Bäuinen der Gemarkung des Stadtteils Fauerbach; Zusammenkunft am Friedbergec Friedhof.
Die Verstei erung erfolgt unter folgenden Bedingungen: h Es werden nur Selbftver- brauch<r, die in der Stadt Friedoerg ihren dauernden Wohnsitz haben, zugelassen, r. Die Obstmenge, die der einzelne Verbraucher steigen Lals, beträgt für jedes ver- sorgungsberechtigie Mitglied der Haushaltung 2) Pfund. Mehr wie 4 Zentner dürfen von dem einzelnen Verbraucher für den Verbrauch im Haushalt nicht gesteigert werden. Der Nachweis ist durch die Lebensmittelkarte zu führen. Auf der Lebensmil elkarte ist durch den B.- amien, der die Versteigerung vornimmt, zu bemerken, welche Mengen der Verbraucher gesteigert hat. Alles in Zuwiderhandlung gegen diese Bestimmung gesteigertes Obit unterliegt oer Einziehung und fällt an die Laudesobststelle. Die Ein- .ziehung wird wirksam durch Zustellung des betreffenden .Bejchlusses. Die Abnahme des Obstes erfolgt ,ür die Lanoesobftstelle durch die Bezirksge,chäflsftetten der Landesodststelle, bezw. durch deren Au knufer.
L. Es wird nur mit Mark auf- geboten. Das Obst ist nach erfolgtem Zuschlag an Ort und Stelle alsbald zu be- zahlen, worauf gleich mit dem Einernten begonnen v werden kann.
kriedberg, den 2 . Sept. 1918.
Der VUraermeiste»
3. 93.: Damm.
nrtr zwei. Im übrigen soll eine schöne Prinzessin den Weg so getauft haben, denn er ist ohne Emde und ohne Anfang. Er mündet aus beiden Seiten in die Akauer der Burg, und wenn die Eiientür, durch die wir gekommen, verschlossen ist, so können wir nie wieder herunter, wir müssen dann ewig auf dem Tugendpfad bleibend
..Das wäre schön, zauberhaft schön," murmelte er und sah entzückt in das reizvolle Gesichtchen des jungen Mädchens, in dessen blonden Locken der Abendwind spielte.
„Was sagten Sie? Ach, Sie brauchen nicht zu fürchten, daß wir nicht wieder hier herauskommen. Mein alter Freund schließt nicht eher zu. als bis er weiß, daß ich zurück bin. Zuerst," plauderte Haust weiter, „da hatte ich immer Schwindelanfälle, wenn ich hier hinab in die Tiefe blickte, aber jetzt, da fiwde ich es herrlich, so über die Abgründe hinweg zu träumen in die blaue Ferne."
„In die blaue Ferne," wiederholte Jen träumerisch, Hansi folgend, die leichtfüßig vor ihm herschritt.
„Sehen Sie dort." sagte Hansi, über die duftigen Tannen hinwegdeutend, „da liegt das Glück."
„Rein, das Glück ist hier." rief Jen fast laut, „ich meine, es halten zu können. Die Welt da draußen, die Berge, von blauem Duft umgeben, die Wälder im Purpurscheine, sind tot und kalt gegen die Poesie, die mir zur Seite schreitet."
Hansi sah Jen etwas erstaunt und unsicher an.
„Sind Sie etwa auch ein Dichetr?" fragte sie schüchtern.
„Nein, mein gnädiges Fräulein, aber ich wünsche es heute zum ersten Male zu sein."
„Nicht wahr, es ist schön hier," lachte Hansi, „und denken Sie nur. das alles ist seit Wochen mein Reich. Keines Menschen Fuß verirrt sich hierher, nicht einmal Aga wandelt diesen Weg aber kommen Sie jetzt, ich will Sie noch zum „Minnegarten"' fuhren.
„Zum Minnegarten? Allmächtiger, dieses Kind bringt muh noch um mein bische-n Verstand," murmelte Jen vor sich
„Ich weiß gar nicht, was Sie immer reden." schmollte Hansi und zog ein Schnippchen. „Ich verstehe Sie gar nicht. Wollen wir fetzt gehen?"
f tumm und sie wandelten weiter den schmalen Pfad. Am Abhang ihnen zur Seite schossen lichtblaue Jrls- btuten auf schwanken Stielen empor, und große, weiße Sternblumen blühten im Moose. Jetzt hörte der Weg auf, und ein klemes vor wildem Grün überwuchertes Gärtchen, hart am ^elfsrchang. nahm die beiden auf. Eine alte, morsche Holzbanck stand am Wege, Efeu zog sich darüber hin, und unzählige Kletterrosen rankten sich an der Wartburgmauer empor.
„Wer auf dieser Bank ruht," sagte Hansi. sich in die eine Ecke
A""^end. ..der hat drei Liebesfragen an das Schrckfal frei. Wollen wir fragen?"
„Natürlich." sagte Jen. Hansi tief in die Augen sehend und ihrer Seite Platz nehmend
BeirantttmachttUst
^ Mit dem Ue bergang ins neue Erntejahr ist eins Nachprüfung der bisher gewährten Vrotzu- satzkacten für Schwerarbeiter unumgänglich notwendig.
An sämtliche Schwerarbeiter, denen daran gelegen ist, die timen bisher bewilligte Vrotzusatzkarte weiter zu empfangen, ergeht daher die Aufforderung, sich am Donnerstag, den 5. September und Freitrq. den 6 . September in den üblichen Ee'chäftsstunden auf Zimmer Nr. 9 des Stadthauses neu zu melden. Bei Nicht- anueldung kommt die Brotzulage mit der nächsten Kartenausgabe in Wegfall.
Die Erneuerung des Antrags, bei der die Lebensmittelkarte vorzulegen ist, soll möglichst persönlich geschehen, doch kann dies auch von anderer Seile erfolgen, vorausgesetzt, daß die betreffende Person zur Auskunitserteilung über Art der Arbeit. Arbeitszeit.
Arbeitsstätte usw. in der Lage ist.
Frledberg, den 29. August 1913.
Der Bürgermeister.
__ 3. V.: D a m m.
Sekannimachnng ™-°"g
Bekanntmachung
2 ?on Donnerstag, den 5.1). M. ab, beträgt der Verkaufspreis für
Kartoffel,,
bis zu 50 Pfund 10 Pfennig, über 59 Pfund 9^ Pfennig. Friedberg, den 2. Sept. 1913. Der Bürgern,elfter 2. V.: Damm.
Sfrslfete I
loiisii
“ 1?.’ rief Hansi lad-mk. „Passe» Ci- hübsch auf. Ich schließe die Augen und stelle die Fragen, während mein« Hand rückwärts eine Rose über meinem Haupte greift. Breche ich die Ros? so erfüllt stch mein Wunsch, knick ich einen Zweig so ist mein Hoffen vergebens." H
, '’ 3 ta f rt b'e>" rief Jen mit säst rauher Stimme, während ™ "T 1 LSch-ln auf den frischen Lippen die
^lugen schloß das blonde Koppchen tlef.zurücktehnte und den Arm hoch empor hob zu dem Rosengerank Wer ihrem Haupte War es nicht lächerlich, daß Jen, der starke Mann, zitterte wenn er auf das kindliche Weib an seiner Seite blickte daß es ihm war, als hinge fein Leben von den kindischen Schicksalsfragen der Kleinen ab? . 1
„ 2 ßir*> der, an den ich denke, immer bei mir sein?" kam es fast jubelnd übermütig von Hansis Lippen.
Ein grüner Zweig ohne Knospe entfiel Hansis Kinder- yanochen.
g. ”® 5 W ^uimn," sagte sie, aber sie wurde blaß bis in die
blas^Lch7ch-n°st-»eni ^ 3e "’ faf * ° nflrhWtI irt b “ 5
t:ss wn8< "' * -*■ S°r.
<r ^ o ® m Z"eig »oll halberblühter Rosenknospen fiel ihr in den
„Ein gutes Zeichen," scherz,e Jen und Saust, der langsam die Farbe wiederkehrte, hob zur dritten Frag« di« Sand.
,,^st echte Liebe ewig, kann ste vergehen?"
Voll erblühte Rosen gaben die Antwort, aber kein Lächeln sonnte das fuße Kindergeflchtchen. ein nachdenklicher, grüble- rrscher Zug beschattete dasselbe.
„Wollen Sie nicht auch fragen?" forschte sie. übermiitig^ ^ unausgesetzt betrachtet hatte, sagte jetzt fast „Ich stelle die gleichen Fragen."
klnd er hob die s-nd und er brach eine Rose. Und wieder hob er den Arm zu dem wilden Gerank empor und wieder gab
do 7 ft 7 °r MC Srntoott - 3115 « drittenmal
den R ffCl m 9MWl 2 w°'S. Wersäet von blühen.
r t^"^ nen Glück holder als mir," sagte Hansi träume-
„So rrehmen Sie die Glückskinder," entgegne,e Jen warm, unid reichte Honst die blühenden Zweige.
Lächelnd nahm sie die Rosen, ade-r es war etwas seltsam Versonnenes über Hansi gekommen. Als sie spater an Jens Hand, die rosa Rosen an der Brust, aus dem verwilderten Min-- negarten schritt, da war auch sie wie verzaubert. — ein uner. ttarttches Etwas, halb Wonne, halb Weh schnürte ihr die junge Brust zusammen, und als plötzlich von dem hohen Söller her- nieder Agas Stimme ihren Namen rief, da lief sie fast auf- jauchzend den schmalen Weg entlang und rief:'
Fortsetzung folgt.
3 U 8 neuem Material.
Friedberg:,
dem Rathause gegenüber.
Feldscheunen!
muien oie
f tupften, fiiituii.ln, Mn. |nln, fiiftir, Pinjli,
nirgends besser, nirgends billiger wie bei
lilalf fleclisteta*
Am nü.Miuul. 1 'ricjHier«; g. n. ä.ljulilr 1 »
r B'eSe?on Ulr. ^S§-.
am Ulatze!
Einem Ersuchen Er. Finanzamts Friedberg entsprechend mache ich Darauf ausmerksam. ?aß die den hiesigen Gewerbetreibenden dieser Tage zugestellten Anmeldeformulare zur Endlich -ng des Warenunisatzsteinpels e. Ä.ei- dung von Strn,e ,pät>? .en^ a»:
Mts. ‘org; .tI!i 3 a^sgü- füHt an das Finanzamt zurückgegeben werden müfstn.
Friedberg, den 2 . Sept. 1918.
Der Bürgerrneister.
2. V.: Da in in.
42 00
42.00
60.00
1\0J„ „ 30.00 18."0 „ ^ 30.00 2',00.. „ 30,00 sofort liefet bar.
Georg Gru ^bach, Frankiert ti. AI. ll.Vffellbilch a.M, Scheidswaldstr. 99 , Telefon Hansa 1179.
Friekdo^en, Lrieium- 5LdIü§e, poLtkitrten, I^ecdnungen, Rundschreiben, Formulare oder sonstige andere
Tapeten- und Linoteumhans
l@an Kögter, /Ä!;.
flut unteren in der Hanauer Straße errichteten Betrieb benötigen wir
Nabe des Rathauses.
Kekautttmachmrg
,-^^^durch bringe ich zur öffentlichen Keniitnls. daß die Höchftt preise für Verbrauchszucker im Kleinoerlauf vre folgenden sind:
Würfelzucker, das Pfd. 46 Pfg. Gemahlene-«.Kristall- Raffinade . das Pfo. 44
M°«? .... .. "
Cand.s . . „ 53 „
Friedberg, den 2. Sept. 1918. ®ev Bürgermeister 2. V.: D amm .
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